Die Ohio-Klasse ist eine Schiffsklasse der United States Navy und umfasst die 18 größten atomar angetriebenen U-Boote der Vereinigten Staaten. Sie entstand im Kalten Krieg als Träger für Interkontinentalraketen (kurz SLBM für Submarine Launched Ballistic Missile); die Boote gehören also zu der Gruppe der Raketen-U-Boote. Die offizielle Bezeichnung der Boote in der US Navy ist Ship Submersible Ballistic Nuclear, abgekürzt SSBN. Bis heute sind die Boote ein wichtiger Bestandteil der US-amerikanischen Politik der nuklearen Abschreckung, die Ohio-Klasse wird bis weit ins 21. Jahrhundert hinein die einzige SSBN-Klasse der US Navy bleiben. Ende der 2020er-Jahre werden die U-Boote das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.Eric J. Labs: , Congressional Budget Office, 20. Januar 2010, S. 11.

Nach dem Ende des Kalten Krieges ging der Bedarf an U-Booten mit Interkontinentalraketen zurück. Seit 2003 wurden daher vier der Boote der Klasse für den Abschuss von Marschflugkörpern umgerüstet. Diese Boote werden als SSGN (für Ship Submersible Guided Missile Nuclear) geführt.

Geschichte Planung und Entwicklung mini|links|Mittig die Michigan während des Baus, rechts davon die Ohio. Halb in der Halle: Florida Die United States Navy startete die Planung für eine neue SSBN-Klasse in den späten 1960er-Jahren. Parallel dazu trieb sie den Bau einer neuen von U-Booten zu startenden Interkontinentalrakete (Submarine-launched ballistic missile, kurz SLBM) voran, die erheblich größere Reichweiten als die Vorgängermuster aufweisen sollte. Daraus entwickelten sich die Ohio-Klasse und die von ihr getragene Interkontinentalrakete Trident. Die zuerst in Dienst genommene Trident-Version C4 war hierbei noch eine Übergangslösung, die auch auf älteren Booten nachgerüstet werden sollte. Die Weiterentwicklung, genannt Trident II oder kurz D5, würde aber nur noch auf den Ohios eingesetzt werden können. Ursprünglich war der Bau von zehn Booten der Klasse vorgesehen, im Zuge des globalen Wettrüstens – noch vor der ersten Auslieferung – plante die US Navy dann aber bis zu 16 Einheiten, 1989 gar 24. Im Jahr 1991 wurde im Hinblick auf die Auswirkungen der Rüstungsbegrenzungsgespräche START I entschieden, die Klasse mit den 18 Booten abzuschließen, die bisher genehmigt waren.

1974 wurde das erste Boot der Klasse in Auftrag gegeben; die ausführende Werft war die in Groton, Connecticut ansässige Werft Electric Boat (EB), die zum General-Dynamics-Konzern gehört. Um 1977 war die Auslieferung der ersten Einheit geplant, tatsächlich verzögerte sich die Indienststellung des Leitschiffs der Klasse um vier Jahre und fand erst Ende 1981 statt. Dessen ungeachtet gingen alle weiteren Aufträge ebenfalls an EB. Die letzte Einheit der Klasse wurde dort 1997 fertiggestellt.

Die Boote wurden in Modularbauweise hergestellt. Dabei wurden mehrere Sektionen einzeln gefertigt und in der Werft zusammengeschweißt. Die einzelnen Sektionen waren zu diesem Zeitpunkt auch im Inneren bereits teilweise ausgerüstet, so dass nach dem Vereinigen nur noch Kabel, Luftschächte und Ähnliches verlegt werden mussten. Durch diese Bauweise wurde die Arbeitszeit der Werftarbeiter im engen Inneren der Boote so weit wie möglich reduziert.

Die Kosten für die erste Einheit wurden 1974 mit 780 Mio. US-Dollar veranschlagt, die achte Einheit 1980 bereits mit 1,12 Mrd. Dollar.Stefan Terzibaschitsch: Seemacht USA. Bechtermünz-Verlag, ISBN 3-86047-576-2, S. 486. 1985 waren die Kosten für ein Boot bereits auf 1,8 Mrd. Dollar angestiegen.Chris & David Miller: Moderne Kriegsschiffe. Verlag Stocker-Schmid, Dietikon-Zürich 1990, S. 135. Hauptgründe hierfür waren die hohe Inflationsrate infolge der Ölkrisen 1973 und 1980 und die von EB gehaltene Monopolstellung beim Bau der Boote.

