Grevenbroich (mit Dehnungs-i in der Endsilbe -broich) ist eine große kreisangehörige Stadt in Nordrhein-Westfalen, zum Rhein-Kreis Neuss gehörend. Sie liegt im Städtedreieck Düsseldorf-Köln-Mönchengladbach und hat Einwohner ().
Geographie Geographische Lage mini|Kloster Langwaden in Grevenbroich Grevenbroich liegt maximal 187 Meter über Normalnull (Vollrather Höhe) und minimal 45 Meter über Normalnull (Erftaue zwischen Gruissem und Münchrath).
Klima Durch die Lage in der Kölner Bucht gehört Grevenbroich zum atlantisch-maritimen Klimabereich, der sich durch schneearme Winter bei einer durchschnittlichen Januartemperatur von 2 °C auszeichnet. Die mittlere Temperatur im Juli liegt bei 18 °C, die durchschnittliche Jahrestemperatur bei 10 °C. Somit kann Grevenbroich zu den wärmsten Regionen Deutschlands gezählt werden; Schneefälle, die über mehrere Tage liegen bleiben, sind eher als Ausnahme zu betrachten. Der mittlere Jahresniederschlag liegt bei 743 mm. (Die Messwerte weichen je nach Messort/-station und Statistikzeitraum um bis 1 °C ab.)
Das Kohlekraftwerk im Stadtteil Neurath sowie das Kraftwerk Niederaußem tragen zur Lufterwärmung bei; das Kohlekraftwerk im Stadtteil Frimmersdorf wurde im September 2021 im Rahmen des Kohleausstiegs endgültig stillgelegt. Da das für die Grevenbroicher Kraftwerke benötigte Kühlwasser in den Fluss Erft geleitet wird, hat dieser außergewöhnlich hohe Wassertemperaturen. Auch im Winter fällt die Temperatur der Erft nie unter 10 °C. Ende der 1950er Jahre wurde das Bett der Erft stark vergrößert, um die Sümpfungswasser der Braunkohletagebaue aufnehmen zu können. Seit Ende der 1980er Jahre werden diese Wasser in den Bereich Maas-Schwalm-Nette geleitet, um dortige Auswirkungen des Tagebaus zu lindern. Daher verfügt die Erft nicht mehr über genügend Wasser für eine nennenswerte Strömung; ohne die beim früheren Ausbau angelegten Wehre würde sie nahezu trockenfallen.
Diese Tatsache beeinflusst wiederum die Erwärmung, so dass es in Grevenbroich zu kuriosen Vorfällen kommt. So wurden in der Erft bereits öfter tropische Tiere und Pflanzen gefunden, die teils heimische Arten bedrohten und bekämpft werden mussten. Die am besten bekannt gewordenen Funde waren mehrmals zufällig geangelte Piranhas, das aus Südamerika stammende Wassertausendblatt und die Dichtblättrige Wasserpest in der Erft.„Tropische Fische und Pflanzen machen’s sich in den Flüssen gemütlich“ über die Temperaturerhöhung und Piranhas in der Erft bei taz.de. In einem Gebiet nahe den Kraftwerken wurden für die Region ungewöhnliche Orchideen (Helm-Knabenkraut und Mücken-Händelwurz) entdeckt. Neben den Piranhas werden wiederholt in Nordamerika beheimatete Sonnenbarsche herausgefischt. bei erftverband.de.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet hat heute eine Ausdehnung von 102,7 Quadratkilometern. Es ist beeinflusst durch zwei Braunkohlekraftwerke, die aktuell angrenzende Braunkohleförderung und die früheren Abbaggerungen von Orten und Gehöften Grevenbroichs, sowie die dadurch entstandenen künstlichen Anhöhen (renaturierte Abraumhalden) Vollrather Höhe und Gustorfer Höhe. Durch gute Verkehrsanbindungen im Straßen- und Schienennetz, die nahen Kohlekraftwerke als Energieversorger und die Lage zwischen den Städten mit der größten Bevölkerungsdichte von Nordrhein-Westfalen haben sich in der Geschichte und Gegenwart einige (Groß-)Industrieunternehmen angesiedelt.
Heute lebt man im Stadtgebiet verteilt in 32 Ortschaften. Dazwischen liegen Wälder, Wiesen und Äcker entlang der Erft, die auf einer Länge von 20 km die Stadt durchfließt und in der nahen Kreisstadt Neuss in den Rhein mündet.
Nachbarstädte Jüchen Korschenbroich Neuss Tagebau Garzweiler Datei:Windrose klein.svg Dormagen Tagebau Garzweiler Bedburg RommerskirchenLandkarte Grevenbroich mit angrenzenden Städten bei Google Maps, abgerufen am 20. Mai 2008.
