Hammelburg ist eine Kleinstadt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen. Sie liegt an den Ausläufern der bayerischen Rhön und an der Fränkischen Saale. Hammelburg ist als die älteste Weinstadt Frankens bekannt und wurde urkundlich erstmals im Jahre 716 erwähnt. Sie gehört damit zu den 30 ältesten Städten Deutschlands.
Wahrzeichen der Stadt sind das Rathaus im Zentrum mit Marktbrunnen, das Kellereischloss mit Schlossweiher und das über der Stadt thronende Schloss Saaleck.
Bekannt sind der Garnisonsortsteil Lager Hammelburg, heute Standort des VN Ausbildungszentrums der Bundeswehr und der Infanterieschule, sowie der Truppenübungsplatz Hammelburg mit dem Übungsdorf Bonnland.
mini|Marktbrunnen vor dem Rathaus mini|300px|Kellereischloss mit Weinbergen mini|300px|Kirchgasse mit St. Johannes mini|300px|Stadtbild mit Mönchsturm
Geographie Das Tal der Fränkischen Saale prägt die Gegend rund um Hammelburg. Im Norden schließt sich die Rhön an, im Westen fällt das Gelände allmählich in die Niederungen des Maintals ab. Durch Hammelburg verläuft der Fränkische Marienweg.
Gemeindegliederung Es gibt 19 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bonnland, Diebach (Gemarkungsteil 0), Feuerthal, Gauaschach, Hammelburg, Hundsfeld, Morlesau, Obererthal, Pfaffenhausen, Untererthal, Untereschenbach und Westheim. Die Gemarkung Hammelburg hat eine Fläche von 16,212 km². Sie ist in 4904 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3305,84 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Altstadt.
Klima Der Jahresniederschlag liegt bei 685 mm und ist damit vergleichsweise niedrig, da er in das untere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fällt. An 29 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,6 Mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind relativ gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 4 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Name Etymologie Der Ortsname „Hammelburg“ hat nichts mit einem „Hammel“ zu tun. Die lateinische erste urkundliche Bezeichnung des Ortes im Jahr 716 als hamulo castellum weist jedoch auf einen möglichen Ursprung der Stadt in der spätantiken Römerzeit hin (4./5. Jahrhundert). Im 1873 von Philipp Josef Döll herausgegebenen ersten Buch zur Geschichte der Stadt Hammelburg vertrat dieser die These, dass ein Mann namens Hamulo das hamulo castellum gegründet habe. Zur Herkunft des Namens „Hammelburg“ wird auch die Theorie vertreten, dass das althochdeutsche Wort hamala (steil) oder das germanische Wort ham (Flusskrümmung) den Ortsnamen bestimmt haben könnte.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes in historischen Urkunden und Karten (716–1486) waren: 716 hamulo castellum 777 Hamalumburg 820 Hamelenburg 822 Homolinburg 845 Hamalunpurc 889 Hamulunburcg 923 Hamulunburg 1246 Hammelnburc 1282 Hamilnburg 1321 Hamelnburg 1328 Hamelburg 1486 Hammelburg
