Shanghai, auch Schanghai () ist die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und eine der größten Städte der Welt.

Zu Shanghai gehören außer der Innenstadt mit etwa 15 Millionen Einwohnern zahlreiche umliegende, bis 50 km entfernte Stadtbezirke mit weiteren etwa 8 Millionen Einwohnern. Während die Innenstadt eine hohe Bebauungsdichte und geschlossene Siedlungsform hat, dominiert in den Randbezirken eine ländliche, eher provinzielle Siedlungsstruktur. Die Einwohnerzahl beträgt 24.870.895 (Stand: Zensus 2020). Von den insgesamt etwa 23 Millionen Einwohnern, die während der Volkszählung 2010 erfasst wurden, waren 15,9 Millionen registrierte Bewohner mit ständigem Wohnsitz () und 7,1 Millionen temporäre Bewohner () mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung ().

Shanghai ist eine regierungsunmittelbare Stadt, das heißt, sie ist direkt der Zentralregierung unterstellt, und ihr Status entspricht dem einer Provinz. Ihr 6340,5 km² (2012) großes Gebiet wird durch andauernde Landgewinnung am seichten Bankett des Jangtsekiang-Trichters (insbesondere im südöstlichen Zipfel) stetig leicht größer.

Der Hafen von Shanghai ist mit 47,28 Millionen TEU pro Jahr der größte Containerhafen der Welt (Stand: 2022). Auch nach Gesamtumschlag war der Hafen mit 736 Millionen Tonnen Waren im Jahr 2012 der größte.

mini|Shanghai, China, Skyline von Pudong am Abend, September 2021

Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein bedeutendes Kultur- und Bildungszentrum mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Theatern und Museen.

Name Der Name der Stadt setzt sich im Chinesischen aus den Zeichen (shàng) im Sinne von „gehen, sich bewegen zu/auf“, und (hǎi) mit der Bedeutung von „Meer“ zusammen und kann als „Stadt, von der aus man in See sticht“ übersetzt werden. Da im Chinesischen das Bestimmende vor dem Bestimmten steht, ist die häufige Übersetzung „Stadt über dem Meer“ nicht richtig, da es sonst „hǎi shàng“ heißen müsste.

Für die deutsche Sprache empfiehlt der Duden die Schreibweise Shanghai. Umgangssprachlich wird Shanghai auch „Tor zur Welt“, „Paris des Ostens“ (), „Drachenkopf-Metropole“ () oder „Perle des Orients“ () genannt.

Die offiziellen Abkürzungen von Shanghai im Chinesischen sind Hù () und Shēn (). Der Kurzname Hù – nach einem im Altertum verwendeten Fischereigerät (einer Art Fischzaun aus Bambus)Lu Guimeng (Tang-Dynastie) über Fischereigeräte: "Werden Bambusstöcke am Meeresufer aufgereiht, spricht man von Hu." Begriff In: zdic.net – Handian (chinesisch, deutsch, englisch, französisch) – wird auch als Autokennzeichen verwendet. Der Name Shēn bezieht sich auf den adeligen Herrn Chunshen (), einen Politiker und General aus der Zeit der Streitenden Reiche.Die Stadt Shanghai nutzt heute meist das Zeichen als Abkürzung. Das Zeichen wird meist im historischen Kontext als Abkürzung der Stadt genutzt und spielt heute im modernen Kontext als Abkürzung für die Stadt kaum eine Rolle.

Geographie mini|Satellitenaufnahme von Shanghai, Landsat 7 15. August 2005 mini|Der Bund mini|Shanghai, Skyline von Pudong am Morgen, August 2016 mini|Pudong in der Silvesternacht 2011/2012 mini|Blick vom Shanghaier Wissenschafts- und Technologie-Museum

Geographische Lage Shanghai liegt im Jangtsekiangdelta am Huangpu-Fluss auf 31° 14' nördlicher Breite und 121° 28' östlicher Länge. Die Nachbarprovinzen sind Jiangsu im Nordwesten und Zhejiang im Südwesten. Das Gelände der Provinz ist flach. Die durchschnittliche Höhe über dem Meeresspiegel beträgt vier Meter. Der höchste Berg ist der She Shan mit einer Höhe von 100 Meter. Er ist per Seilbahn erreichbar.

Im Jahr 1949 hatte das Verwaltungsgebiet der Stadt eine Fläche von 636 km². 1958 wurden zehn Landkreise mit einer Fläche von 5274 km² (Baoshan, Chongming, Chuansha, Fengxian, Jiading, Jinshan, Nanhui, Qingpu, Shanghai, Songjiang, alle in der Provinz Jiangsu gelegen) Shanghai eingemeindet.

