mini|hochkant=1.3|Kopf der Venus von Brassempouy, erste menschliche Darstellung mit erkennbaren Gesichtszügen; jüngere Altsteinzeit mini|Ägyptische Elfenbeintafel, Beutestück der assyrischen Könige, gefunden in Nimrud mini|Elefantenfamilie vor dem Kilimandscharo mini|Elfenbein-Dose (Pyxis), 10. Jh. Kalifat von Córdoba mini|Elfenbeinplakette aus NimrudVgl. etwa Max Mallowan: The Nimrud Ivories. London 1978, und R. D. Barnett: A Catalogue of Nimrud Ivories in the British Museum. London 1956; 2. Auflage ebenda 1975. mini|Indische Elfenbeindose, 17. Jh. Elfenbein () bezeichnet im engeren Sinne die Substanz der Stoßzähne von Elefant und Mammut, wobei der Elefant heutzutage die Hauptquelle von Elfenbein ist, während das ausgestorbene Mammut das fossile Elfenbein liefert. Im weiteren Sinne wird unter Elfenbein auch das Zahnbein der Stoß- und Eckzähne verschiedener Säugetiere verstanden, wie Walross, Pottwal, Narwal oder Flusspferd.

Elfenbein ist ein lange haltbarer Werkstoff zur Herstellung von Gebrauchs- und Schmuckgegenständen. Die steigenden Ansprüche einer wachsenden Weltbevölkerung haben dazu geführt, dass die Anzahl an Elefanten stark reduziert wurde, so dass vor allem der Bestand des gegenüber dem Indischen mit größeren Stoßzähnen ausgestatteten Afrikanischen Elefanten gefährdet ist.

Etymologie und Definition Das deutsche Wort Elfenbein (frühneuhochdeutsch helf(f)enbein,siehe z. B. die Abb. hier mittelhochdeutsch hëlfenbein, althochdeutsch helfantbein) bedeutet „Elefantenknochen“.siehe z. B. auch das Wappen derer von Helfenstein Es geht zurück auf das altgriechische Wort ἐλέφας (éléphas) und das lateinische elephantus, was zunächst das Material bezeichnete und später auch auf das Tier übertragen wurde, als die Griechen und Römer es kennenlernten. Im alten Rom diente es zur Herstellung von Zahnersatz.Walter Hoffmann-Axthelm: Die Geschichte der Zahnheilkunde. Quintessenz, 1985, ISBN 978-3-87652-160-2, S. 285. Dort wurde es auch „indisches Horn“ genannt, wie den Epigrammen Martials zu entnehmen ist.

Der lateinische Name Ebur geht wie der griechische Name auf altägyptisch āb(u) bzw. koptisch ebou („Elefant“, „Elfenbein“) zurück.Alois Walde, Johann Baptist Hofmann: Lateinisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1938, Band 1, S. 389.Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. Birkhäuser, Basel/Stuttgart 1976, ISBN 3-7643-0755-2, S. 152.

Geschichtlich ist Elfenbein (als Elefantenzahn bzw. Elefantenstoßzahn) in der Regel nur auf das Stoßzahnmaterial der Elefanten und Mammuts bezogen worden.so bei Krünitz Dementsprechend unterscheiden Kunstgeschichte und Antiquitätenhandel dieses von anderem Zahnmaterial. Auch im Artenschutzrecht geht es bei dieser Bezeichnung um die Stoßzähne der Elefanten, hier wird unterschieden zwischen „Rohelfenbein“ und „verarbeitetem Elfenbein“.. In: Amtsblatt der Europäischen Union. C, Band 154, 17. Mai 2017, S. 4–14.

Elfenbein vom Elefanten Überblick Während der längsten Zeitspanne der Menschheitsgeschichte, der Steinzeit, diente die Jagd allein dem Nahrungserwerb. Bei den unverdaulichen Teilen (Felle, Häute, Horn, Knochen, Elfenbein) fand eine Resteverwertung statt. Eine Änderung trat ein mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht und der Entstehung von Hochkulturen, vor allem im afro-asiatischen Raum. Elfenbein wurde Bestandteil dieser Kulturen und es begann die Jagd auf Elefanten allein des Elfenbeins wegen. Die Wehrhaftigkeit des Elefanten und die Gefahren der Jagd machten Elfenbein zu einem kostbaren Rohstoff, der später auch Eingang in die Kulturen der Griechen und Römer fand. Die Seltenheit des Materials über mehr als 2000 Jahre hinweg sicherte Elfenbein eine ähnliche Wertschätzung wie Gold.

