Kilchberg ist eine politische Gemeinde im Bezirk Horgen des Kantons Zürich in der Schweiz. Sie liegt am Westufer des Zürichsees mit dem volkstümlichen Namen «Pfnüselküschte» und zählt zu den wohlhabendsten Gemeinden des gesamten Kantons.
Geographie Von der Gemeindefläche sind 26,4 % landwirtschaftliche Nutzflächen, 2 % Wald, 58 % Siedlungsfläche, und 13 % dienen dem Verkehr. Der Dorfkern mit der Kirche liegt etwas oberhalb des Zürichsees auf rund 500 Metern über Meer.
Geschichte Der Alemanne Bankilo dürfte der eigentliche Begründer Kilchbergs – genauer Bendlikons – gewesen sein. Er liess sich zu Ende des 5. Jahrhunderts an der Mündung des Dorfbaches in den Zürichsee nieder. Im Alten Zürichkrieg wurde die hölzerne Kirche von den Eidgenossen abgebrannt und später durch einen massiven Steinbau ersetzt, der seither verschiedentlich renoviert worden ist. Seit 1935 hat Kilchberg zudem eine römisch-katholische Kirche. Der heutige Neubau, der nach Plänen des Architekten André M. Studer errichtet wurde und der Heiligen Elisabeth geweiht ist, stammt aus dem Jahr 1967. Im Jahr 1975 zog das damals von Dominikanerinnen geleitete Sanitas Spital von der Enge in einen grosszügigen Neubau im Grünen in Kilchberg. 2011 fusionierte das Sanitas Spital mit dem Zimmerberg Spital aus Horgen zum See-Spital mit zwei Standorten.
Ursprünglich war Kilchberg ein Bauerndorf. Neben den Bauern, deren wichtigster Erwerb bis ins 17. Jahrhundert der Weinbau war, sind auch die Schiffer von Bendlikon zu erwähnen, die den Personen- und Warenverkehr mit der Stadt Zürich besorgten. Im 17. und 18. Jahrhundert kam die Heimarbeit der Baumwollspinner und Mousselineweber zu einer gewissen Blüte.
Im 18. Jahrhundert hatte die Porzellanmanufaktur Kilchberg-Schooren und spätere Fayencefabrik für Kilchberg eine besondere Bedeutung. In der Schooren-Porzellanmanufaktur entstanden mannigfaltige, kunstvoll bemalte Tafelgeschirre und eine Fülle von Einzelfiguren und Figurengruppen. Bis 1869 wurden Fayencen und Steingutgeschirre fabriziert.
Gemeindename Der Ortsname Kilchberg und die Kirche auf dem Berg wurden erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1248 erwähnt. Die Gemeinde Kilchberg verdankt ihren Namen Dekan Otto von Kilchberg (Otto decanus de Hilchberch). Er wirkte im 13. Jahrhundert als Dorfpfarrer von Kilchberg, deren Pfarrei damals auch die Siedlungen Wollishofen, Rüschlikon und Adliswil umfasste. Er war auch Priester der Wasserkirche in Zürich. Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt. Vermutlich starb er im Jahr 1266. Bevor der Kilchberger Historiker Hans Bosshard ab dem Jahr 1998 über sein Wirken zu recherchieren begann, war über das Leben dieses Geistlichen und über sein historisches Umfeld nur sehr wenig bekannt. Die heutige Schreibweise Kilchberg begann sich gemäss Portal Ortsnamen.ch ab dem 14. Jahrhundert durchzusetzen und hat sich seit 1566 mit der Kartierung auf Kartenwerken gefestigt: Hilchberch: 1248 Kilchberch: 1250–1251 Chilchberch: 1314 Chilchperg: 1252 Chilchberg: 1291, 1305 Kirchperch: 1344 Kilchberg: 1270, 1305, 1373, 1417, 1469, 1504, 1566 (Murerplan), 1631, 1667 (Gygerkarte), 1756, 1841, 1873, 1882 (Siegfriedkarte)
Wappen
Bevölkerung mini|Schiffsanlegestelle Bendlikon
Politik
Wahlergebnisse Nachfolgerin von Gemeindepräsident Martin Berger ist seit 2022 Phyllis Scholl.