Heute hat die Stadt eine Fläche von 6340,5 km². Davon gehören 1928,13 km² (30,4 %) zur Kernstadt (Puxi) und den inneren Vororten (Minhang, Baoshan, Jiading und Pudong), 4412,37 km² (69,6 %) bestehen aus äußeren Vorstädten und Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur. Das gesamte Verwaltungsgebiet ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland und hat eine Ausdehnung von ungefähr 120 Kilometer in Nord-Süd-Richtung und 100 Kilometer in Ost-West-Richtung. Innerhalb der Stadtgrenzen befinden sich die Insel Chongming (nach Hainan die zweitgrößte Insel der Volksrepublik China: 1041,21 km²) und andere Inseln wie Changxing und Hengsha.

Das Verwaltungsgebiet Shanghais ist mit zahlreichen Flüssen, Kanälen und Seen reich an Wasserressourcen (122 km² Wasserfläche), darunter der Bereich Jiangnan, wie die Schwemmebene des Jangtse-Deltas genannt wird. Jiangnan, das auch Teile der ostchinesischen Provinzen Jiangsu und Zhejiang umfasst, ist durch ein dichtes Flussnetz gekennzeichnet und hat in Shanghai eine Fläche von 697 km², was einen Anteil von elf Prozent an der Gesamtfläche Shanghais ausmacht.

Die größten Flüsse in Shanghai sind der Huangpu, der Suzhou, der Chuanyang und der Dingpu. Der 113 Kilometer lange Huangpu (sein Ursprung ist der Tai-See) teilt die Stadt in zwei Hälften (Puxi und Pudong); er ist zwischen 300 und 700 Meter breit, im Durchschnitt 360 Meter. Der eisfreie Fluss ist die Hauptwasserstraße Shanghais.

Der Fluss Suzhou durchfließt Shanghai auf einer Länge von 54 Kilometern und ist im Durchschnitt 45 Meter breit. Die meisten Seen befinden sich im Westteil Shanghais, der größte ist der Dianshan mit 62 km² Fläche. Weitere Stadtgebiete im Verwaltungsgebiet Shanghais sind unter anderem Anting, Baoshan, Jiading, Jinshan, Qingpu und Songjiang.

Der lokale Dialekt (Shanghaiisch, auch Shanghainesisch) ist eine der Varianten des ostchinesischen Wu-Dialektes.

Geologie Shanghai liegt in einem großen Delta, das der Jangtsekiang bei seiner Mündung in das Ostchinesische Meer bildet. Das gesamte Tiefland zu beiden Seiten des Stromes besteht aus dunklem lößfreien Alluvialboden, der von den Sedimenten des Jangtse gebildet wird. Die aus seinem Schlick aufgebaute, von Kanälen und Dämmen durchzogene Ebene des Deltas ist eines der fruchtbarsten Gebiete Chinas und gleichzeitig sein Hauptbaumwolllieferant.

Das Jangtsekiangmündungsland ist wahrscheinlich die Ausfüllung eines alten Meeresteiles, und die vielen kleinen Inselberge des Gebietes waren ursprünglich wirkliche Inseln. Die Deltabildung rückte die Hafenstadt Shanghai, ursprünglich am Meer gegründet, bereits 30 Kilometer landeinwärts.

Stadtgliederung Die regierungsunmittelbare Stadt Shanghai gliedert sich in 16 Stadtbezirke.

Innenstadt

Die Innenstadt (Puxi) unterteilt sich in sieben Stadtbezirke, die westlich des Huangpu-Flusses liegen: Huangpu (), Xuhui (), Changning (), Jing’an (), Putuo (), Hongkou () und Yangpu (). Am 20. Mai 2011 wurde der ehemalige Stadtbezirk Luwan () aufgelöst und seine Fläche in Huangpu integriert; Zhabei () wurde 2015 Jing’an zugeschlagen.

Peripherie

In der nahen Umgebung des Stadtzentrums befinden sich vier weitere Stadtbezirke, die zum städtischen Siedlungsgebiet (urban area) der Kernstadt gehören. Diese wurden zwischen 1988 und 1992 aus Kreisen in Stadtbezirke umgewandelt. Dazu gehört der östlich des Huangpu-Flusses gelegene Stadtbezirk Pudong (). Letzterer war bis 1992 ein Kreis und trug den Namen Chuansha. Im Jahr 2009 wurde der ehemalige Stadtbezirk Nanhui () aufgelöst und seine Fläche in Pudong integriert. 1988 ist Baoshan () in einen Stadtbezirk umgewandelt worden, 1992 Jiading () und Minhang ().

Weitere Umgebung

Fünf Stadtbezirke (diese wurden zwischen 1992 und 2016 aus Kreisen in Stadtbezirke umgewandelt) liegen weiter entfernt von der Innenstadt in den ländlichen Gebieten außerhalb der Kernstadt. 1992 ist Jinshan () in einen Stadtbezirk umgewandelt worden, 1997 Songjiang (), 1999 Qingpu (), 2001 Fengxian () und 2016 Chongming (). Letzterer besteht aus der gleichnamigen Insel Chongming Dao in der Mündung des Jangtsekiang sowie zwei kleineren, südlich davon gelegenen Inseln.

