In der Leichtathletikdisziplin des Marathonlaufs werden deutsche Meister eigentlich erst seit 1925 ermittelt. Seit 1898 gab es allerdings eine Veranstaltung, die als Deutscher Marathonlauf ausgeschrieben wurde und die ab 1905 mit Ausnahme von 1909 sowie der Kriegsjahre von 1914 bis 1918 und dem Jahr 1919 alljährlich stattfand. Die Resultate sind hier wegen der Bedeutung dieser Veranstaltung mit aufgeführt.

Deutsche Marathonmeisterschaften bis 1948 Die beiden Marathonläufe in Leipzig, die 1897 und 1898 ausgetragen wurden, waren die ersten auf deutschem Boden. Der zweite von ihnen wurde als Deutscher Marathonlauf ausgeschrieben. Die nächste Austragung erfolgte erst 1905. Da die exakte Strecke für einen Marathon erst 1921 endgültig festgelegt wurde, verliefen die Deutschen Marathonläufe vor dem Ersten Weltkrieg in der Regel auf einer etwas kürzeren Strecke.

1925 beschloss die Wahlversammlung der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik (Vorläuferorganisation des Deutschen Leichtathletik-Verbands), die Veranstaltung in eine deutsche Meisterschaft umzuwandeln, nachdem die Strecke bis dahin nicht offiziell zum Meisterschaftsprogramm gehört hatte. Diese erste deutsche Meisterschaft im Marathonlauf führte am 6. September 1925 von Halle nach Leipzig.

Die Stadt Leipzig erlebte damit kurioserweise innerhalb von acht Tagen zwei erste deutsche Marathonmeisterschaften: bereits am 30. August 1925 trug die Deutsche Turnerschaft in Leipzig die „1. Deutsche Meisterschaft der Turner im Marathonlauf“ aus. Der Hintergrund war die 1923 von der Turnerschaft verkündete und 1930 wieder aufgehobene Reinliche Scheidung zwischen Turnern und Sportlern. Die Turner missachteten dabei auch die 1921 vom Verband für Leichtathletik (IAAF) verbindlich als Marathonstreckenlänge festgelegten 42,195 Kilometer: Die am 30. August 1925 gelaufene Strecke war nach variierenden Angaben lediglich zwischen 40 und 41,48 Kilometer lang. Weitere separate deutsche Marathonmeisterschaften der Turner fanden 1926, 1927, 1929 und 1930 statt.

Aufgrund des Zweiten Weltkriegs fielen die Meisterschaften für den Marathonlauf in den Jahren von 1943 bis 1945 aus und wurden 1942, 1946, 1947 und 1948 auf kürzeren Strecken mit jeweils unterschiedlichen Längen ausgetragen.

Die Jahre nach 1948 1950 wurde in der DDR eine eigene Langstreckenmeisterschaft ins Leben gerufen, zunächst über 30 Kilometer, seit 1951 über die Marathondistanz.

1975 trug der DLV, als zweiter nationaler Leichtathletikverband weltweit, erstmals eine Marathonmeisterschaft der Frauen aus. Deren Schauplatz war der Schwarzwald-Marathon, der Geschichte geschrieben hatte, weil er sich bei seiner Premiere 1968 als erster Marathonlauf weltweit für Frauen geöffnet hatte. Der DVfL folgte erst 1982 und nahm die Disziplin nun – zunächst inoffiziell und ab 1983 offiziell – ins Meisterschaftsprogramm der DDR auf, als sich abzeichnete, dass der Marathonlauf der Frauen ein fester Bestandteil der internationalen Meisterschaften und Olympischen Spiele werden würde. 1990 fanden zum letzten Mal getrennte Meisterschaften für die DDR und die Bundesrepublik Deutschland statt.

