Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: ) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Sie entwickelte sich ab dem frühen Mittelalter durch Einwanderung nordseegermanischer Völker nach Britannien, darunter der Angeln – von denen sich das Wort Englisch herleitet – sowie der Sachsen. Die Frühformen der Sprache werden daher auch manchmal Angelsächsisch genannt.
Die am nächsten verwandten lebenden Sprachen sind die friesischen Sprachen und das Niederdeutsche auf dem Festland. Im Verlauf seiner Geschichte hat das Englische allerdings starke Sonderentwicklungen ausgebildet: Im Satzbau wechselte das Englische im Gegensatz zu allen westgermanischen Verwandten auf dem Kontinent in ein Subjekt-Verb-Objekt-Schema über und verlor die Verbzweiteigenschaft. Die Bildung von Wortformen (Flexion) bei Substantiven, Artikeln, Verben und Adjektiven wurde stark abgebaut. Im Wortschatz wurde das Englische in einer frühen Phase zunächst vom Sprachkontakt mit nordgermanischen Sprachen beeinflusst, der sich durch die zeitweilige Besetzung durch Dänen und Norweger im 9. Jahrhundert ergab. Später ergab sich nochmals eine starke Prägung durch den Kontakt mit dem Französischen aufgrund der normannischen Eroberung Englands 1066. Aufgrund der vielfältigen Einflüsse aus westgermanischen und nordgermanischen Sprachen, dem Französischen sowie den klassischen Sprachen besitzt das heutige Englisch einen außergewöhnlich umfangreichen Wortschatz.
Die englische Sprache wird mit dem lateinischen Alphabet ohne weitere Sonderzeichen geschrieben. Eine wesentliche Fixierung der Rechtschreibung erfolgte mit Aufkommen des Buchdrucks im 15./16. Jahrhundert, trotz gleichzeitig fortlaufenden Lautwandels.Kristin Denham: Linguistics for Everyone: An Introduction. Cengage Learning, 2009. Siehe v. a. S. 89 und S. 439ff. Die heutige Schreibung des Englischen stellt daher eine stark historische Orthographie dar, die von der Abbildung der tatsächlichen Lautgestalt vielfältig abweicht.
Ausgehend von seinem Entstehungsort England breitete sich das Englische über die gesamten Britischen Inseln aus und verdrängte allmählich die zuvor dort gesprochenen, vor allem keltischen Sprachen, die aber als kleinere Sprechergemeinschaften inmitten des englischen Sprachraums bis heute fortbestehen. In seiner weiteren Geschichte ist das Englische vor allem infolge des historischen Kolonialismus Großbritanniens in Amerika, Australien, Afrika und Asien zu einer Weltsprache geworden, die heute global weiter verbreitet ist und von mehr Menschen gesprochen wird als jede andere Sprache (Liste der meistgesprochenen Sprachen). Englischsprachige Länder und Gebiete (meist ehemalige britische Kolonien und Besitzungen) bzw. ihre Bewohner werden auch anglophon genannt.
Englisch wird in den Schulen vieler Länder als erste Fremdsprache gelehrt und ist offizielle Sprache der meisten internationalen Organisationen, wobei viele davon daneben noch andere offizielle Sprachen nutzen. In Westdeutschland verständigten sich die Länder 1955 im Düsseldorfer Abkommen darauf, an den Schulen Englisch generell als Pflichtfremdsprache einzuführen.
Die englischsprachige Welt Im April 2017 sprachen weltweit etwa 340 Millionen Menschen Englisch als Muttersprache. Die Schätzungen zur Zahl der Zweitsprachler schwanken je nach Quelle erheblich, da unterschiedliche Grade des Sprachverständnisses herangezogen werden. Hier finden sich Zahlen von unter 200 Millionen bis 2 Milliarden Menschen.David Crystal: Two thousand million?. English Today, Vol. 24, Nr. 1, S. 3–6. Cambridge University Press, 22. Februar 2008. Der Ethnologue 2023 gibt etwa 370 Millionen Muttersprachler und 1,46 Milliarden Sprecher weltweit an.What is the most spoken language?, Ethnologue, 2022.The most spoken languages worldwide in 2023. Einar Haarr Dyvik, Statista, 16. Juni 2023.
