mini|Der neu gestaltete Eingang des ältesten Hotels von Wien mini|Das Hotel vor der Umgestaltung des Portals Das Hotel Stefanie befindet sich im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt, an der Taborstraße. Es ist ein Vier-Sterne-Hotel und das älteste bestehende Hotel Wiens.Vgl. Grundbücher im Wiener Stadt- und Landesarchiv; Fuchs,….
Geschichte 15. bis 19. Jahrhundert Die Taborstraße war ab dem frühen 15. Jahrhundert die Einfahrtsstraße aus den nordöstlichen Teilen der Habsburgermonarchie in das Zentrum der Kaiserstadt Wien. Sie besaß besondere Bedeutung als Hauptdurchzugs- und Handelsweg, da die heutige Schwedenbrücke, die direkt in die Taborstraße mündet, jahrhundertelang (1368 bis 1782) die einzige war, die die Innere Stadt mit dem Unteren Werd, wie die Leopoldstadt früher hieß, verband.
Herzog Albrecht V. von Österreich hatte im Jahre 1433 anordnen lassen, dass Durchreisende in Herbergen zu übernachten hatten. Als Konsequenz – und da der Ansturm von Reisenden an der Verbindungsbrücke zur (Inneren) Stadt gewaltig war – siedelte sich vor allem in der Taborstraße eine beträchtliche Anzahl von Beherbergungsbetrieben an. Auch Reisende, die auf dem frühen Hauptstrom der Donau (heute: Donaukanal) ankamen, nächtigten oft – weil es hier kostengünstiger war – in den Einkehrgasthöfen außerhalb der Stadtmauern.
Die Immobilie am Standort des heutigen Hotels Stefanie befand sich zu jener Zeit im Besitz von Anna, geborene Weispacher, und ihres Ehemannes Hans Haringseer Felix Czeike: Hans Haringseer. Ein Wiener Bürgermeister des 15. Jahrhunderts. In: Wiener Geschichtsblätter. Wien: Verein für Geschichte der Stadt Wien, 11 1956, S. 80 ff. Felix Czeike: Wien und seine Bürgermeister. Sieben Jahrhunderte Wiener Stadtgeschichte. Wien [u. a.]: Jugend & Volk 1974, S. 109.Handschrift 19 f. 209v. (WSTLA). Vgl. Leopold Steiner: Unterer Werd – Leopoldstadt. Die Steuerträger von 1648–1699.: eines Kaufmannes, Ratsherrn, Stadtrichters und späteren Bürgermeisters von Wien (1444–1446).Wiener Bürgermeister – chronologische Liste. In: wien.gv.at. Abgerufen am 7. April 2020.
Danach wechselte die Liegenschaft häufig den Eigentümer bzw. die Eigentümerin, ehe sie per 8. Juli 1600 von Christoff Freischlag und dessen Ehefrau Margaretha erworben wurde: Mit diesem Datum fand die erste urkundliche Erwähnung eines „Gastgeb“ am Standort des heutigen Hotels Stefanie statt.
„Christoff Freischlag Gastgeb Burger zu Wienn, vnnd Margaretha sein eheliche Hausfraw, haben Empfangen Nuz unnd Gwör aines Hauß Stadtl vnnd Garten, Im Vndern Werth, Neben Melchiorn Reiser vnnd Wolffen Auer Hauß vnnd Garten gelegen, helt die Lenng von dem obern Weeg (…) in den Hindern Gassen 215 Daumb Eln, In die Prait an der Obern Strassn 40, An dem vndern Ort 25 Daumb Eln. (…) Actum den Achten July Anno 1600 /.“ – GRUNDBUCH, 1600Gewährbuch (Grundbuch) 106/12 f. 16v vom 08.07.1600 (Wiener Stadt- und Landesarchiv). Vgl. Steiner, Steuerträger, 1648–1699.
1621 gehörte der Einkehrgasthof „Wolff Ernst (…) vnd Margaretha sein Eheliche Hausfraw“ und wurde erstmals „Zu der Weißen Rosen“ genannt.hrbuch (Grundbuch) 106/12 f. 171 vom 04.12.1621 (Wiener Stadt- und Landesarchiv). Vgl. Steiner, Steuerträger, 1648–1699.
Die „Weiße Rose“ – das spätere Hotel Stefanie – zählte bald zu den besten Beherbergungsbetrieben der Haupt- und Residenzstadt Wien: Sie findet sich etwa im Jahre 1779 im „Verzeichnis der öffentlichen und berühmtesten Gast- und Einkehrhäuser, wo man mit oder ohne Wagen beherberget werden kann.“Gemeinnütziges Schema der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien: Zum Nutzen für In- und Ausländer. Wien: gedruckt und zu finden bey Joseph Gerold, 1779.
Die Konkurrenz war groß, denn am Beginn der Taborstraße reihte sich ein Einkehrgasthof an den anderen: Hier befanden sich um 1830 nicht weniger als acht Beherbergungsbetriebe in unmittelbarer Nachbarschaft.Vasquez, „K.K. Polizey-Bezirk Leopoldstadt“, ca. 1830.
