mini|Die Roda im Ortszentrum Stadtroda (bis 1925 Roda) ist eine Kleinstadt im thüringischen Saale-Holzland-Kreis und staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie Lage Stadtroda liegt auf einer Höhe zwischen 200 m und 280 m im Thüringer Holzland an der Roda, einem Nebenfluss der Saale. Am Nordrand der Stadt mündet der das Naherholungsgebiet Zeitzgrund durchfließende Zeitzbach in die Roda.

Stadtgliederung Zu Stadtroda gehören die Ortsteile Hainbücht (erster urkundlicher Nachweis 1457), Gernewitz (20. März 1252) und Podelsatz (1. Dezember 1433).Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 108, 87 und 220.

Seit 1. Januar 2019 sind Quirla, Dorna und Bollberg ebenfalls Ortsteile von Stadtroda.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn Schlöben, Ruttersdorf-Lotschen und Bobeck im Norden, Schleifreisen, Mörsdorf und Möckern im Osten, Lippersdorf-Erdmannsdorf, Tissa, Tröbnitz, Geisenhain und Gneus im Süden sowie Großbockedra, Rausdorf und Laasdorf im Westen.

Stadtroda ist die erfüllende Gemeinde für die Gemeinden Möckern und Ruttersdorf-Lotschen.

Geschichte Stadtroda geht auf eine Ansiedlung am Fluss Roda aus dem 9. bis 10. Jahrhundert zurück und begann als Marktfleck auf einem Berg, wo sich heute der Stadtteil „Alter Markt“ befindet. Seit 1013 befindet sich dort ein Wehrturm, welcher erst aus Holz und später aus Stein bestand. Dieser ist seit Hunderten von Jahren der Turm der Heilig-Kreuz-Kirche, die nun über 1000 Jahre alt ist.Stadtgeschichte.

Der Ort wurde 1210 erstmals erwähnt.Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 271. Im Jahr 1247 wurde Stadtroda im Zusammenhang mit einem Zisterzienserinnenkloster genannt. Das Kloster diente den zu dieser Zeit in Ostthüringen auftretenden Herren von Lobdeburg als Grablege. Von den Grafen von Schwarzburg erhielt der Ort 1310 das Stadtrecht. Der Rat wurde 1403, der Bürgermeister 1434 genannt. Die Reformation führte 1531 zur Aufhebung des Klosters.

120px|mini|Der letzte Ernestiner: Ernst II. (1915) Die Stadt wechselte in ihrer Geschichte mehrmals in eine neugeschaffene Landesherrschaft, stand jedoch bis 1918 stets unter ernestinischer Herrschaft.

Bei der Leipziger Teilung Sachsens 1485 erhielt der Kurfürst von Sachsen Landgraf Ernst von Thüringen die Stadt und nach der Erfurter Teilung im Jahr 1572 entstand das ernestinische Herzogtum Sachsen-Weimar, dem Roda und Kloster Roda von Beginn an angehörten.

1603 wurde Sachsen-Altenburg, mit Roda und Kloster Roda, von Sachsen-Weimar abgetrennt. Sachsen-Altenburg wurde 1672 aufgelöst und Roda und Kloster Roda wurden Teil von Sachsen-Gotha-Altenburg.

Die Stadt fiel 1680 an Sachsen-Eisenberg. Roda und Kloster Roda kehrten 1707 zu Sachsen-Gotha-Altenburg zurück. Sachsen-Gotha-Altenburg wurde 1826 aufgelöst und Roda und Kloster Roda bildeten fortan einen Landesteil des neu gegründeten Herzogtums Sachsen-Altenburg.Sachsen-Altenburg (1826–1914).

1848 wurde in Roda die Heil- und Pflegestätte für Geisteskranke gegründet. 1852 wurden die Gemeinden Roda und Kloster Roda vereinigt. 1876 erhielt die Stadt Anschluss an den Eisenbahnverkehr und ein Jahr später wurde eine Holzwarenfabrik gebaut. Am 13. November 1918 endete die Monarchie, nachdem Ernst II. von Sachsen-Altenburg seine Herrschaft niedergelegt und ein sachsen-altenburgischer Freistaat auf gleichem Gebiet gegründet wurde.

Am 1. Mai 1920 erfolgte der Zusammenschluss der Thüringischen Freistaaten zum Land Thüringen. Seit dem 1. Juli 1925 trägt Roda den Namen Stadtroda. Stadtroda war Kreisstadt des Landkreises Stadtroda bzw. ab 1952 des Kreises Stadtroda.

Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Gegner des Naziregimes verfolgt, zu denen neben politischen auch kriegsmüde wie der Dachdecker Max Nützer gehörte, der im April 1945 wegen „Wehrkraftzersetzung“ von einem SS-Kommando in der Sandgrube im Grüntal erschossen wurde. Sein Grab und das Grab zweier KZ-Opfer befinden sich als Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus auf dem St.-Jakobs-Friedhof.

In der Landesheilanstalt Stadtroda wurden zwischen 1934 und 1943 1.272 Menschen Opfer von Zwangssterilisationen. Aufgrund von „rassenhygienischen Maßnahmen“, also bewusst herbeigeführten Tod durch Krankheit erzeugende Medikamente sowie die Deportation im Rahmen des „Euthanasie“-Tötungsprogramms Aktion T4 starben zwischen 1939 und 1945 mehr als 4.000 Patienten. Auch die KPD-Reichstagsabgeordnete Helene Fleischer zählte zu den Opfern. Im heutigen Asklepios Fachklinikum GmbH wurde ihnen 1988 ein Denkmal errichtet.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus mehreren europäischen Ländern in Stadt und Umland eingesetzt: unter anderem in den Möbelwerken Gebr. Glaser und in der Marmeladenfabrik. Insgesamt 1.582 Personen waren in 13 „Ostarbeiterlagern“ untergebracht. Auf dem Sankt-Jakobs-Friedhof befindet sich seit 1999 die Gedenkstätte für zahlreiche Opfer von Kriegsgefangenschaft und Zwangsarbeit. Eine Stelle im Park des Klinikums erinnert seit 1985 an die Opfer eines Todesmarsches von Häftlingen des KZ-Außenkommandos Oberndorf.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 216 ff.

Am 21. November 1944 war Stadtroda Ziel eines US-Luftangriffs. Das Rathaus wurde zerstört, neun Todesopfer waren zu beklagen.Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939–1945. Michael Imhof, Petersberg 2013, ISBN 978-3-86568-636-7, S. 184.

Eingemeindungen Podelsatz wurde am 1. Juli 1950 nach Gernewitz eingemeindet.Statistisches Bundesamt: Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Gernewitz wiederum wurde zusammen mit Podelsatz am 12. Oktober 1994 in die Stadt Stadtroda eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands. Hainbücht wurde bereits am 18. März 1994 nach Stadtroda eingemeindet. Zum 1. Januar 2019 folgten Bollberg und Quirla.

Einwohnerentwicklung Die Einheimischen bezeichnen sich im thüringischen Idiom als „Rodscher“.

Entwicklung der Einwohnerzahl: 1837 bis 1960 1837: 2679 1890: 3662 1925: 4469 1933: 4572 1938: 4811 1960: 5480 1994 bis 1999 1994: 6356 1995: 6401 1996: 6445 1997: 6574 1998: 6594 1999: 6592 2000 bis 2005 2000: 6586 2001: 6521 2002: 6524 2003: 6611 2004: 6380 2005: 6387 2006 bis 2011 2006: 6320 2007: 6288 2008: 6277 2009: 6093 2010: 6057 2011: 5961 2012 bis 2017 2012: 5910 2013: 5838 2014: 5849 2015: 5892 2016: 5893 2017: 5862 2018 bis 2023 2018: 5893 2019: 6646* 2020: 6590 2021: 6570 2022: 6726 2023: 6712 ab 2024 2024: 6785 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik.* ab 2019 vergrößerte Stadt Stadtroda

Religionen mini|hochkant|Die Stadtkirche Neben evangelischer und katholischer Kirchgemeinde besteht eine Adventistengemeinde.

1928 wurde der erste katholische Gottesdienst seit der Reformation in Stadtroda gehalten. 1944 kamen zwei Kapuzinerpatres als erste eigene katholische Seelsorger nach Stadtroda. Durch die Evakuierung des Rheinlandes 1944 sowie durch die Flüchtlingsströme aus Schlesien, dem Ermland sowie Sudetenland kamen nach dem Zweiten Weltkrieg viele Katholiken nach Thüringen, so dass 1954 in Stadtroda die Pfarrei Hl. Geist errichtet und eine Ordensniederlassung der Katharinenschwestern gegründet wurde. Im Jahr 1967 konnte die 1730 erbaute St.-Jakobus-Kirche, die der katholischen Gemeinde schon vorher für Gottesdienste zur Verfügung stand, von der evangelischen Kirche gekauft werden und diente seither als Pfarrkirche. Bis 2009 hatte Stadtroda einen eigenen katholischen Pfarrer. Seit dessen Weggang wird die katholische Gemeinde von Gera aus betreut und gehört seit dem 9. Dezember 2018 als Filialgemeinde zur Pfarrei Gera. Die Gemeinde liegt im Gebiet des Bistums Dresden-Meißen und ist organisatorisch dem Dekanat Gera zugeordnet.