Die Kantonsratswahlen 2023 ergaben folgende Wähleranteile in Kilchberg: FDP 32,60 %, SVP 22,05 %, GLP 14,52 %, Grüne 10,82 %, SP 9,11 %, Die Mitte 5,47 %, EVP 2,49 %, Aufrecht 1,12 %, AL 1,01 %, und EDU 0,80 %.
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Kilchberg (in Klammern Veränderung in % gegenüber 2019): FDP 27,73 % (−2,16), SVP 24,63 % (+2,30), glp 14,59 % (−1,54), SP 12,07 % (+2,39), Mitte 8,58 % (+2,59), Grüne 7,26 % (−4,54) EVP 1,97 % (−0,10), EDU 0,60 % (+0,07).
Städtepartnerschaft Kilchberg (Tübingen) (Baden-Württemberg), offiziell seit 1981Hintergründe zur Partnerschaft
Wirtschaft In Kilchberg liegt der Hauptsitz des bekannten Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli. Es ist der älteste und einzige grössere Industriebetrieb in der Gemeinde. Die 1845 gegründete Firma hat ihren Betrieb seit 1899 am heutigen Standort an der Seestrasse. Gegenüber der Schokoladenfabrik stellt der Handwerksbetrieb Boesch Motorboote Luxusmotorboote her.
Sehenswürdigkeiten
In Kilchberg gibt es zwei Kirchen: Die Reformierte Kirche Kilchberg wurde 1248 erstmals urkundlich erwähnt. Sie befindet sich auf dem Scheitel des Zimmerberges und gilt als das Wahrzeichen der Gemeinde. Die römisch-katholische Kirche St. Elisabeth wurde von André M. Studer 1965 bis 1967 erbaut und gilt wegen ihres archaischen Erscheinungsbildes als exemplarisches Beispiel für die moderne katholische Kirchenarchitektur in der Schweiz. Das Schulhaus Brunnenmoos ist als Kulturgut von regionaler Bedeutung eingestuft. Seit 1927 findet alle sechs Jahre das prestigeträchtige Schwingfest Kilchberger Schwinget in Kilchberg statt, seit 1932 auf dem Gelände des Gutshofs «Uf Stocken».Kilchberger Schwinget. In: Stockengut.ch, abgerufen am 24. September 2021.
Schulen
Schulhaus Brunnenmoos Schulhaus Dorf Gemeindeschulhaus Schulhaus Alte Landstrasse
Öffentlicher Verkehr Der Bahnhof Kilchberg wird von den S-Linien S8 und S24 bedient. Innerhalb der Gemeinde fahren die Buslinien 66, 161, 162, 163 und 185. An der Seestation Bendlikon kann man ausserdem das Schiff benutzen.
Bilder
Persönlichkeiten Klaus Bartels (1936–2020), Altphilologe, lebte und verstarb in Kilchberg Florian Bissig (* 1979), Anglist, Kulturjournalist und literarischer Übersetzer, hier geboren Eduard Blocher (1870–1942), evangelischer Geistlicher und Sprachwissenschaftler Friedel Bohny-Reiter (1912–2001), Krankenschwester, ab 1920 bei Kilchberger Pflegefamilie aufgewachsen Hans Bosshard (* 1935), Journalist, Redaktor und Historiker, lebt hier Hans Conzett (1886–1918), Buchdrucker und Politiker Marthe Ernst-Schwarzenbach (1900–1967), Botanikerin und Hochschullehrerin Markus Fäh (* 1958), Psychoanalytiker und Autor Ulrich Farner (1855–1922), Journalist und Mundartschriftsteller Leonardo Genoni (* 1987), Schweizer Eishockeytorhüter, aufgewachsen in Kilchberg und seit 2019 wieder hier wohnhaft Richard Gertsch (* 1996), Fussballspieler Rudolf Gwerb (1483–nach 1541), Pfarrer und Reformator Edith Häusler (* 1960), Kantonsrätin (Grüne) Albin Heimann (1914–2015), Unternehmer und Politiker, hier wohnhaft und verstorben Hermann Huber (1888–1967), Maler, Freskant, Zeichner, Radierer und Lithograf. Mit Eveline Huber-Grisebach wohnhaft in Kilchberg-Schooren 1925–1933 Hans Hugi (1928–2015), Bauingenieur und Professor Hanna