mini|hochkant=1.4|Physische Geographie der Altmark und angrenzender Regionen mini|Lage des Altmarkkreises Salzwedel (westlicher Teil) und Landkreises Stendal (östlicher Teil) im Norden Sachsen-Anhalts (hier als inzwischen nicht mehr aktueller Bundeswahlkreis 67 der Bundestagswahl 2009) mini|Der Stendaler Roland mini|Der Arendsee

Die Altmark (plattdeutsch Ollmark) ist eine Region im Norden des Landes Sachsen-Anhalt. Die historische Kulturlandschaft erstreckt sich vom Drawehn im Nordwesten bis an die Elbe im Osten, grenzt im Süden an die Magdeburger Börde und im Norden an das Wendland. Der Name Altmark erschien erstmals 1304 – Antiqua Marchia (Alte Mark) – und bezieht sich auf ihre Bedeutung als westelbisches Ausgangsgebiet bei der Einrichtung der Mark Brandenburg. Darauf beziehen sich auch Charakterisierungen wie „Wiege Brandenburgs“ oder gar „Wiege Preußens“. Als Ganzes gehörte sie seit der Gründung der Mark Brandenburg zu dieser Markgrafschaft und dem daraus hervorgegangenen preußischen Staat. Die Altmark wird heute in den Altmarkkreis Salzwedel und den Landkreis Stendal untergliedert. Erst seit der Landkreis Stendal auch östlich der Elbe gelegene Gebiete umfasst, werden diese, historisch zu Jerichow und Prignitz gehörend, gelegentlich mit zur Altmark gezählt.

Naturräumliche Gliederung mini|Die Garbe in der nördlichen Altmark mini|Hellberge bei Klötze

Charakteristik Die Altmark umfasst den Norden Sachsen-Anhalts als Teil des Norddeutschen Tieflandes. Wichtige Gewässer sind die Flüsse Jeetze und Milde-Biese-Aland sowie der Arendsee. Im Südosten hat die Altmark Anteil an der Colbitz-Letzlinger Heide. Die Altmark als eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands besteht aus landwirtschaftlich geprägtem, aber auch naturnahem Tiefland mit Wäldern und Heide wie der Colbitz-Letzlinger Heide. Naturräumlich wird sie im Osten und Nordosten durch die Elbtalniederung und die Wische begrenzt. Im Südwesten befindet sich mit dem Drömling und der Ohreniederung eine recht markante Abgrenzung, der Übergang im Westen und Nordwesten zum Vorland der Lüneburger Heide ist dagegen kaum feststellbar. Höchste Erhebungen sind mit fast 160 Metern die Hellberge.

Die Bodendeckung zeichnet sich durch eine starke Verzahnung von Ackerland und Wäldern aus, wobei in den meisten Teilen das Ackerland überwiegt, zwischen Arendsee und Osterburg jedoch der Wald. In der zwecks militärischer Nutzung weitgehend entvölkerten Colbitz-Letzlinger Heide gibt es große zusammenhängende Waldflächen.

Entstehung Die Landschaft ist überwiegend in der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit, entstanden und gehört damit zum Altmoränenland. Lediglich kleine Gebiete östlich der Elbe wurden vom weichselzeitlichen Inlandeis erreicht und geprägt. Dort finden sich junge, weichselzeitliche Endmoränen (Kamernsche Berge). Weite Teile des Hauptgebietes westlich der Elbe werden hingegen von flachen bis flachwelligen Grundmoränenflächen eingenommen. Große Teile der tief liegenden Grundmoränen wurden von Urstromtalungen verschüttet und bilden nahezu tischebene Gebiete, die heute meist geringmächtig vermoort sind. Die heutigen eher kleinen Flüsse füllen die ausgedehnten Niederungen nur unvollkommen aus. Höhere Bereiche der alten Grundmoränen ragen als inselförmige Platten aus den Niederungen hervor (etwa der Kalbesche Werder). Von der Colbitz-Letzlinger Heide ausgehend zieht sich weiter in nordnordwestlicher Richtung ein saalezeitlicher Endmoränenzug. Dort befinden sich die höchsten Erhebungen der Altmark. Die Hellberge bei Zichtau erheben sich über 160 Meter über den Meeresspiegel, der „Pistolsche Berg“ bei Bonese . Besonders tief liegt die Elbeniederung im Osten und Nordosten der Altmark sowie die Jeetzeniederung nördlich von Salzwedel. Dort liegt das Niveau der Erdoberfläche unter 20 Meter NN. Die Altmark wurde periglazial und warmzeitlich im ausgehenden Saaleglazial, in der Eem-Warmzeit und in der Weichseleiszeit überprägt. In der Nacheiszeit kam es in den ausgedehnten Niederungen zu großflächigen, aber meistens geringmächtigen Vermoorungen.