Klima Shanghai hat ein subtropisch-maritimes Monsunklima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten, wobei Frühjahr und Herbst vergleichsweise kurz ausfallen.

Shanghai liegt an der Grenze zwischen kühl-feuchtem Seeklima und subtropisch-warmem Monsunklima. Im Winter ist es feuchtkalt, die Temperaturen liegen bei durchschnittlich 3,4–5,6 °C. Gelegentlich gibt es auch starken Frost. Früher waren diese niedrigen Temperaturen für die Bewohner südlich des Jangtse sehr unangenehm, weil er die „Heizlinie“ markierte, was heißt, dass südlich des Jangtse nicht geheizt werden durfte. Weil es aber auch dort sehr kalt werden kann, wurde diese Regelung abgeschafft.

In den schwülheißen Sommermonaten werden Durchschnittstemperaturen von 23,1 bis 27,2 °C und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 100 % erreicht. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen gelegentlich bis zu 40 °C. Außerdem suchen in den Sommermonaten zahlreiche Taifune die Stadt heim, mit häufig sehr starken Niederschlägen in kürzester Zeit.

Die höchste Temperatur wurde offiziell am 7. August 2013 mit 40,8 °C gemessen, die tiefste am 19. Januar 1893 mit −12,1 °C.Meteorologyclimate.com: (englisch)Official Xuhui District Website: In: en.xh.sh.cn, Shanghai Xuhui, 9. September 2011 (englisch)Washington Post: Shanghai sets new all time record again Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 15,3 °C. Die Jahresniederschlagssumme liegt bei 1112 Millimeter, davon fallen 50 % in die Zeit von Mitte Mai bis Mitte September (Flutsaison). In diesem Jahresabschnitt gibt es drei ausgeprägte Regenperioden: Die „Frühlingsregen“, die „Pflaumenregen“ und die „Herbstregen“. Insgesamt fallen durchschnittlich 130 Regentage an.

Geschichte Ursprung und weitere Entwicklung mini|Historische Karte von Shanghai aus Meyers Konversations-Lexikon 1890

Die ersten Spuren der Besiedelung in der Region reichen bis etwa 4000 v. Chr. zurück. Im Jahr 960 wurde Shanghai erstmals als Dorf erwähnt. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Jangtse-Deltas wuchs auch Shanghai. 1074 erhielt Shanghai ein eigenes Steuerbüro. 1264 wurde es mit drei anderen Dörfern zusammengelegt. Die Stadt besaß zu dieser Zeit einen wichtigen Handelshafen, von dem die stattliche Baumwollernte der Region nach Peking ins Hinterland und nach Japan verschifft wurde. 1554 bekam Shanghai eine Stadtmauer von zehn Metern Höhe und mit einem Umfang von fünf Kilometern.Eric N. Danielson: Shanghai and the Yangzi Delta. Marshall Cavendish/Times Edition, Singapur 2004, ISBN 981-232-597-2 (englisch), hier S. 10 Bis zur Qing-Dynastie (1644–1911) hatten sich große, durch den Handel organisierte und äußerlich den niederländischen Gilden ähnelnde Kaufmannszünfte gebildet, die sich die wirtschaftliche und teilweise auch politische Kontrolle über die Stadt teilten.

Ausländische Konzessionen Nach dem Ersten Opiumkrieg erzwang Großbritannien 1842 unter dem Vertrag von Nanking die Öffnung Shanghais für den Handel mit den europäischen Mächten. Die Wahl der Briten fiel auf Shanghai als Vertragshafen, weil die Stadt, wie der Repräsentant der Ostindien-Kompanie, Hugh Lingsey, es formulierte, seit den 1840er Jahren zum „wichtigsten Marktplatz Ostasiens“ geworden war. Mit dem Handel wurde auch die christliche Mission freigegeben, Kaufleute und Missionare genossen strafrechtliche Freizügigkeit und Immunität.

mini|Lage der Französischen Konzession in Shanghai (rot) und des International Settlement (gelb)

Nach den Briten folgten 1847 die Franzosen (Vertrag von/traité de Huangpu). Diese beiden Mächte richteten die ersten ausländischen Konzessionen in Shanghai ein – die Briten entlang des Bundes und im Gebiet nördlich Alt-Shanghais, der Chinesenstadt, die Franzosen im Südwesten um eine Kathedrale, die ein französischer Missionar 200 Jahre zuvor gegründet hatte. In der Folgezeit bildete sich in der Stadt auch eine größere jüdische Gemeinde.