Saporischschja (, früher ) ist die Hauptstadt der Oblast Saporischschja in der südlichen Ukraine und mit etwa 550.000 Einwohnern (2024) die sechstgrößte Stadt der Ukraine. Die Großstadt liegt am Dnjepr 70 km südlich der Stadt Dnipro.Demographie ukrainischer Städte auf pop-stat, abgerufen am 28. September 2015.
Saporischschja ist ein wichtiger Verkehrsknoten, ein Industriezentrum sowie kultureller Mittelpunkt mit Hochschulen, Theater und Museen. In der Stadt befinden sich viele Sehenswürdigkeiten wie die Insel Chortyzja. Im Zeitraum 2017 bis 2018 erstellte die Stadtregierung mit Unterstützung des kanadischen Beratungsinstituts Partnership for Local Economic Development and Democratic Governance die Entwicklungsstrategie 2018, deren Ziele seit 2018 in den Bereichen Ökologie, Wirtschaft, öffentliche Infrastruktur sowie Bildung und Forschung umgesetzt werden.
Geographie Überblick hochkant|mini|Lage der Stadt (orange) innerhalb der Oblast Saporischschja
Die Stadt befindet sich im Norden der Oblast Saporischschja. Die Entfernung nach Kiew beträgt 444 km Luftlinie, die nach Dnipro 70 km. Südlich der Stadt ist der Dnepr zum 2155 km² großen Kachowkaer Stausee angestaut.
Die Agglomeration der Stadt bilden im Osten beginnend und dem Uhrzeigersinn folgend die Ortschaften im Rajon Saporischschja Nataliwka, Rostuschtsche, Nowooleksandriwka, Balabyne, Rosumiwka, Baburka, Nowoslobidka, Wyssokohirne, Sonjatschne, Wolodymyriwske, Prydniprowske, und die im Rajon Wilnjansk gelegenen Ortschaften Wilnoandrijiwka, Bohatyriwka, Ljuzerna, Matwijiwka und Kamjane, die allesamt mit ihrem Siedlungskern direkt an die bebaute Fläche von Saporischschja angrenzen.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Saporischschja besteht aus 7 Rajonen.Statistik der Rajone (ukrainisch) PDF-Datei. Aufgerufen am 6. Juni 2016 Diese sind:
mini|Karte der Rajone
Nr. Rajon Einwohner(Nov. 2015) 1 Rajon Oleksandriwsk 68.666 2 Rajon Sawod 50.750 3 Rajon Komuna 133.752 4 Rajon Dnipro 135.934 5 Rajon Wosnesseniwka 101.349 6 Rajon Chortyzja 115.641 7 Rajon Schewtschenko 151.558
Klima Es herrscht ein gemäßigtes kontinentales Klima mit milden Wintern (durchschnittliche Temperaturen um den Gefrierpunkt) und warmen (manchmal heißen) Sommern mit Höchsttemperaturen von über 25 °C. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 9,4 °C. Der kälteste Monat ist der Januar mit einer durchschnittlichen Temperatur −3,1 °C, der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlichen 22,5 °C. Besonders im Juni muss mit viel Niederschlag gerechnet werden.
Bevölkerung Statistik Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Saporischschja ist seit der Ersterfassung 1781 bis zum Jahr 1991 stetig gestiegen, seit 1991 hingegen gesunken. Im Jahr 2015 lag sie bei 762.000 Einwohnern. Die folgende Grafik und eine Tabelle mit allen Einwohnerzahlen veranschaulicht die Entwicklung:
mini|hochkant=2|links|Entwicklung der Bevölkerungszahlen
Einwohnerentwicklung der Stadt Saporischschja von 1781 bis 2017 Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1781 329. Aufgerufen am 29. Dezember 2012. 1795 1.230 1804 2.500 1824 1.716Journal von Natalia Ostasheva Venger „The Mennonite Industrial Dynasties in Alexandrovsk“ (2003) (englisch). Aufgerufen am 30. Dezember 2012. 1859 3.100 1861 3.819T. H Shevchenka: Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten von Studenten (), . 1864 4.354 1870 4.601Die amerikanische Enzyklopädie bearbeitet von George Ripley und Charles A Dana (New York) (1879) (englisch). Aufgerufen am 30. Dezember 2012. 1885 6.707Brockhaus und Efrons Enzyklopädie (russisch). Aufgerufen am 30. Dezember 2012. 1894 16.100Universalkalender für 1889 () von Hermann Hoppe (St. Petersburg, 1898, russisch). Aufgerufen am 30. Dezember 2012. 