mini| Stettin () ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die kreisfreie Großstadt mit knapp 400.000 Einwohnern ist die siebtgrößte Stadt Polens. Sie bildet den Schwerpunkt des deutsch-polnischen Ballungsraums Stettin mit etwa 780.000 Einwohnern, der zu einer europäischen Metropolregion mit rund einer Million Einwohnern entwickelt werden soll. Bis 1945 gehörte Stettin zu Deutschland.

Die Universitätsstadt ist mit fünf staatlichen Universitäten – der Universität Stettin, der Westpommerschen Technischen Universität Stettin, der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin, der Maritimen Technischen Universität und der Akademie der Kunst – ein bedeutender Forschungs- und Hochschulstandort. Daneben sind in Stettin zahlreiche Berufsschulen, Kunstakademien und eine private Business School angesiedelt.

Historisch, kulturell und touristisch bedeutsam sind als Wahrzeichen Stettins unter anderem das Greifenschloss und die Jakobskathedrale in der Altstadt, die Philharmonie sowie die Hakenterrasse mit dem Nationalmuseum. Bekanntester Sportverein der Stadt ist der Fußballclub Pogoń Stettin; große Bedeutung besitzt darüber hinaus der Rudersport.

Geographie Lage und Besonderheiten Stettin liegt in der Nähe der südlichen Ostseeküste an der Mündung der Oder in das Stettiner Haff, etwa 105 km südöstlich von Greifswald, 125 km nordöstlich von Berlin und 151 km südwestlich von Koszalin (Köslin). Das Stadtgebiet grenzt mit seinen Vororten im Westen an die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Stettin ist damit vor Magdeburg und Potsdam die größte Stadt in diesem Umkreis von Berlin. Das größere Leipzig liegt um die Hälfte weiter von Berlin entfernt.

Stettin und der ebenfalls westlich der Oder gelegene Powiat Policki (Pölitzer Kreis) gehörten seit dem Westfälischen Frieden von 1648 zu Vorpommern, die kulturelle Grenze zwischen Vor- und Hinterpommern lag aber weiter westlich.Günter Wiegelmann, Ruth-Elisabeth Mohrmann: Nahrung und Tischkultur im Hanseraum. (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland 91) Múnster/New York: Waxmann 1996, ISBN 978-3-89325-430-9, S. 438–440 unter Verweis auf Karl Kaiser: Atlas der pommerschen Volkskunde von 1936 Der durch die Grenzziehung von 1945 entstandene „Stettiner Zipfel“ hatte Vorläufer vor der Westausdehnung Pommerns (seit 1121). Im Osten reicht das Stadtgebiet bis über die Oder. Der östlich der Oder gelegene Teil der Woiwodschaft Westpommern umfasst große Teile des historischen Hinterpommern und die Nordhälfte der ehemaligen Neumark.

Verkehrswege Stettin besitzt als alte Hansestadt einen der größten Seehäfen des Ostseeraumes. Es ist u. a. über den internationalen Flughafen Stettin-Goleniów auch auf dem Luftweg und durch den Bahnhof Szczecin Główny über mehrere Bahnlinien weit vernetzt.

Odermündung Der größte Teil der Stadt liegt am linken Westoderufer, das vor allem im Norden der Stadt von bewaldeten Hügeln geprägt ist. Auch die Stadtteile Dąbie (Altdamm), Podjuchy (Podejuch) und Kołbacz (Colbatz) östlich der Oder sind von Waldgebieten der Buchheide (Puszcza Bukowa, bis ) und der Gollnower Heide (Puszcza Goleniowska) umgeben.

Zwischen diesen beiden Stauchmoränen verläuft das bis fünf Kilometer breite Flusstal, begrenzt von den Hauptarmen Westoder und Ostoder (Odra Zachodnia und Odra Wschodnia). Die in zahlreiche Flussarme geteilte Oder mit zahlreichen Flussinseln reicht bis in das Stadtgebiet. Unmittelbar südlich der Stadt beginnt der deutsch-polnische internationale Park Unteres Odertal, der aus dem polnischen Landschaftsschutzpark Unteres Odertal und dem deutschen Nationalpark Unteres Odertal besteht und sich über Schwedt/Oder bis nahe Hohensaaten erstreckt.

