Anhalt ist eine Region Mitteldeutschlands mit einer starken Verbindung zur Geschichte der Askanier. Als Beginn der eigenständigen historischen Entwicklung Anhalts wird eine Erbteilung dieses Adelsgeschlechts von 1212 betrachtet; jahrhundertelang regierten die Askanier in Anhalt mehrere Fürstentümer und später Herzogtümer. Das Herzogtum Anhalt entstand 1863 aus der Vereinigung der Herzogtümer. Das Gebiet war ab 1871 als Herzogtum und von 1918 bis 1945 als Freistaat Anhalt bzw. als Land Anhalt ein Gliedstaat des Deutschen Reiches. Erstmals war Anhalt zwischen 1947 und 1952 Teil des Landes Sachsen-Anhalt und ist seit der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 erneut zugehörig zum gleichnamigen neuen Bundesland. In der DDR gehörte das Gebiet Anhalts zu den Bezirken Halle und Magdeburg.

Geschichte Fürstentum Anhalt mini|links|Anhaltinus Ducatus im Jahr 1645 mini|links|Das Fürstentum Anhalt, Karte von Peter Schenk (1710) mini|Die anhaltischen Fürstentümer nach der ersten Teilung von 1252 mini|Die anhaltischen Fürstentümer 1747 bis 1793

Das Fürstentum Anhalt entwickelte sich seit 1212 aus einer Erbteilung des (viel später so genannten) Hauses der Askanier. Erstmals nachweisbar ist der Titel „Fürst von Anhalt“ 1218 bei Heinrich I. von Anhalt. Der Name „Anhalt“ geht auf die askanische Stammburg, Burg Anhalt bei Harzgerode, zurück. Für seine wohl erst in der Neuzeit auch das Land, seine Bewohner und ihre Identität erfassende Verbreitung war der an der Burg hängende Fürstentitel aber entscheidend. Der Name „Askanier“ wiederum rührt von der Residenz des Hauses in Aschersleben (lateinisch: Ascharia). Sie gab wiederum jener älteren Grafschaft Aschersleben ihren Namen, die bereits vom Sachsenspiegel als eines der sieben Fahnlehen Sachsens erwähnt wird. Das Fürstentum Anhalt wurde im Laufe der Zeit mehrfach durch Erbteilung zersplittert, unter anderem in Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen, Anhalt-Zerbst. Diese Namen verdanken sich späterer historischer Zuschreibung.

Erstmals wieder vereinigt wurde das Fürstentum Anhalt 1570. Bereits 1603 wurde es aber wieder in die Kleinstaaten Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen, Anhalt-Zerbst (und 1611 Anhalt-Plötzkau durch Teilung des Fürstentums Anhalt-Bernburg) aufgeteilt. 1665 übernahm die Anhalt-Plötzkauer Fürstenlinie nach Aussterben der Anhalt-Köthener deren Fürstentum. Das Anhalt-Plötzkauer Teilfürstentum fiel gleichzeitig an Anhalt-Bernburg zurück.

1797 wurde Anhalt-Zerbst nach Aussterben der Zerbster Fürstenlinie auf die anderen anhaltischen Fürstentümer aufgeteilt. 1806 erhielt Fürst von Anhalt-Bernburg vom letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Franz II., das Recht, sich „Herzog“ zu nennen, 1807 wurden die beiden verbleibenden Fürstentümer Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen von Napoleon I. zu Herzogtümern erhoben und traten am 18. April 1807 dem Rheinbund bei. Nach dem Ende der Befreiungskriege wurden sie als souveräne Kleinstaaten Mitglieder des Deutschen Bundes.

Herzogtum Anhalt 1863–1918 mini|Der Freistaat Anhalt

Nach dem Erlöschen der Linien in Köthen (1847) und Bernburg (1863) kam es zum Zusammenschluss der drei Herzogtümer zu einem vereinigten Herzogtum Anhalt mit Dessau als Hauptstadt. 1867 trat Anhalt als Bundesstaat dem unter preußischer Führung entstandenen Norddeutschen Bund und 1871 dem Deutschen Reich bei. Im Bundesrat in Berlin hatte es eine Stimme, wie auch vorher schon im Bundestag in Frankfurt am Main.Ralf Regener: Das Herzogtum Anhalt in der Zeit der Reichseinigungskriege (1864-1871) In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde 32 (2023), S. 257–271.

Freistaat Anhalt 1918–1934, seit 1934 Land Anhalt

Im Zuge der Novemberrevolution 1918 wurden auch in Anhalt Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Diese arbeiteten eher pragmatisch und stellten keine radikalen Forderungen. Am 12. November verkündete Prinzregent Aribert stellvertretend für den minderjährigen Herzog Joachim Ernst die Abdankung und den Thronverzicht für die regierende Familie der Askanier. Anhalt wurde zu einem Freistaat in der Weimarer Republik.Ralf Regener: Der Sturz der Askanier 1918 in Anhalt. In: Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Anhalts Weg ins „Zeitalter der Extreme“ 1871–1945. Halle (Saale) 2014, S. 29–49. Bei den Landtagswahlen im April 1932 wurde die NSDAP mit 15 Mandaten (6 Mandatsträger waren aus Dessau) stärkste Fraktion.

