alternativtext=Portrait of Japanese Composer Malika Kishino|mini|Malika Kishino (2023) Malika Kishino (jap. , Kishino Marika, ; * 16. Juli 1971 in Sakyō-ku, Kyōto, Japan) ist eine japanische Komponistin.
Werdegang Malika Kishino wurde 1971 als Tochter des Vorstehers des Jōdo-shū-buddhistischen Tempels Senshu-ji in Kyōto geboren. Sie studierte zunächst Jura in Kyoto, wo sie 1994 diplomierte. Nach der Übersiedlung nach Paris 1995 begann sie ein Kompositionsstudium bei Yoshihisa Taira an der École Normale de Musique de Paris und schloss 1998 mit dem Diplôma supérieur ab. Von 1999 bis 2003 studierte sie bei Robert Pascal am Conservatoire National Supérieur de Musique et Danse (CNSMD) de Lyon und erhielt 2003 das Diplôme national d’études supérieures Musicales. 2004–05 absolvierte sie einen Jahreskurs am IRCAM Paris für Computermusik. Seit 2006 wohnt sie in Köln am Rhein.
Ihr wurden der Preis des 70. Japan Musik Wettbewerb (2001), der erste Preis des Concours de Groupe de recherche appliquée en musique électroacoustique (GRAME) und des Ensemble Orchestral Contemporain (EOC) in Lyon (2006) zugesprochen. Vielfache Aufführungen bei internationalen Festivals in Europa und Japan, wie dem La semaine de la composition de l’Orchestre National de Lyon, Takefu International New Music Festival (Japan), Music en scéne in Lyon, Festival d’Alicante, Musica Strasbourg, Klangaktionen München, Biennale Music en scéne 2008 des GRAME, Festival Ultima Oslo (2008), Klangwerkstatt Berlin, Festival Piano+ am ZKM Karlsruhe (2008) folgten ebenso wie Aufführungen bei dem Festival Ultraschall Berlin (2009, 2010), Présences, Festival de Création Musicale de Radio France (2008 und 2009). Sie war Stipendiatin des Experimentalstudios Freiburg (2007–09), des ZKM Karlsruhe (2008), der Akademie Schloss Solitude (2008/2009), des Künstlerhof Schreyahn (2011), des Gerard Oshita Fellowship (Djerassi resident artist in Kalifornien/USA, 2011) und erhielt ein Auslandsstipendium der Landesregierung Nordrhein-Westfalen (2010–11).
Musikalische Charakteristik
Der japanischen Tradition ist sie als allgemeinem kulturellen Hintergrund (wie dem Verhältnis von Aktion und Nicht-Aktion) verpflichtet, aber nicht in Bezugnahme auf japanische Musiktradition – selbst da nicht, wo sie die Koto oder andere japanische Instrumente verwendet. Ein großer Teil von Kishinos Kompositionen schließt die Verwendung von Elektronischer Musik oder Live-Elektronischer Verfahren ein. Darin ist zum einen eine Erweiterung der instrumentalen Mittel zum Zweck der Klangfarbentransformation (zwischen Elektronik und Akustik) und zum anderen die Suche nach neuen Ausdrucksmitteln zu sehen.
Als ästhetische Leitlinie von Kishinos Kompositionen ist die Erschaffung eines „Klangorganismus“ vorherrschend, der Vorstellung, dass eine Komposition – wie jedes organische Leben – einen Entwicklungsdauer, eine Eigenzeit und eine charakteristische Form (= Leben) hat. Die musikalischen Entwicklungen sind weniger von konstruktiv-systematischen Gesichtspunkten bestimmt, als von den entfesselten musikalischen Kräften, mit ihren jeweils innewohnenden Triebkräften. Zu den Kennzeichen der Instrumentation Kishinos zählt die Erweiterung des spieltechnischen Repertoires der Instrumente (oft noch ergänzt durch elektro-akustische Mittel) im vielfach abgestuften dynamischen Bereich. Stets (selbst bei solistischer Führung von Einzelinstrumenten) sind alle Instrumente zu einer Entwicklungslinie zusammengebunden.
Nicht selten verwendet Kishino Metaphern und synästhetische Übertragungen aus dem physikalischen, insbesondere optisch-visuellen Bereich – z. B. bezogen auf Licht-Reflexe oder andere optische Phänomene –, die den wahrnehmungsphysiologisch übergreifenden Ansatz der Komponistin unterstreichen.
