Duell ist ein von Universal Television unter der Regie von Steven Spielberg produzierter Fernsehfilm, der erstmals am 13. November 1971 auf dem US-TV-Sender ABC ausgestrahlt wurde. Aufgrund des großen Publikums- und Kritikererfolgs wurde der Thriller mit vier zusätzlich gedrehten Szenen als verlängerte Kinofassung international vermarktet. Die Deutschland-Premiere feierte Duell am 3. Juli 1973 im Rahmen des Filmfestivals Berlinale.
In dem von Spielberg minimalistisch inszenierten Film wird der Durchschnittsamerikaner David Mann auf einsamen kalifornischen Wüstenhighways ohne ersichtlichen Grund von einem Tanklastzug verfolgt. Die zunehmend eskalierende Auseinandersetzung entwickelt sich für David Mann zu einem Duell auf Leben und Tod.
Duell wurde für den 24-jährigen Steven Spielberg zum Durchbruch in Hollywood und ist sein ältester noch vollständig erhaltener Spielfilm. Der als einer der besten Fernsehfilme aller Zeiten geltende Filmklassiker wurde in zahlreichen Spielfilmen, Fernsehserien, Musikvideos und Werbespots gewürdigt.
Handlung David Mann ist der Stereotyp des durchschnittlichen bürgerlichen Amerikaners: Mitte 40, Ehefrau, zwei Kinder, Einfamilienhaus im Vorort einer Großstadt, von Beruf Handelsvertreter und Besitzer eines neuen Mittelklassewagens. Eines Morgens startet er von seinem Zuhause bei Los Angeles mit seinem Auto zu einem Geschäftstermin.
Während der langen, einsamen Fahrt auf abgelegenen kalifornischen Wüstenhighways taucht ein rostiger Tanklastzug vor ihm auf. Dessen Fahrer verlangsamt seine Fahrt zusehends und hindert Mann zunächst am Überholen. Als das Überholmanöver doch gelingt, scheint der Truckfahrer ohne ersichtlichen Grund beschlossen zu haben, eine Hetzjagd zu beginnen. Er überholt Mann, bremst ihn aus, lässt sich wieder überholen und versucht danach sogar, Mann von der Straße zu drängen.
Im Verlaufe der Weiterfahrt eskalieren die nervenaufreibenden Attacken des Trucks zusehends und werden für David Mann lebensgefährlich. Den vorläufigen Höhepunkt bildet ein Angriff auf Mann an einem geschlossenen Bahnübergang: Der Tanklaster versucht, Manns Wagen gegen einen vorbeifahrenden Güterzug zu schieben. Als der Zug gerade noch rechtzeitig den Bahnübergang passiert hat, kann Mann erneut entkommen. Der Truckfahrer wird nun immer gnadenloser. Während eines Tankstopps versucht der verzweifelte David Mann, aus einer Telefonzelle heraus die Polizei zu erreichen. In diesem Moment rast der Truck auf ihn zu, Mann kann sich durch einen Sprung im letzten Moment retten und flüchtet ein weiteres Mal.
Letztlich in die Enge getrieben und jeder Fluchtmöglichkeit beraubt, geht Mann selbst in die Offensive: In der Nähe eines Abgrunds steuert er sein mittlerweile halb zerstörtes Fahrzeug frontal in Richtung des Verfolgers und rettet sich kurz vor dem Zusammenstoß mit einem Sprung aus seinem nun führerlos weiterfahrenden Auto. Manns Wagen kollidiert mit dem Truck; Rauch und Flammen des brennenden Fahrzeugs nehmen dem Truckfahrer die Sicht. Der Tanklastzug rast weiter auf den Abgrund zu und stürzt am Ende die steilen Klippen hinab. David Mann triumphiert und setzt sich schließlich erleichtert hin, während die Sonne langsam hinter ihm untergeht.
