Die Wolchow-Schlacht (auch Ljubaner Operation, ) war eine Offensive der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg die vom 7. Januar bis zum 30. April 1942 andauerte, zur Kesselbildung um die sowjetische 2. Stoßarmee führte und durch erfolgreiche Gegenangriffe der deutschen 18. Armee von Mitte März bis Ende Juni ihren Abschluss fand.

Vorgeschichte Nach dem Beginn der Leningrader Blockade war der Vormarsch der deutschen Heeresgruppe Nord in der Schlacht um Tichwin vom 16. Oktober bis 30. Dezember 1941 zum Stehen gekommen. Die deutsche 18. Armee stand zu Jahresende 1941 an der Eisenbahnlinie Mga–Kirischi und am Wolchow den Truppen der Wolchow-Front (4., 52. und 59. Armee) und den linken Flügel der Leningrader Front - die 54. Armee in Erwartung einer neuen Offensive gegenüber. Das Oberkommando des Heeres verstärkte die Heeresgruppe Nord mit vier Infanteriedivisionen (215., 126., 250. und 20. mot. ID.) aus der OKH-Reserve, dazu kamen die 225. Infanteriedivision aus Frankreich und die 2. SS-Infanterie-Brigade (mot.) aus dem Reich; zudem wurden vier Divisionen aus dem Raum Leningrad in die Gefahrenzone am südlichen Wolchow umgruppiert.

mini|Front am Wolchow, Ende 1941

Als Operationsziel wurde der Wolchow-Front von der Stawka die Sprengung der Leningrader Blockade befohlen. Die der Front neu unterstellte 2. Stoßarmee war Anfang Januar 1942 im Abschnitt Krupitschino-Gorodok zwischen der 59. Armee im Norden und der 52. Armee im Süden am Wolchow südlich von Tschudowo eingeschoben worden. Ihr unterstanden die 327. Schützendivision, die 22., 23., 24., 25., 53., 57., 58. und die 59. Schützenbrigade und etwa 10 Ski-Bataillone. Die separaten Schützenbrigaden operierten als verkleinerte Divisionen in jeweiliger Stärke von ungefähr 3500 Mann mit 3 Schützenbataillonen und waren speziell für Durchbruchsoperationen im Winterkrieg formiert und geschult worden. In langer, intensiver Ausbildungszeit hinter dem Ural waren die Truppen trainiert, mit bester Winterausrüstung versehen und in Eiltransporten an die Nordfront geworfen worden.

Angriffsplanung Für den Durchbruch auf Leningrad war es nötig von Südosten her die starken Verteidigungsstellungen des deutschen I. und XXXVIII. Armeekorps zwischen Grusino und Kirischi sowie am linken Ufer des Flusses Wolchow zu überwinden und die neu herangeführte 2. Stoßarmee im Hauptangriffsfeld südlich von Tschudowo in Richtung Ljuban nach Norden anzusetzen. Der Fluss Wolchow stellt die natürliche in Süd-Nord laufende Verbindung zwischen dem Ilmen- und dem Ladogasee dar. Der zwischen 500 und 600 Meter breite Fluss fließt über den Ilmensee nordwärts, in die tiefer gelegene Gegend von Tschudowo und Wolchow. 1942 waren die Flussufer noch nicht reguliert und verloren sich nach beiden Seiten hin in morastigem Ufergelände. Eine Bahnlinie und eine der wenigen Straßen verliefen entlang des westlichen Flusslaufes, allerdings mit nötiger Entfernung, denn die Überschwemmungen zur Zeit der Schneeschmelze dehnen sich weit landeinwärts aus. Beide Verkehrswege kommen aus dem Raum Ostrow und münden zunächst im Verkehrsknoten Tschudowo, bevor die weiteren Anschlusswege nach Leningrad und Tichwin erfolgen. Für die deutsche 18. Armee war der Besitz dieser Verbindungen eine wichtige Voraussetzung für die Versorgung des zwischen Schlüsselburg und Kirischi eingesetzten XXVIII. Armeekorps (General der Infanterie Mauritz von Wiktorin).