Werke Vokalmusik Chor Satsuki (Mai) (2000) für gemischten Chor, zwei Trompeten, Posaune und zwei Schlagzeuger. Nach einem Gedicht von Murō Saisei. Lo mes d’abrièu s’es en anat (Der April ist vergangen) (2005) für zwölf Frauenstimmen, Kinderchor und elektronische Klänge. Nach einem Volkslied der Ardèche/Frankreich. Ichimai-Kishohmon (2011) für gemischten Chor, Stimmen von buddhistischer Priestern, Sho, Hichiriki, 20 Saiten-Koto, Schlagzeug, Streicher Trio. zum 800-jährigen Jubiläum von Hōnen-shohnin. Prayer / Inori (2011) für gemischten Chor. Nach einem Gedicht von Rabindranath Tagore. Dialogue Invisible (2012) für 9 Frauenstimmen. Nach einem Gedicht von Florence Delay. Chant (2015) für Chor und Orchester. Nach einem Gedicht von Rabindranath Tagore. Vokalmusik Battement (Schlag) (2003) für Bariton und Klavier. Nach einem Gedicht von Jacques Roubaud. Hila – Hila to… (2009) für Countertenor und sieben Musiker. Nach einem Haiku von Shiki Masaoka. Miraiken kara (Aus der Sphäre der Zukunft) (2012) für Noh-Stimme und Altflöte. Nach einem Gedicht von Kenji Miyazawa
Instrumentalmusik Danse automnale de feuilles vermeilles (1997) für Klavier Epure (1998–99) für Streichquartett Astral (2001) für Flöte, Gitarre, Klavier, Violine und Violoncello Du Firmament (2001–02) für Orchester Scintillation (2002) für Klavier und Cembalo. Nach vier Haiku von Shiki Masaoka. Danse du Zephyre (2002–03) für 17 Musiker Epanouissement (2003) für Violoncello Epanouissement II (2004) für Flöte und Harfe Himmelsleiter (2006) für Altflöte, Bass-Klarinette, Trompete, Klavier, Violine und Violoncello Seventeen Steps (2006) für Altflöte, Violine, Bass-Koto und Klavier Koi Hanètè… (2006) für Klavier. Nach einem Haiku von Shiki Masaoka. Himmelwärts / Vers le ciel (2006) für Flöte, Schlagzeug, Violine, Viola und Violoncello Himmelwärts II / Vers Le Ciel II (2007) für Flöte, Schlagzeug und sechzehn Streicher Erwachen (2007) für Großbass-Blockflöte, Bass-Koto und Schlagzeug Halo (2007) für zwei Klarinetten Fluxus ac Refluxus (2008) für Orchester, geteilt in 7 Gruppen Erwachen II (2008) für Bassflöte, Bass-Koto und Schlagzeug Aqua Vitae II (2010) für Altflöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Violine und Violoncello Vague des Passions (2010) für Marimbaphon und Vibraphon Monochromer Garten I (2011) für Akkordeon und Violoncello Monochromer Garten II (2011) für Bassklarinette, Baritonsaxophon und Posaune Monochromer Garten III (2011) für Pauken Monochromer Garten IV (2012) für 30-saitige Koto Monochromer Garten V (2012) für Koto Concerto pour Koto (2013) für Koto und Orchester Zur Tiefe (2013) für Orchester Lamento (2013) für zwei Violine. Nach einem Volkslied von Fukushima / Japan Himmelsleiter II (2006- rev.2013) für Altflöte, Bassklarinette, Trompete, Harfe, Violine und Violoncello Stratus – Altocumulus – Cirrus (2014) für Altflöte, Bassklarinette, Trompete, Harfe, Violine und Violoncello Lamento (2014) für Violine und Bratsche. Nach einem Volkslied von Fukushima / Japan Monochromer Garten VI (2015) für Bratsche, Vincent Royer gewidmet. Chant (2015) für Chor und Orchester. Nach einem Gedicht von Rabindranath Tagore. Heliodor (Geschenk der Sonne) (2015) für Posaune und Ensemble Monochromer Garten VII (2015) für Blockflöte und Schlagzeug
Werkzyklus „Monochromer Garten“ Monochromer Garten I (2011) für Akkordeon und Violoncello Monochromer Garten II (2011) für Bassklarinette, Baritonsaxophon und Posaune Monochromer Garten III (2011) für Pauken Monochromer Garten IV (2012) für 30-saitige Koto Monochromer Garten V (2012) für Koto Monochromer Garten VI (2015) für Bratsche, Vincent Royer gewidmet Monochromer Garten VII (2015) für Blockflöte und Schlagzeug
Instrumentalmusik mit Elektronik Irisation Aquatique (2002) für Bassklarinette, Klavier, Violoncello und elektronische Klänge Eclosion (2005) für Harfe und Neunkanal-Live-Elektronik Abstentia (2007) für Tänzer und Elektronik Lebensfunke (2007) für Große Trommel und Elektronik Rayons Crépusculaires (2007–08) für Große Trommel, großes Ensemble in drei Gruppen und Achtkanal-Live-Elektronik Aqua vitae (2008) für zwei Klaviere, zwei (Wasser-)Schlagzeuger und Achtkanal-Live-Elektronik Qualia (2009) für Bass-Koto und Zehnkanal-Live-Elektronik Lebensfunke II (2009) für Große Trommel und Achtkanal-Live-Elektronik
Weblinks
Homepage der Komponistin Verlag Edizioni Suvini-Zerboni Website der Agentur Tokyo Concerts Worldcat
Kategorie:Komponist klassischer Musik (21. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Rompreises Villa Massimo Kategorie:Komponist (Japan) Kategorie:Japaner Kategorie:Geboren 1971 Kategorie:Frau