Rothenburg/Oberlausitz (amtlicher Name Rothenburg/O.L.; , ) ist eine Landstadt im Landkreis Görlitz im Nordosten des Freistaates Sachsen an der deutsch-polnischen Grenze. Dem Görlitzer Beispiel folgend nennt sie sich „östlichste Kleinstadt Deutschlands“ und „östlichstes Städtchen Deutschlands“.

Nordwestlich der Stadt liegt der Flugplatz Rothenburg/Görlitz, der in den 1950er-Jahren gebaut und von der NVA als Jagdflieger-Ausbildungsplatz genutzt wurde.

Geographie Die Stadt liegt im östlichen Teil des Landkreises Görlitz und im Nordosten der Oberlausitz im Tal der Lausitzer Neiße südlich der Muskauer Heide. Rothenburg ist von einer stark land- und forstwirtschaftlich geprägten Heidelandschaft umgeben.

Geschichte Die Stadt wurde 1268CDLS I: LVIII (S. 92–95), hier: Rotenberg auf S. 93, Z. 17. erstmals in einer Urkunde des Markgrafen Otto von Brandenburg als Rotenberg erwähnt, 1305 aber als Rothenburch (der zweite Namensteil wechselte auch in späteren Belegen öfter).Rothenburg/O.L. In: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Hrsg. Ernst Eichler, Hans Walther. Band I: M–Z., Berlin 2001. S. 313. Die Gründung lag wahrscheinlich am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Die Entwicklung war geprägt von Handwerk und Landwirtschaft in einem wirtschaftlich eher kargen Umland. Über die Stadt gingen insgesamt 13 verheerende Stadtbrände hinweg. Beherrschend für die Stadt und ihre Entwicklung war die ansässige Familie von Martin, der ein Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen um Rothenburg gehörte.

Die Stadt hat bis heute 14 Stadtbrände zu verzeichnen, u. a. der erste Brand im Jahr 1427 oder auch in den Jahren 1798 und 1805, die jeweils zahlreiche Gebäude im Stadtkern komplett zerstörten. Bei dem großen Stadtbrand am 21. Juli 1798 brannte neben den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses und fast allen anderen Gebäuden in der Stadt auch die Stadtkirche nieder. Nach diesem Brand fand man bei Räumungsarbeiten im Fundament der Kirche einen großen Stein, der mit einem Kreuz verziert war sowie drei nebeneinander stehende Striche. Es wird vermutet, dass diese die Jahreszahl 1000 wiedergeben sollen, sodass dieser Stein der Grundstein einer der ältesten Kirchen in Deutschland wäre. Auf einem weiteren Grundstein im Kirchturm ist auch die Zahl 1313 zu lesen, die eine Existenz der einer Kirche an dieser Stelle nachweist.

Noch bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde in Rothenburg auch Sorbisch gesprochen, obwohl es wohl nach der Reformation keine sorbischen Gottesdienste mehr gab. Ein erst 1931 abgebrochenes Kirchlein am Friedhof trug jedoch im Volksmund bis in die neueste Zeit den Namen „Wendenkapelle“.Frido Mětšk: Zur Frage der deutsch-sorbischen Sprachgrenzen des 16. Jahrhunderts im Markgraftum Oberlausitz und im Amte Stolpen. In: Lětopis, Reihe B, Nr. 7 (1960), Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin 1960, S. 83–132.

Der Prager Frieden von 1635 brachte die Ober- und Niederlausitz in das Kurfürstentum Sachsen ein, sodass auch Rothenburg Teil des Kurfürstentums wurde.

Die Stadt fiel 1815 gemäß den Beschlüssen des Wiener Kongresses an Preußen, da sich die europäischen Großmächte auf eine Teilung des Königreiches Sachsen einigten, wobei der Nordosten der Oberlausitz zur preußischen Provinz Schlesien kam. Mit der preußischen Verwaltungsreform wurde sie Kreisstadt des Landkreises Rothenburg (Ob. Laus.), der einer der flächengrößten Kreise Preußens und später Deutschlands war. Der Landkreis und damit auch die Stadt selbst waren damit Teil des Regierungsbezirkes Liegnitz in der preußischen Provinz Schlesien.