Die Benennung der Boote stellte ein Novum dar: Erstmals wurde U-Booten eine Einstufung als wichtige Einheiten (engl.: capital ships) der US-Flotte zuerkannt. Nur solche Einheiten erhalten in der Tradition der Namensgebung der US Navy die Namen von US-Bundesstaaten. Vor den Ohios erhielten lediglich Schlachtschiffe und einige Atomkreuzer solche Namen. Eine Ausnahme bildet SSBN-730, die eigentlich Rhode Island heißen sollte, dann aber zu Ehren des kurz vor der Schiffstaufe verstorbenen US-Senators Henry M. Jackson dessen Namen bekam.

Modifikationen mini|Ohio während der Umbauarbeiten zum SSGN im Trockendock Die ersten acht Boote der Klasse sind für den Start der Trident I C4 vorgesehen, der ersten Variante dieser Atomrakete. Die letzten zehn Einheiten wurden von der Werft bereits für die stärkere und zielgenauere Trident II D5 ausgerüstet. Vier der ersten acht Boote wurden ab 1996 modifiziert, um ebenfalls die neuere D5-Version an Bord nehmen zu können, wodurch die C4 komplett aus dem Dienst zurückgezogen wurde. Der Umbau des letzten der vier Boote wurde 2006 abgeschlossen. Da die C4 von Beginn an als Übergangslösung vorgesehen war, wurden die ersten Ohios mit genug Platzreserve gebaut, um die vor allem in der Länge und im Durchmesser vergrößerte Version D5 nach der Umrüstung tragen zu können.

Bereits 1994 wurde im Nuclear Posture Review, einer Evaluierung der Stellung der Atomwaffen des United States Department of Defense, entschieden, dass zur Abschreckung in den Zeiten nach dem Ende des Kalten Krieges 14 SSBN genügen würden. So sollten nach der Ratifizierung des 1993 beschlossenen Abrüstungsvertrages START II die ersten vier Boote 2002 und 2003 außer Dienst gestellt werden. Nachdem die russische Duma die Ratifizierung immer weiter verzögerte und da sich die U-Boote noch in gutem Zustand befanden, setzte 1999 ein Umdenken ein. Der Kongress der Vereinigten Staaten genehmigte Gelder zur Erstellung einer Konzeptstudie, die untersuchen sollte, ob sich aus den vier Booten Plattformen für den Abschuss von Marschflugkörpern machen ließen. Ein Jahr später wurden weitere Mittel für eine Designstudie bewilligt, 2001 dann erste Mittel für den tatsächlichen Umbau von vier Booten. (engl.) , Bericht über den SSGN-Umbau aus dem U-Boot-Magazin der US Navy, Undersea Warfare (engl.)

Dazu wurden die ursprünglichen Trident-Startrohre entfernt und Starter für je sieben Flugkörper pro ehemaliger Trident-ICBM installiert. Zwei der ehemaligen Rohre wurden außerdem als Ein- und Ausstiegsluke für Taucher umgerüstet, so dass die Boote Spezialoperationen ausführen können. Die Kosten für die Umrüstung liegen bei ca. 700 Mio. Dollar pro Boot. Die ersten beiden Boote wurden in der Puget Sound Naval Shipyard umgebaut, das zweite Paar lief dazu die Norfolk Naval Shipyard an. Dadurch entstanden die ersten SSGN (Ship Submersible Guided Missile Nuclear) der US Navy seit der 1960 in Dienst gestellten USS Halibut.

Die Ohio ging der Flotte als erstes SSGN Ende 2005 zu, die Georgia 2008 als letztes.

Einsatzzeit mini|West Virginia bei der Indienststellung Die Boote der Ohio-Klasse ersetzten zu Beginn der 1980er-Jahre die Boote der Klassen George Washington und Ethan Allen, die allesamt noch die erste U-Boot-gestützte Interkontinentalrakete überhaupt, die UGM-27 Polaris trugen. Die verbleibenden Jahre des Kalten Krieges ergänzten die zugehenden Boote der Ohio-Klasse die 31 Boote der Lafayette-Klasse, von denen die letzten 1995 außer Dienst gestellt wurden.

Für die Boote der Ohio-Klasse war ursprünglich – wie es bei US-Kriegsschiffen standardmäßig angenommen wird – eine Einsatzdauer von 30 Jahren vorgesehen. Bereits 1995 untersuchte die US Navy die Möglichkeit, die Dienstzeit der Boote auf bis zu 40 Jahre auszudehnen. Ab 1998 ging die Navy dann offiziell davon aus, die Boote 42 Jahre in Dienst halten zu können, geteilt in zwei 20-jährige Einsatzfenster mit einer Überholung dazwischen. Diese Verlängerung konnte erreicht werden, da sich die Boote weit weniger schnell abnutzten als Jagd-U-Boote (SSN). Einer der Gründe hierfür ist der sehr viel „ruhigere“ Modus Operandi. Die Ohios ziehen auf ihren Patrouillen ihre Kreisbahnen bei stetiger Geschwindigkeit und auf gleicher Tiefe. Gleichzeitig tauchen sie weniger tief ab als SSN und sind somit weniger Druck ausgesetzt. Da vorherige SSBN bereits vor dem Ablauf der 30-jährigen angenommenen Dienstzeit auf Grund von Abrüstungsverträgen außer Dienst gestellt wurden, war die längere Laufzeit bei den Ohios erstmals von Bedeutung.