Geografische Verbreitung Der englische Sprachraum: mini|zentriert|hochkant=2.5|
Amtssprache Englisch ist Amtssprache in folgenden Staaten und Territorien:
Staat Mutter-sprachler Status Afrika Westafrika 69.000 brit. Überseegebiet Ostafrika 16.000 3.000 1.600 (meist pro forma) 4.500.000 Südliches Afrika 11.000 41.000 375.000 3,5 Mio. Amerika Nordamerika 50.000 brit. Überseegebiet 20 Mio. 210 Mio. In einigen Bundesstaaten (32) und per Executive Order auf Bundesebene Karibik brit. Überseegebiet 13.000 170.000Sprecherzahl Belize. Länderdaten; abgerufen am 21. März 2014. brit. Überseegebiet amer. Außengebiet brit. Überseegebiet brit. Überseegebiet 514.000Sprecherzahl Puerto Rico. Länderdaten; abgerufen am 21. März 2014. amer. Außengebiet nied. autonomes Land brit. Überseegebiet Südamerika brit. Überseegebiet Staat Mutter-sprachler Status Asien 20px|rahmenlos Andamanen und Nikobaren ind. Unionsterritorium 320.000 chin. Sonderverwaltungszone austr. Außengebiet 40.000 (meist US-Amerikaner) 227.000 austr. Außengebiet Europa brit. Überseegebiet brit. Kronbesitzung 4 Mio. brit. Kronbesitzung brit. Kronbesitzung 2.400 60 Mio. Ozeanien 17 Mio. 20px Chathaminseln neus. (quasi-)Region neus. assoziiert 15.000 amer. Außengebiet 340 3.500 560 3 Mio. neus. assoziiert austr. Außengebiet amer. Außengebiet 20.000 50.000 brit. Überseegebiet amer. Außengebiet neus. Besitzung 1.900
Englisch ist zudem eine Amtssprache supranationaler Organisationen wie der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten, der UNASUR, der CARICOM, der SAARC, der ECO, der ASEAN, des Pazifischen Inselforums, der Europäischen Union, des Commonwealth of Nations und eine der sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen.
Auch die Einführung von Englisch als Verwaltungs- und anschließend als Amtssprache in den Teilstaaten der Europäischen Union wird besprochen. Einer repräsentativen YouGov-Umfrage von 2013 zufolge würden es 59 Prozent der Deutschen begrüßen, wenn die englische Sprache in der gesamten Europäischen Union den Stand einer Amtssprache erlangen würde (zusätzlich zu den bisherigen Sprachen), in anderen Ländern Europas liegen die Zustimmungsraten teilweise bei über 60 Prozent.Umfrage: Mehrheit der Deutschen für Englisch als zweite Amtssprache, YouGov Meinungsforschungsinstitut, 9. August 2013
Englisch als weltweite Verkehrssprache
Die englische Sprache dient zudem in folgenden Ländern und Regionen in unterschiedlichem Ausmaß als Verkehrs-, Handels-, Geschäfts- oder Bildungssprache:Verbreitung als Verkehrssprache. Abgerufen am 21. März 2014. Ägypten Äthiopien Bahrain Bangladesch BES-Inseln und Curaçao (zu Niederlande) Bhutan Brunei Eritrea Europäische Union Israel Jordanien Katar Kuwait Laos Libanon Malaysia Malediven Myanmar Oman Osttimor Panama Philippinen San Andrés und Providencia (zu Kolumbien) Saudi-Arabien Somaliland1 Sri Lanka Suriname Vereinigte Arabische Emirate Republik Zypern (siehe auch Akrotiri und Dekelia) 1 Ist de facto ein eigener Staat, wird aber offiziell zu Somalia gezählt. Zusätzlich ist das Englische durch die Militärbasen der Vereinigten Staaten in vielen Weltgegenden präsent.
Sprachwissenschaftliche Einordnung Das Englische gehört zu den indogermanischen Sprachen, die ursprünglich sehr stark flektierende Merkmale aufwiesen. Alle indogermanischen Sprachen weisen diese Charakteristik bis heute mehr oder weniger auf. Allerdings besteht in allen diesen Sprachen eine mehr oder weniger starke Neigung von flektierenden zu isolierenden Formen. Im Englischen war diese Tendenz bislang besonders stark ausgeprägt. Heute trägt die englische Sprache überwiegend isolierende Züge und ähnelt strukturell teilweise eher isolierenden Sprachen wie dem Chinesischen als den genetisch eng verwandten Sprachen wie dem Deutschen.
Zudem hat sich die englische Sprache heute durch die globale Verbreitung in viele Varianten aufgeteilt. Viele europäische Sprachen bilden auch völlig neue Begriffe auf Basis der englischen Sprache (Anglizismen, Scheinanglizismen). Auch in einigen Fachsprachen werden die Termini von Anglizismen geprägt, vor allem in stark globalisierten Bereichen wie z. B. Informatik oder Wirtschaft.