Gewässer mini|Naturnaher Abschnitt des Aland bei Wanzer Bis zur Ausdehnung der Altmark nach Osten berührten Elbe und Havel die Altmark nur randlich, fließen jetzt aber durch die östliche Altmark. Daneben gibt es viele kleinere Fließgewässer. Die in der Altmark entspringenden Flüsse und Bäche des Jeetze-Purnitz-Systems im Westen, des Milde-Biese-Aland-Systems in der Mitte und des Uchte-Aland-Systems im Osten folgen der allgemeinen Abdachung nach Norden und entstammen den ersten beiden Randlagen des südlichen Landrückens.

Eine Besonderheit ist der Arendsee im Norden der Altmark, die ansonsten nur wenige natürliche Seen besitzt. Dieser wurde nicht von der Eiszeit geformt, sondern entstand nach der Lösung (Subrosion) und dem nachfolgenden Einbruch eines Salzstocks im Untergrund. Kleinere natürliche Seen wie der Kamernsche See finden sich vor allem entlang der Elbe und sind meistens Altläufe des Flusses.

Böden und Vegetation Charakteristisch für die Böden der Altmark ist ein kleinteiliger Wechsel von sandigen und lehmigen bodenbildenden Substrattypen. So schwankt die Ertragsfähigkeit der Böden zwischen sehr fruchtbar und extrem unfruchtbar. Auf den Sander- und Binnendünenflächen finden sich meistens Vergesellschaftungen von Regosol und Podsol. Auf den Endmoränen und Grundmoränenplatten sind vorwiegend Braunerden und Lessivés zu finden. In den Niederungen, vor allem im Nordosten der Altmark, der Wische, finden sich stau- und grundnässebeeinflusste Böden wie Gleye aber auch geringmächtige Moore. Die fruchtbarsten Böden der Altmark bildeten sich um Klötze innerhalb eines begrenzten Sandlössgebietes.

Auf den mittelfeuchten Moränenplatten ist als potentiell natürliche Vegetation der Eichen-Buchenwald dominant, auf sandigen Standorten stockt hingegen die Kiefer. Die aktuelle Landnutzung ist abwechslungsreich und besteht zu jeweils etwa einem Drittel aus Forsten, Wiesen und Ackerflächen.

Geschichte Den Nachweis, dass es im Umkreis der Altmark frühe Neandertaler gab, liefert der Faustkeil von Gerwisch, der 1957 bei Gerwisch im Landkreis Jerichower Land entdeckt wurde.

Frühgeschichte bis Spätmittelalter mini|hochkant=1.4|Mark Brandenburg unter den Askaniern (1320) mit der Altmark westlich der Mittelmark und der Neumark sowie südwestlich der Uckermark mini|Langobardenwerkstatt Zethlingen mini|Rathaus von Gardelegen mini|Fachwerkhäuser in Salzwedel mini|Backsteingotik in Tangermünde Deutliche Siedlungsspuren finden sich später als in den südlich angrenzenden Lößgebieten erst in der Kupfersteinzeit. Die Funde, darunter zahlreiche Großsteingräber, werden der Trichterbecherkultur zugerechnet, deren regionale Variante sich durch Tiefstichkeramik auszeichnet.

Das Gebiet gehörte während der vorrömischen Eisenzeit zur engeren Jastorf-Kultur. Am Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. entstanden in der Altmark größere Friedhöfe, was möglicherweise auf eine stärkere Zuwanderung von Gruppen schließen lässt. Auf jeden Fall scheint die Region kontinuierlich von elbgermanischen Gruppen besiedelt gewesen zu sein, unter denen die Langobarden hervortreten. In lokalen Quellen finden sich etliche Hinweise auf diese. Seit ca. 600 folgten die Zuwanderung von Sachsen im Nordwesten und von Slawen im Osten entlang der Jeetzel. Von Karl dem Großen wurde das Gebiet bei der Unterwerfung der Sachsen erobert und war seither Teil des fränkischen, dann des ostfränkischen Reiches. Kirchlich unterstand es den Bistümern Verden und Halberstadt.