Von den rund 35 öffentlichen Herbergen, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Inneren Stadt und den Vorstädten existierten, bestehen heute – neben dem Hotel Stefanie – nur noch fünf. Das Hotel Stefanie, zuvor „Zur weißen Rose“ genannt, ist jedoch das einzige, das in den Häuserverzeichnissen 400 Jahre lang durchgängig Erwähnung fand.Anton Behsel: Verzeichniß aller in der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien mit ihren Vorstädten befindlichen Häuser, mit genauer Angabe der älteren, mittleren und neuesten Nummerirungen, der dermahligen Eigenthümer und Schilder, der Straßen und Plätze, der Grund-Obrigkeiten, dann der Polizey- und Pfarr-Bezirke, Wien: Gerold 1829, S. 45; Hormayr, Wien‘s Geschichte, Urkundenbuch, S. CCXVI; Fuchs, Beherbergungswesen, S. 79–89, sowie die relevanten Grundbücher.
Die Gäste der „Weißen Rose“ reisten vorwiegend aus den Kronländern der Donaumonarchie an; einige trafen zudem aus dem damaligen Ausland ein: aus dem Deutschen Reich, dem Fürstentum Moldau, aus Italien, Frankreich und dem russischen Kaiserreich.Vgl. Fremden-Blatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien, 1847 bis 1849
Die Mehrzahl der Gäste der „Weißen Rose“ bestand zu jener Zeit aus Kaufleuten und Fabrikanten. Im „Fremden-Blatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien“ finden sich um 1850 zudem noch andere hochrangige Personengruppen, die in der „Weißen Rose“ logierten: darunter eine beträchtliche Anzahl an Gutsbesitzern, zahlreiche Beamte, viele höhere Militärangehörige, einige Bankiers, Pfarrer und Advokaten sowie mehrere Räte und Doktoren. Als 1848 in Wien der Reichstag stattfand, bezogen zumindest zwei der Deputierten nachweislich im Einkehrgasthof „Weiße Rose“ ihr Quartier.Fremdenblatt vom 4. August 1848 sowie vom 14. November 1848.
Die Geschäfte liefen wohl sehr gut, denn bereits seit dem Frühjahr 1829 war der Gasthof derart erweitert worden, dass er vier Jahre später insgesamt 90 Pferdestellplätze umfasste.Bauplan, 1829. Archiv des Hotels Stefanie. „In der ‚Weißen Rose‘ dürften zu diesem Zeitpunkt etwa 2 Pferdestellplätze auf ein Gästezimmer entfallen sein.“ Fuchs, Beherbergungswesen, S. 114. Vor Baubeginn musste jedoch das Einverständnis der Anrainer eingeholt werden. Die Nachbarn der „Weißen Rose“, Chrysogonus Pischl, Prior des Convents der Barmherzigen Brüder, sowie Magdalena Schuh, Hausinhaberin Nr. 322, erklärten sich „mit diesem Baue einverstanden“, nachdem sich der damalige Besitzer des Gasthofes, Franz Richardt, dazu verpflichtet hatte, dass dem „angränzenden Kloster (durch den Bau keine) Nachtheile (entstünden), ferner gegen diese Bedingnisse, daß dem Noviziatfenster kein Licht benommen werde, und die (neu) angebracht werdende Dachrinne (…) so aufgeführt werde, daß (…) keine Einwirkung der Feuchtigkeit auf die (…) der Convente der barmherzigen Brüder eigenthümliche Mauerwerke geschehe.“Bauplan, 1829. Archiv des Hotels Stefanie.
Nach dem Umbau gelangten das Postkutschenwesen und der Gütertransport per Pferdewagen auf dem Höhepunkt an. Durch die wenige Jahre später einsetzende Konkurrenz der Eisenbahn wurde die hohe Anzahl der Pferdeabstellplätze jedoch bald nicht mehr in dieser Größenordnung benötigt.
Hinzu kam, dass in den Jahren 1858 bis 1864 die Wiener Stadtmauern abgerissen wurden, nachdem die Leopoldstadt 1850 als 2. Bezirk in Wien eingemeindet worden war. Dadurch konnten die Gäste nun ungehindert, ohne eine Pass- und Mautstelle durchqueren zu müssen, in wenigen Gehminuten vom Hotel „Weiße Rose“ ins historische Zentrum von Wien – und vice versa – gelangen. Diese Erleichterung der Reisefreiheit ging höchstwahrscheinlich mit einem weiteren Zustrom an Gästen einher.
