Heinstetten ist eine Ortschaft im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg und gehört zur Stadt Meßstetten. Im Juni 2020 zählte die Ortschaft 991 Einwohner, sie ist damit der zweitgrößte Stadtteil.

Geographie Heinstetten liegt auf dem Heuberg und ist mit der höchstgelegene Ort der Schwäbischen Alb. Die Umgebung von Heinstetten bietet Wandermöglichkeiten mit einem umfangreichen Wegenetz und dem Grillplatz Rammelloch.

Geschichte Heinstetten wurde erstmals 793 in einer Urkunde erwähnt, als es durch Schenkung in den Besitz des Klosters St. Gallen überging. Seit Beginn des 11. Jahrhunderts bis zum Jahre 1810 gehörte Heinstetten zum Herrschaftsgebiet des Schlosses Werenwag, welches selbst jedoch in dieser Zeit häufiger den Besitzer wechselte. Ab 1810 war die Gemeinde selbstständig, bevor sie 1971 nach Meßstetten eingemeindet wurde.

Vor- und Frühgeschichte Das Gebiet des heutigen Heinstetten war vermutlich bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Zumindest liegen Funde aus dem Gebiet im hohlen Fels im Truppenübungsplatz Heuberg vor, die dafür sprechen. Der Grund hierfür könnte in der Lage des Ortes an einem möglicherweise sehr alten Verbindungsweg liegen, der vom Schmiechatal ins Donautal führte.J. Scheff: Vor- und Frühgeschichte der Ebinger Alb. Ebingen 1987. Die früheste nachgewiesene Siedlung stammt aus dem 9. Jahrhundert v. Chr., als Kelten vermehrt die Schwäbische Alb besiedelten. Keltische Grabhügel auf Heinstetter Gemarkung wurden in den Fluren Frankenreis und Hofen gefunden.

Durch die römischen Eroberungen in Süddeutschland, die im Jahre 15 v. Chr. begannen, kam es zur Unterwerfung der Kelten durch die Römer. Aus dieser Zeit sind aus der näheren Albhochfläche mehrere Funde dokumentiert.Bestand E258 VI Bü 689 auf Landesarchiv-BW.de Im Gebiet der Stadt Meßstetten ließ Pfarrer Alfred Ludwig Oetinger (von 1856 bis 1868 Pfarrer in Meßstetten und Hossingen) zunächst auf eigene Rechnung, später auf Rechnung der Staatssammlung vaterländischer Alterthümer umfangreiche Grabungen durchführen.Alfred Ludwig Oetinger: digi.ub.uni-heidelberg.de. In Digi UB Uni Heidelberg: digi.ub.uni-heidelberg.de von 1875, Band 2, S. 38–52. Die umfangreichen Funde von Grabbeigaben deuten auf eine frühe Besiedlung von Meßstetten durch die Kelten hin. Auch die Heuneburg und eine Quelle in Egesheim liefern reichhaltige Funde. Im Laufe des 3. Jahrhunderts n. Chr. breiteten sich allmählich Siedlungsgruppen der Alamannen auf der Alb aus. Die Endung -stetten deutet auf eine Gründung in der jüngeren Siedlungsgeschichte hin, wodurch Heinstetten eher nach dem 7. Jahrhundert, vermutlich aufgrund der schnell steigenden Bevölkerung, entstanden sein dürfte.R. Christlein: Die Alamannen. Stuttgart 1978.

Frühmittelalter (793 bis etwa 1100) Der erste schriftliche Beleg für eine Existenz des Ortes Heinstetten findet sich auf einer Urkunde aus dem Jahre 793. Das in lateinischer Schrift verfasste Dokument bestätigt eine Schenkung von 24 Ortschaften des Grafen Berthold, darunter Hohunsteti, an das Kloster St. Gallen.Urkundenbuch der Abtei St. Gallen, Band 1, Zürich 1863 (Nr. 135 = Urk. 793 März 27). Eine solche Schenkung an ein Kloster war zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich. Die Schenker erhofften sich Seelenheil oder versuchten durch Abgabe ihres Besitzes dem Kriegsdienst zu entgehen. Häufig bekamen sie die Schenkung, gegen geringe Zinszahlungen, auf Lebenszeit zurück verliehen. Wie lange Heinstetten in Besitz des Klosters blieb, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Über 200 Jahre später wurde Heinstetten das Erbe von König Heinrich II. (dem Heiligen).

Im Jahre 1005 übergab der König 14 Orte (darunter Hoensteta) an die neu gegründete Abtei St. Georg zu Stein am Rhein.MG DHII21, Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. Band 3: Die Urkunden Heinrichs II. und Arduins. 2. Auflage. Nr. 511, Berlin 1957. Vom Besitz des Klosters Stein am Rhein ging Heinstetten wohl schon etwa 100 Jahre später, zu Beginn des 11. Jahrhunderts, an die Hohenberger Grafen.

