Die Legio VI Ferrata (deutsch „die Eiserne“) war eine äußerst traditionsreiche Legion der römischen Armee, die von 52 v. Chr. bis um 260 bestand. Wie fast alle caesarischen Legionen hatte auch die VI Ferrata einen Stier als Emblem. Manchmal wurde auch das bekannte Motiv der Kapitolinischen Wölfin mit den Zwillingen Romulus und Remus verwendet. miniatur|Bauinschrift einer Vexillation der Legio VI Ferrata aus Bet Guwrin
Geschichte der Legion Republik Die Anfänge dieser Legion sind im Gallischen Krieg zu suchen. Gaius Iulius Caesar hob sie in der Provinz Gallia Cisalpina aus und setzte sie zunächst bei der Schlacht um Alesia gegen Vercingetorix ein. 51 v. Chr. wurde sie ausgesandt, um die aufständischen Karnuten an der unteren Loire zu bekämpfen. Dann sicherte sie die Gegend um Orléans.
Während des Bürgerkrieges zwischen Caesar und Pompeius war die Ferrata eine der wichtigsten Stützen Caesars im Kampf um die Macht; sie war extrem mobil und bei fast allen wichtigen Schlachten präsent: Im Sommer 49 v. Chr. schlug sie in Spanien Anhänger des Pompeius in der Schlacht bei Ilerda. Im Frühjahr 48 v. Chr. war sie in Nordgriechenland stationiert und kämpfte in der Schlacht von Dyrrhachium. Im August desselben Jahres kämpfte sie bei der wichtigen Schlacht von Pharsalus, zog mit Caesar nach Alexandria und entschied die Schlacht bei Zela in Pontos (47 v. Chr.). Dann verlegte Caesar die Legion nach Italien und siedelte die Veteranen in Colonia Iulia Paterna Arelatensium Sextanorum („die ehrwürdige julische Kolonie von Arles der Soldaten der Sechsten Legion“, heute Arles) an. Die Legion diente jedoch weiter und war u. a. bei der Schlacht von Munda im Jahre 45 v. Chr. präsent. Die Legion erhielt den Namen Ferrata im Bürgerkrieg, möglicherweise bereits unter Caesar. Der Name deutet auf eine besondere eiserne Schutzkleidung hin.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-080613014-9, S. 138.
Nach Caesars Tod wurde die Legion von dem hohen Militär Lepidus wieder hergestellt und dem Kommando des Marcus Antonius unterstellt. Nachdem sie im Jahr 42 v. Chr. bei Philippi die Truppen der Caesarenmörder Brutus und Cassius besiegt hatte, wurden Veteranen in Benevent angesiedelt. Die Legion wurde nach Judäa verlegt, wo sie König Herodes den Großen an die Macht brachte (37 v. Chr.). Im folgenden Jahr nahm sie an einem Feldzug gegen die Parther teil, der jedoch desaströs endete. Die Legionäre der Sechsten konnten froh sein, lebendig das verbündete Armenien zu erreichen. Als Antonius im Bürgerkrieg mit Octavian stand, wurde die Ferrata nach Griechenland geschickt, wo sie jedoch wenig zu tun hatte. Die Legion kämpfte im Jahr 31 v. Chr. in der Seeschlacht bei Actium gegen Octavian.Lesley Adkins: Handbook to Life in Ancient Rome, Sonlight Christian, 2004, ISBN 0-8160-5026-0, S. 59.
Julisch-claudische Dynastie Nach Octavians Sieg wurde sie nach Laodicea ad Mare (Latakia)Maurice Sartre: The Middle East under the Romans, Harvard University Press, 2005, ISBN 0-674-01683-1, S. 60. in der Provinz Syria verlegt, wo sie zusammen mit der Legio III Gallica, der Legio X Fretensis und der Legio XII Fulminata die Region sicherte. Diese vier Legionen nahmen an dem Feldzug unter Tiberius im Jahre 20 v. Chr. teil, durch den das römische Militär wieder an die 53 v. Chr. nach der Schlacht bei Carrhae von den Parthern erbeuteten Legionsstandarten gelangte. Der syrische Statthalter Publius Quinctilius Varus nutzte die Ferrata, um den jüdischen Aufstand von 4 v. Chr. niederzuschlagen. In den 20er Jahren übte Pacuvius, der Legat der Legio VI Ferrata, stellvertretend für Lucius Aelius Lamia mehrere Jahre das Amt des Statthalters von Syrien aus.Axel Gebhardt: Imperiale Politik und provinziale Entwicklung, Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003680-X, S. 142 Claudius (41–54) ließ im Jahr 45 n. Chr. für die Veteranen der vier syrischen Legionen (Legio III Gallica, Legio VI Ferrata, Legio X Fretensis und Legio XII Fulminata) die Colonia Claudii Cæsaris bei Ptolemais (Akkon) anlegen.
