Der Grazer SchloßbergDie Schreibung „Grazer Schloßberg“ mit ß statt „Grazer Schlossberg“ mit ss hat, gestützt auf den Grazer Magistrat, als Eigenname die Rechtschreibreform überdauert. ist ein wuchtiger Fels aus Dolomitgestein und bildet den Kern der historischen Altstadt von Graz, der Landeshauptstadt der Steiermark in Österreich. Er liegt direkt am linken Ufer der Mur und ragt 123 m über den Grazer Hauptplatz. Neben dem Uhrturm, dem Wahrzeichen von Graz, stehen auf dem Schloßberg auch der Glockenturm mit seiner Glocke „Liesl“, die Schloßberg-Kasematten, der 94 m tiefe sogenannte Türkenbrunnen, alle Reste der Burg und eine Reihe kleinerer Kunstobjekte. Als nordöstlichster, überwiegend grüner Teil der Altstadt von Graz gehört er zum UNESCO-Welterbes Stadt Graz – Historisches Zentrum und Schloss Eggenberg.
Geschichte
mini|x180px|Uhrturm
Funde belegen eine Besiedlung bereits im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Um 1125 wurde auf dem damals nackten Felsen eine romanische Burg errichtet, die Graz ihren Namen gab („gradec“ bedeutet auf Slowenisch „kleine Burg“). Später wurde sie gotisch erweitert und ab 1544 nach Plänen von Domenico dell’Allio zu einer Renaissancefestung ausgebaut. 1576 erarbeitete der Militärarchitekt Simone Genga aus Urbino weitere Pläne und Modelle.Rochus Kohlbach, Steirische Baumeister. S. 51.
Die Burg ist im Guinness-Buch der Rekorde als stärkste Festung aller Zeiten verzeichnet.
Auch Napoleon konnte sie Anfang des 19. Jahrhunderts nicht erobern. Erst als er 1809 Wien besetzte und mit der Zerstörung der Hauptstadt drohte, ergab sich das erpresste Graz, und es wurden fast alle Festungsanlagen geschleift. Lediglich der Glockenturm und der Uhrturm blieben erhalten,Neben dem Glockenturm befand sich das aus dem Frühchristentum stammende Kirchlein St. Thomas im Walde. Die Franzosen dürften den geschichtlichen Wert des Bauwerks (des wahrscheinlich ältesten der Stadt) erkannt haben, beraubten es nur seiner Fenster, Türen sowie des Dachs und verschonten das Mauerwerk. Den Restbau verfiel jedoch bald und wurde in der Folge abgetragen. – Siehe: da sie von den Grazer Bürgern freigekauft und somit vor der Zerstörung bewahrt werden konnten.
1839 begann Ludwig Freiherr von Welden (1780–1853) mit der Umgestaltung des einstigen Festungsberges in einen romantischen Garten mit zahlreichen Spazierwegen und teils südländischen Pflanzen, die hier dank des vergleichsweise milden Grazer Klimas gedeihen. Welden sah den Schloßberg in der geografischen Mitte dreier mächtigerer, bereits jeweils mit einer Aussichtswarte versehener Bergrücken (Buchkogel, Hochplatte sowie Plabutsch), zu denen seine Gestaltung des Schloßbergs großräumig nicht in Konkurrenz treten sollte.
1859 errichtet ihm die Stadt das Welden-Denkmal mit Bronzestatue vor dem 1842–1945 dort am Osthang stehenden Restaurant Schweizerhaus, seit einigen Jahren ein Standort des Gartenamts.
Anfang 1925 wurde von der RAVAG auf dem Schloßberg eine 500-Watt-Sendestation errichtet, die erste außerhalb Wiens. Neben einer 35 Meter hohen Gitterkonstruktion wurde der Glockenturm mit einer Antenne versehen. Die (drei Tage pro Woche sendende) Anlage vermochte jedoch bald in Stärke und Empfang nicht mehr zu genügen, und es wurde daher 1929 in Graz-St. Peter zeitgemäßer Ersatz geschaffen.;Die Mitte 1929 abgebaute Schloßberg-Sendeanlage fand in Salzburg wieder Verwendung. – Siehe:
Im Zweiten Weltkrieg wurde durch Zwangsarbeiter im Inneren des Berges ein umfangreiches Stollensystem mit 6,3 km Länge, 20 Eingängen und etwa 12.000 m² Nutzfläche angelegt, welches während der schweren Bombenangriffe auf Graz als Kommandozentrale, Luftschutzbunker für bis zu 50.000 Personen und Lazarett diente. Das Stollensystem ist mit Naturhöhlen verbunden, von denen bis 1944 wenige bekannt waren; eine in jenem Jahr erschlossene Tropfsteinhöhle erregte daher entsprechende Aufmerksamkeit.
