mini|Gebäude des ehemaligen IWF Wissen und Medien (Nonnenstieg 72 in Göttingen; Mai 2014) Die IWF Wissen und Medien gGmbH, bis 2001 Institut für den Wissenschaftlichen Film, war ein in Göttingen ansässiges Institut für Medien in der Wissenschaft. Es wurde 1956 gegründet und war bis Ende 2007 Teil der bundesweiten Leibniz-Gemeinschaft. 2008 bis Ende 2010 wurde es abgewickeltIm Filminstitut geht das Licht aus. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 30. September 2010 und befand sich ab dem 1. Januar 2011 in Liquidation.

Gesellschafter waren die alten Bundesländer mit Ausnahme des Saarlands. Als gemeinnützige Serviceeinrichtung des Bundes und der Länder förderte sie Wissenschaft und Bildung durch Entwicklungs- und Transferleistungen im Bereich audiovisueller Medien (AV-Medien).

Geschichte des Gebäudes 1959 wurde auf einem bis dahin landwirtschaftlich genutzten Areal im Nonnenstieg im Osten der Stadt ein mehrstöckiges Verwaltungsgebäude errichtet, zwei flache Laborgebäude sowie eine Halle für Filmaufnahmen. 1960 entstanden im Nordostbereich desselben Grundstücks zwei weitere Häuser (Direktorenvilla und Elektromeisterhaus), sowie südlich der Hauptgebäude ein Hausmeisterhaus. Das Direktorenhaus wurde 2004 zu einer Kindertagesstätte umfunktioniert. 2010 wurde das Institut geschlossen und das IWF-Gebäude im Lauf der folgenden Monate geräumt.

Nachdem 2012 der Versuch einer Abriss- und Neubauplanung zur Errichtung von zehn mehrstöckigen Wohngebäuden wegen massiver Proteste in der Bevölkerung zunächst gescheitert war, ist die Bauleitplanung bezüglich der Folgenutzung des Grundstücks seitdem von massiven Auseinandersetzungen zwischen der Stadt, einem Privatinvestor und zwei örtlichen Bürgerinitiativen geprägt.

Tätigkeit und Bedeutung des Instituts Die IWF akquirierte und optimierte AV-Medien aus der Wissenschaft und machte sie Lehre und Forschung zugänglich. Das Institut verfügte über mehr als 8.500 Medien, die gekauft und zum Teil auch ausgeliehen werden konnten. Der Medienbestand wurde laufend erweitert. Damit war das Institut eine der weltweit größten Sammlungen wissenschaftlicher Filme.

Die IWF sammelte Informationen über audiovisuelle Medien und Aktivitäten im Bereich der Entwicklung und Nutzung von audiovisuellen Medien und stellte sie zentral zur Verfügung. Medien und Informationen darüber konnten über das Portal recherchiert werden. Produzenten von wissenschaftlichen AV-Medien hatten die Möglichkeit, ihre AV-Medien über die IWF zu veröffentlichen.

Vor allem für Wissenschaftler und Studenten, aber auch für Lehrer und Schüler bot die IWF Seminare zum Themenbereich „Medieneinsatz in der Wissenschaft“ an.

Die Anzahl der über das IWF-Portal online abgerufenen Videos betrug – laut Angaben der IWF – 2007 durchschnittlich 80.000 pro Monat. Im Jahr 2005 waren es durchschnittlich 30.000 pro Monat. Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) fällte im Oktober 2007 den Abwicklungsbeschluss.Aus für IWF Wissen und Medien. Heise Online, 25. Oktober 2007 Im Oktober 2007 wurde die Bund-Länder-Förderung eingestellt.

Die Gesellschafterversammlung beschloss am 10. Mai 2010, das Institut aufzulösen.StadtRadio Göttingen vom 11. Mai 2010 „IWF Wissen und Medien wird geschlossen“ Das IWF wurde im Oktober 2010 geschlossenIm Filminstitut geht das Licht aus. Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 30. September 2010 und befand sich ab dem 1. Januar 2011 in Liquidation.

