mini|hochkant=1.3|Unabhängigkeitsplatz im Zentrum von Minsk

Minsk (, bis 1933 , , , ) ist die Hauptstadt und gleichzeitig mit etwa 2 Millionen Einwohnern (Stand: 2022) größte Stadt in Belarus. Sie ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Belarus mit Hochschulen und Fachschulen sowie zahlreichen Kirchen, Theatern und Museen. Die Stadt hat einen Sonderstatus und gehört keiner Woblasz an, ist aber Hauptstadt der sie umschließenden Minskaja Woblasz. Minsk ist Sitz der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Geographie Lage und Ausdehnung mini|links|Fluss Swislatsch in Minsk

Minsk liegt an der Swislatsch, einem Nebenfluss der Bjaresina. Die Fläche der Stadt beträgt 348,45 km².Государственный комитет по имуществу Республики Беларусь. Национальное кадастровое агентство: Сайт содержит. In: ate.nca.by, abgerufen am 22. September 2018.

Stadtgliederung mini|hochkant=1.1|Stadtbezirke von Minsk

Die Stadt gliedert sich in neun Verwaltungs-/Stadtbezirke: Zentralny (1), Sawezki (2), Perschamajski (3), Partysanski (4), Sawodski (5), Leninski (6), Kastrytschnizki (7), Maskouski (8) und Frunsenski (9). Dem Stadtrat wurden die Dorfsiedlungen und eine städtische Siedlung untergeordnet.

Klima

Etymologie des Namens Mensk, der mittelalterliche Name der Stadt, leitet sich vom ehemaligen Flüsschen Menka (Menja) ab, einem Nebenfluss der Swislatsch. Der Name des Bachs geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf die slawische Wurzel *men- zurück, was „klein“ bedeutet.

Die zugrundeliegende indogermanische Wurzel *mei- ist auch in Wörtern wie mindern oder minimal oder Menschewik zu finden.

Wappen mini|Woblaszwappen auf der Flagge der Minskaja Woblasz

Das Wappen zeigt in Blau, dem Betrachter zugewandt, die betende heilige MuttergottesПоложение о гербе города минска in blauem Kleid und rotem Mantel, Kappe und Schuhen auf einer silbernen Wolke stehend, zu deren Seite je ein silbergekleideter und -geflügelter Engel mit goldenem Nimbus zur Mitte gewandt kniet, und über allem schwebend zwei ebenso gefärbte Cherubköpfe.

Daneben sind Darstellungen mit goldenem Heiligenschein der Zentralfigur bekannt. Das Wappen ist auch in die Fahne übernommen worden. In einem goldenen Woblaszwappen mit goldener Mauerkrone und drei Wellenbalken ist das Stadtwappen im linken oberen Viertel eingefügt.

Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Anfang des Jahres 1067 wurde Minsk erstmals als Menesk bzw. Mensk erwähnt, eine Stadt im Fürstentum Polozk im Verband der Kiewer Rus. Die erste Erwähnung in der Nestorchronik (russ. ) stand mit der Schlacht an der Nemiga in Zusammenhang, bei der die Kiewer Fürsten-Brüder Isjaslaw I., Swjatoslaw II. und Wsewolod I. gegen den Polozker Fürsten Wseslaw zu Felde zogen und dabei auch die Stadt Minsk plünderten. Seit 1101 wurde es Hauptstadt eines unabhängigen Fürstentums Minsk. Infolge anhaltender Streitigkeiten zwischen verschiedenen Fürstengeschlechtern kam es immer wieder zu Feldzügen, denen Minsk zum Opfer fiel. So wurde die Stadt 1116 zunächst von den Truppen des Kiewer Fürsten Wladimir Monomach belagert und konnte 1119 schließlich dem Großfürstentum Kiew zugeschlagen werden. Obwohl die Polozker Fürsten zwischen 1159 und 1161 abermals mehrfach versuchten, Minsk zu erobern, gehörte die Stadt vorerst weiterhin zu Kiew. Aufgrund der allgemeinen politischen Situation, aber auch wegen der günstigen geografischen Lage der Stadt entwickelte sich Minsk zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zu einem wichtigen Handels- und Handwerkszentrum, wie umfangreiche archäologische Funde aus dieser Zeit belegen.