Nördlich der Kernstadt weitet sich die Oder zu einem großen Binnensee, dem Dammschen See (Jezioro Dąbie), auf. In der Höhe von Police (Pölitz) findet der Fluss wieder in ein (sehr breites) Bett zurück, bevor er sich wieder aufweitet (Roztoka Odrzańska) und bei Trzebież (Ziegenort) ins Stettiner Haff mündet. Über den Kanał Piastowski (Kaiserfahrt) und die Swine (Świna) wird bei Świnoujście (Swinemünde) die offene Ostsee erreicht.

Stettiner Flussinseln Im engeren Stadtgebiet liegen zwischen den beiden Hauptarmen des Flusses, der Westoder (Odra Zachodnia) und der Ostoder (Odra Wschodnia) sowie den alten Querverbindungen Parnitz und Dunzig, zahlreiche Flussinseln: Der Altstadt direkt gegenüber befindet sich die Insel Lastadie (Łasztownia), die über die Most Długi (übersetzt „Lange Brücke“, früher Hansabrücke) erreicht wird. Der Stadtteil Łasztownia grenzt unmittelbar an das Gebiet des Seehafens. Die Insel wird ohne Anbindung an ihr Straßennetz von der Schnellstraße Trasa Piotra Zaremby überquert, die nördlich der Altstadt als Trasa Zamkowa (Schloss-Trasse) beginnend Ost- und Westoder überquert. Nördlich davon liegt zwischen Westoder, Duńczyca und Oder-Dunzig-Kanal (Kanał Grodzki) die kleine, unbebaute Insel Schlächterwiese (Wyspa Grodzka). Südlich von Lastadie liegt die Insel Silberwiese (Kępa Parnicka) umgeben von Westoder, Grünem Graben (Kanał Zielony) und Parnitz (Parnica). Die Silberwiese ist vollständig bebaut, und die Insel war früher durch die Bahnhofsbrücke mit dem direkt gegenüber liegenden Hauptbahnhof verbunden. Die Brücke reicht heute nur noch bis zur kleinen Ahrensinsel in der Westoder. Durch weitere Brücken ist die Silberwiese mit Lastadie und mit der Neuen Silberwiese verbunden. Die südlich angrenzende Neue Silberwiese (Wyspa Zielona) ist nur zu einem geringen Teil bebaut. Die Insel entstand durch den Bau des Parnitz-Durchstichs. Östlich des Parnitz-Durchstichs liegt die Insel Vorbruch (Wyspa Pucka), die durch den Vorflutkanal (Kanał Rybny) von der größeren Insel Zaleskie Łęgi getrennt ist. Dieser Kanal zweigt flussaufwärts von der Westoder ab zum Hafensee (Jezioro Portowe) und führt von diesem flussabwärts zur Parnitz. Die Wyspa Pucka ist nur im Norden bebaut (ehem. Siedlung Vorbruch) und ansonsten weitgehend von Kleingärten bedeckt. Zaleskie Łęgi ist die größte Insel des 80 km langen Międzyodrze genannten Inselgebietes zwischen den Unterläufen von Westoder und Ostoder. Sie ist im Norden von Hafen- und Bahnanlagen an der Parnitz geprägt. Dazu gehört die Bahnstation Szczecin Port Centralny an der nördlichsten Bahnstrecke über die Oder. Dieses Gebiet ist durch die Trasa Piotra Zaremby (Teil der Fernstraße 10) mit dem Westufer der Oder verbunden und über zwei parallele Brücken mit dem Ostufer. An der Südgrenze Stettins endet die Insel am Kanał Lesny (übers.: Waldkanal). Am Nordufer des Kanals verlaufen die Bahnstrecke Poznań–Szczecin sowie die Autobahn Autostrade Poznańska (Teil der Fernstraße 31) über die Insel, letztere ohne Verbindung mit dem örtlichen Wegenetz. Nördlich von Lastadie liegt der Grabower Werder (Wyspa Ostrów), der ursprünglich eine ungefähr dreieckige Form besaß und von Westoder, Dunzig und Möllnfahrt begrenzt wurde. Da die Insel mitten im Gebiet des Seehafens liegt, wurden die Flussarme beim Bau der Hafenbecken stark verändert. So wurde ein Teil der Dunzig zugeschüttet, wodurch eine direkte Landverbindung mit Lastadie entstand. Die nach Norden offene Breslauer Fahrt (Kanał Dębicki) wurde damit zu einer Sackgasse. Durch den Oder-Dunzig-Kanal im Westen der Insel wurde die schon genannte Schlächterwiese abgetrennt. Der Dunzig-Parnitz-Kanal schuf eine Verbindung zwischen den beiden Flussarmen. Im Westen des Grabower Werders sind Kleingärten und Wald vorherrschend. Nördlich davon liegt der Bredower Werder (Wyspa Gryfia), der ganz vom Hafen eingenommen wird. Ihn umgeben im Westen die Westoder, im Osten die Grabower Fahrt (Kanał Grabowski) und die Oderfahrt (Przekop Mieleński). Die nördlich anschließenden Inseln Schwarzer Ort (Czarnołęka) und Großer Oderbruch (Wyspa Dębina) liegen bereits im Dammschen See. Im Mündungsbereich der Ostoder in den Dammschen See liegen zwei weitere Inseln. Die nördliche Insel Mönne war bis 1945 Naturschutzgebiet. Im südwestlichen Eck der Mönne befand sich eine der ältesten Vogel- und Naturschutzstationen Deutschlands, die Naturwarte Mönne. Auf dem Fundament des 1945 zerstörten Stationsgebäudes steht heute eine Gedenktafel, die auf Polnisch und Deutsch an den Gründer der Naturwarte, Paul Robien, erinnert. Inzwischen heißt die Insel nach ihm Wyspa Paula Robiena.