Im Jahr 54 verlegte Gnaeus Domitius Corbulo die Legionen III Gallica und VI Ferrata von Syrien nach Kappadokien an die armenische Grenze. Die Legionen wurden durch Rekrutierungen in der Region aufgefüllt.Stephen Mitchell: Anatolia: Land, Men, and Gods in Asia Minor Vol. I, Oxford University Press, 1995, ISBN 978-019815029-9, S. 140. Die III Gallica, VI Ferrata und X Fretensis wurden im Jahr 58 von Corbulo bei seinem Feldzug gegen die Parther um die Kontrolle Armeniens eingesetzt. Die Städte Artaxata (58) und Tigranocerta (59) wurden erobert und König Trdat I. (Tiridates) wurde durch den römerfreundlichen Tigranes VI. ersetzt. Veteranen der Legion wurden im Jahr 60 von Nero bei Tarent angesiedelt.Miriam Griffin: Seneca: a philosopher in politics, Oxford University Press, 1992, ISBN 978-0-19-814774-9, S. 291. Im Jahr 62 folgten die Legionen III Gallica, VI Ferrata und X Fretensis Corbulo an den Euphrat,Tacitus, Annales 15,6–9. vermutlich nach Zeugma. Im Jahr 63 führte Corbulo die Legion auf einen weiteren Feldzug nach Armenien. Danach blieb sie dort einige Zeit lang stationiert, bevor sie wieder nach Syria zurückkehrte. Im Jahr 66 brach Gaius Cestius Gallus, der Statthalter von Syrien, mit der Legio XII Fulminata, Vexillationen der VI Ferrata und IIII Scythica sowie zahlreichen Auxiliartruppen aus Antiochia auf, um den judäischen Aufstand niederzukämpfen. Zunächst wurden einige Ortschaften gebrandschatzt, deren Bewohner vor ihm geflohen waren.Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 2,18, 9-11 Dann griff Cestius Gallus Jerusalem an, war jedoch gezwungen, die Belagerung abzubrechen und erlitt bei seinem fluchtartigen Rückzug große Verluste.Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 2,19, 1-9
Vierkaiserjahr und Flavische Dynastie Im Bürgerkrieg des Jahres 69 (Vierkaiserjahr) schlug sich die Ferrata auf die Seite des Gewinners Vespasian, nahm aber nicht wirklich am Kampf teil, obwohl sie mit den anderen Legionen des Ostens, auf Rom zumarschierte. Es ist sicher, dass zumindest eine Vexillation Italien erreichte. Ein großer Teil der Legion wurde von Gaius Licinius Mucianus in Moesia an der Donau gegen einen Einfall der Daker eingesetzt.Tacitus, Historiae 3,46.
Die Legio VI Ferrata löste um das Jahr 70 die Legio XII Fulminata in Raphaneia ab. Um 72/73 n. Chr. wurde die Legion vom syrischen Statthalter Lucius Iunius Caesennius Paetus zur Besetzung Kommagenes eingesetzt und in der neuerrichteten Provinz nach Samosata (Samsat) an den Euphrat verlegt um die Provinz zu sichern.Stephen Mitchell: Anatolia: Land, Men, and Gods in Asia Minor Vol. I, Oxford University Press, 1995, ISBN 978-019815029-9, S. 119. Um 75 n. Chr. wurden Vexillationen der Legio XVI Flavia Firma, Legio IIII Scythica, Legio III Gallica und der Legio VI Ferrata zu Kanal- und Brückenbauarbeiten bei Antiochia eingesetzt.; Oliver Stoll: Römisches Heer und Gesellschaft, Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07817-7, S. 237f; vgl.: Axel Gebhardt: Imperiale Politik und provinziale Entwicklung, Akademie-Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-05-003680-X, S. 42
Adoptivkaiser und Antoninische Dynastie Unter Trajan (98–117) nahm eine Vexillation am ersten Dakerkrieg teil und errichtete um 102 n. Chr. bei Sarmizegetusa ein Lager. Die Legionen VI Ferrata und III Cyrenaica nahmen im Jahr 106 an der Annexion des Nabatäerreiches teil, dessen bereits romanisierte Bevölkerung kaum Widerstand leistete. In der Provinzhauptstadt Bosra hatte die Legion ihr Hauptlager, während Detachements in GerasaMark A. Chancey: Greco-Roman culture and the Galilee of Jesus, Cambridge University Press, 2005, ISBN 9780521846479, S. 62–63 und Gadara (Umm Qais)Benjamin H. Isaac: The Near East under Roman Rule, Reihe: Mnemosyne, bibliotheca classica Batava: Supplementum, Band 177, Brill, 1997, ISBN 90-04-10736-3, S. 196. stationiert waren und die neugegründete Provinz Arabia Petraea sicherten.Glen Bowersock: Roman Arabia, Harvard University Press, 1998, ISBN 9780674777569, S. 106; Hans-Peter Kuhnen: Palästina in griechisch-römischer Zeit, Beck, München 1990, ISBN 3-406-32876-8, S. 120. Die Legion nahm unter ihrem Legaten Gaius Bruttius Praesens an Trajans Partherkrieg in Armenien (114), Mesopotamien (115) und Babylonien (116) teil. Trajans Nachfolger Hadrian (117–138) erkannte jedoch, dass sich diese Gebiete nicht halten ließen und zog 118 alle militärischen Kräfte wieder zurück.