Geschichte 1934 bis zur Institutsgründung 1934 Gründung der „Reichsstelle für den Unterrichtsfilm“ (RfdU) in Berlin (seit 1940 auch rückwirkend „RWU“ genannt) 1935 Schaffung der „Abteilung Hochschule“ der RfdU 1936 Übernahme der Bestände der „Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Filme“ (DEGEWI) durch die Abteilung Hochschule 1940 Umbenennung der RfdU in „Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht“ (RWU) 1940 Herauslösung der „Abteilung für den technisch-wissenschaftlichen Forschungsfilm“ 1943 Verlegung der Abteilung für den technisch-wissenschaftlichen Forschungsfilm nach Groß-Cammin (Mark Brandenburg) 1945 Ende der RWU: Besetzung des Hauses in Berlin und Beschlagnahme des Inventars durch US-Soldaten 1945 Verlegung der Abteilung für den technisch-wissenschaftlichen Forschungsfilm nach Höckelheim bei Göttingen 1945 Gründung des „Instituts für den Unterrichtsfilm“ (IfdU) für die Länder Bayern, Großhessen und Württemberg in München 1945 Gründung des „Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht“ (FWU) für die britische Besatzungszone in Hannover, ab April 1946 in Hamburg 1949 Gründung der „International Scientific Film Association“ (ISFA) 1949 Zusammenfassung der Abteilung Technisch-wissenschaftlicher Forschungsfilm (Höckelheim) und der Abteilung Hochschule der ehemaligen RWU zur „Abteilung Hochschule und Forschung“ in Göttingen 1952 Gründung der „Encyclopaedia Cinematographica“ (EC) in Göttingen 1953 Umbenennung der Abteilung Hochschule und Forschung in „Institut für den Wissenschaftlichen Film“ (IWF) als „Zweigniederlassung“ des FWU

1956 bis 1981 Seit 1. April 1956 Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen als selbstständige Institution der Bundesländer nach dem Königsteiner Abkommen. 1956–1967 einige wichtige filmtechnische Entwicklungen gingen aus dem IWF hervor, u. a. eine Drehspiegelkamera mit 300.000 B/s, 60 Einzelbilder, eine Funkenkamera nach Cranz-Schardin 1.000.000 B/s, 20 Einzelbilder, Bau einer Tageslichtzeitrafferanlage nach Rieck, Bau eines Meßkinematographen zur Bewegungsanalyse, Bau einer Blitzapparatur für synchrone normalfrequente Aufnahmen 1957 erscheint Gotthard Wolf: Der wissenschaftliche Film (Methoden-Probleme-Aufgaben)Gotthard Wolf: Der wissenschaftliche Film (Methoden-Probleme-Aufgaben). In: Die Naturwiss. H. 18, 44. Jg., 1957. S. 477–482. Sonderabdruck 1961 Von Gotthard Wolf u. a. erscheint Der Film im Dienste der WissenschaftGotthard Wolf u. a.: Der Film im Dienste der Wissenschaft. Göttingen 1961. Festschrift zur Einweihung des Neubaues für das Institut für den wissenschaftlichen Film 1963 ff. Das IWF gibt die Schriftenreihe Publikationen zu wissenschaftlichen Filmen heraus. 1967–1970 Aufbau einer holographischen Aufnahmeanordnung mit He-Ne-Laser, Entwicklung und Bau eines Gerätes zur synchronen Bild/Tonaufzeichnung bei 20facher Zeitdehnung, Entwicklung einer drahtlosen Startmarkierungsanlage für Ton-Filmaufnahmen, Bau einer Kamera nach Cranz-Schardin, 2.000.000 B/s, 36 Einzelbilder 1968 Von Joachim Rieck erscheint Technik der Wissenschaftlichen KinematographieJoachim Rieck: Technik der Wissenschaftlichen Kinematographie. München 1968 1977 Übernahme des IWF in die „Blaue Liste“ durch die finanzielle Beteiligung des Bundes (BMFT) 1978–1980 Weiterentwicklung des Tageslichtzeitraffers, Bau einer optischen Richt- und Kopierbank 1981 25. Institutsjubiläum

1982 bis 2010 1986/1987 Evaluation durch den Wissenschaftsrat 1990 Erster gemeinsamer Kongress von Wissenschaftlern und Medieneinrichtungen aus Ost und West im IWF 1991 Gründungsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ (AG-BL, später: Leibniz-Gemeinschaft) 1991 Gründung der „Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft“ (GMW) auf Initiative des IWF 1992 Gründung der „International Association for Media in Science“ (IAMS) als Nachfolgeeinrichtung der ISFA (IWF ist Gründungsmitglied) 1992 40. Jubiläum der Encyclopaedia Cinematographica. Hermann Kalkofen referiert zum Thema: Die Aufgaben der EC im Spiegel ihres 40-jährigen Bestehens.Hermann Kalkofen: Die Aufgaben der EC im Spiegel ihres 40-jährigen Bestehens. Typoskript, 13 S. (1992) 1993 Göttingen International Ethnographic Film Festival gegründet, das seit 1994 neue ethnographische Filme aus aller Welt gebündelt zugänglich macht. 1995/1996 Evaluation durch den Wissenschaftsrat 1997–2000 In der Folge der negativen Evaluation des Instituts erfolgte eine Neukonzeption und deren Evaluierung. Das Konzept – „IWF – Der wissenschaftliche Medien-Dienstleister“ – wurde für tragfähig befunden. Der Bund kündigte die gemeinsame Förderung des Instituts in seiner früheren Verfassung und nach einer erfolgten Reorganisation wurde das IWF auf der Grundlage der Neukonzeption in die gemeinsame Förderung („Blaue Liste“) wieder aufgenommen. 2001 Einführung des neuen Firmennamens „IWF Wissen und Medien gGmbH“ 2002 erneute Reorganisation 2004/2005 Evaluation durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft Ende 2007 wurde die Bund-Länder-Förderung eingestellt. 2008–2010 Abwicklung des Instituts Im Mai 2010 beschloss die Gesellschafterversammlung, das Institut zum 31. Dezember 2010 aufzulösen.

