mini|hochkant=1.5|Das Plönlein mit dem Sieberstor (links) und dem Kobolzeller Tor (rechts), 2008

Rothenburg ob der Tauber () ist eine Große Kreisstadt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach in Bayern, die an der Grenze zu Baden-Württemberg liegt. Sie ist Teil der Metropolregion Nürnberg.

Mit der weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Altstadt ist Rothenburg eine weltbekannte Sehenswürdigkeit mit vielen Baudenkmälern und Kulturgütern. Herausragend an der Altstadt ist, dass sie sehr ursprünglich wirkt, da trotz der Kriegszerstörungen von 1945 und des schlichten, unauffälligen Wiederaufbaus praktisch keine modernistischen Brüche erkennbar sind. Der historische Stadtkern ist von einer begehbaren Stadtbefestigung umgeben und in die weitgehend unverbaute Landschaft des Flusstals der Tauber eingebettet. Es wird seit Jahrzehnten versucht, diese Ursprünglichkeit weitestgehend zu erhalten. Zudem ist Rothenburg für mehrere Museen bekannt, etwa das Kriminalmuseum, das RothenburgMuseum (bis 2019 Reichsstadtmuseum), das Handwerkerhaus und das Weihnachtsmuseum von Käthe Wohlfahrt. Zu den überregional bekannten Veranstaltungen gehören der Meistertrunk (Kulturerbe auf bayerischer seit 2014 und auf deutscher Liste seit 2016), die Reichsstadttage, der Weihnachtsmarkt und das Taubertal-Festival.

Von 1274 bis 1803 war Rothenburg eine Reichsstadt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Stadt an Bedeutung. Sie blieb zwar das Zentrum eines ausgedehnten Landgebiets und ein kultureller Mittelpunkt, entwickelte sich aber nur allmählich weiter, wodurch das alte Stadtbild überwiegend erhalten blieb. Im 19. Jahrhundert „versteinerte“ die Stadt nicht zuletzt wegen ihrer Grenzlage zu Württemberg. Ansätze zur Industrialisierung waren vorhanden, aber ein Eisenbahnanschluss fehlte bis 1881. Rothenburg galt bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als bedeutender Zielort des Tourismus in Deutschland. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde durch ein geschicktes, einmaliges Konzept des Wiederaufbaues der 1950er und 1960er Jahre die erhaltene Bausubstanz in der teils zerstörten östlichen Altstadt bewahrt, und man erfüllte damit sowohl die Ansprüche des Denkmalschutzes wie auch des modernen Wohnens. Von den 1885 etwa 950 vorhandenen Gebäuden innerhalb der Stadtmauern überstanden 592 den Krieg ohne Schäden und 52 mit teilweise erfolgter Zerstörung. Ein Besucher wird die nach 1945 entstandenen Gebäude, welche die erhaltene Bausubstanz mit einbezogen haben, erst auf den zweiten Blick erkennen, obwohl sie keineswegs romantisierend-kitschig wirken. Ab 1950 wurde die Stadt zu einem der Höhepunkte an der Romantischen Straße, der ersten Ferienstraße Deutschlands. Bis 1972 war sie kreisfrei und Sitz des gleichnamigen Landkreises. Stadt und Landkreis kamen dann zum Landkreis Ansbach und Rothenburg wurde zur Großen Kreisstadt mit gewissen Selbstverwaltungsrechten erhoben.

Geographie Geographische Lage mini|Luftbild der Altstadt von Rothenburg, 2005

Rothenburg ob der Tauber liegt etwa 80 km westlich von Nürnberg am Fluss Tauber und am Rand des Naturparks Frankenhöhe. In geologischer und geomorphologischer Hinsicht befindet sich der Trauf der Frankenhöhe östlich der Stadt.

Nachbargemeinden mini|hochkant=1.5|Tauberbrücke Rothenburg ob der Tauber

Die Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend): Steinsfeld Neusitz Gebsattel Insingen Rot am See (Baden-Württemberg) Blaufelden (Baden-Württemberg) Schrozberg (Baden-Württemberg) Creglingen (Baden-Württemberg)

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Rothenburg ob der Tauber hat 39 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bettenfeld, Leuzenbronn und Rothenburg ob der Tauber. Die Gemarkung Rothenburg ob der Tauber hat eine Fläche von 20,915 km² und ist in 7157 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2922,38 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Bronnenmühle, Detwang, Dürrenhof, Fuchsmühle, Haltenmühle, Hammerschmiede, Hansrödermühle, Herrenmühle, Hohbach, Kaiserstuhl, Langenmühle, Ludlesmühle, Lukasrödermühle, Obere Walkmühle, Sankt Leonhard, Schandhof, Schlößlein, Schmelzmühle, Schwarzenmühle, Siechenmühle, Steinbach, Steinmühle, Untere Walkmühle, Weißenmühle und Wildbad.