Heinstetten unter der Herrschaft Werenwag (um 1100 bis 1810) Die Grafen von Hohenberg (um 1100 bis 1381) Pilgrim von Hoßkirch hatte „in loco qui dicitur Biurrein“ von Hermann von Honstetten ein Gut gegen ein anderes in Beuron eingetauscht.Leopold Stierle: Beiträge zur frühen Geschichte des Augustinerchorherren-Klosters Beuron. In: Freiburger Diözesan-Archiv. Band 110, 1990, S. 45. Laut der Kreisbeschreibung von 1961 sollen die Inhaber der Burg Hossingen ursprünglich wohl die adeligen Hossen aus Heinstetten gewesen sein, von denen sich ein Albert 1296 und 1306 nachweisen lässt. Andere Experten sehen in Hosse einen Bei-, Vornamen oder einen Hinweis auf das Hossengut des Heinstetter Adels. Dr Walter Stettner erforschte die Urkunden der Adelsfamilie von Heinstetten(Honstetten) und berichtet vom Verkauf des Hossenguts an einen Beuroner Kanoniker.

mini|hochkant|Ostseite des Schlosses Werenwag Zur Grafschaft Hohenberg gehörte die in sich geschlossene Herrschaft Werenwag. Außer Heinstetten umfasste die Herrschaft die Dörfer Hartheim, Kolbingen, Renquishausen, Schwenningen und Unterdigisheim. Um 1300 besaß Graf Friedrich von Zollern im Dorf Land, Leibeigene und das halbe Gericht.Bestand Ho156 T1 Nr3 auf Landesarchiv-BW.de 1306 verzichtet Graf Friederich von Zollern auf sein Vogteirecht des Hossenguts. Für das Kloster Beuron hatte es einst Chorherr Berthold von Dürrwangen gekauft.Leopold Stierle: Beiträge zur frühen Geschichte des Augustinerchorherren-Klosters Beuron. In: Freiburger Diözesan-Archiv. Band 110, 1990, S. 53. Die Grafen von Hohenberg gerieten im 14. Jahrhundert zunehmend in eine finanzielle Schieflage. Bereits 1342 wurden einige Gebiete der Grafschaft verkauft, darunter auch Heinstetten, das an Burkard und Johannes von Jungingen ging. Das Dorf blieb nicht lange in deren Besitz, jedoch ist nicht bekannt, wer die neuen Herrscher waren, die Heinstetten noch vor 1392 wieder als Teil von Werenwag angliederten. Im Oktober 1381 veräußerte Graf Rudolf II. von Hohenberg seinen gesamten Besitz an Herzog Leopold III. von Österreich aus dem Geschlecht der Habsburger, womit Heinstetten österreichisch wurde.

Die Junker von Hörnlingen (1381 bis 1467) Den Kauf der Grafschaft für 66.000 Goldgulden war für die Habsburger nicht leicht zu stemmen, jedoch war er auch ein wichtiger Baustein im Kampf um die Macht in der Konkurrenz mit Württemberg. Um die Kosten zu verringern, wurde die Herrschaft Werenwag daher bereits 1392 an die Herren von Hörnlingen verpfändet. Eberhard von Hörnlingen wollte seinerseits das Maximale aus seinem Pfandbesitz herausholen und versuchte, die Einkünfte und die Fronleistung aus Werenwag zu erhöhen. Dabei gab er wenig Acht auf die Belange seiner Untertanen. Die unterdrückte Bevölkerung wehrte sich und so zogen Heinstetter und Hartheimer gemeinsam vor das zuständige Gericht in Innsbruck; dort verklagten sie ihren Herrn bei dem Pfandgeber Herzog Albrecht VI. von Österreich. Den Ausschlag in dem Prozess gab die Klage über die Zugrunderichtung des Heinstetter Dorfes. Weitere Klagepunkte umfassten den Zwang, eine bestimmte Mühle benutzen zu müssen, den Entzug von Weiderechten und die häufige Erhebung von Steuern.A. Zekorn: Heinstetten unter der Herrschaft der Junker von Hörnlingen (1392–1467) und ein Prozeß vor dem Innsbrucker Rat. In: Heinstetten in der ehemaligen Herrschaft Werenwag. Sigmaringen 1993. Kurze Zeit später wurden den Herrn von Hörnlingen die Pfandschaft über Werenwag entzogen und an Caspar von Laubenberg übergeben.