Rahmenbedingungen Bei der Bewertung der bei den deutschen Meisterschaften erbrachten Leistungen spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Immer wieder wurde der Wettbewerb bis 1987 im Sommer angesetzt, was dazu führte, dass die Athleten wegen großer Hitze ihr Leistungsvermögen nicht ausschöpfen konnten. Das ist allerdings ab 1988 anders geworden. Die Konkurrenz von hochdotierten Stadtmarathons hat dazu geführt, dass die Meisterschaften für die professionellen Läufer an Attraktivität verloren haben und die deutschen Spitzenathleten häufig diese Stadtmarathons bevorzugen. Die Meisterschaften selbst wurden zur Steigerung der Attraktivität seit 2006 zwar regelmäßig im Rahmen eines der Stadtmarathons in einer deutschen Stadt durchgeführt, was jedoch nur zu einem geringen Teil den gewünschten Effekt hatte. Im Frühjahr und im Herbst werden zahlreiche Stadtmarathons im Inland – zum Beispiel Berlin-Marathon, Frankfurt-Marathon – und Ausland – zum Beispiel London-Marathon, Paris-Marathon, Boston-Marathon – mit hohen Preisgeldern angeboten. Das hat zur Folge, dass deutsche Marathonläufer diese Angebote wahrnehmen und der Stadtmarathon, in dessen Rahmen die Deutschen Marathonmeisterschaften ausgetragen werden nur, mit wenigen deutschen Spitzenläufern besetzt ist. Auch in anderen Disziplinen wie zum Beispiel dem Mehrkampf kommt es so dazu, dass nicht die wirkliche deutsche Leistungselite bei den Meisterschaften vertreten ist.

Mannschaftswertungen Auch Mannschaftswertungen gibt es in dieser Disziplin. Bei den Männern wurden erstmals 1933 zusätzlich Mannschaften gewertet. Bei den Frauen war dies in der Bundesrepublik Deutschland ab 1976 der Fall, dem zweiten Jahr, in dem Marathonmeisterschaften für Frauen durchgeführt wurden. 1977 gab es keine Frauenteamwertung, 1978 war das Ergebnis inoffiziell, da nur ein Verein in die Wertung kam. In der DDR gab es zusätzliche Mannschaftswertungen für die Männer in den Jahren von 1951 bis 1965. In die Wertung einer Mannschaft kamen jeweils die besten drei ihrer Läufer. In den ersten Jahren gab es dabei wie im Waldlauf/Crosslauf eine Rangfolge der Vereine nach den erreichten Plätzen der Einzelläufer. In späteren Jahren wurden wie in den Straßenläufen über andere Distanzen die Zeiten der jeweils besten drei Einzelläufer addiert.

Deutsche Meisterschaftsrekorde EinzelwertungenMänner2:06:05 hAmanal Petros (SCC Berlin)Hannover-Marathon14. April 2024Frauen2:21:26 hDomenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg)Hannover-Marathon16. April 2026 MannschaftswertungenMänner6:49:15 hLAC Quelle Fürth/München(Carsten Eich, Michal Hass, Habib Boukechab)Hamburg-Marathon29. September 1999Frauen7:53:41 hHannover 96(Fabienne Königstein, Lisa Huwatschek, Teresa Krüger)Hannover-Marathon16. April 2026

Gesamtdeutsche Meister seit 1991 (DLV) Jahr Ort/Veranstaltung Datum Männer Frauen Athlet Zeit [h] Athletin Zeit [h] 2026 Hannover-Marathon 16. AprilTom Thurley (Munich Athletics) 2:11:02Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) 2:21:26 2025 Hannover-Marathon 6. AprilSamuel Fitwi Sibhatu (Silvesterlauf Trier) 2:06:29Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) 2:24:22 2024 Hannover-Marathon 14. AprilAmanal Petros (SCC Berlin) 2:06:05Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) 2:23:50 2023 Köln-Marathon 1. OktoberLorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen) 2:15:57Esther Jacobitz (Turn-Klubb zu Hannover) 2:37:00 2022 Hannover-Marathon 3. AprilHendrik Pfeiffer (TV Wattenscheid 01) 2:10:59Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) 2:26:50 2021 München-Marathon 10. OktoberAlexander Hirschhäuser (ASC 1990 Breidenbach) 2:18:38Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) 2:43:11 2020 Hannover 26. April wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt 2019 Düsseldorf-Marathon 28. AprilTom Gröschel (TC FIKO Rostock) 2:13:49Anja Scherl (LG Telis Finanz Regensburg) 2:32:56 2018 Düsseldorf-Marathon 29. AprilTom Gröschel (TC FIKO Rostock) 2:15:20Fabienne Amrhein (MTG Mannheim) 2:32:35 2017 Frankfurt-Marathon 29. OktoberArne Gabius (TherapieReha Bottwartal) 2:09:59Katharina Heinig (LG Eintracht Frankfurt) 2:29:29 2016 Frankfurt-Marathon 30. OktoberMarcus Schöfisch (SC DHfK Leipzig) 2:20:12Fate Tola (LG Braunschweig) 2:25:42 2015 Frankfurt-Marathon 25. OktoberArne Gabius (LT Haspa Marathon Hamburg) 2:08:33 DRLisa Hahner (run2sky.com) 2:28:39 2014 München-Marathon 12. OktoberTobias Schreindl (LG Passau) 2:21:47Steffi Volke (LG Telis Finanz Regensburg) 2:44:37 2013 München-Marathon 13. OktoberFrank Schauer (SC Magdeburg) 2:18:56Silke Optekamp (PSV Grün-Weiß Kassel) 2:41:53 2012 München-Marathon 14. OktoberJan Simon Hamann (USC Bochum) 2:19:46Susanne Hahn (SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken) 2:32:11 2011 Hamburg-Marathon 22. MaiStefan Koch (LG Braunschweig) 2:20:39Steffi Volke (LG Telis Finanz Regensburg) 2:51:23 2010 Gutenberg-Marathon Mainz 9. MaiDennis Pyka (LG Telis Finanz Regensburg) 2:20:09Bernadette Pichlmaier (LAG Mittlere Isar) 2:40:58 2009 Gutenberg-Marathon Mainz 10. MaiStefan Koch (LG Braunschweig) 2:20:34Bernadette Pichlmaier (LAG Mittlere Isar) 2:38:44 2008 Gutenberg-Marathon Mainz 4. MaiMartin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) 2:18:28Susanne Hahn (SV Schlau.com Saar 05 Saarbrücken) 2:29:33 2007 Gutenberg-Marathon Mainz 6. MaiPhilipp Büttner (TSV Friedberg-Fauerbach) 2:20:27Ilona Pfeiffer (LC Solbad Ravensberg) 2:46:13 2006 München-Marathon 8. OktoberMatthias Körner (SC DHfK Leipzig) 2:21:55Carmen Siewert (Greifswalder SV 04) 2:47:22 2005 Regensburg 8. MaiDirk Nürnberger (SC DHfK Leipzig) 2:22:48Monika Schuri (LG Wehringen) 2:39:17 2004 Hannover-Marathon 2. MaiStephan Freigang (SC DHfK Leipzig) 2:14:02Ines Cronjäger (LG Hannover) 2:41:10 2003 Rhein-Ruhr-Marathon Duisburg 1. JuniMichael Fietz (TV Wattenscheid 01) 2:23;15Sylvia Renz (OSC Berlin) 2:41:57 2002 Berlin-Marathon 7. JuliMartin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen) 2:16:07Kathrin Weßel, geb. Ullrich (SCC Berlin) 2:36:36 2001 Frankfurt-Marathon 28. OktoberMichael Fietz (TV Wattenscheid 01) 2:16:23Luminita Zaituc (LG Braunschweig) 2:26:01 2000 Rhein-Ruhr-Marathon Duisburg 30. AprilMatthias Körner (SC DHfK Leipzig) 2:20:04Ines Cronjäger (LG Seesen) 2:41:00 1999 Hamburg-Marathon 29. SeptemberCarsten Eich (LAC Quelle Fürth/München) 2:10:22Katrin Dörre-Heinig (SC DHfK Leipzig) 2:24:35 1998 Frankfurt-Marathon 25. OktoberStephan Freigang (LC Cottbus) 2:12:58Claudia Dreher (TSV Bayer 04 Leverkusen) 2:32:35 1997 Regensburg 4. MaiDirk Nürnberger (LAC Quelle Fürth/München) 2:17:14Petra Maak, geb. Sander (ASC Rosellen/Neuss) 2:43:01 1996 Berlin-Marathon 29. SeptemberSteffen Dittmann (LC Solbad Ravensberg) 2:16:00Claudia Lokar, geb. Borgschulze (TV Wattenscheid 01) 2:28:17 1995 Hamburg-Marathon 30. AprilKonrad Dobler (SVO Germaringen) 2:12:57Romy Lindner (LAC Chemnitz) 2:37:19 1994 Frankfurt-Marathon 23. OktoberStephan Freigang (LC Cottbus) 2:16:35Kathrin Weßel, geb. Ullrich (OSC Berlin) 2:36:29 1993 Hannover-Marathon 18. AprilKurt Stenzel (ASC Darmstadt) 2:13:25Birgit Jerschabek (LG Sieg) 2:30:34 1992 Herxheim 19. SeptemberThomas Ertl (TSV Burghaslach) 2:21:26Manuela Veith (TV Bodenheim) 2:46:33 1991 Oelde 27. AprilThomas Ertl (TSV Burghaslach) 2:20:30Sigrid Wulsch (LG Menden) 2:48:28

Meister in der Bundesrepublik Deutschland bzw. der Trizone von 1948 bis 1990 (DLV)