Sömmerda ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Thüringen. Die Stadt liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Erfurt, ist ein Mittelzentrum und war Standort der Elektroindustrie (Fujitsu Technology Solutions), deren Vorläufer die mechanischen Fabriken von Johann Nicolaus von Dreyse waren. Sie prägten die Stadt seit 1840 maßgeblich und sorgten für das Wachstum der ehemaligen unbedeutenden Ackerbürgerstadt zur Industriestadt.
Geografie Geografische Lage
Sömmerda liegt im flachen, fruchtbaren Thüringer Becken an der mittleren Unstrut. Die Umgebung wird intensiv landwirtschaftlich genutzt und ist waldarm. Das Klima ist außergewöhnlich trocken und relativ mild.
Auf der nordöstlich in der Gemarkung Tunzenhausen liegenden Fläche der ehemaligen Weißenburg fand man Ascheschichten, Keramikscherben, Knochen und Eisenreste. Die damalige Burg ist wohl schon aus der frühgeschichtlichen Zeit. Die Burg wurde aber erstmals 1211 mit der Belagerung der naheliegenden Runneburg in Weißensee genannt. Sie wurde zerstört und 1248 wieder aufgebaut. Drei den Hauptwällen weit vorgelagerte Gräben sind auf einem Luftbild noch erkennbar. Bogenförmige Wälle sicherten das Burggelände gen Norden zur höher gelegenen Ebene ab.Michael Köhler: Thüringer Burgen und unbefestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 270–271.
Die Königsburg, auch Schwedenschanze genannt, lag im Überschwemmungsgelände der Unstrut dicht westlich vor Altsömmerda, Tongefäße und Eisengeräte sowie Gräber wurden gefunden. Alle Funde stammen aus dem Mittelalter.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 162.
Nachbargemeinden Sömmerda grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, von Norden beginnend): Griefstedt, Büchel, Etzleben, An der Schmücke, Kölleda, Großneuhausen, Kleinneuhausen, Vogelsberg, Sprötau, Schloßvippach, Großrudestedt, Werningshausen, Wundersleben und Weißensee.
Stadtgliederung mini|350px|Stadtgliederung OrtsteilFläche(km²)EinwohnerSömmerda22,9115.760Frohndorf8,20427Leubingen14,491837Orlishausen10,55646Rohrborn3,47230Schallenburg6,53330Schillingstedt6,49214Stödten195Tunzenhausen6,69461Wenigensömmern7,82264Sömmerda (gesamt)80,7019.264
1 die hier angegebene Fläche Leubingens enthält die Stödtens
Stand: 07.04.2025
Geschichte mini|hochkant=3|Stadtansicht nach Merian um 1650 mini|Das Gebäude des Amtsgerichts mini|hochkant|Johann Nicolaus von Dreyse (1787–1867), Erfinder des Zündnadelgewehres. mini|hochkant|Katholische Franziskuskirche mini|hochkant|Petrikirche Anfänge bis 1945 Sömmerda wurde 876 erstmals urkundlich erwähnt. Um Verwechslungen mit nahe gelegenen Orten wie Mittelsömmern, Wenigensömmern oder Gangloffsömmern zu vermeiden, wurde die Stadt früher oftmals auch als Groß-Sömmerda bzw. Großensömmern bezeichnet. 918 überschrieb Konrad I. die Stadt dem Kloster Fulda. 1342 kam der Ort in den Besitz der Grafschaft Schwarzburg, die ihn 1418 an die Stadt Erfurt verkaufte, zu dessen Besitz es als Exklave bis 1802 gehörte, als es an Preußen kam. Etwa 1350 erhielt der Ort vermutlich das Stadtrecht, was aber nicht eindeutig belegt werden kann. Das 1395 erbaute Erfurter Tor und sechs Stadtmauertürme stellen die ältesten noch erhaltenen Bauwerke der Stadt dar. Die mittelalterliche Kleinstadt erstreckte sich in einem Streifen entlang der Unstrut mit zwei Siedlungskernen: der nördliche lag um den Marktplatz und der südliche um den Petriplatz. Die Stadtbefestigung bezog beide mit ein.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) sank die Einwohnerzahl der Stadt auf Grund von militärischen Aktivitäten, Plünderungen und Epidemien stark. Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit gehörte Sömmerda politisch zu Erfurt und damit zu Kurmainz. Nach der Niederlage der preußischen Armee in der Schlacht bei Jena und Auerstedt stand die Stadt unter napoleonischer Herrschaft (Fürstentum Erfurt), bevor sie 1813/14 wieder zurück an das Königreich Preußen kam, zu dem sie seit 1802 gehörte. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 begann man in Preußen mit der Schaffung von Landkreisen, wodurch die Stadt Sömmerda zum Landkreis Weißensee kam, dem sie dann bis 1952 angehörte.