Fünf Generationen Laubenbergische Obrigkeit (1467 bis 1629) mini|hochkant|Das Laubenberger Wappen

Die Herrschaft der Laubenberger über Werenwag hatte zwischen 1467 und 1629 für fünf Generationen Bestand. Während dieser Zeit wurden die Untertanenpflichten der Heinstetter an ihren Lehnsherrn so ausführlich wie nie zuvor schriftlich fixiert. In diese Herrschaftszeit fällt auch die Stiftung der Pfarrei Heinstetten durch Hans Walter von Laubenberg am 1. Dezember 1524. Dem Pfarrer oblag auch die Haltung männlicher Zuchttiere für die in Heinstetten gehaltenen Nutztiere.Bestand Ho 1561 Nr30 auf Landesarchiv-BW.deH. Stopper: Fünf Generationen unter Laubenbergischer Obrigkeit (1467–1629). In: Heinstetten in der ehemaligen Herrschaft Werenwag. Sigmaringen 1993. Vor dem Bau der Kirche wurden die Toten in Ebingen bestattet. Vom Weg ist der Siebenkreuzleweg () im Originalzustand erhalten.Absturz. In: Schwarzwälder Bote. 7. Juni 2014.

Seitdem beim Ebinger Kreuz eine römische Siedlung entdeckt wurde, wird ein römischer Ursprung der Rinnen nicht mehr ausgeschlossen. Albguidebaden-wuerttemberg.nabu.de Helmut MengAlb-Guide. In: Schwarzwälder Bote, 7 August 2012. vermutet einen von den in der Gegend Wüstgläubige genannten Reformatoren zerstörten Stationenweg auf dem Weg der Toten der Kirchspielgemeinden Heinstetten und Hossingen zum Ebinger Friedhof.Burg. In: Schwarzwälder Bote. 25. August 2016. Stationenwege mit sieben Stationen sind durchaus üblich. Ein Abzweig führt in einer Kurve zu einer Sandgrube in Richtung Heinstetten. In diesem Abzweig wurden 2016 weitere Ausgrabungen vorgenommen. Gefunden wurde eine Doppelspur mit 1,05 Metern Spurweite. Was wurde hier in Richtung Heinstetten transportiert? Diente die zweite Spur mit einer Umlenkrolle als Gegengewicht? Die Ortsgruppe Ebingen des Schwäbischen Albvereins führt derzeit wissenschaftliche Forschungsarbeiten durch.Rätsel. In: Schwarzwälder Bote. 17. Mai 2015.

Nur ein Jahr später beteiligen sich Heinstetter Bauern am Bauernkrieg. Nach der Niederschlagung dieses Aufstandes wurden alle Grundstücksbesitzer enteignet und ihr bisheriger Privatbesitz in herrschaftliche Lehen umgewandelt, für welche Zinsen zu zahlen waren. Der letzte Herrscher dieses Hauses war Friedrich von Laubenberg. Er verstarb kinderlos am 31. Januar 1629, womit das Lehen wieder an Österreich zurückfiel.

Das Haus Fürstenberg (1629 bis 1695) Noch im Laufe des Jahres 1629 wurde Werenwag fürstenbergisch. Österreich vergab das Lehen über Werenwag an Graf Egon aus dem Haus Fürstenberg. Der gleichzeitig wütende Dreißigjährige Krieg (1618–1648) verursachte schwere Verluste in der Bevölkerung von Heinstetten. Der Nahrungsmangel, entstanden durch Missernten und die Verpflegung von Soldaten, führte zu einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten wie der Pest. Solch gehäuftes Unglück und Leid unterstützte auch in Heinstetten den Glauben an Hexen. In mehreren Hexenprozessen um 1632 wurden mindestens zwei Heinstetter Frauen auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Der Name des bekannten Heinstetter „Hexenboschen“, einer Gebüschgruppe mit großem Baum, entstand jedoch erst im 20. Jahrhundert und hat keinen Bezug zu den Hexenprozessen.H. Stopper: Werenwag wird fürstenbergisch (1629–1695). In: Heinstetten in der ehemaligen Herrschaft Werenwag. Sigmaringen 1993.

Die Herren von Ulm (1702 bis 1830) Kaiser Leopold I. steckte in dieser Zeit aufgrund der hohen Kosten für den Spanischen Erbfolgekrieg in Geldnöten. Als Freiherr Ludwig Constantin von Ulm-Erbach davon erfuhr, besorgte er für den Kaiser bis zum Jahre 1702 eine Summe von 400.000 Gulden und erhielt im Gegenzug die Pfandschaft über einige Gebiete, darunter Werenwag. Pro Jahr brachte die Herrschaft Werenwag dem Freiherrn ein Einkommen von etwa 5000 Gulden.H. Stopper: Die Herren von Ulm sichern sich die Herrschaft Werenwag (1702–1830). In: Heinstetten in der ehemaligen Herrschaft Werenwag. Sigmaringen 1993. Die Herren von Ulm blieben für fünf Generationen im Besitz von Werenwag. Im 18. Jahrhundert nahmen 67 Heinstetter an den Siedlungsprogrammen Österreichs teil und wanderten nach Ungarn aus.W. Hacker: Auswanderer vom Oberen Neckar nach Südosteuropa im 18. Jahrhundert. (= Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission. Band 23). München 1970. Zum Vergleich: Im Jahr 1757 betrug die Einwohnerzahl von Heinstetten 284. Damit verließ damals knapp ein Viertel der Bevölkerung seine Heimat.