mini|Grazer Märchenbahn, ab Fuß des Schloßberglifts (2016)
Diese Stollen – erweitert durch neue Ausbrüche (a) – sind auch heute zum Teil in Verwendung; sie beherbergen:
den „Schloßberglift“ (a), genauer zwei vertikale Lifte in einem neu errichteten Schacht später zusätzlich, um das Liftpaar gewendelt, die „Schloßbergrutsche“ den „Dom im Berg“ (einen neu ausgebrochenen Veranstaltungsraum) (a) einen Fußweg – vulgo „der Schloßbergstollen“ – durch den Berg vom Schloßbergplatz zur Auffahrtsstraße nächst Am Fuße des Schloßbergs etwas über dem Karmeliterplatz Die Grazer Märchenbahn Das Montan- und Werksbahnmuseum, das von einem privaten Verein betrieben wird (nicht öffentlich zugänglich)
Diese und weitere Teile der Stollen werden gelegentlich für Ausstellungen (z. B. „Berg der Erinnerungen“Heimo Hofgartner, Katia Schurl, Karl Stocker: Berg der Erinnerungen. Die Geschichte der Stadt ist die Geschichte ihrer Menschen. Katalog zur Ausstellung im Stollensystem des Grazer Schloßberges, 22. März bis 28. September 2003. Graz 2003 Kulturhauptstadt Europas Organisations GmbH, Graz 2003, ISBN 3-9501666-6-1. im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2003) verwendet.
1999 wurde der Grazer Schloßberg gemeinsam mit dem historischen Stadtkern als fünfter Komplex in Österreich in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.
Am 19. – 20. oder 21. Februar 2024 wurde ein Helikopter Bell 412 von Heli Austria aus Tirol eingesetzt, um 44 geschädigte Bäume aus dem steilen Westwald und Totholz in Kronen von 27 weiteren Bäumen abzutransportieren. Die Aktion soll etwa 100.000 Euro kosten und erfolgte mit Bewilligung durch Denkmalschutzamt und Naturschutzbehörde. Der Heli stand nachts am Flughafen Thalerhof, transportierte das Holz zu einem Umschlagplatz westlich der Mur. Der Schloßberg wurde dafür nach Forstgesetz für Besucher gesperrt und bewacht, nur der Stollen (ab Schloßbergplatz) blieb zugänglich. Am 20. wurden wegen einer Hochzeitsfeier im aiola upstairs die Arbeiten ab 12 Uhr unterbrochen.Nina Müller: Wenn tote Bäume fliegen lernen Kleine Zeitung, Print, 20. Februar 2024, S. 1, 14 f.Heli-Einsatz am Schloßberg Kronenzeitung, Print, 20. Februar 2024, S. 1, 22.
Entstehungssage
Der Sage nach ist für die Entstehung des Schloßberges der Teufel verantwortlich: Dieser hatte den Grazern versprochen, den Schöckl noch höher zu machen. Als Gegenleistung verlangte er die Seele des ersten Menschen, der den erhöhten Hausberg besteigt. Die Grazer willigten ein und so flog der Teufel davon um einen gewaltigen Felsen zu holen. Als er zurückkehrte, bemerkte er jedoch eine Prozession in der Stadt und erkannte da erst, dass Ostersonntag war – an diesem Tag hatte er keine Macht über die Menschen und konnte daher auch keine Seelen für sich gewinnen. Voller Zorn schleuderte er den Felsen auf die Stadt. Dieser zerbrach in zwei Teile, von denen der größere zum Schloßberg wurde. Der kleinere bildete den Austein, auf dem sich heute der Kalvarienberg befindet.
Eigenname
Im Widerspruch zur neuen deutschen Rechtschreibung wird der Name des Schloßberges nicht mit „ss“ geschrieben. Dies ist darin begründet, dass die Stadt Graz die Bezeichnung als Eigennamen im alten Schreibstil führt. Dementsprechend wird auch die Grazer Schloßbergbahn nicht mit „ss“ geschrieben. Von dieser Vorgabe wich man jedoch bei dem 2020 neu eröffneten Schlossbergmuseum ab, das sowohl im Namen als auch in allen Beschreibungen der Ausstellungsstücke „ss“ verwendet.
Erschließung
Besucher können mit der Schloßbergbahn, mit dem Schloßberglift oder über 260 Stufen auf den Berg gelangen. Alternativ führt eine Vielzahl von Wegen auf den Schloßberg, die wesentlich zur Bedeutung des Schloßbergs als Erholungsort für Grazer und Touristen beitragen.
mini|Restaurant aiola upstairsSiegfried Frank, Michael Rieper: Aiola am Schloßberg. In: frank-rieper.at, 2016, abgerufen am 25. Juli 2016. (2023)
Die Gastronomie im Bereich von Glockenturm und Kasematten ist von jeher auf schnellstem und kürzestem Weg durch die Schloßbergbahn zu erreichen. Nach der Inbetriebnahme der an Höhenmetern tiefer gelegenen Bergstation des Schloßberglifts wurde auf dem umgebenden Grundstück der vormaligen Schloßberggärtnerei 2002/03 ein Restaurant errichtet, das die Vorteile dieser nächstgelegenen Aufstiegshilfe nutzt.