Institutsdirektoren Zeitraum Name1956–1976Gotthard Wolf1976–1996Hans-Karl Galle1996–2000Hartmut Rudolph2001–2006Christian Floto2006–2008Hanns Ulrich Freiherr von Spiegel2008–2010Thomas Knieper

Materialverbleib nach Schließung Der Filmbestand der IWF inklusive aller Rechte ist Ende 2012 auf die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover übertragen worden. Die TIB ist dabei, die Rechtesituation an den Filmen zu prüfen und in gewissem Umfang Rechte nachzuverhandeln. Die Filme sind beziehungsweise werden nach und nach (soweit sie sich inhaltlich dafür eignen) online über das TIB AV-PortalTIB AV-Portal Suche nach IWF-Filmen zugänglich gemacht.

Nachnutzung des Geländes mini|Waldgebiet auf dem IWF-Grundstück, Juli 2013 Das Grundstück des Instituts (Nonnenstieg 72, Göttingen) umfasste zur Zeit der Schließung 2010 insgesamt 32.000 m² und wurde von einem öffentlichen Gehweg (Habichtsweg) durchschnitten. Auf dem 22.000 m² großen Gebiet zwischen Nonnenstieg und Habichtsweg befanden sich die IWF-Gebäude. Der Habichtsweg selbst nahm eine Fläche von 2500 m² ein. Das restliche Areal von ca. 7500 m² jenseits (südöstlich) des Habichtswegs wurde seit den 1950er Jahren von der 60 Parzellen umfassenden Kleingartenkolonie „Am Rohns“ für 20 Kleingartenparzellen genutzt und war vom Land zwischenzeitlich für das IWF als Vorhaltefläche erworben worden, sollte das IWF zu einem späteren Zeitpunkt einmal erweitert werden.Satzung über die Veränderungssperre der Stadt Göttingen für den Bebauungsplan Göttingen Nr. 243 „Dauerkleingartenkolonie ‚Am Rohns‘“. Beschlussvorlage Ausschuss für Bauen, Planung und Grundstücke, 6. Dezember 2012 Dieser Fall trat jedoch nie ein.

Im August 2010 bestimmten die Gesellschafter den Unternehmensberater Horst Scherer zum neuen Geschäftsführer und Liquidator, mit der Aufgabe, die Gesellschaft aufzulösen und das Grundstück zu veräußern.IWF bestimmt neuen Geschäftsführer und Liquidator. StadtRadio Göttingen, 20. August 2010

Planung bezüglich der Kleingärten 2011/2012 mini|Kleingärten auf dem IWF-Grundstück, August 2014 Liquidator Scherer versuchte zunächst, das gesamte 32.000 m² große Grundstück einschließlich der Kleingartenkolonie für einen möglichst hohen Betrag an einen Investor zu verkaufen, der vorhatte, dort Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten zu schaffen. Ende 2011 forderte er die Pächter auf, bis November 2012 ihre Parzellen zu räumen und an den Grundstückseigentümer zu übergeben. Göttinger Tageblatt, 28. Dezember 2011 Eine Bauvoranfrage wurde eingereicht. Nach heftigen Protesten im Stadtviertel entschloss sich die Stadt, die Kleingartenkolonie zu erhalten.Stadt will Kleingärten im Ostviertel kaufen. StadtRadio vom 15. August 2011 Der Stadtrat beschloss am 6. Dezember 2012 eine Veränderungssperre für das betroffene Kleingartenareal.

Gescheiterte Bauplanung 2012 Am 13. Februar 2012 wurde ein Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan verabschiedet, welcher als Zielsetzung eine geordnete Wohnbebauung und den Erhalt von Grünstrukturen festschrieb. Wenige Wochen später wurde ein nichtoffener städtebaulicher Wettbewerb für den Bau von Wohn- und Geschäftshäusern ausgeschrieben, im Rahmen dessen im Juli 2012 ein Vorschlag des Architekturbüros Dietrich Untertrifaller Architekten zum Siegerentwurf gewählt wurde. Göttinger WirtschaftsDienst, 26. Juli 2012