mini|Bloks Bergs Verrichtung, Johannes Praetorius, 1668
Die Walpurgisnacht oder Sankt-Walpurgisnacht (auch das Hexenfeuer) ist ein traditionelles nord- und mitteleuropäisches Fest, teilweise mit Feuerbrauch, am 30. April. Der Name des Festes leitet sich von der heiligen Walburga ab,S. z. B. https://www.duden.de/rechtschreibung/Walpurgisnacht (Abschnitt „Herkunft“): „zu älter Walpurgis = Tag der hl. Walpurga (= 1. Mai)“ und Becker 2007 (s. Abschnitt „Literatur“), 142: „Diese Nacht [Die Walpurgisnacht] hat ihren Namen von […] Walburga […] erhalten“. deren Gedenktag (Walburgi oder Walpurgi, mittelhochdeutsch etwa Sant Walpurgen TagGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 482 (sant Walpurgen tag: 25. Februar oder 1. Mai).) bis ins Mittelalter am 1. Mai, dem Tag ihrer Heiligsprechung, gefeiert wurde.Gertrude Casanova: St. Walburga. In: The Catholic Encyclopedia. Vol. 15. Robert Appleton, New York 1912; online: https://en.wikisource.org/wiki/Catholic_Encyclopedia_(1913)/St._Walburga (abgerufen am 7. Juni 2018): In the Roman Martyrology she is commemorated on 1 May, [...]; sometimes she is represented in a group with St. Philip and St. James the Less, and St. Sigismund, King of Burgundy, because she is said to have been canonized by Pope Adrian II on 1 May, the festival of these saints. (she is said = keine gesicherte Information). Die Walpurgisnacht war die Vigilfeier des Festes. Als „Tanz in den Mai“ hat sie wegen der Gelegenheit zu Tanz und Geselligkeit am Vorabend des arbeitsfreien Maifeiertags auch als städtisches, weltliches Festereignis Eingang in kommerzielle und private Veranstaltungen gefunden.
Name mini|Walpurgisnacht, Luis Ricardo Falero, 1878
Der Name Walpurgisnacht leitet sich von der hl. Walburga (auch Walpurga oder Walpurgis) ab, einer aus England stammenden und im süddeutschen Raum wirkenden Äbtissin (≈ 710–779). Der Gedenktag dieser Heiligen wurde im Mittelalter am 1. Mai gefeiert (im deutschen Regionalkalender nun am 25. Februar, ihrem Todestag). Die neun Tage davor wurden als Walpurgistage bezeichnet, das Läuten von Glocken zur Abwehr der angeblichen Hexenumtriebe wird örtlich auch als Walpern beschrieben.Spez. dazu aber anders: „Walpern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960: Bd. XIII / Lfg. 8 , Sp. 1322), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/?q=Walpern>, abgerufen am 7. Juni 2018: „in der Walpurgisnacht als Hexe mit den andern Hexen tanzen. Crecelius 889.“ („Crecelius 889“ = https://archive.org/download/oberhessischesw01hessgoog/oberhessischesw01hessgoog.pdf abgerufen am 7. Juni 2018), S. 428 des Retro-Digitalisats = S. 889 des historischen Drucksdtv-Redaktion: dtv-Lexikon. Ein Konversationslexikon in 20 Bänden. Band 20: Walp – Zz (= dtv 3070). Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1974, ISBN 3-423-03070-4, S. 7.
Der Legende nach gilt die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai als die Nacht, in der die Hexen insbesondere auf dem Blocksberg (eigentlich „Brocken“), aber auch an anderen erhöhten Orten, ein großes Fest abhielten.
So beschreibt Johann Wolfgang von Goethe in seiner Tragödie Faust I aus dem Jahr 1808 den Zug der Hexen in der Wapurgisnacht auf den Brocken im Harz.
Der Name Walpurgisnacht wurde durch die Literatur popularisiert; frühere Belege sind aus dem 18. Jahrhundert nachweisbar. Adelungs Wörterbuch (1774–1786) notiert unter Walpurgis:
Im 17. Jahrhundert erscheint bei Johannes Praetorius (Blockes-Berges Verrichtung, Leipzig 1668):
Früher war der 1. Mai der Gedenktag der Apostel Philippus und Jacobus und wurde daher „Philippi Jacobi“ genannt. Johannes Coler schrieb 1603 in seinem Calendarium Perpetuum (S. 89): „Den nehesten Tag vor Philippi Jacobi zu Abend pflegen Zeuberer viel Teuffeley zu üben / damit sie die Leute viel beleidigen“, aber in demselben Abschnitt auch: „Wenn's an S. Walpurgis Abend regnet / oder die selbe Nacht / so hofft der gemeine Mann auf ein gutes Jahr.“
Legende, Tradition und Brauchtum mini|Hexenflug der „Vaudoises“ (ursprünglich Waldenser) auf dem Besen. Miniatur in einer Handschrift von Martin Le France, Le champion des dames Vaudoises, 1451 Der Mythos von auf Besen fliegenden Frauen, die sich zum Tanz mit dem Teufel trafen, zog sich ab dem 14. Jahrhundert durch die Geschichte.Prof. Dr. Wolfgang Schild. Die Maleficia der Hexenleut', 1997, S. 97 Einen ursprünglich jährlichen, festen Termin gab es nicht. Verbreitet wird es Ende des 17. Jahrhunderts durch das Buch Blockes-Berges Verrichtung von Johannes Praetorius. Der Sammelband hebt vor allem den Brocken im Harz als Hexentanzplatz und die Nacht auf den 1. Mai hervor. Johann Wolfgang von Goethes Tragödie Faust I (1808) machte die Walpurgisnacht sowie den sagenumwobenen Brocken populär.
