mini|Jagdschloss Gelbensande Das Jagdschloss Gelbensande liegt in der Rostocker Heide im Norden Mecklenburg-Vorpommerns und gehört zur Gemeinde Gelbensande. Konzipiert wurde es als Sommerresidenz des mecklenburgischen Großherzogs Friedrich Franz III. und dessen Frau Anastasia Michailowna Romanowa. Es handelt sich hierbei um eine im englischen Landstil gebaute Villa.

Geschichte mini|hochkant|Bauherr Großherzog Friedrich Franz III. mini|hochkant|Großherzogin Anastasia zu Mecklenburg, Großfürstin von Russland

1884–1945 1884 erteilte Großherzog Friedrich Franz III. dem bekannten Architekten Gotthilf Ludwig MöckelCecilie von Preußen: Kronprinzessin Cecilie. Erinnerungen. Koehler & Amelang Verlag, Berlin 2001, ISBN 978-3-733803-04-9, S. 48. den Auftrag, ein Jagdschloss als Sommerresidenz im Gelbensander Forst zu errichten. In Anwesenheit des russischen Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow wurde am 1. Mai 1885 der Grundstein gelegt.Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, S. 279–280 Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898 Das Richtfest konnte bereits einige Monate später am 23. September 1885 gefeiert werden. Im August 1887 war das Anwesen schließlich bezugsfertig. Die Einweihungsfeier am 25. August bildete den Abschluss der über zwei Jahre andauernden Bauarbeiten.

Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow, der den Bau mit finanzierte, und seine Söhne waren fortan alljährlich Gäste in Gelbensande, um hier der Jagd nachzugehen.Cecilie von Preußen: Kronprinzessin Cecilie. Erinnerungen. Koehler & Amelang Verlag, Berlin 2001, S. 47 f, S. 61.

1891 zeigte Architekt Möckel sein im Gelbensander Forst realisiertes Projekt auf der Internationalen Kunstausstellung in Berlin.Centralblatt der Bauverwaltung 1891. Nr. 31, Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1891, S. 298.

Nach dem Tod von Friedrich Franz III. war das Jagdschloss der Witwensitz seiner Frau Großherzogin Anastasia. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Schlosses war die Verlobungsfeier am 4. September 1904 der Prinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin mit Kronprinz Wilhelm von Preußen, dem Sohn von Kaiser Wilhelm II.Iselin Gundermann: Kronprinzessin Cecilie. Edition Rieger, Neuruppin 2010, ISBN 978-3-935231-56-5, S. 7. Die Bekanntgabe der Verlobung fand im unweit gelegenen Teehaus der großherzoglichen Familie statt. Am Tage der Verlobung kam es zu einem Waldbrand um Gelbensande, der sich in Richtung des Anwesens ausbreitete. Kronprinz Wilhelm von Preußen, der Kronprinz Christian von Dänemark und Großherzog Friedrich Franz IV. zu Mecklenburg stellten ihre Tatkraft unter Beweis, indem sie sich an den Löscharbeiten beteiligten.Chronik der Feuerwehr Gelbensande. Abgerufen am 17. April 2018. Der Großherzog blieb der Feuerwehr in Gelbensande auch später verbunden. So stiftete er im September 1932 ein Opel Löschfahrzeug mit Motorspritze.

Großherzogin-Witwe Anastasia zu Mecklenburg verließ zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Deutsche Reich. Da sie der russischen Zarenfamilie angehörte – somit Verbindungen zum Feind Russland hatte – war sie in Mecklenburg Anfeindungen ausgesetzt und verbrachte daher die folgende Kriegszeit in der Schweiz.

Am 8. November 1918 erfolgte die Anerkennung der von Sozialdemokraten getragenen Volksregierung durch Großherzog Friedrich Franz IV. Der Großherzog erklärte daraufhin am 14. November 1918 seine Abdankung, hiermit endete auch die Monarchie in Mecklenburg. Die herzogliche Familie begab sich nachfolgend ins Exil nach Dänemark, aus dem sie 1919 wieder nach Mecklenburg zurückkehrten. Jagdschloss Gelbensande ging daher vorübergehend in das Eigentum des Landes Mecklenburg über, welches vom Kabinett Wendorff regiert wurde.