Die Stadt Grevenbroich grenzt im Norden an Stadtteile von Korschenbroich und Jüchen, im Osten an Neuss, Dormagen und an die Gemeinde Rommerskirchen, im Süden an Bedburg und ebenfalls Rommerskirchen, sowie im Westen an Jüchen, wo es allerdings durch den Braunkohletagebau Garzweiler fast komplett abgetrennt wird. Nicht nur durch den Rhein-Kreis Neuss, sondern auch wirtschaftlich sind die Städte durch sich ergänzende Industrie miteinander verbunden.
Stadtgliederung mini|hochkant|Die ehemaligen Städte und Gemeinden auf dem heutigen Stadtgebiet Die Stadt Grevenbroich in ihrer heutigen Struktur als Mittelzentrum wurde im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 aus sieben Städten und Gemeinden des ehemaligen Kreises Grevenbroich gebildet, zu denen auch die früher kurkölnische Stadt Hülchrath mit ihrem bedeutenden Schloss und die Stadt Wevelinghoven mit dem ebenfalls historisch bedeutenden Kloster Langwaden zählten.
Stadt- und Ortsteile von Grevenbroich sind: Allrath, Barrenstein, Busch, Elsen, Frimmersdorf, Fürth, Gilverath, Gindorf, Gruissem, Gubisrath, Gustorf, Hemmerden, Kapellen, Laach, Langwaden, Mühlrath, Münchrath, Neuenhausen, Neubrück, Neu-Elfgen, Neukirchen, Neurath, Noithausen, Orken, Stadt Grevenbroich, Stadt Hülchrath, Stadt Wevelinghoven, Südstadt, Tüschenbroich und Vierwinden sowie die abgebaggerten ehemaligen Orte Elfgen und Gürath. (Nicht aufgeführt sind als nicht geschlossen geltende Weiler, Siedlungen und Gehöfte)
Zur Ansicht aller zugehörigen Teile siehe Einwohnerentwicklung nach Stadtteilen
Geologie Vor etwa 30 Millionen Jahren (im Tertiär) sanken Teile des Rheinischen Schiefergebirges ab und ein Niederungsgebiet entstand. Bedingt durch das damals subtropische Klima gab es ein artenreiches, üppiges Pflanzenwachstum. Vor etwa 15 Millionen Jahren starben diese Pflanzen ab und bildeten eine bis zu 270 Meter dicke biogene Schicht. Durch die Hebung des Rheinischen Schiefergebirges südlich von Bonn fanden zwei geologisch wichtige Prozesse statt. Im angehobenen Bereich des Rheinischen Schiefergebirges (südlich von Bonn) wurde Gestein im Laufe der Zeit (zum größten Teil fluviatil) erodiert und in den gesenkten Niederungsbereich des Rheinischen Schiefergebirges akkumuliert. Grevenbroich und auch das weitere Umland befindet sich geographisch auf dieser „verfüllten Sedimentwanne“. Durch den Druck der akkumulierten Sedimente auf die darunterliegenden biogenen Erdschichten wurde der Torf im Laufe der Zeit zu Braunkohle gepresst. Da in der Saale-Eiszeit der nordische Eisschild bis an den Rhein (Maximalausdehnung bis Düsseldorf) vordrang, nahm die Region Grevenbroichs zu dieser Zeit die Rolle eines periglazialen Raumes ein. Katabatische Winde, die während der Saale-Eiszeit das weiter nördlich gelegene Eisschild herabwehten, führten zum Eintrag großer Mengen Löss in die Landschaft. Der Löss lässt sich heute noch gut in der Pedosphäre der Region Grevenbroichs nachweisen (vorwiegend Parabraunerde, Fahlerde und Pseudogley aus Löß oder Lößlehm) und ist der Grund für die fruchtbaren Böden der Region.
mini|Erft in Grevenbroich Durch die Zugehörigkeit zum Erdbebengebiet Kölner Bucht entstehen üblicherweise in der Region mehrmals im Monat Kleinbeben, die in der Regel nicht gespürt werden. Ein starkes Erdbeben (circa 5,5 bis 6,0 auf der Richterskala) tritt im Großraum durchschnittlich etwa alle 200 Jahre auf. Für internationale Verhältnisse fallen diese relativ schwach aus.
Geschichte mini|Am Alten Schloss in Grevenbroich Nahe einer alten Römerstraße zwischen Rhein und Maas wurde das sumpfreiche Gebiet von den Grafen von Kessel, deren Stammsitz die Grafschaft Kessel an der Maas war, Ende des 13. Jahrhunderts urbar gemacht. Inmitten der Besitzungen errichteten sie auf einer Kiesbank eine befestigte Burganlage, die von Brüchen, Sümpfen und der Erft umgeben, einen sicheren Schutz gegen feindliche Angriffe bildete.