Der in Sömmerda geborene Erfinder des Zündnadelgewehrs Johann Nicolaus Dreyse gründete 1817 zusammen mit dem Fabrikanten Kronbiegel die Metallwarenfabrik Dreyse & Collenbusch, die den Beginn der Industrialisierung in der Stadt markiert. 1840 kam es im Auftrag Dreyses zum Bau einer Gewehrfabrik und 1858 erfolgte die Gründung einer Handstrichziegelei, die sich zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der größten und modernsten Ziegeleien des Deutschen Reiches entwickelte. Die in Kölleda ansässige Saal-Unstrut-Eisenbahn-Gesellschaft (SUE) eröffnete im August 1874 die Bahnstrecke Straußfurt–Großheringen („Pfefferminzbahn“) und Sömmerda erhielt damit den Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Elektrifizierung folgte ab 1900. 1876 gründete Carl Böttner am Stadtring von Sömmerda eine Brauerei. Auf dem Gelände befand sich bis Anfang der 1970er Jahre noch eine Kartoffelflockenfabrik.
Die Munitions- und Waffenfabrik AG, Sömmerda, vorm. v. Dreyse wurde 1901 von der Rheinischen Metallwaaren- und Maschinenfabrik AG (Rheinmetall) in Düsseldorf übernommen. Mit dem großen Bedarf des Deutschen Heeres während des Ersten Weltkriegs stieg die Belegschaft auf 10.000 Beschäftigte an. Der Friedensvertrag von Versailles machte eine Umstellung auf zivile Produkte notwendig. Das Rheinmetall-Werk Sömmerda stellte nun feinmechanische Geräte wie Schreib- und Rechenmaschinen her. Am 24. März 1920 gingen im Rahmen des Kapp-Putschs Reichswehreinheiten gegen Arbeiter vor, die die Republik verteidigen wollten. Einige von ihnen – darunter der Tierarzt Kurt Neubert – wurden gefoltert und erschossen. Während der NS-Diktatur erfuhr der 1936 mit Borsig zu Rheinmetall-Borsig fusionierte Rüstungshersteller durch die Aufrüstung der Wehrmacht einen erneuten Aufschwung. Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Sömmerda bis zu 14.600 Menschen beschäftigt, davon rund 6.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die in zahlreichen Außenlagern des KZ Buchenwald in und um Sömmerda untergebracht wurden. Die Stadt blieb im Zweiten Weltkrieg unversehrt.
Ab 1945 Am 11. April 1945 wurde Sömmerda von US-amerikanischen Truppen besetzt. Am 1. Juli 1945 folgte die Rote Armee und ganz Thüringen wurde Teil der Sowjetischen Besatzungszone.
Nach der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 wuchs in Sömmerda über die folgenden Jahrzehnte die Beschäftigtenzahl der seit 1919 auch Büromaschinen herstellenden Werke stetig, infolgedessen stieg auch die Einwohnerzahl der Stadt stark an. Mit der Verwaltungsreform von 1952 wurde die Stadt Sitz des neugebildeten Kreises Sömmerda, der zum Bezirk Erfurt gehörte. Vorher hatte die Stadt zum Landkreis Weißensee gehört.
Sömmerda war einer der Schwerpunkte des Aufstands vom 17. Juni 1953 im Bezirk Erfurt. Aus Streiks in den Großbetrieben (besonders VEB Rheinmetall) entwickelten sich Demonstrationen auf dem Marktplatz mit 10.000 Teilnehmern. Die Bürger verlangten den Rücktritt der Regierung, freie Wahlen, die Beseitigung der innerdeutschen Grenze und sangen das Deutschlandlied. Die Ausrufung des Ausnahmezustands durch die sowjetische Besatzungsmacht beendete das Aufbegehren. 27 Aufständische, darunter das Streikkomitee, wurden verhaftet und hohe SED-Funktionäre abgesetzt, da sie sich der Situation nicht gewachsen gezeigt hätten. Hauptforderung der Streikenden im VEB Rheinmetall am 18. Juni war dann die Freilassung der Verhafteten. 300 Bauern verlangten auf einer Versammlung in Sömmerda am 17. Juni die Senkung des Abgabesolls, Rückgabe enteigneter Betriebe und freie Wahlen.Heinz Mestrup: Volksaufstand und Umsturz. In: Heinz Mestrup: Zur Geschichte des Bezirkes Erfurt (1952–1990) (= Thüringen. Blätter zur Landeskunde. 45, ). Landeszentrale für Politische Bildung Thüringen, Erfurt 2004, S. 6–8, (Digitalisat (PDF; 268 kB)).Der Schrei nach Freiheit. 17. Juni in Thüringen. Ausstellung der Stiftung Ettersberg im Thüringer Landtag in Erfurt im Juni 2012.Geheimer Bericht der Bezirksbehörde der Volkspolizei Erfurt vom 29. Juni 1953 über den 17. Juni.