Im Jahre 1856 gründete sich die Große Vereins-Sterbekasse zu Rothenburg O.-L.. Damit war in Rothenburg eine der ersten Versicherungen Preußens entstanden, die zahlreiche Mitglieder im Landkreis zählte. 1860 wurde Hermann Clemens von Jähnichen von der königlich preußischen Regierung zur Verwaltung einer Agentur für die Geschäfte der Cölnischen Feuer-Versicherungs-Gesellschaft „Colonia“ die Konzession erteilt; desgleichen für die Lebens- und Hagelversicherung. Um 1908 war die Versicherung so stark gewachsen, dass der Sitz der Versicherung nach Görlitz verlegt wurde. Die Rechtsnachfolgerin Rothenburger Versicherungs-Anstalt in Görlitz a.G. residierte in einem von dem Architekten Gerhard Röhr neu errichteten Gebäude in der Brückenstraße in Görlitz. Das Gebäude gehört seit dem Jahre 1992 zum Campus der Hochschule Zittau/Görlitz. Die Rothenburger Versicherungs-Anstalt a.G. ist nach diversen Übernahmen in den Versicherungskonzern AXA übergegangen.

Im Jahr 1882 wurde die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Rothenburg gegründet. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden von Pferden gezogene Löschkutschen in den Einsatz geschickt. Erst im Jahr 1948 kam mit dem noch heute existierenden Magirus Modell „M27“, Baujahr 1931, das erste selbstfahrende Löschfahrzeug in die Stadt.

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die noch heute bedeutenden diakonischen Einrichtungen Martinshof (bis 1941 Zoar) und das Martin-Ulbrich-Haus (Orthopädische Klinik, früher Schlesisches Krüppelheim). Das Tormersdorfer Gelände des Martinshofs auf der anderen Neißeseite wurde 1941 beschlagnahmt und zum Sammel- und Arbeitslager Tormersdorf für Juden aus dem Görlitzer und Breslauer Raum umgebaut, bevor diese zur Massenhinrichtung in den Osten deportiert wurden.

Zur Verteidigung der Ostfront traf, aus dem Elsass kommend, am 18. Februar 1945 die 21. Panzerdivision unter Führung des Kommandeurs General Werner Marcks in Rothenburg ein. Infolge der Niederschlesischen Operation rückten die russischen Truppenverbände immer weiter vor. Als sie am 19. Februar 1945 am Ortsrand von Tormersdorf standen, entschied sich der dem Stadtkommandanten Oberstleutnant Fritz Noebel zur Seite gestellten Ordonnanzoffizier Leutnant Goldmann dazu, die Brücke nach Tormersdorf am 20. Februar 1945 zu sprengen, da mit dem Brückenübergang der russischen Truppen zu rechnen war. mini|Marktplatz in Rothenburg um 1850 mini|Tormersdorfer Brücke – gesprengt durch die Wehrmacht am 20. Februar 1945Ab Februar 1945 bildete die 2. Polnische Armee während des Neißeübertritts bei Rothenburg mehrmals einen Brückenkopf. Die ebenfalls eingesetzte Panzer-Grenadier-Division „Brandenburg“ musste am 16. April 1945 die Verteidigung der Stadt Rothenburg nach langandauernden Kämpfen aufgeben und zog sich nach Westen in Richtung Bautzen zurück. Durch die Gefechte wurde Rothenburg schwer beschädigt und Tormersdorf zerstört.

Wegen seiner Randlage an der deutschen Außengrenze infolge der Potsdamer Beschlüsse verlor Rothenburg noch im Jahr 1945 den Kreissitz an die wesentlich größere Stadt Weißwasser/Oberlausitz, der Kreisname änderte sich entsprechend in Landkreis Weißwasser. Nach dem Zusammenschluss mit dem westlichen Teil des alten Landkreises Görlitz zum Landkreis Weißwasser-Görlitz wurde Niesky 1947 dessen Kreisstadt. Im Rahmen der Verwaltungsreform von 1952 kam es zur Neubildung von Kreisen und Bezirken, Rothenburg lag nun im Kreis Niesky (Bezirk Dresden).

In den 1960er-Jahren wurde der Notlandeplatz der früheren Luftwaffe zu einem Jagdfliegerausbildungsplatz der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee ausgebaut. Durch den Zuzug der Soldatenfamilien wuchs die Einwohnerzahl stark an. Das Ausbildungsgeschwader musste 1990, allein schon wegen der Lage innerhalb des 30 km großen Grenzkorridors zu Polen, geschlossen werden.