Geschichte mini|hochkant|Burgtor aus dem 12. Jahrhundert, ältester und größter Torturm mit Vorbauten aus dem 16. Jahrhundert

Bis zum 13. Jahrhundert mini|Blick von Süden auf den Burgstall Essigkrug (Vordergrund Mitte) und den Burggarten (Mittelgrund links)

Die Grafen von Comburg-Rothenburg errichteten westlich neben dem heutigen Spitalhof auf einem Bergsporn mit dem Namen Essigkrug eine inzwischen abgegangene Burg (die Comburg liegt bei Schwäbisch Hall; die dortigen Grafen waren im 11. und frühen 12. Jahrhundert sehr einflussreich). Die erste Erwähnung eines Grafen von Rothenburg findet im 11. Jahrhundert statt. Ältere Überlieferungen sind sagenhaft und falsch. Graf Heinrich von Rothenburg, das letzte Mitglied dieser im Jahre 1116 ausgestorbenen Adelsfamilie, vermachte die Burg dem von seiner Familie gegründeten Kloster Comburg.

König Konrad III. erwarb 1142 von den Neumünster-Kanonikern in Würzburg die Ortschaft Detwang. Zu dieser gehörte der nordwestlich der heutigen Stadt gelegene Bergsporn, auf dem der König auf der Fläche des heutigen Burggartens die Burg Rothenburg errichtete. Für 1150 ist ein Aufenthalt Konrads in Rothenburg nachgewiesen.MGH DD K III, Nr. 237. Neben dieser Burg oberhalb der Tauber entstand eine Siedlung, aus deren geographischer Lage sich der Namenszusatz ob der Tauber ableitet. Die Burg wurde möglicherweise durch ein Erdbeben um 1356 zerstört oder zumindest beschädigt. In der historischen Forschung herrscht diesbezüglich keine Einigkeit.

Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Siedlung neben der Burg langsam eine Stadt. Im Jahr 1172 erhielt sie Stadtrechte von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Er schuf mit weiteren Stadtgründungen wie Dinkelsbühl an der Ostgrenze seines Herzogtums Schwaben eine von Nord nach Süd reichende Städtereihe, welche das Herzogtum gegen das Eindringen von Feinden absicherte. Sofort nach der Stadterhebung begann der Bau der ersten Stadtmauer. Von diesem ersten Befestigungsring sind noch zwei Türme erhalten und zwar der Markusturm mit dem Röderbogen und der Weiße Turm etwas weiter nördlich. Rothenburg hatte schon einen Marktplatz, eine Kirche, ein Dominikanerinnen- und ein Franziskanerkloster. Bereits im Jahr 1204 wurde eine Stadterweiterung notwendig und die Bürger begannen mit dem Bau eines neuen Befestigungsringes, der bis heute existiert. Es entstanden unter anderem das Kobolzeller Tor, der Siebersturm, das Rödertor mit dem Röderturm und das Würzburger Tor. Die bebaubare Fläche vergrößerte sich um das Dreifache. Der Umfang der Wehrmauer verlängerte sich von 1.400 auf 2.400 Meter.Kurt Holstein: Rothenburger Stadtgeschichte, Rothenburg ob der Tauber 1963, S. 19f Am Anfang des 14. Jahrhunderts wurde auch noch das Spitalsviertel im Süden in das Stadtgebiet einbezogen. Der Umfang der Stadtmauer wuchs dadurch von 2.400 auf 3.360 MeterKurt Holstein: Rothenburger Stadtgeschichte, Rothenburg ob der Tauber 1963, S. 23.

Ministeriale und ehemalige Burgmannen der Stauferburg bildeten das Patriziat. Nur diese Gruppe war ursprünglich ratsfähig. Sie hatten ihre Häuser in der inneren Stadt in der Nähe des Marktplatzes, zum Beispiel in der Herrengasse. Handwerker lebten vor allem in den äußeren Stadtbezirken jenseits der ersten StadtmauerKurt Holstein: Rothenburger Stadtgeschichte, Rothenburg ob der Tauber 1963, S. 21.