Klimatabelle

Stadtwappen mini|Stadtflagge Stettins Blasonierung: „Innerhalb eines goldenen Saumes in Blau ein abgerissener goldbekrönter, goldbewehrter, roter Greifenkopf mit ausgeschlagener roter Zunge.“

Das Wappen der Stadt Stettin zeigt den Kopf des roten Greifen, des Wappentiers im Wappen Pommerns, mit der goldenen Krone im blauen Feld.Eduard August Pitzschky: Das Wappen der Stadt Stettin. In: Baltische Studien, AF, Band 14, Nr. 1, Stettin 1850, S. 26–41 (books.google.de). Das Wappen hat sich auch nach dem Zweiten Weltkrieg inhaltlich nicht geändert. In dieser offiziellen Form findet sich das Wappen auch auf der Stadtflagge Stettins wieder.

Stadtgliederung mini|Umrisskarte von Stettin mit den vier Stadtbezirken und 37 Stadtvierteln mini|Das Stettiner Rathaus war früher Sitz der pommerschen Provinzialregierung. Die Stadt Szczecin ist in die vier Stadtbezirke Śródmieście (Stadtmitte), Północ (Nord), Zachód (West) und Prawobrzeże (rechtes Ufer) gegliedert, diese wiederum in 37 Stadtteile (osiedla, wörtlich „Siedlungen“):bip.um.szczecin.pl Stettin (polnisch)

Der historische Stadtkern, die Altstadt, wurde am westlichen Ufer der Westoder errichtet. Um sie herum legt sich die gründerzeitliche Neustadt mit überwiegend urbaner Blockrandbebauung. Das von diesen beiden eingenommene dicht bebaute Innenstadtgebiet hat einen Durchmesser von etwa drei Kilometern.

Die angrenzenden Stadtteile sind lockerer bebaut. Jenseits der Westoder liegen die Stadtteile Lastadie und Silberwiese auf den gleichnamigen Flussinseln. Auf dem linken Flussufer grenzt südlich an die Innenstadt Pommerensdorf (Pomorzany), westlich die Stadtteile Schwarzow (Świerczewo), Torney (Turzyn), Braunsfelde (Pogodno), nördlich Grünhof (Bolinko) und Grabow (Grabowo).Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, 163–164. Die meisten dieser zentrumsnahen Stadtteile sind ehemalige Dörfer, außerdem gibt es Villenkolonien der Vorkriegszeit und Plattenbausiedlungen der 1960er bis 1980er Jahre.

Auch in den Außenbezirken liegen zahlreiche gewachsene, eingemeindete Dörfer. Vor 1945 war Stettin mit 460 km² Fläche die flächenmäßig drittgrößte Stadt des Deutschen Reiches; das Stadtgebiet umfasste zahlreiche noch recht ländlich geprägte Ortschaften. Eine Sonderrolle innerhalb der Außenbezirke nimmt die ehemalige Stadt Altdamm (Dąbie) auf dem östlichen Oderufer ein. Sie besitzt einen eigenen mittelalterlichen Stadtkern und ist bis heute das Zentrum des Stettiner Stadtgebiets rechts der Oder.