Angriffskräfte der Roten Armee mini|hochkant|Kirill Afanassjewitsch Merezkow, 1940

Von Nord nach Süd hatten eine Armee der Leningrader Front (Oberbefehlshaber: Michail Semjonowitsch Chosin) und vier Armeen der Wolchow-Front (Oberbefehlshaber: Armeegeneral Kirill Afanassjewitsch Merezkow) die Offensive durchzuführen:

54. Armee (Generalmajor Iwan Iwanowitsch Fedjuninski) 3. Garde-Schützendivision (Oberst Anatoli Andrejewitsch Krasnow) 80., 115., 128., 198., 281., 285., 286. und 294. und 311. Schützendivision 16. und 122. Panzerbrigade

4. Armee (Generalmajor Pjotr Alexejewitsch Iwanow) 4. Garde-Schützendivision (Oberst Anatoli Josifowitsch Andrejew) 44., 65., 92., 191., 310. und 377. Schützendivision 1. Grenadier-Schützenbrigade 87. Kavalleriedivision

59. Armee (Generalmajor Iwan Wassiljewitsch Galanin, ab 25. April 1942 Generalleutnant Iwan Terentjewitsch Korownikow) 372., 374., 376. und 378. Schützendivision

2. Stoßarmee (Generalmajor Grigori Grigorjewitsch Sokolow, ab 10. Januar 1942 Nikolai Kusmitsch Klykow, ab 16. April 1942 Andrei Andrejewitsch Wlassow) 327. Schützendivision (Oberst Iwan Michailowitsch Antjufejew) 22., 23., 24., 25., 53., 57., 58. und die 59. Schützenbrigade 13. Kavalleriekorps (25. und 80. Kavalleriedivision)

52. Armee (Generalleutnant Nikolai Kusmitsch Klykow, ab 10. Januar Generalleutnant Wsewolod Fjodorowitsch Jakowlew) 46., 225., 259., 267., 288. und 305. Schützendivision

Verlauf Der Angriff der Wolchowfront mini|Sowjetische Panzerspähwägen der Leningrader Front, vermutlich in der Schlacht am Wolchow

Am 7. Januar 1942 nachmittags gegen 16.00 Uhr begann bei strenger Kälte – in einem schwierigen, teils bewaldeten Gelände – zwischen Grusino und Sacharino die Offensive der Wolchowfront. Die Nordflanke der Hauptangriffsgruppe, welche die 2. Stoßarmee einnahm, wurde von der 4. und der 59. Armee gedeckt, welche ihre Truppen am Wolchow-Abschnitt beidseitig von Tschudowo konzentrierten.

Starkes Artilleriefeuer lag vor dem Infanterieangriff auf den Abschnitten der 215. Infanterie-Division (Generalleutnant Baptist Knieß) und der 126. Infanterie-Division (Generalleutnant Paul Laux). Der nach Nowgorod reichende südliche Flügel des XXXVIII. Armeekorps (General der Infanterie von Chappuis) - die 250. Infanterie-Division - war von den Angriffen nicht betroffen. Das Feuer, das zunächst auf der HKL und dem unmittelbaren Hinterland gelegen hatte, wurde weiter rückwärts verlegt, bevor der Infanterieangriff begann. Zwei Erhebungen waren für den Erhalt der Wolchow-Verteidigung, wegen ihrer die weite Niederung etwas überragenden Lage, für die 215. Infanterie-Division von besonderer Bedeutung: die Höhe von Dymno auf der Westseite und ihr, fast gegenüber auf der Ostseite des Flusses, die Höhe bei Borki. Auf einer Breite von 18 Kilometern konnten von den Infanterie-Regimentern 435 und 380 bis zum Abend zwischen Jamno und Dymno alle sowjetischen Angriffe abgewehrt werden.

In der ersten halben Stunde der Schlacht hatten die vorderen Angriffsverbände der 2. Stoßarmee mehr als 3.000 Tote und Verwundete. Einen Erfolg erreichte nur die 327. Schützendivision (Oberst I. M. Antjufejew), indem sie die deutschen Truppen aus der Siedlung Krasnoy Poselok vertrieb und die dort befestigten Positionen stürmte. Bei der 54. Armee wurde der Hauptschlag südlich von Wolchow aus der Linie Woronow – Bahnstation Pogostje – Scharok durch die 3. Garde-, der 281. und 285. Schützendivision geführt. Letztere Angriffe scheiterten; die im Schwerpunkt angesetzte 3. Garde-Division kam nirgends voran. Um wenigstens das Vorankommen am südlichen Angriffsabschnitt zu sichern, musste das Oberkommando der 2. Stoßarmee und der 52. Armee am Morgen des 14. Januar die zweite Angriffsstaffel in die Schlacht werfen. Die Truppen der 2. Stoßarmee durchbrachen die deutsche Verteidigung an mehreren Stellen. Am linken Flügel gelang es der 58. Schützenbrigade (Oberst F. M. Schiltzow) im Raum von Jamno durchzubrechen, die deutsche 126. I.D. musste ihre Stellungen räumen, der befestigte Frontpfeiler von Mjasno Bor ging zur Hälfte verloren. Die rechte Flanke der 215. ID. war dadurch offengelegt und vom Westen her ungehinderten Angriffen ausgesetzt. Gleichzeitig mit den Angriffen gegen Spaskaja Polistje und Kusino drangen sowjetische Kräfte in das Hinterland der 215. I.D. vor. Im Abschnitt der sowjetischen 59. Armee wurden weiterhin keinerlei Erfolge erzielt.

