Riga () ist die Hauptstadt Lettlands und mit rund 590.000 Einwohnern (591.882 am 1. Januar 2025) die größte Stadt des Landes. Der Großraum Riga hat rd. 850.000 Einwohner. Riga ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Die alte Hansestadt ist berühmt für ihre Jugendstilbauten und ihre großzügige Anlage sowie für die gut erhaltene Innenstadt, darunter besonders die Altstadt. Im Jahr 2016 wurde Riga der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.Stadtporträt des Projektes „Reformationsstädte Europas“: Reformationsstadt Riga. Lettland. Die neue Lehre kam über die Ostsee. In: reformation-cities.org/cities. Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, abgerufen am 8. Oktober 2017. Zur Bedeutung Rigas in der Reformationsgeschichte siehe den Abschnitt Reformation, polnisch-litauische Herrschaft und Riga als zweitgrößte Stadt Schwedens sowie das Stadtporträt des Projekts „Europäischer Stationenweg“: . In: r2017.org/europaeischer-stationenweg, abgerufen am 23. November 2016.

Geografie Lage

Die Altstadt Rigas liegt am rechten Ufer des Unterlaufs der Düna (), die hier auch nach den Flussregulierungen der Neuzeit noch 500 m breit ist. Die nördlichen Vorstadtbezirke liegen bereits an der Rigaer Bucht (Rigaer Meerbusen). Das Hinterland im Süden und Westen der Stadt ist verhältnismäßig dünn besiedelt, ausgedehnte Moore und Sümpfe bildeten hier einst einen natürlichen Schutz. Die von der letzten Eiszeit geprägte Landschaft um Riga verfügt über eine Vielzahl kleiner Seen und Bäche, östlich und nördlich der Altstadt befand sich noch im ausgehenden 19. Jahrhundert ein ausgedehntes Ödland aus Sanddünen.

Klima Das Klima ist feucht-kontinental mit warmen, feuchten Sommern und schneereichen Wintern. Temperaturen bis −20 °C sind keine Seltenheit.

Stadtgliederung Riga ist in drei Stadtbezirke (rajons) und drei Vorstädte (priekšpilsētas) gegliedert mit zahlreichen Stadtteilen (Stand 1. Januar 2010):Daten zur Bevölkerungsentwicklung: (PDF; 59 kB) In: gov.lv. Pilsonības un migrācijas lietu pārvalde, abgerufen am 24. November 2016.

mini|Administrative Stadtgliederung Rigas|alternativtext=Grafische Karte von einer Stadt mit farbig markierten Bezirken.

Flächennutzung Bewohnte Fläche: 67,00 km² (21,8 %) Gewerbliche Fläche: 52,45 km² (17,0 %) Straßen und Wege: 24,64 km² (8,0 %) Parkanlagen: 57,54 km² (19,0 %) Gewässer: 48,50 km² (15,8 %) In riga.lv. 2003, abgerufen am 24. November 2016. Auch sehr viel Wald

Nachbarschaft Das Stadtgebiet von Riga grenzt im Nordwesten an die Ostsee, im Nordosten und Osten an die Verwaltungsbezirke (novads) Carnikava, Garkalne und Stopiņi, im Süden an Salaspils, Ķekava und Olaine und im Westen an Mārupe, Babīte sowie die Stadt Jūrmala.

Geschichte Gründung Bereits vor der Gründung Rigas (1201) am Zusammenfluss des später zugeschütteten Baches Rīdzene (deutsch: Riege – daher der Name Riga) und der Düna bestand am rechten Ufer der Düna eine Siedlung der finno-ugrischen Liven. Ende des 12. Jahrhunderts kamen immer wieder Kaufleute aus Gotland, um hier Handel zu treiben. Mehrfach gingen auch Missionsversuche von diesem Ort aus, die jedoch bis zur eigentlichen Stadtgründung fehlschlugen. Erst mit dem Erscheinen Alberts von Buxthoeven aus Bremen gelang es, Riga als Drehscheibe des Russlandhandels und Ausgangspunkt der Mission und der deutschen Kolonisierung des Baltikums zu konsolidieren.