1897 16.393Große russische Enzyklopädie (Большая Знциклопедія) (1903) (russisch). Aufgerufen am 30. Dezember 2012. 1900 24.196Russischer Kalender für 1906 (Русский календарь на 1906 г.) (St. Petersburg) (1906) (russisch). Aufgerufen am 30. Dezember 2012. 1902 35.000 1910 38.000Ukrainische SRR (), . 1913 63.000 1915 rund 60.000 1916 72.900 1917 58.517Sergina V. Stadt Zaporozhye: 1921–1991 (die richtige Geschichte): Historisches TV-Projekt für jedes Publikum – 2005 – 1. CD-ROM des Films Das Jahr 1926 1926 55.744Ein halbes Jahrhundert als „geheim“ eingestuft: Die All-Union Volkszählung 1937 von Valentina B Zhiromskaya (1996) 1937 243.148 1939 289.188Wilbur Zelinsky, Leszek A. Kosiński: The Emergency Evacuation of Cities. 1991, . 1943 120.000 1956 381.000 1959 449.000 1970 658.000Ukrainian Congress Committee of America: The Ukrainian Quarterly, 1970, . 1971 676.000 1979 781.000Verschiedene Einwohnerzahlangaben von 1979 der unterschiedlichsten Städten. Aufgerufen am 1. Januar 2013. 1989 883.909 1991 896.600Rand McNally: Atlas der Weltgeographie, 1997, . 2001 815.256Verschiedene Einwohnerzahlen von verschiedenen ukrainischen Städten. Aufgerufen am 1. Januar 2013. 2010 776.918. Aufgerufen am 16. September 2010. 2017 749.000
Ethnien In Saporischschja sind die meisten Bewohner Ukrainer; 2001 mit einem Anteil von über 70 % an der Gesamtbevölkerung. Der Bevölkerungsanteil der russischen Bewohner betrug damals gut 25 %. An dritter Stelle rangierten die Belarusen mit einem Anteil von 0,67 %. Des Weiteren ergaben sich bei der Volkszählung von 2001 folgende Ergebnisse:. Aufgerufen am 1. Januar 2013.
Herkunft Anzahl Anteil Ukrainer 573.000 70,28 % Russen 207.000 25,39 % Belarusen 5.500 0,67 % Bulgaren 3.600 0,44 % Jüdische Gemeinschaft 3.400 0,42 % Georgier 3.100 0,38 % Armenier 3.080 0,38 % Tataren 2.200 0,27 % Aserbaidschaner 1.200 0,15 % Roma 920 0,11 % Polen 780 0,10 % Deutsche 760 0,09 % Moldawier 720 0,09 %
Sprachgebrauch In Saporischschja ist, wie in der gesamten Ukraine, die Amtssprache Ukrainisch, allerdings überwog über einen längeren Zeitraum – zuletzt Anfang der 2000er-Jahre systematisch erhoben. Aufgerufen am 30. Dezember 2012. – in der Stadt Russisch im allgemeinen Sprachgebrauch.
Religionen mini|Sankt-Andreas-Kathedrale (Ukrainisch-Orthodoxe Kirche)
Mit Stand vom 11. September 2012 hat die Stadt mehr als 90 religiöse Gemeinschaften, Bewegungen und Richtungen.. Aufgerufen am 29. Dezember 2012.
Mit insgesamt 51,1 % der Bevölkerung stellen die Gläubigen der unterschiedlichen Teilkirchen der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche die größte Gruppe an Gläubigen in Saporischschja.. Aufgerufen am 30. Dezember 2012. In Saporischschja ist hauptsächlich die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats vertreten. Große orthodoxe Kirchengebäude sind die Heilige Schutz Kathedrale, die Sankt-Nikolaus-Kirche und die Sankt-Andreas-Kathedrale. 39 % der Gläubigen zählen zu den Protestanten. Zu ihnen gehören unter anderem die Evangeliumschristen-Baptisten (EZB), die Pfingstler (EFC) sowie die Siebenten-Tags-Adventisten (SDA). Die Katholiken der Stadt gehören entweder zur Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche oder zur Römisch-Katholischen Kirche.
Der Verband des Orthodoxen Judentums teilt sich in sechs Gemeinden. In der Region gibt es fünf muslimische Gemeinden, die Teil der Geistlichen Verwaltung der Muslime in der Ukraine (Duma) sind. Vier Gemeinden sind unabhängig. Außerdem gibt es in Saporischschja eine Niederlassung der vedischen Akademie.
Geschichte Aus archäologischen Funden geht hervor, dass sich vor 5000 bis 6000 Jahren an dieser Stelle Niederlassungen von Nomadenstämme befanden, Skythen treten dort erst Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus auf.