Seit Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte es zum Großfürstentum Litauen. Minsk gehörte zunächst dem litauischen Großfürsten und König von Polen, Jogaila, der die Stadt Minsk 1387 mit allen dazugehörenden Ländereien und Bewohnern seinem Bruder Skirgaila (poln. Skirgiełło, belaruss. Skirhajla) abtrat. Von 1413 bis 1565 war die Stadt Teil der Wojewodschaft Wilna, wechselte in dieser Zeit jedoch mehrfach den Besitzer und fiel z. B. 1418 an den litauischen Großfürsten Vytautas.

Bereits 1444 fand sich die Stadt im Verzeichnis der 15 am weitesten entwickelten Städte des Großfürstentums Litauen. Im Jahre 1499 erhielt Minsk das Magdeburger Stadtrecht und alle daraus resultierenden Privilegien. Fortan wurde sie von einem Magistrat regiert. In dieser Zeit wurde auch mit dem Bau des Rathauses begonnen.

Seit der Union von Lublin im Jahr 1569 gehörte Minsk zu Polen-Litauen. Die polnische Sprache gewann dabei stark an Bedeutung in der Stadt. Im 16. Jahrhundert wurde Minsk zu einer wichtigen Stadt des Handwerks und Handels. Im Zuge einer Verwaltungsreform wurde Minsk von 1565 bis 1566 Zentrum der Wojewodschaft Minsk, der 60 Städte und Flecken angehörten. In die 1560er Jahre fällt die Gründung einer Reihe von Klöstern verschiedener Orden (u. a. Franziskaner, Dominikaner, Karmeliter, Zisterzienserinnen, Benediktinerinnen), deren verschiedene Gebäude lange Zeit das Stadtbild prägen sollten.

Besonders auf dem Oberen Markt bildete sich mit der Zeit ein beeindruckendes barockes Architekturensemble heraus, dessen Überreste heute noch auf dem späteren Kathedralenplatz und heutigen Platz der Freiheit zu sehen sind.

Als Ergebnis des Russisch-Polnischen Krieges 1654–1667 wurde die Stadt zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Besetzung der Stadt durch Truppenteile der russischen Armee im Jahr 1655 flüchteten große Teile der überwiegend polnisch-litauischen und jüdischen Bevölkerung aus Minsk und kehrten später erst allmählich wieder zurück. Im Jahr 1707 wurde die Stadt im Rahmen des Nordischen Krieges (1700–1721) von der schwedischen Armee Karls XII. erobert.

Zarenzeit mini|Das rekonstruierte Altstädter Rathaus von Minsk mini|Klassizistischer Straßenzug in Minsk, heute Sitz des KGB-RB-Gebäude

Um das Jahr 1790 lag die Einwohnerzahl der Stadt bei 6500–7000. Die Mehrheit der Einwohner bildeten Juden und Polen, mit einer kleinen belarussischen Minderheit. Im Jahr 1793 kam Minsk als Ergebnis der zweiten polnischen Teilung zu Russland. Im selben Jahr wurde die Stadt Zentrum der Orthodoxen Eparchie Minsk (heute Zentrum der Belarussisch-Orthodoxen Kirche). 1798 wurde auch das römisch-katholische Bistum Minsk gegründet. Schon 1796 wurde Minsk Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements und erhielt noch im Dezember desselben Jahres ein neues Stadtwappen: die Heilige Jungfrau auf einem blauen Feld, umringt von vier Engeln. Die ehemalige Lingua franca der Stadt, Polnisch, wurde seit der Zugehörigkeit Minsks zum russischen Zarenreich zunehmend durch die russische Sprache ersetzt.

Während des „Vaterländischen Krieges“, den Russland gegen die napoleonischen Truppen führte, wurde Mikołaj Oppeln-Bronikowski im Juli zum Gouverneur ernannt.Michailowsky Danilewski, Carl R. Goldhammer: Geschichte des vaterländischen Krieges im Jahre 1812, Band 4. Die Bevölkerungszahl der Stadt sank von 9000 auf nur noch 3048 ab und auch die Wirtschaft nahm großen Schaden. In der Zeit der Besatzung wurde von den Franzosen eine „Übergangsregierung des Großfürstentums Litauen“ eingesetzt und geführt. Ihre Aufgabe bestand vor allem in der Eintreibung von Naturalien und der Rekrutierung von Soldaten für die Grande Armée. Die Zeit der französischen Besatzung endete mit der Wiedereroberung der Stadt durch russische Truppen im November 1812. Während des Januaraufstands führte die kaiserliche Regierung das Kriegsrecht in Minsk ein.

mini|links|Ansicht von Minsk um 1870 mini|links|Minsk um 1912

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Wirtschaft der Stadt weitgehend erholt. Die Bevölkerungszahl nahm stetig zu, das kulturelle Leben florierte. So wurden in dieser Zeit mehrere Werke des berühmten polnischen Komponisten Stanisław Moniuszko (1819–1872) in Minsk aufgeführt, der selbst in der Nähe der Stadt geboren war und längere Zeit dort gelebt hatte.

