mini|hochkant|Emblem der Ustascha: Der Großbuchstabe U für Ustaša, darin eine Granate mit kroatischem Wappenschild mit einem ersten Feld in Silber.Historische Hintergründe und Ursachen des Kroatienkrieges 1991–1995. Nationalismus, ethnischer Konflikt und nationale (Des-)Integrationsprozesse. Boris Katić, Wien 2012, S. 85. Die Ustascha (vollständig , kurz UHRO; d. h. die Aufständische – Kroatische revolutionäre Organisation) war ein im Jahr 1930Bei der verbreiteten Behauptung, die Gründung sei am 10. Januar 1929 erfolgt, handelt es sich um eine Propagandalüge der Ustascha. Siehe gegründeter ultranationalistisch-terroristischer Geheimbund, der für ein von Jugoslawien unabhängiges Großkroatien kämpfte und sich zu einer faschistischen Bewegung entwickelte. Die Ustascha errichtete in dem von 1941 bis 1945 bestehenden Unabhängigen Staat Kroatien, der sich de jure im Wesentlichen auf das Gebiet des heutigen Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina erstreckte, eine totalitäre Diktatur, die für den Völkermord an Serben, Juden und Roma sowie die Ermordung zahlreicher politischer Oppositioneller und Regimegegner verantwortlich war. Dies sowie ihre zügellose Tyrannei stießen bei einem zunehmend großen Teil der Bevölkerung auf Ablehnung.

Die Ustascha wurde als Reaktion auf die 1929 errichtete jugoslawische Königsdiktatur von Alexander I. (1888–1934) durch Ante Pavelić (1889–1959) gegründet und geführt. Der Name Ustaša (Plural ) für das einzelne Mitglied wie für die gesamte Organisation wurde in Erinnerung an den bewaffneten Aufstand von Rakovica unter Eugen Kvaternik gewählt, mit dem 1871 ein von Österreich-Ungarn unabhängiges Kroatien erkämpft werden sollte. Die Struktur und Rituale der im Exil in Italien gegründeten Ustascha waren zunächst vergleichbar mit denen anderer national-terroristischer Geheimbünde in Südosteuropa, wie der serbischen Schwarzen Hand oder der bulgarisch-makedonischen IMRO. Nach dem misslungenen Velebiter Aufstand im Jahr 1932 gelang der Ustascha, gemeinsam mit der IMRO, im Jahr 1934 das Selbstmordattentat auf den jugoslawischen König Alexander I. Bis die Ustascha im April 1941 durch Unterstützung der Achsenmächte unerwartet die Macht in einem neugegründeten Vasallenstaat übernehmen konnte, befanden sich ihre Stützpunkte und Ausbildungslager, in denen zuletzt bis zu 300 Personen untergebracht waren, vor allem in Ungarn und Italien. Die Ustascha entwickelte sich nie zu einer Massenbewegung, sondern wurde in den 1930er-Jahren von höchstens 10 % der Bevölkerung unterstützt. Trotz einer anfänglich breiten Schicht von Sympathisanten und Opportunisten betrug die Zahl der formell aufgenommenen Mitglieder in der Heimat und im Exil bis 1941 vermutlich nie mehr als 3000 bis 4000, maximal 10.000, die sich aus Studenten, Professoren, Schriftstellern, Juristen, ehemaligen k. u. k. Offizieren, Mitgliedern katholischer Vereinigungen und Angehörigen sozialer Randgruppen rekrutierten. mini|hochkant|Ustascha-Milizionär der Leibgarde des Staatsführers Ante Pavelić (s. Kragenspiegel). Der Uniformrock aus italienischer Produktion lässt vermuten, dass er Pavelić bereits bei dessen Rückkehr aus dem Exil begleitete (Oktober 1942).

Da der Katholizismus wesentliches Abgrenzungsmerkmal der Kroaten gegenüber anderen Ethnien war, wurde dieser von der Ustascha entsprechend instrumentalisiert. Das Verhältnis der katholischen Kirche zur Ustascha war ambivalent. Viele katholische Geistliche sympathisierten mit der grundlegenden Idee eines kroatischen Staates. Die nationalistisch eingestellten Kleriker kooperierten mit der Ustascha, waren jedoch die Minderheit, und einige Geistliche protestierten gegen deren Verbrechen. Aufgrund der Instrumentalisierung der Religion durch die Ustascha und der Beteiligung von Vertretern des katholischen Klerus bei Aufbau, Organisation und Führung des faschistischen Ustascha-Regimes wird die Ustascha-Diktatur von einigen Historikern dem Klerikalfaschismus zugeordnet.Ewa Kobylińska: Religion und Kirche in der modernen Gesellschaft. Polnische und deutsche Erfahrungen. Otto Harrassowitz, 1994, S. 52 sowie Lutz Raphael: Imperiale Gewalt und mobilisierte Nation. Europa 1914–1945. C. H. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-62353-0, S. 256.