Nach dem großen Slawenaufstand von 983 kontrollierten die Sachsen nur noch den westelbischen Teil der Nordmark, aus dem später die Altmark wurde. 1056 wurde dieser Rest der Nordmark dem Grafen von Stade Udo I. übertragen, dessen Nachkommen sich dann Udonen nannten. Nach deren Aussterben belehnte Kaiser Lothar III. 1134 den Askanier Albrecht I. mit dem Gebiet, das nun Ausgangspunkt für die Eroberung ostelbischer Gebiete wurde. Nach der endgültigen Einnahme von Brandenburg 1157 wurde die Nordmark Teil der Mark Brandenburg mit Albrecht I. als Markgrafen. Nach dem Aussterben der brandenburgischen Linie der Askanier gelangte die Mark Brandenburg und somit die Altmark von 1324 an unter die Herrschaft der Wittelsbacher und Luxemburger, die sich ab 1356 Kurfürsten nennen durften und mit Kaiser Karl IV. Tangermünde zur Nebenresidenz von Prag ausbauten. 1415 begann mit Kurfürst Friedrich I., nach fast einem Jahrhundert der Unruhen und Wirren in der Mark, die Herrschaft der Hohenzollern über das Kurfürstentum Brandenburg und die Altmark.

Neuzeit Die Altmark gehörte zur Kurmark, die den größten Teil der Mark Brandenburg ausmachte. Die Mark Brandenburg entwickelte sich zur Kernprovinz des im 18. Jahrhundert entstehenden preußischen Staates. Die Altmark war eine der vier „Provinzen“ der Kurmark und wurde in sechs von Landräten geführte Kreise unterteilt: der Stendalsche Kreis, der Tangermündesche Kreis, der Arneburgische Kreis, der Seehausensche Kreis, der Arendseeische Kreis und der Salzwedelsche Kreis. Nach der Niederlage Preußens in den napoleonischen Kriegen 1806 kam die Altmark zum Königreich Westphalen. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde sie der preußischen Provinz Sachsen zugeschlagen und in die Kreise Salzwedel, Gardelegen, Osterburg und Stendal untergliedert.

Im Frühjahr 1945 wurde die Altmark zum Endpunkt mehrerer Räumungstransporte und Todesmärsche aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern in Nord- und Mitteldeutschland. An sie erinnert heute die international wahrgenommene Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen in Gardelegen.

Nach Auflösung Preußens 1947 gehörte die Altmark dem Land Sachsen-Anhalt an, mit der Verwaltungsneugliederung in der DDR von 1952 bis 1990 zum Bezirk Magdeburg, seither wieder zu Sachsen-Anhalt.

Die Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt führte 1994 erstmals zu größeren Veränderungen in der Grenzziehung und zu einer Veränderung des Regionsbegriffs. So entschieden sich die ehemalige Stadt Oebisfelde und der Flecken Calvörde für einen Anschluss an den Ohrekreis. Sie orientieren sich seitdem in Richtung Region Magdeburg (Elbe-Börde-Heide). Beide Orte gehören aber historisch auch nicht zur Altmark. Oebisfelde lag bis 1807 im 3. Distrikt des Holzkreises des Herzogtums Magdeburg und wurde erst mit Bildung des Landkreises Gardelegen 1815 in diesen eingegliedert. Calvörde gehörte bis 1942 zum Herzogtum/Land Braunschweig und wurde erst dann in die Provinz Sachsen, das spätere Land Sachsen-Anhalt, eingegliedert.Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Provinz Sachsen, 2. Aufl. Stuttgart 1987, S. 68 (Calvörde) und S. 352 (Oebisfelde) Dagegen wurde der ostelbische Kreis Havelberg – erst 1952 aus Teilen des ehemaligen preußischen Landkreises Jerichow II und der Stadt Havelberg aus dem ehemaligen preußischen Landkreis Westprignitz gebildet – dem neuen Großkreis Stendal zugeteilt.

Die Altmark war von 2002 bis 2007 eine von 18 Regionen des Bundesmodell- und Demonstrationsvorhabens „Regionen Aktiv – Land gestaltet Zukunft“.

Geschichtsforschung Seit 1838 widmet sich der seit 1990 wieder in Salzwedel befindliche Altmärkische Verein für vaterländische Geschichte der Erforschung von Vorgeschichte und Geschichte der Altmark. Bedeutende Heimatforscher im 19. Jahrhundert waren der Gymnasialprofessor Johann Friedrich Danneil (1783–1868) und der Apotheker Theodor Zechlin (1818–1895). 1972 gründete der Lehrer Hartmut Bock aus Jübar die Arbeitsgemeinschaft „Junge Archäologen der Altmark e. V.“, die seither an die alten Vorbilder anknüpft.

Städte und wichtige Orte in der Altmark

Hansestädte mini|Wappen der altmärkischen Hansestädte am Rathaus Gardelegen