Anhalt nach 1945 miniatur|Der heutige Landkreis Anhalt-Bitterfeld im Vergleich zum historischen Herzogtum Anhalt Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum Zusammenschluss mit der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen zum Land Sachsen-Anhalt in der Sowjetischen Besatzungszone. Dieses Land hatte aber nur kurz Bestand: Bei der Verwaltungsreform von 1952 wurde das Land Sachsen-Anhalt aufgeteilt, und der ehemals anhaltische Teil gehörte danach zu den Bezirken Halle und Magdeburg in der DDR.

Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde das Land Sachsen-Anhalt in leicht veränderten Grenzen, unter Einschluss aller anhaltischen Gebiete, wieder errichtet. Im Zeitraum zwischen den Kreisreformen von 1994 und 2007 gab es einen Landkreis Anhalt-Zerbst, der seit 1. Juli 2007 zumindest teilweise in den neu gebildeten Landkreis Anhalt-Bitterfeld aufgegangen ist (teilweise im Landkreis Jerichower Land). Das Anhalt im Namen des Landkreises bezieht sich aber auf die Kreisstadt Köthen/Anhalt und die Stadt Zerbst/Anhalt; der historische Name „Anhalt“ lebt somit im Landes- und Kreis- und Stadtnamen weiter. Das Gebiet der Evangelischen Landeskirche Anhalts entspricht noch heute dem ehemaligen Herzogtum bzw. Freistaat.

„Anhalt“ befindet sich auch im Namen des Anhalter Bahnhofs in Berlin, der den nördlichen Endpunkt der Berlin-Anhaltischen Eisenbahnstrecke (Bahnstrecke Berlin–Halle) bildete und heute nur noch ein unterirdischer S-Bahnhof ist.

Wappen mini|Wappen von Anhalt Blasonierung: Das Wappen ist dreimal geteilt und zweimal gespalten mit Mittelschild im fünften Feld. In den Feldern: Herzschild (Feld 5): Gespalten, rechts in Silber ein am Spalt hervorbrechender roter Adler, links neunmal von Schwarz und Gold geteilt, belegt mit einem schrägen grünen Rautenkranz. (Stammwappen der Askanier und Kleines Staatswappen des Herzogtums Anhalt mit dem brandenburgischen Adler und dem sächsischen Rautenwappen) Feld 1: Neunmal von Schwarz und Gold geteilt. (Herzogtum Sachsen, Anspruchswappen) Feld 2: In Blau ein gekrönter goldener Adler. (Pfalzgrafschaft zu Sachsen, Anspruchswappen) Feld 3: In Silber drei rote Seeblätter (2:1). (Herzogtum Engern, Anspruchswappen) Feld 4: In Silber eine schräglinke rote Zinnenmauer mit geschlossenem goldenen Tor, darauf linksgewendet ein schwarzer Bär mit goldener Krone und silbernem Halsband schreitend. (Geschlecht der Beringer und Herzogtum Bernburg) Feld 6: Neunmal von Schwarz und Gold geteilt. (Herrschaft Ballenstedt im gleichnamigen Kreis) Feld 7: Zweimal gespalten und viermal geteilt von Schwarz und Silber. (Grafschaft Aschersleben bzw. Askanien) Feld 8: Geteilt und gespalten von Gold und Rot. (Waldersee (Adelsgeschlecht), umgedeutet zur Grafschaft Waldersee) Feld 9: In Blau zwei goldene Schräglinksbalken. (Angebliche Grafschaft Warmsdorf im Kreis Bernburg, die „Goschaft“ (Untergericht) Warmsdorf) Feld 10: In Blau ein linksgewendeter silberner Adler. (Grafschaft Mühlingen) Feld 11 Rot. Regalienfeld Feld 12: In Silber eine schräge rote Zinnenmauer mit offenem Tor, darauf rechtsgewendet ein schreitender, schwarzer Bär mit silbernem Halsband. (Herrschaft Bernburg) Normative Festlegung des Wappens in der Herzoglichen Wappenrolle von 1887.

Die Landesfarben waren Rot-Grün-Weiß, manchmal nur Grün-Weiß.

Politik Staatsoberhäupter Die Staatsoberhäupter waren bis zur Revolution 1918 die Herzöge von Anhalt (siehe auch: Askanier): 1863 bis 1871: Leopold IV. (* 1794, † 1871) 1871 bis 1904: Friedrich I. (* 1831, † 1904) 1904 bis 21. April 1918: Friedrich II. (* 1856, † 1918) 22. April bis 13. September 1918: Eduard (* 1861, † 1918) 14. September bis 12. November 1918: Joachim Ernst (* 1901, † 1947) unter Vormundschaft des Regenten Aribert

Staatsminister Vorsitzende des Herzoglich-Anhaltischen Staatsministeriums beziehungsweise Staatsminister waren:

1863 bis 1868: Karl Friedrich Ferdinand Sintenis (1804–1868) 1868 bis 1875: Alfred von Larisch (1819–1897) 1875 bis 1892: Anton von Krosigk (1820–1892) 1892 bis 1903: Kurt von Koseritz (1838–1916) 1903 bis 1909: Johann (Hans) Nikolaus Michael Louis von Dallwitz (1855–1919) 1910 bis 1918: Ernst von Laue 1918: Max Gutknecht (1876–1935)

Verwaltungsgliederung Anhalts bis 1932 mini|hochkant=2|Karte von Anhalt (1897) aus Meyers. Alle zu Anhalt gehörigen Gebiete sind schwarz umrandet.