miniatur|Bauinschrift des von Hadrian durch eine Vexillation der Legio VI Ferrata erbauten Aquädukts von CaesaraeaIMP(erator) CAES[AR] TRA(ianus) HAD(rianus) AVG(ustus) PER VEXIL(lationem) LEG(ionis) VI FE[R(ratae)] Um 123 wurde die VI Ferrata von der III Cyrenaica in Bosra abgelöst und kehrte nach Iudaea zurück.Maurice Sartre: The Middle East under the Romans, Harvard University Press, 2005, ISBN 0-674-01683-1, S. 136–137. Sie löste die Legio II Traiana fortis in Caparcotna (Kefar 'Otnay) in Galiläa ab.Edward Dabrowa: Legio X Fretensis. A Prosopographical Study of its Officers (I-III c. A.D.), Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 978-3-515-05809-4, S. 15. Sie blieb dort lange stationiert und verewigte sich dadurch, dass ihr Standlager in der Nähe von Megiddo möglicherweise nur noch legio genannt wurde und heute immer noch als „el-Lejjun“ bekannt ist.Hans-Peter Kuhnen: Palästina in griechisch-römischer Zeit, Beck, München 1990, ISBN 3-406-32876-8, S. 360; Y. Tepper, J. David, J. and M. J. Adams: The Roman VIth Legion Ferrata at Legio (el-Lajjun), Israel: Preliminary Report of the 2013 Excavation. Strata, in: The Bulletin of the Anglo-Israel Archaeological Society 34 (2016), S. 87–120. Vexillationen wurden bei Tiberias, Mount Hazon, Tel Shalem, Kefar Hananyah und weiteren Orten stationiert.Mark A. Chancey: The myth of a Gentile Galilee, Cambridge University Press, 2002, ISBN 9780521814874, S. 59. Unter Kaiser Hadrian waren Vexillationen der X Fretensis, II Traiana, III Cyrenaica und der Legio VI Ferrata mit dem Bau des Aquädukts der Colonia Prima Flavia Augusta Caesariensis bei Caesarea Maritima beschäftigt.
Ihren nächsten Einsatz fand die Legion bei der Niederschlagung der jüdischen Revolte unter Bar Kochba (132–136).Hans-Peter Kuhnen: Palästina in griechisch-römischer Zeit, Beck, München 1990, ISBN 3-406-32876-8, S. 121 Vermutlich siedelte Hadrian Veteranen der Legio VI Ferrata in der Colonia Aelia Capitolina (Jerusalem) an.Edward Dabrowa: Legio X Fretensis. A Prosopographical Study of its Officers (I-III c. A.D.), Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 978-3-515-05809-4, S. 21. Unter Antoninus Pius (138–161) baute eine Vexillation der Ferrata im Jahr 145 in Numidia (Algerien und Tunesien) eine Straße. Um das Jahr 150 war der Name des Standlagers Caparcotna zum Legionsnamen der Legio VI Ferrata Caparcotna geworden., , , Im Partherkrieg des Lucius Verus (162–165) kämpfte sie wieder gegen das PartherreichBenjamin H. Isaac: The Near East under Roman Rule, Reihe: Mnemosyne, bibliotheca classica Batava: Supplementum, Band 177, Brill, 1997, ISBN 90-04-10736-3, S. 434. und war vielleicht an der Eroberung der parthischen Hauptstadt Ktesiphon beteiligt. Lucius Artorius Castus, den manche mit König Artus identifizieren, war um 170 Centurio der Legio VI Ferrata..
Zweites Vierkaiserjahr und Severer