Bis dahin hatte der etwa 50 km westlich gelegene Semgallerhafen am Unterlauf der Kurländischen Aa () als wichtiger Handelsplatz der Region gedient. Auf Betreiben deutscher Kaufleute, die vom Papst ein entsprechendes Privileg erwarben, wurde im Jahr 1200 seine Schließung erzwungen, um den deutschen Händlern eine Monopolstellung zuzusichern. So konnte sich Riga in wenigen Jahrzehnten zur bedeutendsten Stadt eines Gebietes entwickeln, das fortan als Livland (lateinisch: Livonia) einen festen Platz auf der Landkarte Europas einnahm. Insbesondere zu Beginn ihrer Geschichte erlebte die Stadt einen rasanten Aufschwung: Die bebaute Fläche wuchs in einem Vierteljahrhundert um das fünf- bis sechsfache. Die Stadt war Sitz eines Erzbischofs und gehörte seit 1282 der Hanse an.Ojārs Spārītis und andere: Art. Rīga. In: Astrīda Iltnere, Uldis Placēns (Red.): Latvijas pilsētas. Enciklopēdija. Preses Nams, Riga 1999, ISBN 9984-00-357-4, S. 378–407.

Ab 1211 gewannen die Bürger der Stadt, insbesondere die Kaufleute, die sich nach der Unterwerfung der umliegenden Völkerschaften hier niederließen, rasch an Einfluss: Bereits 1225 konnten sie den Stadtvogt, der bis dahin vom Bischof eingesetzt wurde, selbst wählen. Der Rigaer Stadtrat ist 1225 zum ersten Male urkundlich erwähnt und bestand wahrscheinlich schon seit 1222 oder 1223. Anfangs galt in Riga das Visbyer Stadtrecht,Richard Hausmann: Die Recesse und anderen Acten der Hansetage von 1256 bis 1430. In: Baltische Monatsschrift. Band 20, Heft Januar–Februar 1871, S. 86–99, hier S. 94. danach das an das Lübische Recht angelehnte Hamburger Stadtrecht.Wilhelm Ebel: Lübisches Recht im Ostseeraum (= Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Geisteswissenschaften. Heft 143). Westdeutscher Verlag, Köln/Opladen 1967, , S. 17.

Schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts, der Überlieferung zufolge im Jahre 1211, gründete Bischof Albert von Buxthoeven die Domschule am Dom zu Riga, auf die das 1. Staatsgymnasium seine Tradition zurückführt. Die zweite Schule in Riga war die 1353 gegründete Lateinschule der Pfarrei St. Petri.Pēteris Jērāns (Red.): Rīga. Enciklopēdija. Galvenā enciklopēdiju redakcija, Riga 1988, S. 41.

mini|Riga um 1400|alternativtext=Kupferstich der Stadtkarte von Riga mit seiner Mauer und wichtigsten Bauten und Straßen. Am unteren Bildrand ist ein Fluss mit der Beschriftung „Düna Fluvius“. In der oberen Mitte ist ein Kompass gezeichnet und an der oberen linken und rechten Seite ist die Legende für die mit Buchstaben versehenen Bauten.

Riga unter dem Deutschen Orden Im Rahmen der Ostkolonisation versuchten die Bischöfe, vor allem Deutsche im heidnischen Gebiet anzusiedeln. Militärisch wurden sie dabei von Ritterorden unterstützt, zunächst vom Schwertbrüderorden und nach dessen Niedergang vom Deutschen Orden, in den der Schwertbrüderorden eingegliedert worden war. Insbesondere nach der Vertreibung der Kreuzfahrer aus Palästina begann sich der Deutsche Orden verstärkt um die osteuropäischen Gebiete zu kümmern, zunächst Preußen, aber auch Livland. Der Deutsche Orden war eine machtvolle eigenständige kirchliche Körperschaft, die bald zu den Erzbischöfen von Riga in Konkurrenz trat. Geleitet wurde der livländische Zweig des Deutschen Ordens von einem Landmeister, der dem Hochmeister (oberster Ordensherr) unmittelbar unterstand.

Zwischen den Erzbischöfen von Riga und dem Deutschen Orden wurden zahlreiche Auseinandersetzungen teils mit Waffengewalt, teils mit Prozessen vor dem Papst ausgefochten. Die Erzbischöfe ersuchten auch benachbarte Staaten um Schutz (z. B. den König von Dänemark, aber auch den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, außerhalb dessen Grenzen Livland zunächst lag). Nach der vom Orden gewonnenen Schlacht bei Neuermühlen am 30. März 1491 schlossen der Deutsche Orden und der Erzbischof von Riga den Frieden von Wolmar. Der Erzbischof erkannte den Deutschen Orden als Schutzmacht Livlands an und beteiligte sich mit einem eigenen Heereskontingent an der Schlacht am Smolinasee im Jahr 1502.