Geschichte Frühgeschichte der Stadt im 8. Jahrhundert Hammelburg wurde erstmals im Jahr 716 in der ausgehenden Zeit der Merowinger erwähnt. Der Ort, der damals hamulo castellum genannt wurde, gehörte zum Lehensgebiet des thüringischen Herzogs Heden II.Franz Hettinger: Aus Welt und Kirche. Bilder und Skizzen, Band 2: Deutschland und Frankreich. Herder, Freiburg, vierte Aufl. 1897, S. 591. Die „Hedene“ waren seit Mitte des 7. Jahrhunderts Vasallen der Merowinger-Könige in Ostfranken und hatten die Aufgabe, an der Ostgrenze des Reichs feindliche Angriffe abzuwehren. Heden I. regierte von 643 bis 687; dessen Sohn Gosbert residierte in Würzburg von 687 bis 704. In diese Zeit fiel die Ermordung der iro-schottischen Wandermönche Kilian, Kolonat und Totnan, die der Legende nach auf Veranlassung Gosberts und dessen Frau Gailana 689 in Würzburg enthauptet wurden. Der Sohn Gosberts, Heden II., wollte die Mordtat seiner Eltern wieder gut machen. Deshalb schenkte er 716 das hamulo castellum, das er von seinen Eltern als Lehen geerbt hatte und das im westlichen fränkischen Saaletal lag, mit all seinen Gütern zur Gründung eines Klosters an Bischof Willibrord.Die Schenkungsurkunde wurde von Hedans Gemahlin Theodrada und seinem Sohn Thuring mitunterzeichnet: Johannes Hoops: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Hrsg. von Heinrich Beck. 2. Auflage. de Gruyter, Berlin 1999, Band 14 Harfe und Leier, S. 107. Diese Schenkung trat jedoch nicht in Kraft, da Heden II. um 717 mit Karl Martell in einen Konflikt geriet und ermordet wurde. Auch der Sohn und die Ehefrau Hedens II. kamen ums Leben, sodass die Übereignung des hamulo castellum an Willibrord nicht rechtswirksam wurde. Die erste Ursiedlung Hammelburgs fiel 717 als Lehen an den Merowinger-König Chilperich II. Daniel, der von 716 bis 721 amtierte, zurück. links|mini|150px|Goldenes Buch von Echternach mit Abschrift der Schenkungsurkunde von 716 Die Schenkungsurkunde Hedens II. von 716 ist nicht mehr im Original erhalten, sondern liegt nur noch als Abschrift aus dem 12. Jahrhundert in verschiedenen Textversionen vor, die sich insbesondere bei der Datierung der Urkunde unterscheiden. In einer dieser Abschriften wird der Tag der originalen Urkundenerstellung genau auf „die Kalenden des Mai“ datiert, d. h. auf den 1. Mai 716. Laut einer anderen Abschrift und Textversion, die sich im „Goldenen Buch“ des Klosters Echternach findet, erfolgt die Datierung 14 Tage vorher (lat. XIIII Kal. Maias). Gemäß der unterschiedlichen Quellenlage bei den Abschriften aus dem 12. Jahrhundert und aufgrund von Unterschieden bei der Übersetzung und Rückrechnung des römischen Datums XIIII Kal. Maias ins Deutsche liegen unterschiedliche Meinungen zur Datierung der Originalurkunde vor: 16. April 716 nach Heinrich Ullrich, Chronik der Stadt Hammelburg, 1956; 19. April 716 nach Philipp Joseph Döll, 1873; 18. April 716 nach Dieter Vogler, Projektteam der 1300-Jahr-Feier in Hammelburg, 2016; 1. Mai 716 nach Anna-Maria Stolze, Studienarbeit 2005, FHS Jena.
Wo genau das einstige hamulo castellum lag, darüber gehen die Meinungen bis heute auseinander. Heinrich Ullrich, der Verfasser der Chronik der Stadt Hammelburg, vertritt in seinem 1956 herausgegebenen Geschichtswerk die Auffassung, dass der südwestliche Teil der heutigen historischen Altstadt Hammelburgs die einstige Ursiedlung war. Andere vermuteten die „Urburg“ auf dem Berg Saaleck, der links der Saale liegt. Auf dem Bergrücken erhob sich ab dem 11. Jahrhundert eine Burganlage; dort befindet sich noch heute das Schloss Saaleck. Eine geophysikalische Bodenuntersuchung, die 2015 vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt wurde, hat jedoch empirisch nachgewiesen, dass es vor dem 11. Jahrhundert keine Burg auf dem Berg Saaleck gab, dass demgemäß weder das heutige Schloss Saaleck noch eine weiter hinten liegende vermutete Burganlage die einstige „Urburg“ der Stadt waren.