Die über 1000 Jahre alte evangelische Heilig-Kreuz-Kirche ist die älteste Kirche der Stadt.

Politik mini|hochkant|Das Rathaus Stadtrat Seit der Kommunalwahl vom 29. Mai 2024 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen: Partei / Liste CDU Die Linke SPD/OL* FDP FWG FWG Q/D** Gesamt Sitze 3 1 6 2 7 1 20 Stimmenanteil 17,7 % 5,1 % 28,7 % 7,8 % 33,9 % 6,8 % 100 % Wahlbeteiligung: 70,3 %

* SPD/Offene Liste     ** Freie Wählergemeinschaft Quirla/Dorna

Bürgermeister Bei den Bürgermeisterwahlen am 22. April 2012 konnte sich Klaus Hempel (FWG) mit 53,5 % der Stimmen gegen den langjährigen Bürgermeister Harald Kramer (CDU) durchsetzen.Frank Kalla: CDU verliert Stadtroda: Harald Kramer geht nach 20 Jahren im Amt. In: Ostthüringer Zeitung. 22. April 2012 (archive.today) Abgerufen am 9. Oktober 2012.

Am 30. November 2012 erklärte die Kommunalaufsicht des Landkreises die Wahl des Bürgermeisters für ungültig und enthob Klaus Hempel mit sofortiger Wirkung seines Amtes. Am 20. Dezember 2012 hob das Verwaltungsgericht Gera aufgrund eines Eilantrags des Bürgermeisters die Amtsenthebung wieder auf und entschied am 20. Februar 2013 zugunsten Hempels.

Am 15. April 2018 wurde Klaus Hempel mit 82,5 % der abgegebenen gültigen Stimmen für eine zweite Amtszeit gewählt, er setzte sich dabei gegen einen Mitbewerber durch. Auch im Jahr 2024 konnte sich Klaus Hempel mit 61,1 % der gültigen Stimmen gegen zwei Mitbewerber durchsetzen.

Bürgermeister seit 1886Utz Möbius: Chronik der Stadt Stadtroda. Geiger, Horb am Neckar 2003, ISBN 3-89570-896-8. 1886–1892: Gottfried Knoch 1892–1898: Friedrich Goedel 1898–1906: Hermann Loeser 1906–1908: Wilhelm Dieterici 1908–1928: Rudolf Goedecke 1928–1934: Ernst Paul Schönherr 1935–1938: Franz Degen 1938–1941: Gerhard Wunderling 1941–1942: Max Oswald (amtierend) 1942–1945: ? Horn 1945: Max Oswald (amtierend) 1945–1946: Wilhelm Meier 1946–1950: Otto Seifarth 1950–1953: Ernst Klinger 1953–1954: Theo Wurlitzer 1954–1955: Rudolf Pabst (amtierend) 1955: Georg Vater 1955–1958: Walter Hilbert 1959–1961: Kurt Krüger 1961–1965: Günter Hoppe 1965–1972: Kurt Neugebauer 1972: Volkmar Ernst 1972–1984: Heinz Rosenkranz 1984–1986: Kurt Halbauer 1986–1990: Rainer Haufe 1990–1992: Karl-Heinz Herrmann 1992: Harald Reuter (amtierend) 1992–2012: Harald Kramer (CDU) seit 2012: Klaus Hempel (FWG)

Städtepartnerschaften Tachov, Tschechische Republik Homberg (Ohm), Hessen, seit 1990

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswerte Bauwerke sind das barocke Schloss aus dem 17. Jahrhundert, die Stadtkirche St. Salvator aus dem späten 16. Jahrhundert und die romanisch-gotisch-barocke Heilig-Kreuz-Kirche, mit deren Bau um 1040 begonnen wurde. Außerdem zählt die Ruine des Klosters Roda zu den Sehenswürdigkeiten.

Mit dem denkmalgeschützten Roten Tor aus rotem Sandstein, dem einzigen bis in die Neuzeit erhaltenen von ehemals fünf Stadttoren, verbindet sich folgende Überlieferung aus dem Jahr 1450: Zwischen Kloster Roda (damals noch eigenständig) und dem Stadtrat Rodas kam es zu einem Streit über Bierbraurechte. Der Propst des Klosters rief den Grafen Heinrich von Gera zur Hilfe. Roda verschloss die Tore der Stadt vor den anrückenden Truppen. Ein Riegel für das „Rote Tor“ konnte nicht gefunden werden und wurde durch eine Möhre ersetzt. In der folgenden Nacht wurde diese Möhre durch die Ziege eines Schneiders gefressen und der Feind konnte in die Stadt eindringen. So verlor Roda diesen Krieg.