Um diesem Ansturm gewachsen zu sein, unternahmen die damaligen Eigentümer der „Weißen Rose“, das Ehepaar Schröder, beträchtliche bauliche Anstrengungen: Nach Plänen ihres Vorgängers Georg Pein, der bereits 1838 den Gassentrakt auf drei Etagen aufgestockt hatte, bauten Josefa und Johann Schröder 1856 bis 1859 den linken vorderen Seitenflügel auf drei Stockwerke aus. Im Jahr 1872 ließen sie im hinteren Hoftrakt, von der Großen Mohrengasse rechterhand gesehen, sämtliche Pferdeställe abreißen. An deren Stelle wurde eine Portierloge samt -wohnung errichtet. Der bisher ebenerdige Bau wurde um drei Stockwerke erweitert und ebenfalls zu Hotelzwecken nutzbar gemacht. An der Stirnseite zur Großen Mohrengasse richtete man ein Schanklokal ein.Bauakte. Archiv des Hotel Stefanie.
Ab 1888: Besitz der Familie Witzmann-Schick 1888 brach eine neue Ära an: In jenem Jahr wurde das Hotel von Carl [auch: Karl] Witzmann (* 3. Jänner 1857 in Vöslau, † 22. März 1911 in Wien) erworben – dem Urgroßvater des derzeitigen Besitzers.
In Reminiszenz an die Vermählung von Kronprinz Rudolf mit Stephanie von Belgien wurde das Hotel noch im selben Jahr, 1888, in „Hotel Stefanie“ umbenannt. Das Haus verfügte zu jener Zeit über 110 Gästezimmer und zählte damit zu den größten Hotels in Wien.Fuchs, Beherbergungswesens, S. 117–120.
Unmittelbar nach dem Erwerb des Hotels ließ Carl Witzmann (mit seinen damaligen beiden Mit-Eigentümern Josef Fuchs und Bernhard Mandl) bauliche Adaptierungen am Haus vornehmen: „Beim Einfahrtstore in der Taborstrasse (wurde) ein Glasdach mit Eisenconstruction (…) ober dem Trottoir angebracht, (…) der eine Raum zu einem amerikanischen Eisdepot mit einer Sammelgrube zum Ausschöpfen umgestaltet (…), die Wohnungseintheilung geändert“Bauakten vom 26. Juni 1888. Archiv des Hotels Stefanie. usw.
Drei Jahre darauf – Carl Witzmann galt als „Hotelier und Restaurateur“ – ließ er im Hofgarten eine 15 m lange und 3,5 m breite offene Veranda „für Restaurationszwecke“ errichten. Ein Jahr später (1892) – Carl Witzmann war bereits Alleineigentümer – erhielt er vom Wiener Magistrat die Bewilligung erteilt, „an der rechten Seite dieser Realität (…) einen nicht unterkellerten ebenerdigen (…) Hoftract, einen Restaurationssaal enthaltend, herzustellen.“ Am 24. Dezember desselben Jahres wurde ihm zudem bewilligt, „in dem linken Hoftracte den bestehenden Gang im Parterre in eine Kegelbahn umzuändern.“
mini|hochkant|Mathilde Witzmann Als Carl Witzmann im Alter von 51 Jahren starb, trat seine Gattin Mathilde Witzmann geb. Obrist (1867–1948) die Nachfolge an. Im Todesjahr ihres Mannes (1911) erwarb sie die Hotel-Konzession, per 10. Juni 1920 suchte sie um Bewilligung größerer baulicher Maßnahmen an: „Verlegen des bestehenden Saaleinganges durch das Hotelvestibule in separaten Eingang für den Saal von der Strasse aus; (…) Vergrösserung des Restaurationsspeisezimmers; (…) Schaffung eines Hotelvestibules mit Sitzgelegenheiten, (…) kassieren der Portierloge und Aufstellen eines Pultes für den Portier“ usw.
Mathilde Witzmann hatte das Hotel Stefanie wohlbehalten durch den Ersten Weltkrieg geführt. In ihrem 60. Lebensjahr, anno 1926, legte sie das Hotelgewerbe zurück. Ihre jüngste Tochter Stefanie (sic!), verehel. Schick (1896–1979), trat in die Fußstapfen ihrer Mutter und übernahm im selben Jahr den Betrieb. Per 25. Februar 1926 erwarb sie die Konzession für den Betrieb des Gastwirtsgewerbes mit den Berechtigungen (…) lit b) Verabreichung von Speisen, lit c) Ausschank von Bier, Wein und Obstwein, lit g) Haltung erlaubter Spiele mit Ausnahme des Billardspieles sowie für den Betrieb des Hotelgewerbes mit den Berechtigungen nach (…) lit a) Fremdenbeherbergung.Schreiben des Magistratischen Bezirksamts für den 2. Bezirk vom 25. Mai 1926. Archiv des Hotels Stefanie.
Stefanie Schick konnte das Hotel Stefanie sicher durch die Wirrnisse des Zweiten Weltkriegs führen. Erst als infolge schwerer Luftangriffe auf Wien zwei Bomben in das Haus einschlugen und in der so genannten „Schlacht um Wien“ 1945 am Donaukanal ein blutiger Häuserkampf stattfand, ließ sie das Hotel in den letzten Kriegsmonaten verbarrikadieren.