Die historische Region Saporischschja (russisch Saporoschje), deren Name übersetzt „Land hinter den Stromschnellen [des Dnjeprs]“ bedeutet, gehörte seit der Antike zum Wilden Feld. Da diese Stromschnellen den Weg flussaufwärts versperrten, mussten Reisende hier vom Wasser- auf den Landweg wechseln – was die umliegenden Nomaden gern nutzten, um sie zu überfallen oder Tribut zu erpressen. So überfielen und erschlugen die Petschenegen 972 in der Nähe den Kiewer Fürsten Swjatoslaw, der von Friedensverhandlungen mit Byzanz zurückkehrte. Wie am Don, an der Wolga und an anderen Flüssen begannen hier ab dem 16. Jahrhundert geflüchtete ostslawische Bauern zu siedeln. Sie nannten sich Kosaken, was freie Menschen bedeutete. Speziell am Dnjepr handelte es sich um die Saporoger Kosaken. Sie kämpften gegen Polen-Litauen und die Krimtataren.
mini|Die Saporoger Kosaken schreiben dem türkischen Sultan einen Brief, Gemälde von Ilja Jefimowitsch Repin, 1880, Russisches Museum St. Petersburg
Auf der kleinen Dnjeprinsel Mala Chortyzja errichtete 1552 der Ataman Dmytro Wyschnewezkyj eine Sitsch, die heute vielen, trotz anderslautender Forschungsbefunde, als erste Saporoger Sitsch und „Wiege des Saporoger Kosakentums“ gilt. Im Vertrag von Perejaslaw 1654 verbündeten sich die Saporoger Kosaken mit Russland. Im 18. Jahrhundert wurden die Kosaken zu einem privilegierten Militärstand im Russischen Kaiserreich, der an den Landesgrenzen Boden erhielt, dafür aber diese Grenzen militärisch schützen musste. 1770 wurde am Dnjepr die Festung Alexandrowskaja errichtet, benannt nach dem russischen Feldmarschall Alexander Golizyn. Aus ihr entstand später die Stadt Alexandrowsk. Im 19. Jahrhundert war die Stadt das administrative Zentrum des Ujesd Alexandrowsk im Gouvernement Jekaterinoslaw. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Alexandrowsk eine kleine Kreisstadt, die im Jahre 1921 in Saporischschja (russisch Saporoschje) umbenannt wurde.
Ab 1927 errichteten die Sowjets DniproHES (DnjeproGES), das größte Wasserkraftwerk Europas. Mit dessen Fertigstellung 1932 verschwanden die jahrhundertelang bedeutenden Stromschnellen oberhalb der Stadt unter einem gigantischen Stausee. In den Jahren 1932/33 war die Stadt vom Holodomor, einer riesigen Hungersnot, betroffen, der viele Bewohner der Stadt zum Opfer fielen.
Während des Zweiten Weltkriegs besetzte die deutsche Wehrmacht die Stadt vom 4. Oktober 1941 bis zum 14. Oktober 1943. Während der Besatzung wurden 44.000 Zivilisten und sowjetische Kriegsgefangene getötet. Am Ende und nach dem Krieg war Alexandrowsk Standort des Kriegsgefangenenlagers 100, Saporischschja, für deutsche Kriegsgefangene.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 1149 versorgt. Auf verschiedenen Friedhöfen für Kriegsgefangene sind über 35.000 Tote in Einzel- oder Massengräbern beigesetzt.
mini|hochkant=1.4|Hauptstraße in Saporischschja Im Jahr 1985 nahm die Ukrainische SSR das Kernkraftwerk Saporischschja 55 km südwestlich der Stadt in Betrieb, das größte Kernkraftwerk Europas. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Saporischschja 1991 Teil der heutigen unabhängigen Ukraine.
Während des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wurde in Saporischschja ein Sammelplatz für Flüchtlinge aus den umkämpften oder von Russland kontrollierten Gebieten eingerichtet. Im September 2022 wurden bei einem Raketenangriff, für den sich die Ukraine und Russland gegenseitig verantwortlich machten, mindestens 30 Zivilisten getötet.
Regierung und Politik Überblick mini|hochkant|Stadtflagge Saporischschja ist eine kreisfreie Stadt und gleichzeitig das Oblastzentrum der Oblast Saporischschja.. Aufgerufen am 1. Januar 2013.Geographie und Bevölkerung – Region Saporischschja. Aufgerufen am 1. Januar 2013. Dabei unterscheidet man zwischen der Regierung für die Oblast und der Regierung für die Stadt.
Kommunalverwaltung Städtische Regierung mini|Rathaus Behörden und Beamte in der Stadt sind der:
Stadtrat: Er ist die gesetzgebende Körperschaft und wird von der Bevölkerung für fünf Jahre gewählt. Bürgermeister: Er ist der höchste Beamte. Die Einwohner der Stadt wählen den Bürgermeister in einer direkten, allgemeinen, freien und geheimen Wahl für eine Amtszeit von fünf Jahren. Nach seiner Wahl oder Wiederwahl legt er den Eid auf die Tagung des Stadtrates ab.