Schloßbergbahn
Seit 1894 besteht die 2004 renovierte und mit neuen Wagen ausgestattete Schloßbergbahn. Diese Standseilbahn erschließt den Berg im Westen vom Kaiser-Franz-Josef-Kai hinauf zu den Kasematten und dem Schloßbergrestaurant. Mit der Neueröffnung des (von Architekt Christian Andexer umgebauten) Schloßbergrestaurants wurden die Betriebszeiten der Schloßbergbahn von Freitag bis Samstag bis 02:00 Uhr, am Sonntag bis 22:00 Uhr und von Montag bis Donnerstag bis 00:00 ausgeweitet.
Schloßberglift Seit 2000 kann man ab Schloßbergplatz (Zugang Märchenbahn) mit dem Schloßberglift auf das Niveau Dom im Berg und weiter bis zum Café etwas oberhalb des Uhrturms vertikal hochfahren.
Unter Ausnutzung bereits vorhandener Stollen wurde für 4,1 Mio. Euro im Fels ein vertikaler Schacht von etwa sieben Meter Durchmesser ausgehoben, der vom Niveau des Schloßbergplatzes über 77 m hoch bis zu einer Öffnung nicht weit vom Uhrturm führt. Die Steiggeschwindigkeit der Kabinen beträgt 2,5 m/s, die Fahrt dauert ca. 30 Sekunden.
Während die Nutzung der Schloßbergbahn seit einigen Jahren mit dem städtischen ÖV-Ticket quasi im Verkehrsverbund mit abgegolten ist, wird für den Lift, der wie ÖV samt Bergbahn von den Holding Graz Linien betrieben wird, dennoch ein unabhängiger Fahrpreis von 2,00 Euro für eine Einzelfahrt und 4,00 Euro für Berg- und Talfahrt (Stand Februar 2023) über Fahrscheinautomaten an den zwei Ein-/Ausstiegstellen eingehoben. Es gibt aber seit einigen Jahren die sogenannte Kombikarte, mit der die Schloßbergbahn und der Schloßberglift in jeweils einer Fahrtrichtung benutzt werden darf.
Schloßbergrutsche
Mitte 2017 wurde bekanntgegeben, dass im Inneren des Schloßbergs die mit 64 m höchste Indoor-Rutsche der Welt gebaut werden soll."Größte Indoorrutsche der Welt" im Grazer Schlossberg auf "Der Standard" vom 13. Juni 2017, abgerufen am 7. Februar 2019. Die Rutsche soll sich im Liftschacht um den bestehenden Schloßberglift winden, der Ausstieg ist im Stollen vom Schloßbergplatz zum Lift geplant. Im Juni 2018 wurde die Baugenehmigung erteilt,Schloßberg-Rutsche: Start im November auf "Kleine Zeitung" vom 12. Juni 2018, abgerufen am 7. Februar 2019. im Juli war Baubeginn, die Eröffnung erfolgte im Februar 2019.Rutsche im Schloßberg: Eröffnung am 20. Februar auf Krone.at vom 3. Februar 2019, abgerufen am 7. Februar 2019. Die finale Bahnlänge der Rutsche wird mit 170 Metern angegeben, bei einer Rutschzeit von 40 Sekunden wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h erreicht., abgerufen am 7. Februar 2019. 2019 ging im Berg die mit 64 m „höchste Underground-Rutsche der Welt“ in Betrieb.Die erste Berutschung : Es ist so weit! Graz hat seine Rutsche vom Schloßberg kleinezeitung.at, 12. Februar 2019, abgerufen am 18. März 2019. Eine Besonderheit ist, dass sich der Drehsinn der Abwärtswendel einmal umkehrt. Die Rutschröhre windet sich dabei innerhalb des Schachts im Felsen um den rechteckigen Querschnitt der Stahlkonstruktion des Liftpaares.
Sport
Die Straßen am Schloßberg sind dank kameraüberwachtem Poller bzw. Schranken bis auf wenige Lieferfahrten autofrei. Vier Zugänge, aus den Haupthimmelsrichtungen, erlauben die Bergwanderung und den Berglauf über 100 bis 123 Höhenmeter. Nur der Herbersteingarten, ein Teil der Weldenstraße und das Gipfelplateau samt Park sind im Wesentlichen eben.
An der Weldenstraße und im neuen Schloßbergmuseum gibt es (Kinder-)Spielgeräte.
Schon in der Nachkriegszeit wurden Radrennen den Schloßberg hinauf ausgetragen. Ein Abschnitt des Altstadtkriteriums durch die Sporgasse verlief zwischen 2000 und 2007 am Rand des Schloßbergs. Um 2007 lief ein Rennen einer Fahrradbotenmeisterschaft mit paarweisem Start die Schloßbergauffahrt vom Schranken etwas oberhalb des Stollens bis zum Restaurant hinauf.