1989 lag die Einwohnerzahl bei über 24.000. Nach der Wende wurden das Büromaschinenwerk und die Ziegelproduktion stillgelegt. Aus dem zu DDR-Zeiten gegründeten Elektrotechnik-Kombinat Robotron entwickelte sich das heute bestehende Computerfertigungswerk von Fujitsu Technology Solutions (bis 2008 unter dem Namen Fujitsu Siemens Computers).
2005 gewann Sömmerda eine Silbermedaille beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf.
Eingemeindungen Am 14. März 1974 erfolgte die Eingliederung von Wenigensömmern und Rohrborn. Am 6. Mai 1993 wurde Schallenburg eingemeindet, am 8. März 1994 folgten Frohndorf, Leubingen, Orlishausen, Tunzenhausen und Stödten, am 6. Juli 2018 folgte Schillingstedt.
Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 31. Dezember 1960): 1839 bis 1946 1839: 2.591 1890: 4.583 1905: 5.155 1910: 5.119 1933: 8.490 1939: 11.781 1946: 13.93211950 bis 1996 1950: 13.5682 1960: 13.811 1981: 22.821 1984: 23.455 1994: 24.902 1995: 24.454 1996: 23.8971997 bis 2003 1997: 23.403 1998: 22.861 1999: 22.397 2000: 21.977 2001: 21.585 2002: 21.348 2003: 21.1022004 bis 2010 2004: 21.010 2005: 20.770 2006: 20.671 2007: 20.435 2008: 20.262 2009: 20.005 2010: 19.7862011 bis 2017 2011: 19.374 2012: 19.215 2013: 19.065 2014: 18.973 2015: 18.996 2016: 18.884 2017: 18.8562018 bis 2024 2018: 19.034 2019: 18.947 2020: 18.886 2021: 18.717 2022: 18.646 2023: 18.542 2024: 18.503 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik 1 29. Oktober 2 31. August
Politik mini|Rathaus Sömmerda Stadtrat Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,1 % zu folgendem Ergebnis und der sich daraus ergebenden Sitzverteilung:
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze +/− CDU 30,5 % 7 + 1 AfD 25,8 % 6 + 3 Die Linke 25,5 % 6 − 2 SPD 3,6 % 1 ± 0 Grüne 2,4 % 1 − 1 FDP 1,2 % – − 1 Die Heimat (ehemals NPD) 0,7 % – – SBB (Sömmerdaer Bürgerbündnis) 6,0 % 2 ± 0 BIS (Bürgerinitiative Sömmerda e. V.) 4,4 % 1 ± 0 +/−: Unterschied zur Anzahl der Sitze nach der Wahl 2019
Jeweils eine gemeinsame Fraktion bilden die Stadtratsmitglieder von CDU (7 Mandate), der AfD (6 Mandate), der Linken (6 Mandate) und von Bündnis24 (SPD, Grüne, SBB sowie ein Fraktionsloser, ehemals BIS, 5 Mandate), sodass im Stadtrat vier Fraktionen vertreten sind. Stimmberechtigt ist neben den Stadtratsmitgliedern auch der Bürgermeister von Sömmerda.
Bürgermeister mini|Ralf Hauboldt, amtierender Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister ist seit 2012 Ralf Hauboldt (Die Linke). Er wurde zuletzt am 9. Juni 2024 mit 52,9 % der abgegebenen gültigen Stimmen im zweiten Wahlgang bestätigt.
Ehemalige Bürgermeister
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
2000–2012: Hans-Wolfgang Flögel (zunächst PDS, später Die Linke) 1992–2000: Erwin Bollinger (parteilos) 1990–1992: Klaus Vanderheyden 1983–1990: Manfred Hölzer (SED) 1971–1983: Rudi Eckartsberg 1962–1971: Rudolf Grassal 1956–1961: Erich Franz 1954–1956: Willi Schulz 1952–1953: Harry Nachsel 1951–1952: Richard Seidel 1945–1950: Viktor Bode (KPD) 1942–1945: vakant 1932–1942 Wilhelm Trenkner 1932: Viktor Bode (vormals KPD) 1930–1932: Artur Manig 1920–1930: August Nowag 1917–1920: Gustav Hohendahl 1914–1917: Gustav Enzmann 1914: Gustav Hohendahl 1890–1917: Gustav Enzmann 1868–1890: Carl Martini 1864–1868: Eduard Wegner 1837–1864: August Diethold 1832–1837: Karl Kampe
Wappen mini|hochkant=0.5|Wappen von Sömmerda Blasonierung: „Geteilt von Silber und Rot; oben ein schwarzer rotbezungter rechts blickender Adler, unten ein sechsspeichiges silbernes Rad.“