mini|Kupferstich von W. Jury nach Johann Heinrich Ramberg (1829) zu Goethes Faust I: „Ein bißchen Diebsgelüst, ein bißchen Rammelei. So spukt mir schon durch alle Glieder die herrliche Walpurgisnacht.“
Ob und inwieweit diese Bräuche auf vorchristliche und heidnische Traditionen zurückgehen, ist unklar, schriftliche Belege dazu gibt es nicht. Im Satanismus stellt die Walpurgisnacht einen der höchsten Feiertage dar.In: Anton Szandor LaVey: Die Satanische Bibel, Index Verlag, Zeltingen-Rachtig 2007 (1969), ISBN 978-3-936878-05-9, S. 112–113. Der Satanic Temple bezeichnet die Nacht als Hexennacht und gedenkt in dieser der Opfer von Aberglauben und Pseudowissenschaft.The Satanic Temple: Holidays of The Satanic Temple, abgerufen am 29. April 2024.
mini|Maifeuer in Akalla (Schweden)
Deutschland Die erste Walpurgisnachtfeier auf dem Brocken im Harz wurde im Jahr 1896 durch Rudolf Stolle, einen Verlagsbuchhändler aus Bad Harzburg und Mitglied des Harzklub-Zweigvereins Bad Harzburg, organisiert. Das Fest bestand aus einer Feier im Brockenhotel und einem Umzug zur Teufelskanzel um Mitternacht mit Ansprache. Es waren ausschließlich männliche Gäste anwesend. Seit wenigen Jahren danach wurde in Gesellschaft das Geibelsche Mailied gesungen. Im Jahr 1901 wurde die Walpurgishalle auf dem Hexentanzplatz eingeweiht.Ernst Geyer: Hermann Hendrich – Mein Leben und Schaffen. Bonovoluntas Verlag (Kurt Frömberg) Krummhübel i./R., Leipzig S. 33. Ab 1901 fuhren auch bereits Sonderzüge der Brockenbahn auf den Brocken. 1902 trafen sich knapp 150 Gäste zur Walpurgisfeier.Georg von Gynz-Rekowski, Hermann D. Oemler: Brocken. Historie, Heimat, Humor. Gerig Verlag, Königstein/Taunus 1991, ISBN 3-928275-05-4. Die Walpurgis-Feierlichkeiten auf dem Brocken wurden 1905 verboten, weil der damalige Besitzer des Brocken, Fürst Christian-Ernst zu Stolberg-Wernigerode, diese satanischen Spektakel auf seinem Berg nicht mochte, und so bekamen die Feste ein neues Zuhause.Linda Nielsen: Harzen - Heksenes Land, Kopenhagen 2015, S. 14. ISBN 978-87-4301-1316. Die Harzer Walpurgisnächte werden heute in mehr als 20 Orten der Region gefeiert. Dabei befindet sich das Zentrum in den Ortschaften Bad Grund, Braunlage, Hahnenklee, Sankt Andreasberg, Schierke und Thale. Das Walpurgisfeuer (auch Tanz in den Mai, Maifeuer genannt) wird in weiten Teilen Deutschlands gefeiert. Dazu wird am 30. April ein Feuer entfacht, mit dem man „die bösen Geister“ vertreiben will. Dies wird bis spät in die Nacht gefeiert. Ist das Feuer etwas heruntergebrannt, findet in einigen Gegenden der Maisprung statt, ein Brauchtum, bei dem es üblich ist, dass Verliebte gemeinsam über das Maifeuer springen. Auf dem Hexenfeuer stehen gelegentlich hölzerne „Hexen“, die meist von der Jugend angefertigt worden sind. Das Hexenbrennen (auch Hexenfeuer) ist in der Walpurgisnacht im sorbischen Siedlungsgebiet verbreitet. In Marburg wird das Hineinfeiern in den Mai alljährlich mit einem Maieinsingen von Magistrat und hunderten Menschen auf dem in der Altstadt gelegenen Rathausplatz gestaltet. Punkt Mitternacht wird gesungen und der Mai damit begrüßt. In der Pfalz, in der Eifel, im Hunsrück, an der deutschen Mosel, im Saarland und in Südbaden gehen in der Hexennacht, verschiedentlich auch Freinacht genannt, also am späten Abend des 30. April, Jugendliche in Gruppen durch die Orte, um zu „walpern“ oder auch zu „hexen“, also Schabernack