Vorgeschichte Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie vereinigten sich dessen südlich gelegene Staaten (Slowenien, Kroatien und Bosnien und Herzegowina) zusammen mit Serbien zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Königreich Jugoslawien. Die Ustascha-Bewegung bildete sich aus Gruppierungen, die in den 1920er Jahren den rechten Rand der kroatischen Opposition gegen die zentralistische und serbisch-hegemoniale Staatsordnung des Königreiches gebildet hatte.

Deren wichtigste war die Hrvatska stranka prava, die aus dem rechten, strikt antijugoslawischen Flügel der gleichnamigen älteren Partei entstanden war. Zu den führenden Mitgliedern dieser Partei gehörte zu jener Zeit auch der spätere Ustascha-Führer und Jurist Ante Pavelić. Größeren Einfluss konnten diese und ähnliche Gruppierungen jedoch zunächst nicht erlangen. Die dominierende politische Kraft in Kroatien war und blieb zu dieser Zeit die Kroatische Bauernpartei unter Führung von Stjepan Radić.

Entstehung, Gründung mini|Mijo Babić, der spätere Königsmörder Wlado Tschernosemski und Mittäter Zvonimir Pospišil (v. l. n. r.) bei der militärischen Ausbildung im Ustascha-Lager Janka Puszta südlich von Nagykanizsa, Ungarn (um 1934)

Ende Oktober 1928 gründete Ante Pavelić die illegale Vorläuferorganisation Hrvatski domobran (Der kroatische Verteidiger). Er konnte sich dabei auf antijugoslawische, revanchistische und irredentistische Kräfte in Italien, Ungarn und Bulgarien stützen, außerdem auf legitimistische Kreise in Österreich und die revanchistische Bewegung in Deutschland verlassen. Während einer Staatskrise, die auf die Ermordung des kroatischen Demokraten Stjepan Radić in Belgrad durch Puniša Račić folgte, führte König Alexander I. am 6. Januar 1929 einen Staatsstreich durch. Er löste das Parlament auf, suspendierte die Verfassung von 1921 und proklamierte eine Königsdiktatur, die auch die bisherigen nationalen Symbole verbot. Einen Tag später emigrierte Pavelić nach Italien, wo er Emigranten der Ustascha-Bewegung um sich sammelte und sie zu einer Terrororganisation formte. In Zentren und Camps in Ungarn, Italien und Österreich wurden die Anhänger für terroristische und subversive Aktionen trainiert. Im Asyl schrieb Pavelić ein Programm der Ustascha, die „Statuten“ (1932) und die „Prinzipien“, 1941 erweitert.

Die Ustascha verstand sich als kroatische Unabhängigkeitsbewegung gegen die serbische Hegemonie in Jugoslawien und für die Entwicklung zu einem Großkroatien unter dem Einschluss von Bosnien, Herzegowina und Syrmien. Die serbische Bevölkerung sollte zügig eliminiert werden. Die Ustascha entwickelte sich zu einer faschistischen Bewegung, die sich an den Vorbildern Mussolini und Hitler orientierte. In den Jahren 1929 bis 1934 wurde sie vom faschistischen Regime Mussolinis aktiv unterstützt, um den Staat Jugoslawien, welcher einer italienischen Vorherrschaft an der Adria und auf dem Balkan im Wege stand, zu destabilisieren.

Obwohl ihre Anhänger in Jugoslawien nicht sehr zahlreich waren, unterwanderten sie die Kroatische Bauernpartei und unternahmen intensive Anstrengungen, um deren rechtsgerichtete und separatistische Kräfte auszubauen. Einige ihrer geheimen Basen im Land waren katholische Konvente und Seminare. Die Regierung reagierte auf die Aktivitäten der Ustascha mit der gewaltsamen Unterdrückung jedes potentiellen Widerstandes. Dabei wurden auch mehrere nicht an den terroristischen Aktivitäten beteiligte Oppositionelle, unter anderem Milan Šufflay, von Agenten des jugoslawischen Geheimdienstes ermordet, was internationale Proteste nach sich zog.