Eine erste folgenschwere Änderung wurde vorbereitet durch die Übernahme des Elfenbeinhandels durch die Kolonialmächte England, die Niederlande und Portugal, die für ein Überangebot sorgten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden jährlich über 800 Tonnen Elfenbein nach Europa eingeführt,Meyers Konversations-Lexikon. Band 5, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1894, S. 685. was zur Verbilligung des Elfenbeins und zur industriellen Verarbeitung beitrug (Griffe aller Art, Klaviertasten, Gefäße, Schmuck, Knöpfe, Spielwürfel, Dominosteine, Billardkugeln). Hochrechnungen aus dem Jahr 1894 sprachen von 80.000 getöteten Tieren pro Jahr.Meyers Konversations-Lexikon. Band 5, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1894, S. 612.

Die zweite, weitaus ernstere Entwicklung bei dem inzwischen enorm dezimierten Elefantenbestand betrifft die Gegenwart. Schätzungen zufolge sank der Bestand innerhalb von nur 30 Jahren (1979–2007) von 1,3 Millionen auf 500.000 bis 700.000. Ursache ist die ständig steigende Nachfrage aus Souvenirhandel und den zu Wohlstand gekommenen Mittelschichten der aufstrebenden Völker Asiens. Gegenstände aus Elfenbein werden als Statussymbole hoch geschätzt. Hier ein Umdenken herbeizuführen bzw. der Wilderei von Elefanten entgegenzuwirken, haben sich internationale Tierschutz- und Umweltorganisationen zur Aufgabe gemacht.

Beschreibung des Materials Elfenbein ist das Zahnbein der aus dem Oberkiefer herauswachsenden Stoßzähne. Da diese nicht dem Zerkleinern der Nahrung dienen, sind weder Zahnschmelz noch Zahnwurzel vorhanden. Stoßzähne sind innen hohl (mit massiver Spitze) und bis zu einem gewissen Grade elastisch. Sie dienen als Waffe, die lebenslang stetig nachwächst.

Beim Elfenbein des Elefanten handelt es sich um ein relativ weiches Material, das sich mit spanenden Werkzeugen leicht bearbeiten lässt (siehe Artikel Elfenbeinschnitzerei). Die Farbe ist ein warmes Weiß mit Abstufungen, Farbabweichungen sind selten. Als besonders wertvoll gilt gleichmäßig helles Elfenbein.

Die Härte von Elfenbein nach der von 1 bis 10 reichenden Mohs-Skala wird in der Literatur mit 2 bis 3 angegeben, womit es etwa die Härte von Gold hat. Die Schwankungen ergeben sich aus dem Nahrungsangebot. Je mehr Mineralstoffe der Elefant zu sich nimmt, desto härter ist sein Stoßzahn. Die Dichte beträgt 1,7 bis 1,85 g/cm³ und liegt damit zwischen den Werten von Knochen und Leichtbeton. Elfenbein besteht aus: Calciumphosphat, Calciumcarbonat, Wasser, Aluminiumoxid, Magnesiumoxid, Gelatine und Albumin. Die verbindende Substanz ist eine knorpelähnliche organische Masse, in die Wasser eingelagert ist. Beim Trocknen verliert Elfenbein rund 20 % an Gewicht. Die Trocknung muss schonend erfolgen, um Rissbildung zu vermeiden. Elfenbein wird durch kochendes Wasser biegsam und lässt sich verformen.Brockhaus Enzyklopädie: Band 6, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 1988, ISBN 3-7653-1106-5, S. 304. Es kann gefärbt und gebleicht werden, verliert jedoch nicht die Neigung zu vergilben.

Mit bloßem Auge ist im Querschnitt – im Unterschied zur Knochensubstanz – eine netzartige Zeichnung (Retzius’sche oder Schregersche Linien) zu erkennen, umgangssprachlich auch als Maserung bezeichnet. Die unterschiedlichen Schnittwinkel der sich kreuzenden Linien ermöglichen eine Zuordnung nach Tierart. Unter dem Mikroskop und durch spektroskopische Verfahren kann zwischen Asiatischem Elefanten, Afrikanischem Steppenelefanten, Afrikanischem Waldelefanten und Mammut unterschieden werden. Auch kommt neuerdings hochauflösende Röntgen-Computer-Tomographie (HRXCT) zum Einsatz. Diese zerstörungsfreien Untersuchungsmethoden dienen der Identifizierung und Herkunftsbestimmung des Elfenbeins und sind damit Grundlage für zollamtliche Maßnahmen (siehe Abschnitt Elfenbein und Artenschutz).

Eine weitere – allerdings teurere – Methode stellen DNA-Analysen dar, die jedoch wegen der systembedingten Materialentnahmen nicht für Antiquitäten geeignet sind. Mittels DNA-Analyse lässt sich sogar eine genauere lokale Herkunft ermitteln.Kenine E. Comstock, Elaine A. Ostrander, Samuel K. Wasser: Amplifying Nuclear and Mitochondrial DNA from African Elephant Ivory: a Tool for Monitoring the Ivory Trade. In: Conservation Biology. 17, 2003, S. 1–4.Samuel K. Wasser, Andrew M. Shedlock, Kenine Comstock, Elaine A. Ostrander, Benezeth Mutayoba, Matthew Stephens: Assigning African elephant DNA to geographic region of origin: Applications to the ivory trade. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 101(41), 2004, S. 14847–14852, doi:10.1073/pnas.0403170101.

Verwendung Elfenbein ist seit alters her ein kostbarer Rohstoff, der in allen Kulturen als Material für kunstvoll gearbeitete Gegenstände mit höfischer, kultischer oder religiöser Bestimmung galt. Auch als Arzneimittel(zutat), etwa bei der Behandlung von Gelbsucht und Durchfall,Vgl. Conrad Gessner: Allgemeines Thier-Buch, das ist: Eigentliche und lebendige Abbildung aller vierfuessigen […] Thieren […], durch den hochberuehmten Herrn Conradum Forerum ins Teutsche uebersetzt […]. Frankfurt am Main (Wilhelm Serlin) 1669; Neudruck („Thierbuch“) Schlüter, Hannover (1983 und) 1994, sowie Lehmann 1995, S. 188. wurde das als „zusammenziehend“Petrus Uffenbach (Hrsg.): Pedacii Dioscoridis Anazarbaei Kraeuterbuch … (ins Deutsche übersetzt von Johannes Danzius), Frankfurt am Main (bei Johann Bringern) 1610, S. 453. geltende Elfenbein (lateinisch Ebur, Genitiv eboris) eingesetzt; so etwa in geraspelter oder gefeilter FormVgl. etwa Conrad Gessner: Allgemeines Thier-Buch, das ist: Eigentliche und lebendige Abbildung aller vierfuessigen […] Thieren […], durch den hochberuehmten Herrn Conradum Forerum ins Teutsche uebersetzt […]. Frankfurt am Main (Wilhelm Serlin) 1669; Neudruck („Thierbuch“) Schlüter, Hannover (1983 und) 1994, sowie Lehmann 1995, S. 187 f. (Von dem Helffenbein) und 188. (rasura eboris, „Elfenbeingeschabsel“) oder weißgebrannt (ebur ustum als SpodiumVgl. auch Klaus Matzel, Jörg Riecke, Gerhard Zipp: Spätmittelalterlicher deutscher Wortschatz aus Regensburger und mittelbairischen Quellen. Heidelberg 1989 (= Germanische Bibliothek: Reihe 2, Wörterbuch.) S. 127–128 (gebrant elfanbain); und Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 228 (Spodium – gebrant helfenbeyn, […] gebrant elfenbein = Eigentlich „gebrannter“ Elephantenstosszahn. Ebur ustum: „Weissgebrannt als Spodium album, schwarzgebrannt (d. h. unter Luftabschluss) als Spodium nigrum, meist aber entsprechende Produkte aus (Röhren-)Knochen des Elephanten und anderer Tiere“).).Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 141 und 153. Verfälscht wurde Elfenbein gelegentlich mit den Zähnen von Ebern.Johannes Irmscher (Hrsg.): Das große Lexikon der Antike. 2. Auflage. Heyne, München 1987, S. 147.Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 179 (zur Droge Ebur – elephanten zan: „ursprünglich und eigentlich geschabter Elephanten(stoss)zahn (oft aber Knochenpulver verschiedener Herkunft)“ = Spodium). Daneben fand es zu allen Zeiten auch Verwendung im profanen Bereich.

Heute hat Elfenbein als Rohstoff in Europa seit Jahrzehnten praktisch keine Bedeutung mehr. Zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen kommen preiswerte Kunststoffe zum Einsatz, die in allen Bereichen bessere Dienste leisten. Im Kunsthandwerk wird seit langem auf Elfenbein von Elefanten verzichtet. Ausnahme ist die Restaurierung antiker Stücke, wofür Material aus legalen Altbeständen verwendet werden kann. Der Hauptrohstoff der heutigen Elfenbeinschnitzer ist fossiles Mammutelfenbein. Hierfür bestehen keine Handelsverbote.