Seit dem 13. Jahrhundert hatte der Deutsche Orden eine Niederlassung, die Kommende Rothenburg. An der Stelle der heutigen Jakobskirche stand bereits im 13. Jahrhundert eine kleinere Kirche.

Reichsstadt Die Erhebung von Rothenburg zur Freien Reichsstadt erfolgte am 15. Mai 1274 durch König Rudolf von Habsburg.

Im Hochmittelalter wurde Rothenburg zu einer bedeutenden Handelsstadt. Seine Kaufleute waren unter anderem in Italien und Prag aktiv. Außerdem setzte eine große Wallfahrt zur Heiligblut-Reliquie ein. Mit 5.000 bis 6.000 Einwohnern war Rothenburg eine der größeren Städte im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Davon waren etwa 10 %, also 500 Menschen, Juden (siehe unten).

Die Blüte der Stadt im 15. Jahrhundert ermöglichte die Errichtung größerer Bauwerke. Die St. Jakobskirche ist die größte Kirche Rothenburgs. Die gotische Basilika entstand zwischen 1311 und 1484. Zunächst war der Deutsche Orden Auftraggeber des Baues, aber im Laufe der Zeit wurde er vor allem von den Bürgern der Stadt finanziert. Der ältere Teil des Rathauses stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der 1505 abgebrannte vordere Teil war etwas jünger, wurde aber ebenfalls noch im Stil der Gotik errichtet. An seiner Stelle entstand zwischen 1572 und 1578 ein Trakt im Stil der Renaissance, der bis heute existiert.

Prominenteste Figur des Mittelalters war Heinrich Toppler (ca. 1350–1408), der – natürlich im Zusammenspiel mit seinen Kollegen aus dem städtischen Patriziat – mit seiner energischen Politik und seinen Landkäufen das Schicksal der Stadt weit über seinen umstrittenen Tod hinaus beeinflusst hat. Es wurde ein Städtebund mit Ulm, Nördlingen und Dinkelsbühl geschlossen. Toppler wurde 1408 offenbar nach einer Intrige hingerichtet.

Im 15. Jahrhundert war Rothenburg in zahlreiche Fehden mit umliegenden Rittern und anderen Städten verwickelt. Das Stadtarchiv verwahrt noch über 300 Fehdebriefe. In den Jahren 1406 und 1408 erfolgten Angriffe durch Neustädter. Erst im Jahr 1450 konnten nach langen Verhandlungen diese Fehden beigelegt werden.

Im Jahr 1455 kam es zu einem Aufstand der Handwerker. Die Ratsherren wurden für einige Zeit in das Rathausverlies geworfen und es wurden 12 Zünfte gebildet, die nun ebenfalls im Rat vertreten waren. Das Patriziat konnte jedoch nach einigen Jahren seinen verlorenen Einfluss wiedergewinnenKurt Holstein: Rothenburger Stadtgeschichte, Rothenburg ob der Tauber 1963, S. 41ff.

Im Jahre 1474 logierte der König von Dänemark, Norwegen und Schweden Christian I. eine Woche lang in einem Gasthaus am Markt (heute: Ratsstube).

Die jüdische Gemeinde Rothenburgs gehörte zu den damals in den deutschen Städten üblichen, keineswegs zu den ältesten in Deutschland, da Rothenburg eine eher jüngere, höchstens mittelalte Stadt war. Aus ihr ging der Rabbi Meir von Rothenburg (um 1220–1293) hervor. Während des Rintfleisch-Pogroms von 1298 wurde nahezu die ganze Gemeinde, ca. 450 Menschen, ermordet. Bald schon siedelten sich wieder Juden in der Stadt an. Die neu entstandene Gemeinde fiel im Pestjahr 1349 erneut einem Pogrom zum Opfer.alemannia-judaica Rothenburg ob der Tauber auf Alemannia Judaica Danach siedelten sich wieder Juden in Rothenburg an. Im Jahre 1520 erwirkte der Stadtprediger Johannes Teuschlein ihre endgültige Vertreibung. Das Vermögen der Gemeinde wurde eingezogen. Die Synagoge auf dem Kapellenplatz wurde umgewandelt in eine Kapelle „zur Reinen Maria“, die Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Erst im 19. Jahrhundert konnten sich abermals Juden in Rothenburg ansiedeln.Jüdisches Lexikon. Ausgabe 1927. Jüdischer Verlag, Berlin.

Um 1400 entstand am heutigen Brudergäßchen ein kleines Terziarenkloster. Das Kloster bestand bis 1541 und wurde 1579 abgebrochen. Von 1500 bis 1806 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis.