mini|hochkant|Deutscher Entsatzversuch thumb|Zwei zerstörte deutsche Panzer in Ruinen von Welikije Luki

Die Schlacht von Welikije Luki () war eine Angriffsoperation der Roten Armee, die vom 24. November 1942 bis zum 20. Januar 1943 dauerte. Bodo Scheurig, der Biograph Henning von Tresckows, bezeichnete sie als „ein Stalingrad im Kleinen“, das „ebenfalls infolge höchsten Starrsinns“ geopfert wurde.Bodo Scheurig: Henning von Tresckow. Eine Biographie. Stalling, Oldenburg 1973, S. 136.

Vorgeschichte Der linke Flügel der Kalininer Front unter Maxim Purkajew hatte Befehl, die Operation Mars (Angriff auf den Rschewer Frontbogen) durch den Angriff der 3. Stoßarmee unter General Galizki zu unterstützen. Die 3. Stoßarmee sollte die Front der „Gruppe von der Chevallerie“ (LIX. Armeekorps) zwischen Tschernosjom und Schirpina durchbrechen und zunächst die Linie zwischen dem Maly Iwan-See über Nowosokolniki und Snamenskoje-See erreichen. Als Verstärkung war am 13. November das 2. mechanisierte Korps eingetroffen, es bestand neben 13.620 Soldaten aus 215 Panzern, darunter 112 vom Typ T-34.

Verlauf Sowjetische Offensive Am 24. November 1942 griffen die Vorauseinheiten (9., 46. und 357. Schützen- sowie 21. Garde-Division) und am folgenden Tag die Hauptstreitmacht von General Galizki an. Seit Anfang November waren die 3. Gebirgs-Division (General Kreysing) und die ostpreußische 291. Infanterie-Division (Generalmajor Goeritz) zur Sicherung der Bahnlinie zwischen Newel und Welikije Luki in den Raum Nowosokolniki verlegt worden. Nach erbitterten Kämpfen in der Gegend mit zahlreichen Wäldern und Sümpfen wurden die deutschen Verteidigungslinien durchbrochen, die deutsche 83. Infanterie-Division (Generalleutnant Scherer) zerschlagen und Welikije Luki mit ca. 7.500 Angehörigen der Wehrmacht durch das estnische 8. Schützenkorps (General Pärn) eingeschlossen. Nördlich Tschernosjom gelang es dem Gebirgsjäger-Regiment 138 (Oberst Klatt) zusammen mit dem Grenadier-Regiment 257 (Oberst Meyer), den Durchbruch des sowjetischen 2. mechanischen Korps (General Kortschagin) einzudämmen und bis zum 26. November gegenüber dem 5. Garde-Schützenkorps (General Beloborodow) an der Dörferlinie Jeschewitzy – Meschutkinio – Waraksino eine Sperrfront aufzubauen.

Unter den in Welikije Luki eingeschlossenen Verbänden (welche der Heeresgruppe Nord unterstanden) befanden sich das Grenadierregiment 277, das Werfer-Regiment 3, die Heeres-Flak-Abteilung 286, die II./Artillerieregiment 70, das Artillerieregiment 183 und die Heeres-Artillerie-Abteilung 736 sowie verschiedene rückwärtige Dienste. Die Führung dieser eingeschlossenen Einheiten wurde Oberstleutnant von Saß, dem Kommandeur des Grenadierregiments 277 übertragen.

Bis zum 10. Dezember erweiterten die sowjetischen Truppen ihren Einbruchsraum auf 25 bis 30 Kilometer Tiefe und erreichten an zwei Stellen die Eisenbahnlinie, welche die deutschen Heeresgruppen Mitte und Nord verband. Das OKW verlegte zusätzliche Verbände und versuchte, die deutschen Truppen in der Stadt zu entsetzen. Die sowjetische 381. Schützendivision drang nördlich der durch die 3. Gebirgsdivision zur Festung ausgebauten Stadt Nowosokolniki weiter über die Bahnlinie auf Gorki und Dno vor, gleichzeitig erreichte eine Panzerbrigade im Südwesten der Festung die Orte Schubino und Koslowa.

Vergebliche deutsche Entsatzversuche Mehrere Entsatzversuche der 8. Panzer-Division unter General Brandenberger, der Gruppe Klatt und der 291. Infanterie-Division scheiterten. Ende Dezember musste die deutsche Besatzung den Westteil der Stadt aufgeben und sich auf die Zitadelle von Welikije Luki zurückziehen. Ein am 4. Januar durch die 8. Panzer-Division begonnener dritter und letzter Entsatzversuch (Unternehmen Totila) durch die 331. Infanterie-Division (Oberst Beyer), Kampfgruppe Tribukait und Teile der 205. Infanterie-Division kam noch nahe an Welikije Luki heran, blieb aber ebenso erfolglos. Am 14. Januar wurde viel zu spät auch die 12. Panzer-Division vom Lutschessa-Tal bei Belyi zum Entsatz herangeholt.

Am 17. Januar 1943 wurde die deutsche Besatzung unter Oberstleutnant Eduard von Saß schließlich überwältigt und musste kapitulieren. Die sowjetischen Truppen nahmen 3.944 Gefangene (darunter 54 Offiziere), erbeuteten 113 Geschütze, 97 Mörser, 20 Panzer und Sturmgeschütze. Die Rote Armee verlor 104.000 Mann (23.000 davon Tote und Vermisste).

Anklage von einem Militärtribunal der Roten Armee 1946 Am 31. Januar 1946 wurden 8 Soldaten, die in Welikije Luki eingesetzt waren, vor einem Sowjetische Militärtribunal der Roten Armee (SMT) in Welikije Luki angeklagt. Alle 8 Soldaten verurteilte das Militärtribunal noch am 31. Januar 1946 zum Tode. Am 1. Februar 1946 hängte die Rote Armee die 8 Soldaten gemeinsam auf dem Hauptplatz von Welikije Luki öffentlich. Der Prozess war nicht öffentlich und eine richtige Verteidigung gab es nicht. Über die Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche ist zu lesen „Freilich, und hierüber gibt es auch keine Zweifel, genügten die Prozesse rechtstaatlichen Ansprüchen in keiner Weise.“Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 61 Bei den Urteilen „...spielten von Beginn an auch auch Nützlichkeitserwägungen und gegebenenfalls auch Propagandaabsichten bei der Verhängung des Strafmaßes eine entscheidende Rolle.“Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 102 Die Soldaten Obergefreiter Max GörschAndreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 188, Sonderführer im Reichsbahnausbesserungswerk in Welikije Luki Hugo HahnAndreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 215, Oberstleutnant Erhard Kulenkampf Kommandeur 1. SturmkompanieAndreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 381, Feldwebel Karl PeschelAndreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 511, Ortskommandant von Welikije Luki Major Wilhelm SonnewaldAndreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 669 und Sonderführer Friedrich WolfAndreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 765 hatte das Militärtribunal der Roten Armee nur pauschal wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Die Anklage gegen Generalleutnant Fritz-Georg von Rappard, früher Kommandeur des Infanterie-Regiments 277 und des Kessels von Welikije Luki, hingegen wegen Kriegsverbrechen und Partisanenerschießung in Welikije Luki.Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, S. 537 Sein Nachfolger als Kommandeur des Infanterie-Regiments 277 und des Kessels, Oberst Eduard von Saß, hatte eine Anklage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Bevölkerung in Welikije Luki und bei der Anti-Partisanen-Operation „Greif“ im Raum von Witebsk.Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hrsg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 581.

Brettspiel über die Schlacht Seit 1979 gibt es das US-Brettspiel White Death – Velikiye Luki, Stalingrad of the north über die Schlacht.White Death – Velikiye Luki, Stalingrad of the north

Literatur Alexej Walerjewitsch Issajew: dt. etwa: Am Wendepunkt 1942 – Als es keine Überraschung mehr gab. (), Jausa Eksmo Moskau 2012, ISBN 978-5-699-53732-7. Paul Klatt: 3. Gebirgs-Division 1939–1945, Podzun Verlag, Bad Nauheim 1958, S. 107–125 Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947), Vandenhoeck & Ruprecht

Weblinks Militärhistorische Abhandlung von A. Isajew: Великолукская наступательная операция (russisch) Schlacht von Welikije Luki (russisch) https://wwii.germandocsinrussia.org/de/nodes/3665-akte-734-unterlagen-der-ia-abteilung-des-generalkommandos-des-lix-armeekorps-gruppe-chevallerie-gefechtsbericht-welikie-luki-vom-30-12-1942-bis-16-1-1943-nebst-kartenskizzen-und-lagekarte#page/30/mode/inspect/zoom/6

Einzelnachweise

Welikije Luki Welikije Luki Kategorie:Konflikt 1942 Kategorie:Konflikt 1943