Bratislava ( [], bis 1919 slowakisch Prešporok, deutsch Pressburg, vor der Rechtschreibreform 1996 Preßburg geschrieben, ) ist die Hauptstadt der Slowakei und mit Einwohnern (Stand ) die größte Stadt des Landes. Die weitere Region Bratislava hat mehr als 736.000 Einwohner. Die Stadt liegt an der südwestlichen Grenze der Slowakei am Dreiländereck mit Österreich und Ungarn und ist damit die einzige Hauptstadt der Welt, die an mehr als einen Nachbarstaat grenzt. Mit rund 55 km Luftlinie haben Bratislava und Wien, abgesehen vom Vatikan, der innerhalb Roms liegt, den geringsten Abstand zweier europäischer Hauptstädte.

Als politisches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes ist Bratislava Regierungssitz der Slowakei sowie Standort mehrerer Universitäten, Museen, Theater und weiterer wirtschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Institutionen.

Die Geschichte der Stadt wurde von zahlreichen Ethnien und Kulturen mit unterschiedlicher Gewichtung geprägt, wie Kelten, Römern, Germanen, Awaren, Deutschen, Magyaren, Juden und Slowaken. Bratislava war im Laufe seiner Geschichte eines der wichtigsten wirtschaftlichen und administrativen Zentren des Mährerreiches, des Königreichs Ungarn (auch im Rahmen der österreichischen Monarchie beziehungsweise Österreich-Ungarns) und der Tschechoslowakei. Die Stadt war von 1536 bis 1783 und 1848 Hauptstadt des Königreichs Ungarn sowie von 1939 bis 1945 Hauptstadt der (ersten) Slowakischen Republik. 1968 wurde Bratislava Hauptstadt des Teilstaates Slowakische Sozialistische Republik (slowakisch: SSR) in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (ČSSR) und kurz (1990–1992) in der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik (ČSFR). Seit 1993 ist sie Hauptstadt der selbständigen Slowakischen Republik.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die Bratislavaer Burg. Das Wappen der Stadt zeigt eine fiktive dreitürmige Burg in Silber auf rotem Grund.

Geographie Lage mini|300px|Bratislava und Umgebung auf einem Satellitenfoto von 2021 Die Stadt liegt im Südwesten des Landes im Bezirk Bratislava, beim Dreiländereck Slowakei-Österreich-Ungarn. Die österreichische Grenze ist vom Zentrum fünf Kilometer nach Westen, die ungarische 20 Kilometer nach Süden entfernt. Die Grenze zu Tschechien liegt 62 Kilometer nördlich. Österreichs Hauptstadt Wien befindet sich 55 Kilometer westlich von Bratislava. Beide Städte werden auch als Twin City (Zwillingsstadt) bezeichnet und bilden den Mittelpunkt der Europaregion Centrope. Die tschechische Hauptstadt Prag liegt auf der Luftlinie etwa 290 Kilometer nordwestlich und die Hauptstadt Ungarns, Budapest, 165 Kilometer südöstlich.

mini|Burg über der Donau bei Nacht Bratislava befindet sich beiderseits der Donau (slowakisch Dunaj), welche das Stadtgebiet von West nach Südost durchfließt und im Stadtgebiet zwischen 200 und 300 Meter breit ist. Im Westen des Stadtgebiets liegt die Thebener Pforte (Devínska brána), das Durchbruchstal zwischen dem Braunsberg am südlichen, dort österreichischen Ufer und dem Thebener Kogel am nördlichen, slowakischen Ufer. An dieser Stelle mündet der Grenzfluss March (Morava) von Norden kommend in die Donau; der Mündungsbereich der March umfasst einen kleinen Anteil der Landschaft Záhorie, die geomorphologisch zum Tiefland Borská nížina und somit zum Wiener Becken zählt. Die Bratislavaer Burg (Pressburg, ) in der Mitte der Stadt markiert den Beginn des zumeist nord- oder linksufrigen slowakischen Donautieflands (Podunajská nížina) in der Kleinen Ungarischen Tiefebene, auf die sich der östliche und südliche Teil des Stadtgebiets erstreckt. Südlich der Hafenbrücke zweigt die Kleine Donau (Malý Dunaj) ab, ein linker Seitenarm der Donau im Donautiefland, und bildet mit der Donau die Große Schüttinsel (Žitný ostrov). Ungefähr drei Viertel des Stadtgebiets zählen zum Tiefland.

Das restliche Viertel ist von bergiger Landschaft geprägt: Der Gebirgszug der Karpaten beginnt im Stadtgebiet von Bratislava mit den Thebener Karpaten, dem südwestlichsten Abschnitt der Kleinen Karpaten (Malé Karpaty). Im Bereich der Pforte von Lamač (Lamačská brána) beginnen die Bösinger Karpaten, zu denen mit dem Berg Kamzík () eines der Wahrzeichen der Stadt gehört. Im Gebirge entspringen mehrere Bäche, von denen die Vydrica der größte und wasserreichste ist. Im Nordwesten der Stadt sammelt das Flüsschen Mláka Bäche im Einzugsgebiet der March und im Nordosten gehört der Bach Račiansky potok mit seinen Zuflüssen über den Šúrsky kanál (Šúr-Kanal) zum Einzugsgebiet der Čierna voda. Die Stadt bedeckt eine Fläche von 367,66 km², womit sie die flächenmäßig größte Gemeinde der Slowakei ist. Der tiefste Punkt des Stadtgebiets liegt auf an der Donau bei Čunovo, die höchstgelegene Stelle ist der Gipfel des Thebener Kogels (Devínska Kobyla) auf

Entlang der Donau befinden sich mehrere Arme, die nach der abgeschlossenen Flussregulierung bestehen blieben. Flussabwärts sind dies Devínske rameno, Karloveské rameno, Pečnianske mŕtve rameno, Chorvátske rameno, Biskupické rameno, Jarovské rameno, Rusovské rameno und Mošonské rameno. Zwischen dem Karloveské rameno und der Donau liegt die für die Wasserversorgung Bratislavas bedeutende Insel Sihoť. Im Süden der Stadt öffnet sich die Donau zum Staubecken Hrušov, das zum Komplex des Wasserkraftwerks Gabčíkovo gehört. Nahe der Staatsgrenze zu Ungarn am Wehr Čunovo zweigt die Moson-Donau (Mošonský Dunaj) vom Hauptfluss ab.

Auf dem Stadtgebiet befinden sich mehrere Schutzgebiete, davon zwei Landschaftsschutzgebiete (Chránené krajinné oblasti) in den Kleinen Karpaten (Malé Karpaty) westlich und nördlich der Stadt und in den Donauauen (Dunajské luhy) am südlichen Rand der Stadt sowie neun kleinere Schutzgebiete wie der Thebener Kogel.

Bratislava grenzt an folgende Gemeinden: Stupava, Borinka und Svätý Jur im Norden, Ivanka pri Dunaji und Most pri Bratislave im Osten, Dunajská Lužná, Rovinka, Kalinkovo und Hamuliakovo im Südosten, das ungarische Rajka im Süden sowie im Westen die österreichischen Gemeinden Deutsch Jahrndorf, Pama, Kittsee, Berg, Wolfsthal und Hainburg südlich sowie Engelhartstetten und Marchegg nördlich der Donau.

Klima Bratislava liegt in der gemäßigten Zone und im Bereich des Kontinentalklimas mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die Sommer sind meist warm und trocken, die Winter kalt und feucht. Insgesamt weist Bratislava mit jährlich 574,2 mm nur geringe Niederschlagsmengen auf. Es verzeichnet zudem längere Trockenperioden und liegt in einer der wärmsten und trockensten Gegenden des Landes, die sich sehr gut zum Weinbau eignet. Bedingt durch den vorherrschenden Nordwestwind, der im rechten Winkel die Kleinen Karpaten trifft, sind die dem Wind zugewandten Teile der Stadt im Nordwesten etwas kühler und regenreicher. Die mittlere Lufttemperatur beträgt im Stadtzentrum durchschnittlich 10,7 °C. Die Übergangszeit im Frühling und Herbst ist meist nur kurz. Devín und Devínska Nová Ves sind regelmäßig durch Überschwemmungen von Donau und March gefährdet.

Geschichte

Urzeit, Römerzeit bis Mährerreich mini|Eine keltische Münze und deren Nachbildung in Form einer modernen 5-Kronen-Münze Die erste nachgewiesene dauerhafte Besiedlung der Gegend erfolgte in der Jungsteinzeit um 5500 v. Chr. durch Angehörige der Kultur der Linearbandkeramiker.NEOLIT – mladšia doba kamenná (6000/5500 – 4300 BC). In: archeologiask.sk. Abgerufen am 28. April 2020 (slowakisch). Nach vielen weiteren Kulturen besiedelten im 5. Jahrhundert v. Chr. die Kelten das Stadtgebiet. Der keltische Stamm der Boier gründete in der heutigen Stadtmitte um etwa 115 v. Chr. eine befestigte Siedlung (Oppidum), wo es unter anderem eine Münzprägestätte gab. Vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. stand die Gegend südlich der Donau unter der Herrschaft der Römer (im Süden), während das eigentliche Stadtgebiet nördlich der Donau zur Germania magna gehörte. Der Donaulimes verlief durch das heutige Stadtgebiet, bei Rusovce befand sich das Kastell Gerulata. Von ungefähr der Zeitenwende bis in das 6. Jahrhundert n. Chr. war das Gebiet germanisch geprägt, wobei es häufig dem Reich der Quaden zugerechnet wird.

Die Slawen erreichten das Gebiet um das Jahr 580, gegen Ende der Völkerwanderung, nachdem die Quaden mit den Langobarden nach Italien abgezogen waren. Als Reaktion auf die Vorherrschaft der Awaren rebellierten die sesshaft werdenden slawischen Stämme und gründeten im Jahr 623 das Reich des Samo. Dieses erste historische slawische Staatsgebilde hatte bis 658 Bestand. Vom Ende des 8. Jahrhunderts bis 833 waren die Burgen von Pressburg und Theben wichtige Zentren des Fürstentums Nitra und nach 833 des Mährerreiches. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts war die Gegend von Bratislava Teil der karolingischen Ostmark. Die erste überlieferte urkundliche Erwähnung der Stadt (abgesehen von der neuzeitlichen auf etwa 805 bezogenen Erwähnung durch Johannes Aventinus) erfolgte im Jahr 907 im Zusammenhang mit den Schlachten von Pressburg zwischen Bajuwaren und den Magyaren, aus denen Letztere als Sieger hervorgingen.

Königreich Ungarn bis zum Ende des Mittelalters mini|Die Wappenurkunde aus dem Jahr 1436

Die politische Entwicklung im 10. Jahrhundert ist unklar. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass die Stadt seit etwa 907 (spätestens seit etwa 925) unter magyarischer (ungarischer) Oberherrschaft stand. Das Komitat Pressburg wurde wahrscheinlich entweder Ende des 10. Jahrhunderts oder im 11. Jahrhundert gegründet. Nach manchen Autoren gelangte die Stadt um 990 wieder zu Bayern, kam aber kurz danach als Mitgift von Gisela von Bayern bei ihrer Heirat mit dem ungarischen König Stephan I. zum ungarischen Staat.Siehe zum Beispiel Um 1001 wurde die Stadt zusammen mit der gesamten Slowakei kurzzeitig von Polen erobert, bis sie 1030 endgültig an das Königreich Ungarn fiel.

In der Folge entwickelte sich unterhalb der Burg eine Marktsiedlung, die aufgrund ihrer strategischen Lage an der Westgrenze Ungarns wiederholt Angriffen anderer Mächte ausgesetzt war. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Ungarn und bairischen, dann österreichischen, böhmischen und römisch-deutschen Fürsten bzw. Königen, wie bei den Angriffen 1042/1052 des römisch-deutschen Königs Heinrich III. oder des böhmischen Königs Ottokar II. Přemysl in den 1270er Jahren im Rahmen der ungarisch-böhmischen Kriege. Ein Mautrecht soll es bereits im 11. Jahrhundert gegeben haben, gegen 1100 fanden hier nach Kolomans Gesetzbuch sogenannte Gottesgerichte statt, die ansonsten nur für Bistumssitze reserviert waren. Später entstand das Pressburger Kapitel, die älteste erhaltene erlassene Urkunde stammt aus dem Jahr 1236. Nach der Darstellung des arabischen Kartographen al-Idrisi war Būzāna (so die angegebene Bezeichnung) im 12. Jahrhundert eine „florierende mittelgroße Stadt mit vielen Einwohnern und genügend verschiedener Sachen und Lebensmittel zum Überleben“ und dichter Bebauung.

mini|Bodenerinnerungsplatte zur historischen Stadtbefestigung Bratislavas nahe dem Michaelertor