Reformation, polnisch-litauische Herrschaft und Riga als zweitgrößte Stadt Schwedens mini|alt=Kupferstich vom Blick auf eine Stadt mit Fluss und Segelschiffen im Vordergrund. Hinter der Stadtmauer sind viele Häuser und drei Kirchen, die von einer hügeligen Landschaft umgeben sind.|Ansicht von Riga zu Anfang des 17. Jahrhunderts mini|Karte von Riga (um 1710) mini|alt=Alte Farbfotografie von einer Stadt mit der Aufschrift „Riga Le Quai“. Im Vordergrund ist ein breiter Fluss mit drei Schiffen. Am Ufer sind überdachte Stände und eine Brücke ist links teilweise zu sehen. Hinter der linken Häuserfassade sind zwei Kirchtürme.|Riga Ende des 19. Jahrhunderts

Im Jahre 1522 schloss sich Riga der Reformation an.Joachim Kühles: Das Eindringen der Reformation im Ostbaltikum am Beispiel Rigas und die Entstehung der Evangelischen Kirche. In: Heinrich Wittram (Hrsg.): Kirchliches Leben und Theologie in den baltischen Gebieten vom 16. bis 20. Jahrhundert (= Baltische Seminare. Band 19). Carl-Schirren-Gesellschaft, Lüneburg 2011, ISBN 978-3-923149-63-6, S. 11–69. 1527 berief der Rat den Königsberger Reformator Johannes Briesmann zum Domprediger und in eine einem Superintendenten gleichkommende Stellung.Erwin Iserloh: Geschichte und Theologie der Reformation im Grundriß. Verlag Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1980, ISBN 3-87088-261-1, S. 177. Damit näherte sich die Macht der Erzbischöfe ihrem Ende. Der letzte Erzbischof von Riga war Wilhelm von Brandenburg. Nach Ausbruch des Livländischen Krieges 1558 und der Auflösung der Livländischen Konföderation 1561/62 folgte Riga nicht mehr unmittelbar der Entscheidung des Erzbischofs und des Ordens, sich Polen-Litauen zu unterwerfen, sondern favorisierte insbesondere in den 1570er Jahren den Status einer freien Reichsstadt des Heiligen Römischen Reiches.Anna Ziemlewska: Riga und das Römische Reich nach Auflösung der livländischen Konföderation. In: Thomas Lau, Helge Wittmann (Hrsg.): Kaiser, Reich und Reichsstadt in der Interaktion. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0262-1, S. 147–156. Erst als die erhoffte kaiserliche Unterstützung ausblieb, brachte der erneute Vormarsch russischer Heere Riga dazu, 1581 Polens König Stephan Báthory im Vertrag von Drohiczyn zu huldigen. Der König bestätigte im Gegenzug im Corpus Privilegiorum Stephaneum (auch als Corpus Privilegiorum Stephanorum bezeichnet) die traditionellen Freiheiten und Privilegien der Stadt.Heinz von zur Mühlen: Das Ostbaltikum unter Herrschaft und Einfluß der Nachbarmächte (1561–1710/1795). In: Gert von Pistohlkors (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Baltische Länder. Siedler, Berlin 1994, ISBN 3-88680-214-0, S. 173–264, hier S. 182. Die freie Ausübung des lutherischen Bekenntnisses wurde gewährt, aber die Stadt musste zwei ihrer Hauptkirchen, St. Jakobi und St. Maria Magdalenen mitsamt den Klostergebäuden, wieder an die Katholiken abgeben. Im benachbarten Livland betrieb König Stefan Bathory eine Rekatholisierungspolitik, die auch in Riga Besorgnisse auslöste. Bei Einführung des gregorianischen anstelle des bisherigen julianischen Kalenders kam es 1584–1589 in Riga zu den sogenannten Kalenderunruhen, bei denen die beiden katholischen Kirchen wieder für die Lutheraner in Beschlag genommen und die Jesuiten aus der Stadt vertrieben wurden. König Sigismund III. Wasa forderte konsequent St.-Jakob für die Katholiken zurück und unterstützte das Jesuitenkolleg in Riga, kam aber andererseits auch den städtischen Bedürfnissen entgegen und bestätigte verschiedene Privilegien der Stadt.

Ungeachtet der Auseinandersetzungen mit den polnischen Königen prosperierte die Stadt wirtschaftlich. Ein Ausdruck der Blüte, die Riga in dieser Zeit erlebte, ist die Gründung der ersten Rigenser Druckerei durch Nicolas Mollyn 1587. Er verlegte in den folgenden 38 Jahren 165 Bücher, davon 119 in lateinischer, 43 in deutscher und drei in lettischer Sprache.Arveds Schwabe: Histoire du peuple letton. Bureau d’Information de la Légation de Lettonie à Londres, Stockholm 1953, , S. 120.