In der Folge wurde das Dorf nach seinen gräflichen Besitzern als „Bruche comitis“ – der Grafen Bruch oder Bruchland – bezeichnet. 1297 wurde das Wilhelmitenkloster in munitione Bruyke (in der befestigten Ansiedlung Broich) errichtet. Teile des Wilhelmitenklosters mit dem Bernardusturm sind heute noch zwischen der Pfarrkirche St. Peter und Paul und dem Alten Rathaus zu sehen. 1307 wurden Burg und Ort durch Schiedsspruch den Grafen und späteren Herzögen von Jülich zugesprochen.
Im 15. Jahrhundert bauten die Herzöge von Jülich die ehemalige Burganlage zum landesherrlichen Schloss (Altes Schloss) um, in dem seit 1425 mehrfach der Jülicher Landtag abgehalten wurde. Vom ehemaligen Schloss ist noch der Palasbau nebst einem Torgebäude, welches das Schloss von der Stadt trennte, vorhanden. Heute noch bildet das Alte Schloss mit seiner Gastronomie und großen Versammlungs- und Konferenzräumen einen kulturellen und gesellschaftlichen Mittelpunkt im Zentrum der Stadt, so dass Grevenbroich von jeher gerne als Schlossstadt bezeichnet wird.
Grevenbroich war bis zur Besetzung durch französische Revolutionstruppen im Jahre 1794 Sitz des jülichschen Amtes Grevenbroich, zu dem auch die Städte Mönchengladbach und Rheydt gehörten.
mini|Karte Grevenbroichs von 1771 Bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts wuchs die Stadt nicht über die Wälle mit davorliegenden Wassergräben hinaus, die sie als sogenannte „innere Festung“ umgaben. Dann entwickelte sie sich schnell. 1767 zählte Grevenbroich 330 Einwohner, 1820 waren es 627, 1871 waren es 1325 und 1900 waren es 3.410. 1869 wurde die Bahnstrecke Düren–Neuss eröffnet und 1899 die Bahnstrecke zwischen Grevenbroich und Köln. Dieser Eisenbahnknoten begünstigte industrielle Ansiedlungen (Textil-, Metall- und Nahrungsmittelindustrie) und den Braunkohleabbau.
Von 1815 bis 1929 war Grevenbroich Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, s. u.
Der zur Stadt Grevenbroich gehörende Ort Gürath musste um 1900 als erstes Dorf dem Braunkohlebergbau im rheinischen Revier weichen. Gürath (ältere Schreibweisen: Judenrode, Gudenrode) war Sitz einer Kommende des Deutschen Ordens. Der Ort Elfgen wurde (wie auch einige andere Gebiete im Stadtgebiet Grevenbroich) weggebaggert und das damalige Gut Vollrath in Neuenhausen ab Mitte des 20. Jahrhunderts mit Abraum aus der Braunkohleförderung verschüttet. Dadurch entstanden die künstlichen Anhöhen Vollrather Höhe (auf deren Gebiet Gut Vollrath lag) und die Gustorfer Höhe. Diese sind renaturierte Abraumhalden. Ein Teil der Einwohner Elfgens wurde in den neu angelegten Ortsteil Neu-Elfgen umgesiedelt.
1995 fand im Stadtpark der Stadt eine Landesgartenschau statt.
Im Jahr 2005 wurde die Stadt beim bundesweiten Wettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ mit „Gold“ ausgezeichnet.
Religionen mini|hochkant|Kirche St. Peter und Paul in Grevenbroich Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren fast alle Einwohner katholisch. Lediglich in Wevelinghoven gab es seit der Reformation eine evangelische Gemeinde. Die Erckens-Kapelle der Industriellenfamilie Erckens gegenüber deren Villa diente ihnen als Versammlungsstätte; heute wird sie von der Freien Christengemeinde genutzt. Durch den Zuzug Heimatvertriebener in den Nachkriegsjahren wuchs der Anteil evangelischer Gläubiger auf etwa 25 Prozent.
Beim Zensus 2011 bezeichneten sich 17,7 % der Einwohner evangelisch, 53,2 % als römisch-katholisch und 29,1 % als konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe., Zensus 2011. Ende Dezember 2019 waren von den etwa 64.000 Einwohnern 6.300 (10 %) evangelisch.Viele Mitglieder kehren der Kirche den Rücken, Stand: 31. Dezember 2019, abgerufen am 9. März 2020.
Heute gibt es mehrere katholische, evangelische und freikirchliche Gemeinden sowie eine neuapostolische. In Hülchrath gab es ein kleines Bethaus der wenigen jüdischen Einwohner. Neben den Kirchen für die christlichen Religionsgemeinschaften gibt es eine Moschee in Grevenbroich-Stadtmitte sowie eine weitere beim Kraftwerk Frimmersdorf.