2010 begann die US-Navy unter der Bezeichnung SSBN-X mit der Entwicklung eines Nachfolgers für die Ohio-Klasse. Diese wird seit 2016 als Columbia-Klasse bezeichnet und soll ab 2030 zur Verfügung stehen.

Technik Rumpf mini|Die Louisiana Der Rumpf eines Bootes der Ohio-Klasse ist 170 m lang und 12,8 m breit. Die Druckhülle ist wie schon bei den Jagd-U-Booten der Los-Angeles-Klasse grundsätzlich zylindrisch mit abschließenden Kappen an den Enden und wird von kreisförmigen Querspanten gestützt. Neben der inneren Druckhülle haben die Boote auch noch eine freiflutende äußere Rumpfschicht, in die die Hauptballasttanks eingearbeitet sind. Zwischen den Hüllen liegen außerdem am Bug die Sonaranlage und am Heck die Antriebswelle, die mittels einer Stopfbuchse aus der Druckhülle geführt wird. Die Druckhülle besteht aus hochelastischem HY-80-Stahl. Das bedeutet, dass der Stahl eine garantierte Streckgrenze von 80.000 psi (rund 552 N·mm−2) aufweist. Dies ist die Grenze von Werkstoffen, bis zu der keine bleibende Verformung auftritt. Ein weiterer Vorteil dieses Stahls, der vor allem für den Schiffbau eingesetzt wird, ist die gute Schweißbarkeit. Das gesamte Boot wird in einer Magnetic Silencing Facility genannten Anlage weitestgehend entmagnetisiert, um eine Erfassung durch feindliche Magnetometer (engl. Magnetic Anomaly Detector, MAD) zu verhindern.

Hinter dem Turm ist – im Unterschied zu Jagd-U-Booten – eine Sektion eingearbeitet, in der die Raketenschächte untergebracht sind und die von außen durch einen leichten Buckel erkennbar ist. Getaucht verdrängt eine Ohio 18.750 ts und damit mehr als doppelt so viel wie ihre Vorgänger der Lafayette-Klasse. Ähnliche Maße erreichen ansonsten nur die parallel von der Sowjetunion geplanten und gebauten SSBN der Typhoon-Klasse, die einige Meter länger und fast doppelt so breit sind und über 26.000 ts verdrängen.

Die Tiefenruder der Boote sind am Turm angebracht, weitere Steuereinrichtungen befinden sich am Heck; in einem Steuerkreuz sind dort Tiefen- und Seitenruder installiert. Die Tauchtiefe wird offiziell mit 800+ ft – also rund 250 m – angegeben, tatsächlich dürften die Boote 300 m oder tiefer tauchen können.Zum Beispiel Globalsecurity.org erwähnt diese Zahlen (engl.)

In der Forward Compartment genannten vorderen Abteilung, die sich vom Bug bis hinter den Turm erstreckt, bietet der Rumpf genug Platz für vier Decks. Dort befinden sich sämtliche Kommando- und Kontrollräume wie die Brücke, die Sonar-, Funk- und Raketenkontrollräumlichkeiten sowie der Torpedoraum. Außerdem liegen dort die Quartiere der Offiziere und die Offiziermesse sowie die Speise- und Aufenthaltsräume der Mannschaften und der erste Hilfsmaschinenraum. Direkt achtern des Turms schließt sich das Missile Compartment an. Diese größte Abteilung nimmt rund die Hälfte des Schiffes ein. Auf Grund der dort befindlichen senkrechten Raketenschächte wird der Raum auch Sherwood Forest genannt. Neben den Schächten befinden sich dort außerdem die Quartiere der Mannschaften, Lagerräume und der zweite Hilfsmaschinenraum. An den Sherwood Forest schließt sich die Reaktorabteilung an, die von den angrenzenden Räumen abgeschirmt ist. Der Aufenthalt in diesen Bereichen ist streng reglementiert. Achtern davon liegt noch der Maschinenraum mit dem nicht-nuklearen Sekundärkreislauf und den Turbinen sowie der Antriebswelle, die ganz achtern durch die Druckhülle austritt.Längsschnitt durch den Rumpf auf globalsecurity.org (engl.)

Antrieb