Am Flugplatz wurde im Jahr 1990 ein Rumpf mit der Seriennummer 011 des Prototyps des ersten in der DDR konstruierten Passagierflugzeuges der DDR, dem Modell 152, gefunden. Infolge des Absturzes beim Erprobungsflug eines Modells im Jahr 1959 bei Ottendorf-Okrilla wurden alle gebauten oder im Bau befindlichen 152 verschrottet, abgesehen von einigen Rümpfen. Der in Rothenburg gefundene Rumpf wurde in den 1960er-Jahren auf dem Gelände des NVA-Flugplatzes eingelagert und als Aufenthaltsraum der Piloten und als Lager genutzt. Der Rumpf wurde 1990 geborgen, rekonstruiert und steht nun in einer Halle am Flughafen Dresden-Klotzsche.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1993 verübte die Terrorgruppe Revolutionäre Zellen (RZ) einen Brandanschlag auf die in der Nähe des Flugplatzes stationierten Fahrzeuge des Bundesgrenzschutzes (BGS). Mitglieder der RZ bekannten sich auch zu einem Anschlag auf den BGS in Frankfurt/Oder zu der Tat in einem Bekennerschreiben.

Seit 1995 hat die Fachhochschule für Polizei des Freistaats Sachsen hier ihren Sitz. Nach langen Bestrebungen wurde am 27. Oktober 2025 im Beisein des Ministerpräsidenten Michael Kretschmer der Stadt Rothenburg der Stadttitel „Hochschulstadt“ vom sächsischen Innenminister Armin Schuster verliehen.

Schloss Rothenburg Bereits im Jahre 1361 wurde erstmals ein Herrensitz derer von Rothenburg und später, zum Rittergut erhoben, im Jahre 1586 erwähnt. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging es an die Familie von Nostitz, über. Kaspar von Nostitz gilt als Protoplast der Rothenburger Linie derer von Nostitz. Weitere Besitzer waren ab 1607 die Herren von Rechenberg. Im Jahre 1620 erwarb Christoph Friedrich von Salza das Rittergut und erweiterte den Besitz seiner Familie. Im Jahre 1686 kam Rothenburg mit Zubehör in den Besitz des Hanns Heinrich II. Grafen von Hohberg auf Fürstenstein, der 1691 das eigenständige Gut Noes dazu kaufte. Im Laufe der Jahre wechselten häufig die Besitzer vom Gut Rothenburg.

Ab 1764 war Karl Andreas von Meyer zu Knonow, Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, als Besitzer bekannt, der Rothenburg erwarb und im Jahre 1785 an Johann von Eicke und Polwitz verkaufte. Dieser investierte viel in das Schloss und die Stadt und verkaufte wiederum im Jahre 1790 an Friedrich Aloysius Grafen von Brühl, Freiherr zu Forsta und Pförten, einem Mitglied der sächsisch-thüringischen Adelsfamilie von Brühl. Er war der war der älteste Sohn des bekannten Sächsischen Ministers Heinrich von Brühl. Er galt als sehr weltbewandert und freundlich, was auch auf seine gute Erziehung zurückzuführen ist. Zu Lebzeiten vereinigte er das nördlich gelegene Gut Noes mit der Stadt Rothenburg. Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe Josepha Gräfin von Schaffgotsch die Güter im Jahre 1796 an den Görlitzer Tuchhändler Christian Friedrich von Schrickel, der den Stadtbrand am 21. Juli 1798 miterlebte. Bei diesem Brand wurden auch die Wirtschaftsgebäude des Schlosses zerstört. Im Jahre 1804 verkaufte er die Güter und zog nach Görlitz. Es folgten nun zahlreiche Eigentumswechsel.

Die Bautätigkeit ist dem Friedrich Johann August Erdmann von Kutzschenbach zuzuschreiben, der das Gut am 27. Juli 1806 von Ernst Heinrich Graf von Hagen, Kurfürstlich Sächsischer Geheimrat und Appellationsgerichtsvizepräsident, erwarb und ein neues Schloss errichten ließ. Nach einem Eigentumswechsel an Friedrich Heinrich Ernst Körber, der neue Wirtschaftsgebäude errichtete, ging das Gut nach seinem Tod zunächst an dessen Erben, bevor es im Jahr 1840 Freiherr Wigand Adolph von Gersdorff, Königlich Preußischer Kammerherr, aus einem Zwangsversteigerungsverfahren heraus erwarb und weitere Bauarbeiten veranlasste. Er baute das Schloss im Inneren geschmackvoll aus, legte eine amerikanische Mühle an, ließ das Neißewehr neu errichten, und legte am Mühlgraben Rieselwiesen an.

Nach ihm befand sich Schloss Rothenburg ab 1857 im Besitz von Otto und Gustav von Gersdorff und ab 1870 im Besitz von Rudolph Hermann Schade. Im Jahre 1880 erwarb der deutsch-chilenische Unternehmer Friedrich Martin das Schloss Rothenburg. 1945 erfolgte die Enteignung von dessen Sohn Hans von Martin. Das Schloss wurde mitsamt seinen Wirtschaftsgebäuden zwischen 1946 und 1952 abgerissen.