Johansen (1939–2023), Schriftstellerin, lebte hier Aaron Keller (* 2004), Fussballspieler Walter Keller (1901–1994) Maler, Zahnarzt, Maschineningenieur, lebte ab 1939 hier Karl Kerényi (1897–1973), klassischer Philologe und Religionswissenschaftler, hier gestorben Max Kopp (1891–1984), Architekt, hier wohnhaft und verstorben Michael Künzle (* 1965), Politiker und Winterthurer Stadtpräsident (2012–2026), hier geboren Charles Linsmayer (* 1945), Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, hier geboren Golo Mann (1909–1994), Historiker, Publizist und Schriftsteller, lebte von 1965 bis 1992 hier Katia Mann (1883–1980), Ehefrau von Thomas Mann, lebte von 1954 bis zu ihrem Tod hier Thomas Mann (1875–1955), Schriftsteller, lebte von 1954 bis zu seinem Tod in Kilchberg Alfred Marxer (1876–1945), Maler, lebte von 1915 bis zu seinem Tod in Kilchberg Erwin Poeschel (1884–1965), Jurist und Kunsthistoriker, hier verstorben Balser Puorger (1864–1943), Autor und Lehrer, hier verstorben Hansruedi Scheller (1931–2007), Grafiker und Sportler, hier geboren und zeitweise wohnhaft Jakob Schilling (1931–2023), Architekt, hier geboren Eduard Schweingruber (1899–1975), Theologe, hatte 1942–1964 hier das reformierte Pfarramt inne und lebte bis zu seinem Tod am Ort Johann Jakob Sperli (der Ältere) (1794–1843), Radierer, Aquatintist, Aquarellist; geboren in Bendlikon Erich Stern (1889–1959), Psychiater, Psychologe und Pädagoge, lebte von 1957 bis zu seinem Tod in Kilchberg Erika Streit (1910–2011), Malerin, war von 1943 bis zu ihrem Tod hier wohnhaft Heinrich Studer (1815–1890), Unternehmer, Bankmanager und Politiker Warren Thew (1927–1984), Pianist, Komponist, Dichter und Zeichner, lebte ab 1956 in Kilchberg Anna Barbara Urner geb. Welti (1760–1803), Lyrikerin Emil Usteri (1839–1914), Jesuit und Hochschullehrer in Indien Veljko Vukasinovic (* 2001), Fussballspieler Alfred Walther (1886–1955), Bauingenieur und Professor für Betriebswirtschaftslehre, hier geboren Hedi Wyss (* 1940), Schriftstellerin und Journalistin, lebt hier
Prominentengräber Auf dem Kilchberger Friedhof befinden sich die Grabstätten bekannter Persönlichkeiten wie Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898), Dichter Friedrich Wilhelm Foerster (1869–1966), Philosoph, Pädagoge und Pazifist Ludwig Klages (1872–1956), Philosoph, Psychologe und Graphologe Thomas Mann (1875–1955) und seine Familienmitglieder (ausgenommen Klaus Mann) Ferdinand Lion (1883–1968), Journalist und Schriftsteller Gert Westphal (1920–2002), Regisseur, Schauspieler und Rezitator Gisela Westphal (1930–2023), Schauspielerin, Rezitatorin, Autorin
Literatur Gottlieb Binder: Geschichte der Gemeinde Kilchberg. 3. Aufl. Gemeinde Kilchberg, Kilchberg 1968, Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1943. . Cilla Oertli-Cajacob: Chronik der Gemeinde Kilchberg. Gemeinde Kilchberg, Kilchberg 1998. Gemeinde Kilchberg (Hrsg.): Neujahrsblätter. Jährlich seit 1960. Autor verschiedener dieser Neujahrsblätter: Hans Bosshard.
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Kilchberg ZH
Statistische Daten Gemeinde Kilchberg ZH Neujahrsblätter der Gemeinde Kilchberg Siedlungen von Kilchberg aus dem Zürcher Siedlungsnamenbuch
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde
Kategorie:Ersterwähnung 1248