Mit der zunehmenden Bevölkerungszahl und den neuen kulturellen Möglichkeiten stellte sich auch die Glaubensvielfalt ein, die für Minsk bis in das 20. Jahrhundert kennzeichnend bleiben sollte. Die zahlenmäßig wichtigsten Konfessionen bzw. Religionsgemeinschaften waren dabei die jüdische, russisch-orthodoxe und römisch-katholische. Nach der Volkszählung von 1897 betrug die Stadtbevölkerung knapp 91.000 Menschen. Dabei lag der jüdische Anteil an der Stadtbevölkerung bei 51,2 %. Russen stellten knapp 26 %, Polen 11,4 %, Belarussen machten nur etwa 9 % aus. Jedoch ist hierbei anzumerken, dass beim Zensus zahlreiche Belarussen als Herkunft „russisch“ angaben.

1898 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands in Minsk gegründet.Anton Pelinka: Nach der Windstille. Eine politische Autobiografie. Lesethek-Verlag, Braumüller GmbH, Wien 2009, ISBN 978-3-99100-006-8, S. 145. Aus dieser Partei entwickelte sich später die Kommunistische Partei der Sowjetunion.

Während des Ersten Weltkriegs war Minsk in den Jahren 1914 und 1915 Sitz des russischen Oberkommandos. Am 21. Februar 1918 wurde Minsk von deutschen Truppen im Rahmen der Operation Faustschlag erobert. Das schnelle Vorrücken der Mittelmächte führte zur Unterzeichnung des Diktatfriedens von Brest-Litowsk durch die Bolschewiki am 3. März 1918.

Sowjetunion Von 1922 bis 1941 mini|Zentrum von Minsk, 1939

Minsk wurde 1918 zur Hauptstadt der kurzlebigen „Weißrussischen Volksrepublik“. 1922 wurde Minsk Hauptstadt der neugebildeten Belarussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (BSSR), einer Teilrepublik der Sowjetunion. Am 15. Januar 1938 wurde Minsk der neu gebildeten Minskaja Woblasz unterstellt. Die Einwohnerzahl stieg bis 1939 auf fast 240.000, wobei nun auch die Belarussen die größte Bevölkerungsgruppe darstellten.Всесоюзная перепись населения 1939 г. Распределение городского и сельского населения областей союзных республик по национальности и полу. In: demoscope.ru. Nr. 781–782, 10.–23. September 2018, abgerufen am 22. September 2018.

Deutsche Besatzungszeit mini|hochkant|links|Deutsche Truppen in Minsk im August 1941, Aufnahme der Propagandakompanie mini|Zwei Männer und Masha Bruskina (mit umgehängtem Schild „Wir sind Partisanen und haben auf deutsche Soldaten geschossen“) vor ihrer öffentlichen Hinrichtung (26. Oktober 1941; Aufnahme aus dem Bundesarchiv) mini|Abmarsch von als „Juden der Rasse nach“ gekennzeichneten Menschen in Minsk, Aufnahme von Ernst Herrmann aus dem Bundesarchiv mini|Zerstörungen in Minsk, 1941

In der Kesselschlacht bei Minsk im Zweiten Weltkrieg wurde Minsk 1941 schwer zerstört. Am 28. Juni 1941, also sechs Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion, war die Stadt im Wesentlichen von den deutschen Truppen erobert worden und wurde Hauptort des Generalbezirks Weißruthenien. Die Rote Armee konnte mehrere tausend Bewohner der Stadt in das sichere Hinterland evakuieren, der Großteil der Bewohner verblieb allerdings in der schwer zerstörten Stadt. Nun begannen die Deutschen die Jagd auf die jüdische Bevölkerung sowie auf alle Kommunisten und deren Sympathisanten, derer man habhaft werden konnte. Im Dezember 1941 wurde Wazlau Iwanouski von den deutschen Besatzern als Bürgermeister der Stadt ernannt.Wojciech Roszkowski, Jan Kofman: Biographical Dictionary of Central and Eastern Europe in the Twentieth Century. Routledge, 8. Juli 2016, S. 380.