Kreis Ballenstedt Kreis Bernburg Kreis Dessau Kreis Köthen Kreis Zerbst

Daten Landesfarben: rot - grün - weiß Bevölkerung: 193.046 (1864), 431.422 (1939) Städte: Ballenstedt, Gernrode, Gröbzig, Harzgerode, HoymBernburg (Saale), Güntersberge, Güsten, Hecklingen, Leopoldshall, Nienburg, Sandersleben Dessau, Radegast, Jeßnitz (Anhalt), Raguhn, Roßlau, Köthen, Zerbst, Coswig Exklaven: Großalsleben, Gödnitz, Groß- und Klein-Mühlingen, Dornburg, Tilkerode Preußische Enklaven: Löbnitz a. d. Linde, Repau, Pösigk, Priorau

1942 wurden die preußischen Gemeinden Löbnitz a. d. Linde, Repau, Pösigk, Schierau, Priorau, Möst und Goltewitz in das Land Anhalt eingegliedert sowie die Gemeinden Tilkerode, Unterwiederstedt und Wadendorf in die Provinz Sachsen des Landes Preußen ausgegliedert.

Bevölkerung und Fläche Entwicklung der Einwohnerzahl 75.523 Einwohner; 2299 km² (1871) 100.702 Einwohner; 2299 km² (1910) 351.045 Einwohner; 2299 km² (1925) 436.213 Einwohner; 2314 km² (Mai 1939)

Kreis Einwohner 1871Volkszählung 1871 Einwohner 1910Mitteilungen des Herzoglichen Anhaltischen Bureaus 1912 Nr. 50 der Veröffentlichungenstatistischebibliothek.de Ballenstedt 25.623 31.179 Bernburg 53.940 90.736 Dessau 45.353 94.854 Köthen 42.361 55.043 Zerbst 36.077 29.316

Größte Städte 1939 Dessau (mit Roßlau): 117.110 Einwohner Bernburg: 40.732 Einwohner Köthen: 32.037 Einwohner Zerbst: 22.149 Einwohner Coswig: 12.645 Einwohner Jeßnitz: 11.817 Einwohner Leopoldshall: 7.485 Einwohner Ballenstedt: 6.729 Einwohner Raguhn: 6.038 Einwohner Güsten: 5.997 Einwohner Nienburg: 5.961 Einwohner Hecklingen: 5.183 Einwohner Kochstedt: 5.173 Einwohner

Sonstiges Der Asteroid des Hauptgürtels (6120) Anhalt ist nach Anhalt benannt.

Literatur Johann Christoph Beckmann: Historie des Fürstenthums Anhalt. 2 Bde. Zimmermann, Zerbst 1710; Erg.-Bd. Accessiones. Zerbst 1716 (Neudruck: Dessau 1995, ) Jan Brademann: Der lange Weg nach Anhalt. Zur Genese eines Fürstentums vom 13. bis 16. Jahrhundert, in: Anhaltischer Heimatbund e. V. (Hg.), 800 Jahre Anhalt. Geschichte, Kultur, Perspektiven, Dößel 2012, ISBN 978-3-89923-296-7, S. 211–223. Walther Eggert: Anhaltisches Mosaik: Landschafts- und Kulturbilder aus dem ehemaligen Land Anhalt. Weidlich, Frankfurt am Main 1971, ISBN 3-8035-0555-0. Bernd Feicke (Hrsg.): 800 Jahre Anhalt 1212-2012 (= Harz-Zs. 64, Berlin u. Wernigerode 2012), ISBN 978-3-86732-137-2. Werner Freitag, Michael Hecht (Hrsg.): Die Fürsten von Anhalt. Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Halle (Saale) 2009, ISBN 978-3-89812-199-6. Otto von Heinemann: Codex diplomaticus Anhaltinus 6 Tle. 1867–1883. Johannes Jansson: Das Fürstentum Anhalt und das Erzbistum Magdeburg – 1647. (Historische Karte: Principatus Anhaldinus et Magdeburgensis Archiepiscopatu). (Neudruck: Rockstuhl, Bad Langensalza 2003, ISBN 3-932554-92-2). Wilhelm van Kempen: Schlösser und Herrensitze in Provinz Sachsen und in Anhalt. Weidlich, Frankfurt am Main 1961. Gottlieb Krause (Hrsg.): Urkunden, Aktenstücke und Briefe zur Geschichte der anhaltischen Lande. 7 Teile in 5 Bänden, Leipzig 1861–1866. Heinrich Lindner: Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt. Dessau 1833.