Der Sprachcode ist en oder eng (nach ISO 639-1 bzw. 2). Der Code für Altenglisch bzw. Angelsächsisch (etwa die Jahre 450 bis 1100 n. Chr.) ist ang, jener für Mittelenglisch (etwa 1100 bis 1500) enm.
Geschichte
mini|rechts|hochkant=1.5|Stationen in der Geschichte des Englischen
Die Sprachstufen des Englischen lassen sich wie folgt bestimmen:Zur Entwicklung des Wortschatzes vgl. man Joachim Grzega, Marion Schöner: English and General Historical Lexicology; Materials for Onomasiology Seminars. Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, 2007. Zeitangaben stehen im Abschnitt Abbreviations und auf S. 9 (PDF; 511 kB). Altenglisch oder Angelsächsisch () von: 450–1150 Mittelenglisch () von: 1150–1500 Frühneuenglisch () von: 1500–1750 Neuenglisch () von: 1750–heute
Detaillierter und stellenweise abweichend lassen sie sich so bestimmen:dtv-Atlas Englische Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2002, S. 70. Altenglisch (700–1200) Frühaltenglisch (700–900) Spätaltenglisch (900–1100) Übergang Altenglisch (1100–1200) Mittelenglisch (1200–1500) Frühmittelenglisch (1200–1300) Spätmittelenglisch (1300–1400) Übergang Mittelenglisch (1400–1500) Neuenglisch (1500–heute) Frühneuenglisch (1500–1650) Spätneuenglisch (1650–heute)
Varietäten der englischen Sprache Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache hat diese zahlreiche Varietäten entwickelt oder sich mit anderen Sprachen vermischt.
Folgende Sprachvarietäten werden unterschieden: Afroamerikanisches Englisch Amerikanisches Englisch Aukaans1, Saramaccaans1 und Sranantongo1 (Suriname-Englisch) Australisches Englisch Bislama1 (Vanuatu-Englisch) Britisches Englisch California English Falkländisches Englisch Hawaiisches Englisch1 Hiberno-Englisch (in Irland) Hongkong-Englisch Indisches Englisch Jamaika-Kreol1 (Jamaikanisches Englisch) Kamtok1 (Kamerunisches Englisch) Kanadisches Englisch Karibisches Englisch1 (Kreolisches Englisch) (siehe daneben auch Jamaikanisch-kreolische Sprache) Krio1 (Sierra Leone-Englisch) Kriol1 und Torres Creole1 (nördliches australisches Englisch) Liberian English1 (Liberianisches Englisch) Manglish (Malaysisches Englisch) Midatlantic English Neuseeländisches Englisch Ngatik Men’s Creole1 (Mikronesisches Englisch) Nigerianisches Pidgin1 (Nigeria-Englisch) Philippinisches Englisch Pijin1 (Salomonen-Englisch) Pitcairn-Englisch1 Schottisches Englisch Scots (nicht zu verwechseln mit Schottischem Englisch) Singlish (Singapurisches Englisch) Südafrikanisches Englisch (siehe daneben auch Afrikaans) Tinglish (Thai-Englisch) Tok Pisin1 (Papua-Neuguinea-Englisch) Walisisches Englisch
Für den raschen Erwerb des Englischen wurden immer wieder vereinfachte Formen konstruiert, so Basic English bzw. Simple English oder Einfaches Englisch (vorgestellt 1930, 850 Wörter), Globish (vorgestellt 1998, 1500 Wörter) und Basic Global English (vorgestellt 2006, 750 Wörter). Daneben hat sich eine Reihe von Pidgin- und Kreolsprachen1 auf englischem Substrat (vor allem in der Karibik, Afrika und Ozeanien) entwickelt.
Anglizismen
In andere Sprachen eindringende Anglizismen werden manchmal mit abwertenden Namen wie „Denglisch“ (Deutsch und Englisch) oder „Franglais“ (Französisch und Englisch) belegt. Dabei handelt es sich nicht um Varianten des Englischen, sondern um Erscheinungen in der jeweils betroffenen Sprache. Der scherzhafte Begriff „Engrish“ wiederum bezeichnet keine spezifische Variante der englischen Sprache, sondern bezieht sich allgemein auf das in Ostasien und Teilen von Südostasien anzutreffende Charakteristikum, die Phoneme „l“ und „r“ nicht zu unterscheiden.