Zielsetzung mini|hochkant|Ustascha-„Verfassung“ vom 7. Januar 1929 (Druck: 1932)

Das selbstgesetzte Ziel der Ustascha war „die Wiederherstellung des freien und unabhängigen kroatischen Staates auf dem gesamten historischen und ethnisch geschlossenen Gebiet des kroatischen Volkes.“Ante Pavelić: Die kroatische Frage. Entstehung: 28. Oktober 1936. Privatdruck des Instituts für Grenz- und Auslandstudien, Berlin 1941, S. 23. Dieses Ziel war „mit allen Mitteln, ja sogar im bewaffneten Aufstand zu erreichen“.Punkt 1 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert Gärtner: Kroatien in Südslawien. Junker und Dünnhaupt, Berlin 1944, S. 192. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz für Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.

Unter dem „Gebiet des kroatischen Volkes“ wurde folgendes verstanden:

Nach der Verwirklichung des Zieles wollte Punkt 2 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert Gärtner: Kroatien in Südslawien. Junker und Dünnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 192. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz für Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.

Als Gegner dieser Zielsetzung und als Feinde sah die Ustascha: die serbische Staatsgewalt die internationale Freimaurerei das Judentum den Kommunismus.Ante Pavelić: Die kroatische Frage. Entstehung: 28. Oktober 1936. Privatdruck des Instituts für Grenz- und Auslandstudien, Berlin 1941, S. 26 ff.

Organisation Die Organisation der Ustascha gliederte sich in

„Roj“, die Ustascha in einem Ort „Tabor“, alle Roj auf dem Gebiet der Gemeinde „Logor“, alle Tabor eines Bezirkes „Stožer“, alle Logor auf dem Gebiet einer Gespanschaft

Weiterhin gab es für die gesamte Studentenschaft ein „Hochschulstožer“, das unmittelbar dem Hauptquartier unterstand.Punkt 3 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert Gärtner: Kroatien in Südslawien. Junker und Dünnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 193. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz für Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.

Vor dem Jahr 1941 gab es im Exil neunzehn „Stožer“ auf dem Gebiet des vorgesehenen „Großkroatiens“. Aufgrund der zahlreichen Auslandskroaten gab es zudem drei „Stožer“ in Europa sowie Nord- und Südamerika.Ante Pavelić: Eingabe an den Staatsanwalt beim Appellationsgericht in Aix-en-Provence. In: Volk und Reich. Heft 2 (Februar). Volk und Reich, Berlin 1936, S. 161.

Über allem stand das „Hauptquartier der Ustaschen, das jede Tätigkeit, welche sich auf die gesamte Bewegung und den Freiheitskampf bezieht, leitet.“ Das Hauptquartier bestand aus dem Rat der Doglavniks und aus dem Adjutantenstab. Die höchstens zwölf Doglavniks und die Hauptadjutanten ernannte und enthob der Poglavnik.Punkt 5 der Verfassung der kroatischen Ustaschen-Freiheitsbewegung (1932). In: Emil Robert Gärtner: Kroatien in Südslawien. Junker und Dünnhaupt Verlag, Berlin 1944, S. 193. Zitiert nach: Za Dom: Kroatische Korrespondenz für Politik, Wirtschaft und Kultur. Nr. 6–7. Zagreb 2. Juni 1941, S. 4 f.

mini|hochkant|Ustascha-Arbeitsdienst-Mann mit dem Gedenkabzeichen für Verdienste um Aufbau und Ausbildung der Ustaška mladež (UM) auf der Brusttasche (Oktober 1942) Nach Bildung des Unabhängigen Staates Kroatien wurde nach dem Vorbild der Hitlerjugend die Ustaška mladež (Ustascha-Jugend) gebildet. Deren Untergruppen waren Ustaška uzdanica (Ustascha-Hoffnung) für Grundschüler vom 7. bis 11. Lebensjahr, Ustaški junaci bzw. junakinje (Ustascha-Helden) vom 11. bis 15. Lebensjahr sowie die Ustaška Starčević mladež (Ustascha-Starčević-Jugend) vom 15. bis 21. Lebensjahr.