Die noch gehaltenen Stellungen südlich Kolomno hinweg bis zum Anschluss an die 126. I.D. wehrten sich noch am 15. Januar verzweifelt gegen die drohende Umfassung, doch sowjetische Kräfte hatten bereits den Wald westlich von Bor erreicht und schwenkten nach Norden ein. Bis zum Abend war auch der Nordteil von Mjasno Bor, wo das I.R. 435 noch standgehalten hatte, verloren gegangen. Die befestigten Dörfer Kolomno und Kusino gehörten zu den nächsten Eckpfeilern der deutschen Verteidigung, genauso wie die Stellungen bei Dymno, Spaskaja Polistje, Mostki und Ljubino Pole noch als Wellenbrecher gegenüber den sowjetischen Angriffskräften standgehalten hatten. Im Abschnitt der 59. Armee konnte auch die 376. Schützendivision einen Wolchow-Brückenkopf bei der Siedlung Pertetschno bilden, der jedoch nach wenigen Tagen wieder verloren ging. Ein weiterer kleiner Brückenkopf östlich von Lesno wurde von der 378. Schützendivision gebildet, konnte aber keine 24 Stunden gehalten werden.

Das OKH war Mitte Januar mit der Kampfführung der Heeresgruppe Nord unzufrieden und entließ auf Beschluss Hitlers den Oberbefehlshaber Feldmarschall von Leeb und dessen Stabschef Generalleutnant Brennecke. Die Positionen wurden mit Generaloberst von Küchler und Oberst Wilhelm Hasse neu besetzt. Die 18. Armee wurde am 18. Januar von General der Kavallerie Georg Lindemann übernommen, die Führung des vor Leningrad blockierenden L. Armeekorps erhielt Generalmajor Philipp Kleffel.

mini|hochkant|Georg Lindemann, Oberbefehlshaber der deutschen 18. Armee, wurde am 5. Juli 1942 zum Generaloberst befördert

Bis zum 17. Januar gelang es der Roten Armee nach andauernden dreitägigen Anrennen, die Front des deutschen XXXVIII. Armeekorps (General der Infanterie Friedrich-Wilhelm von Chappuis) vollständig zu durchbrechen. Die vier Divisionen der 59. Armee waren in der Lage, die deutschen Stellungen nördlich von Tschudowo vom Norden her zu flankieren, die links eingesetzten Divisionen der 4. Armee (311. und 286. Schützendivision), die vorübergehend der 59. Armee übertragen wurden, versuchten jedoch diesen Erfolg vergeblich zu nutzen. Die Breite des Einbruchraumes am Westufer des Wolchow-Flusses erweiterte sich schnell auf 25 Kilometer, doch blieb der Einbruchskorridor bei Mjasno Bor weiterhin auf drei bis vier Kilometer verengt. Um die Frontlücke zu schließen, warf das Oberkommando der deutschen 18. Armee verschiedene Alarm- und Untereinheiten unter Führung des Stabes der 20. mot. I.D. (Kampfgruppe Jaschke) aus anderen Frontabschnitten in den Krisenherd.

Am 25. Januar wurde das kurz zuvor gebildete 13. Kavalleriekorps (Generalmajor N. I. Gussew) als mobile Gruppe im Hauptangriffsfeld eingeführt, zu dem zwei in Reserve gehaltene Kavalleriedivisionen (25. und 80.) gehörten, sowie die 111. Schützendivision, die der 59. Armee entnommen wurde. Um das Kommando und die Kontrolle der auf breiter Front verstreuten Truppen der 2. Stoßarmee zu verbessern, wurden am 27. Januar drei operative Stoßgruppen gebildet: Gruppe Korownikow (327., 374., 111. Schützendivision und 22. Schützen-Brigade), Gruppe Schiltzow (23., 24. und 58. Schützen-Brigade), alle nach Nordosten gerichteten Formationen wurden zur Gruppe Priwalow (191. und 382. Schützendivision, 57. Ski-Brigade) vereinigt.

Bis Ende Januar waren die Truppen der 2. Stoßarmee fast 75 Kilometer tief vorgedrungen und hatten mit der Eisenbahnstrecke Nowgorod–Leningrad die Zugänge zur Stadt Ljuban erreicht. Die 54. Armee der Leningrader Front hatte ihre Angriffe vorerst aus Munitionsmangel eingestellt. Zudem bedeuteten weitere Angriffe an der rechte Flanke der Front infolge der wichtigeren Entwicklung im Hauptangriffsfeld nur Kräfteverschwendung. Westlich der Rollbahn operierte die 2. Stoßarmee, östlich davon kämpfte die 59. Armee mit Gefechtsstand bei Orelje am östlichen Wolchow-Ufer.