Im Rahmen der Fürstenabfindung erhielt der abgedankte Großherzog Friedrich Franz IV. zu Mecklenburg das Jagdschloss Gelbensande im Jahr 1919 zurück und wohnte hier bis zum Jahr 1921. Im selben Jahr verlegte er seinen Wohnsitz nach Ludwigslust. Der Enkel der Großherzogin Anastasia, Christian Ludwig zu Mecklenburg, bewohnte das Jagdschloss jedoch weiter bis Mitte 1944.

1945–1989 Am 1. Mai 1945 wurde auf den benachbarten Bahngleisen ein Lazarettzug der Wehrmacht abgestellt. Der Lazarettzug hatte eine mehrwöchige Irrfahrt hinter sich. Aufgrund der Gefahr von Tieffliegerangriffen ließ Kommandant Dr. Hoffmann die 750 verwundeten Wehrmachtssoldaten im Jagdschloss und in weiteren Gebäude in Gelbensande einquartieren.„Spurensuche“ Pilotprojekt der Regionalen Schule Gelbensande, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Landesverband Mecklenburg-Vorpommern Petra Klawitter, S. 7, Ausgabe 07/2003

Auch die sowjetischen Besatzungstruppen, die Anfang Mai 1945 das Gebiet besetzten, nutzten das Schloss weiterhin als Lazarett. Im Lazarett wurden folgend die ehemaligen Insassen des KZ-Außenlager Schwarzenpfost versorgt, die bis Kriegsende Zwangsarbeit bei den Ernst Heinkel Werken in Rostock verrichten mussten.Die Dunklen Jahre von Schwarzenpfost, abgerufen am 11. Juli 2017. Auf dem unweit vom Jagdschloss befindlichen Friedhof wurden 48 Verstorbene unterschiedlicher Nationen – Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – begraben.Schicksal in Zahlen Informationen zur Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. S. 179 (Digitalisat). An sie erinnert heute eine Gedenkstätte.Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus: Eine Dokumentation. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen. Bundeszentrale für Politische Bildung, Berlin 1999, S. 408.

Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte die Enteignung der Mecklenburger Fürstenfamilie, die vor der Roten Armee nach Schleswig-Holstein in die britische Besatzungszone geflüchtet war. Im Zuge der Gründung der DDR wurde das enteignete Jagdschloss in das Volkseigentum überführt.Eva Lange: Jagdschloss Gelbensande bleibt Volkseigentum. Wie Königin Alexandrine von Dänemark einen Kreisrat überlistete aber an den Kontrollorganen der Republik scheiterte. In: Neues Deutschland. 18. Januar 1950.

Das Schloss wurde daraufhin dem staatlichen Gesundheitswesen zur Nutzung überlassen und diente bis 1979 als Tuberkulose-Heilstätte und Krankenhaus.Hans Bernitt: Ein großherzogliches Jagdschloss wurde Tbc-Heilstätte. Vom alten und neuen Mecklenburg. MV Taschenbuch, Rostock 2000, S. 273–276.

Von 1980 bis 1985 diente das Schloss dem Wohnungsbaukombinat Rostock als Bauarbeiterunterkunft. Christine Hannemann: Die Platte Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR. Vieweg Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 1996, S. 81 f. Nach einem Beschluss der SED-Kreisleitung sowie des Rates des Kreises Rostock wurde in dieser Zeit in Gelbensande mit Mitteln des Wohnungsbauprogramms der DDR eine Plattenbausiedlung und die dazugehörige Infrastruktur errichtet. Kritik an dieser Maßnahme wurde seitens des Kulturhistorischen Museums in Rostock geäußert. Die Einstufung des unweit davon gelegenen Jagdschlosses als Denkmal fand keine Berücksichtigung im Entscheidungsprozess.

Nach der Nutzung als Bauarbeiterunterkunft – ab 1986 – erhielt die Gemeinde das Nutzungsrecht für das Gebäude. Zwischen 1986 und 1990 folgte die kommunale Nutzung durch die Gemeinde, die dort eine Gemeindebibliothek, den Veteranen Club, und Büroräume für den Abschnittsbevollmächtigten einrichteten. Im Jahr 1988 ging das Jagdschloss dann in das Eigentum der Gemeinde Gelbensande über. Daraufhin begannen die sogenannten Feierabendbrigaden mit der Sanierung des Gebäudes.