Das hamulo castellum war sehr wahrscheinlich – nach Lehrmeinung des Chronisten der Stadt Hammelburg, Heinrich Ullrich – keine Burg im heutigen Sinne, sondern eine kleinere Hofanlage mit Herrenhaus, die mit Wall und Graben umgeben war und auf geringer Anhöhe rechts des Saaleufers lag. In der mäßig erhöhten Hofanlage, die vom Hochwasser der Saale nicht erreicht werden konnte, wohnten Wehrbauern mit einem „Herren“ als Gutsverwalter. Die Wehrbauern mussten die Güter des hamulo castellum bewirtschaften und Abgaben an den König bzw. an dessen Vasallen leisten. In der Urkunde von 716 werden Felder, Wiesen, Weiden, Wälder, stehende und fließende Wässer erwähnt, die zum damaligen hamulo castellum gehört haben, aber noch keine Weinberge. „8 Mägde“ (lat. ancillis VIII) und Knechte sollen, laut einer Abschrift aus dem 12. Jahrhundert, im Herrenhaus des hamulo castellum um 716 ihren Dienst verrichtet haben. mini|Fränkische Saale mit Burg Saaleck als frühere Furtsicherung Philipp Josef Döll, königlicher Notar in Hammelburg und Werneck, der 1873 ein erstes Buch zur Geschichte Hammelburgs herausgab, vertrat die Auffassung, dass das hamulo castellum schon in der spätantiken Römerzeit (4./5. Jahrhundert) existiert haben könnte und von einem Mann namens Hamulo gegründet wurde. Diese erste frühe Ansiedlung könnte ein sogenannter römischer fiscus gewesen sein, d. h. ein Ort, der Abgaben an den römischen Statthalter seiner Provinz leisten musste. Im frühen 6. Jahrhundert übernahmen dann – dieser Theorie zur Folge – die Merowinger-Könige diesen fiscus, der seit seiner Gründung hamulo castellum genannt wurde, in ihren Besitz und vergaben ihn als Lehen. Begünstigt durch seine Lage an einer Kreuzung wichtiger Altstraßen (zum Beispiel Ortesweg) und einer Furt über die Fränkische Saale, kam das hamulo castellum schon früh mit dem Christentum in Kontakt.
Im ausgehenden 7. Jahrhundert missionierten iro-schottische Wandermönche in der Hammelburger Region. Eine erste kleine Holzkirche, die dem Heiligen Martinus geweiht war, stand bereits 716 auf dem früheren vorchristlichen „Thingplatz“ der einstigen Ursiedlung. Es ist jener Platz, auf dem sich noch heute die Stadtpfarrkirche Hammelburgs erhebt. Eine zweite urkundliche Erwähnung fand Hammelburg im Jahr 741, als Karlmann die frühe und erste Holzkirche des hamulo castellum, die später zur Taufkirche der Region wurde, zusammen mit 20 anderen staatlichen Eigenkirchen an den hl. Bonifatius zur Gründung des Bistums Würzburg vermachte. Am 7. Januar 777 schenkte Karl der Große den fiscus Hammelburg mit all seinen Gütern und Besitzungen – außer der Martinskirche, die seit 741 dem Bistum Würzburg gehörte – dem Kloster Fulda, das 744 von Sturmius gegründet worden war. Das Fuldaer Kreuz im Stadtwappen Hammelburgs zeugt noch heute von dieser bedeutenden Zeitepoche, die über 1000 Jahre bis 1802 währte.
Die Schenkung Karls des Großen von 777 an das Kloster Fulda umfasste nicht nur Felder, Wiesen, Weiden und Wälder, sondern auch Weinberge. Vineae (Weinberge) waren 716 in der Schenkungsurkunde Hedens II. an Willibrord noch nicht genannt. Demzufolge entstand der Weinanbau in Hammelburg in der Zeit zwischen den beiden Schenkungsurkunden der Jahre 716 und 777. Im Zuge der zunehmenden Christianisierung der Region wurde mehr Messwein benötigt, der nun auf den Hügeln rund um das hamulo castellum angebaut wurde. Weil Hammelburg heute als einzige Stadt in Unterfranken die älteste – originale – Urkunde vorweisen kann (es ist die Schenkungsurkunde Karls des Großen von 777), in der vineae (Weinberge) erwähnt werden, darf sich Hammelburg seit 2002 als „älteste Weinstadt Frankens“ bezeichnen.
Spätmittelalter Hammelburg war Sitz des fuldischen Oberamtes Hammelburg.
Hammelburg wurde am 1. August 1303 durch König Albrecht I. das Stadtrecht verliehen. Die Stadt erhielt das Recht der Reichsstadt Gelnhausen und Rechtsfragen des städtischen Gerichts wurden dem Oberhof Gelnhausen vorgelegt.Karl Schmerbach: Der Oberhof Gelnhausen. In: Geschichtsblätter für Stadt und Kreis Gelnhausen. 1966, S. 13–33 (17).
Frühe Neuzeit mini|hochkant=1.5|Hammelburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 mini|50-Pfennig-Schein, Notgeld von 1918