zu treiben. Besonders beliebt ist dabei das Fortbewegen von Fußmatten, Mülleimern, Gartengeräten usw., also von allem um ein Haus herum, was nicht befestigt ist. Die Freinacht ist auch in Oberschwaben, auf der schwäbischen Alb sowie in Teilen Bayerisch-Schwabens bekannt, so etwa im Allgäu oder in Augsburg-Stadt. Der Tanz in den Mai ist die moderne Form des alten Brauches, den Beginn des Mais (1. Mai) in der Walpurgisnacht (30. April) mit Tanz und Gesang zu begrüßen und dabei Maibowle zu trinken. Neben reinen Tanzveranstaltungen wird auch gelegentlich der Brauch gepflegt, sich ähnlich wie zu Halloween oder Karneval zu verkleiden und „Hexentänze“ aufzuführen. In Leinach gab es um 1900 den Brauch, am Walburgi-Vorabend mit Kreide drei Kreuze an allen Türen in Haus und Stall anzuzeichnen.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 181. Vereinzelt gibt es auch den Brauch des Maistrichs: Dabei werden in der Nacht weiße Linien mit Kreide, Kalk oder Ähnlichem bei heimlich Verliebten vom Haus des einen zum Haus des anderen gezogen und somit öffentlich gemacht. Andernorts werden Häcksel gestreut, anstatt weiße Linien zu ziehen.
Nordeuropa In Schweden und Finnland finden in der Walpurgisnacht die größten Studentenfeste des Jahres statt, Vappu (finnisch) oder Vappen (finnlandschwedisch) in Finnland und Valborg oder Valborgsmässoafton in Schweden, wobei ähnlich wie in Deutschland um ein Maifeuer herum viel gesungen, gelacht und getrunken wird. Hauptorte für die Feiern sind die schwedischen Studentenstädte Uppsala und Lund. In Uppsala gehören zu den Feierlichkeiten unter anderem ein Floßrennen mit Styroporflößen durch die Innenstadt, der traditionelle Gruß mit den Studentenmützen (die man zum Abschluss des Gymnasiums ersteht) vor der Bücherei Carolina Rediviva sowie ein Konzert der Chores Orphei Dränger.
Das Beltane-Fest, ursprünglich wohl ein Fest nach dem Mondkalender, das im keltischen Raum den Beginn des Sommers markierte, wurde und wird nun ebenfalls am Vorabend und in der Nacht zum und am 1. Mai in Irland gefeiert.
Rezeption mini|Auf dem Weg zur Walpurgisnacht, 1760, Teniers d. J., Deutsches Historisches Museum Berlin mini|Ernst Barlach Walpurgisnacht, Holzschnitt 1923
Literatur Johann Wolfgang von Goethe: Szene Walpurgisnacht; Szene Walpurgisnachtstraum. In: Faust I. Johann Wolfgang von Goethe: Klassische Walpurgisnacht. In: Faust II. Johann Wolfgang von Goethe: Die erste Walpurgisnacht. Balladesiehe Vertonungen von Felix Mendelssohn Bartholdy und Charles Gounod Karl Kraus: Die Dritte Walpurgisnacht H. P. Lovecraft: Das Tagebuch des Alonzo Typer. Erzählung – Hexensabbat zur Walpurgisnacht („Ziege mit den Tausend Jungen“)Vgl. H. P. Lovecraft: Azathoth. Vermischte Schriften. (= Suhrkamp-Taschenbuch. Phantastische Bibliothek 230 = 1627 (des Gesamtwerks)). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-38127-X, S. 96, 116 und passim Thomas Mann: Kapitel Walpurgisnacht. In: Der Zauberberg. Gustav Meyrink: Walpurgisnacht. Roman Otfried Preußler: Die kleine Hexe. Kinderbuch Florian Schmidt: Walpurgisnacht. Erzählung Theodor Storm: Walpurgisnacht. Gedicht Nicolas Wachter, Peter Engel: Walpurgisnacht – ein lyrisches Hexenwerk. Jugendbuch Heinrich Zschokke: Die Walpurgisnacht. Erzählung
Hörspiel und Happening Natias Neutert: Hexenflug und Geisterspuk. Musik- und Zaubertheater Nicolas Wachter/Martin Bauer: Walpurgisnacht. Hörspiel