1989–heute Mit der Wende ergaben sich neue Möglichkeiten der Nutzung. Im Juli 1990 erteilte das Ministerium für Handel und Versorgung die Erlaubnis ein Spielcasino einzurichten. Eine GmbH sollte das Unternehmen führen, während die Gemeinde mit 10 Prozent am Gewinn beteiligt werden sollte. Ein Jahr später wurde die Lizenz jedoch vom Land Mecklenburg-Vorpommern verweigert. Die Gemeinde erwarb daraufhin das Schloss im Jahr 1994 und begann 1996 mit der Sanierung des Dachgeschosses sowie der Außenfassade. Überlegungen der Gemeinde, in dem Gebäude Eigentumswohnungen, ein Hotel oder eine Kurklinik einzurichten scheiterten an der Vorgabe, dass das Gebäude weiterhin öffentlich zugänglich sein müsse.

Im Jahr 2008 wurde das Jagdschloss von der Gemeinde an einen Bauunternehmer verkauft, seither werden Teilbereiche des Gebäudes kommerziell genutzt. Die repräsentativen Räumlichkeiten des Hauptgeschosses bleiben im vertraglich vereinbarten Dauernutzungsrecht der Gemeinde, ebenso ist die Weiterführung des Museums sowie der kulturellen Veranstaltungen im Nutzungskonzept festgeschrieben.FAZ Deutsche Farbenlehre Teil 8, S. 4, Der Durchbruch des Realen

Die elf restaurierten Räume der Etage mit den vier Kaminzimmern und dem Bad des Großherzogs können auch ohne Führung besichtigt werden, gezeigt werden hier dänisches königliches Porzellan, Bauzeichnungen des Jagdschlosses sowie Jagdtrophäen und Kupferstiche. Eine Dauerausstellung informiert über die Entwicklungsgeschichte des Hauses.

Jagdschloss mini|Nordostseite des Jagdhauses mini|Südostseite des Jagdhauses Großherzog Friedrich Franz III. zu Mecklenburg erteilte 1884 den Auftrag zum Bau seiner Sommerresidenz, als Standort bot sich das Jagdrevier der mecklenburgischen Landesfürsten an. Mit der wichtigste Entscheidungsgrund für den Standort waren die guten klimatischen Bedingungen in der Region während des Sommers, die sich günstig auf den Gesundheitszustand des von Asthma geplagten Großherzogs auswirkten. Bereits 1878 hielt sich der Großherzog zur Kur in Gelbensande auf, ihn begeisterten seither die Umgebungsbedingungen.Carl Schröder: Friedrich Franz III. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898, S. 147. Der Bau geht auf direkte Initiative von Großherzogin Anastasia zurück.

Dem Wunsch der Hausherrin entsprechend, sollte das Haus nicht mit Türmen und anderen Stilelementen eines Schlosses überfrachtet werden, vielmehr sollte es sich in die Umgebung einfügen. Das Haus wurde als Wohnhaus konzipiert und die Inneneinrichtung nach den damalig neuesten Erkenntnissen der gesundheitlichen Verträglichkeit ausgewählt.

Mit der planerischen Ausführung wurde Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel beauftragt, die Bauausführung vor Ort leitete hingegen der Bauleiter Vogel und später der Bauleiter Diesend.

Außengestaltung mini|hochkant|Eingangsvorbau und Wandlaterne Das Großherzogliche Jagdhaus orientiert sich in seiner Grundform am Stil der herrschaftlichen englischen Landhäuser. Großherzogin Anastasias Wunsch entsprechend, wurden auch Gestaltungselemente aus russischen Schlössern und Bojaren-Häusern eingearbeitet. Diese zeigen sich unter anderem in den schmuckvollen Holzarbeiten. Hier ist besonders die hölzerne Überdachung des Haupteinganges anzumerken, in dieser Form auch an Bojarenhäusern zu finden. Der russische Doppeladler findet sich gleichfalls am Gebäude. Auch die Säulenarchitektur der Balkone und Altane lässt die russische Architektureinstreuung deutlich erkennen. Die pyramidalen Spitzhelme der Türmchen erscheinen abgeleitet vom Turm des Bojarenhauses der Romanows,Das Bojarenhaus der Romanows in Moskau, abgerufen am 11. Juli 2017. obgleich Architekt Möckel diese Form der Türmchen bereits an seiner 1878 im neogotischen Stil erbauten Villa in Dresden verwendete. Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow, Vater der Großherzogin, unterstützte den Bau finanziell, infolgedessen nahm er auch Einfluss auf die gestalterische Ausführung des Baues.