Produktionsgeschichte Drehbuch Der Playboy veröffentlichte in seiner US-Ausgabe vom April 1971 die Kurzgeschichte Duel des renommierten Science-Fiction-Autors Richard Matheson. Die Geschichte entstand nach einer wahren Begebenheit, bei der Matheson und der Schriftsteller Jerry Sohl grundlos von einem aggressiven Truckfahrer verfolgt wurden, als sie am Tag des Attentats auf John F. Kennedy auf dem Weg von einem Golfspiel im Simi Valley nach Los Angeles waren.Joseph McBride: Steven Spielberg: A Biographie. Second Edition. University Press of Mississippi, 2010, ISBN 978-1-60473-837-7, Seite 200.
Unmittelbar nach der Veröffentlichung empfahl der vertraglich an Universal Studios gebundene Drehbuchautor Steven Bochco die von Matheson sehr visuell geschriebene Kurzgeschichte dem ebenfalls für die Universal Studios tätigen Filmproduzenten George Eckstein. Eckstein war der Ansicht, dass man die Kurzgeschichte sehr gut verfilmen konnte, zumal die Universal Studios händeringend nach Geschichten suchten, aus denen sie Spielfilme für die boomende Fernsehindustrie herstellen konnten. Eckstein erhielt von den Verantwortlichen der Universal-Studios umgehend eine Auftragsbestätigung, die Kurzgeschichte für die von Barry Diller geleitete Spielfilm-Abteilung des US-TV-Senders ABC als Movie of the Weekend zu produzieren. Eckstein kontaktierte daraufhin Richard Matheson, um sich im Namen von Universal die Filmrechte zu sichern und um gemeinsam ein Drehbuch zu schreiben. Am 16. August 1971 hatten Matheson und Eckstein die finale Version des Drehbuchs ausgearbeitet. Innerhalb der nächsten zehn Tage ging es für Eckstein folglich darum, einen geeigneten Regisseur zu finden.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 44–48.
Vorproduktion Finanzierung Für die Herstellung von Duell gewährte ABC dem Produzenten Eckstein und den Universal Studios als Studio- und Personaldienstleister ein Gesamtbudget von 750.000 US-Dollar (: ca. US-Dollar).Joseph McBride: Steven Spielberg: A Biographie. Second Edition. University Press of Mississippi, 2010, ISBN 978-1-60473-837-7, Seite 201. Der 74-minütige Fernsehfilm wurde zwischen dem 13. September und 4. Oktober 1971 an insgesamt 16 Drehtagen abgedreht.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 96. Der Vertrag beinhaltete lediglich 14 Drehtage, aufgeteilt in vier Drehtage Preproduction Photography für Fahraufnahmen und Detailaufnahmen ohne Schauspieler sowie zehn Drehtage Production mit den Schauspielern.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. Rowman & Littlefield, 2014, ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 53, Seite 308. Letztlich überschritt Spielberg die vorgegebene Produktionszeit um zwei Drehtage. Weiterhin wurden vertraglich sechs Wochen Postproduktion für Schnitt, Vertonung und Erstellung des Soundtracks vereinbart.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. Rowman & Littlefield, 2014, ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 53.
Für die im deutschsprachigen Raum bekannte 90-minütige TV- und Kinofassung wurden vier weitere Szenen zwischen dem 23. und 25. April 1972 an drei Drehtagen nachgedreht. Somit entstand diese Fassung an insgesamt 19 Drehtagen.Der 3-Tage-Dreh für die zusätzlichen Szenen der Kinofassung liefen bei den Universal Studios nun unter dem Produktionsnamen Production #05140. Aus: Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 165. Für den Drei-Tage-Dreh betrug das Budget zusätzliche 100.000 US-Dollar (: ca. US-Dollar).Joseph McBride: Steven Spielberg: A Biographie. Second Edition. University Press of Mississippi, 2010, ISBN 978-1-60473-837-7, Fußnote Seite 203 Das Gesamtbudget für die allgemein bekannte Kinofassung betrug demzufolge 850.000 US-Dollar (: ca. US-Dollar).Joseph McBride: Steven Spielberg: A Biographie. Second Edition. University Press of Mississippi, 2010, ISBN 978-1-60473-837-7, Seite 202. Laut Spielberg habe der Film entgegen den Aufzeichnungen der Universal Studios nur 425.000 US-Dollar (: ca. US-Dollar) gekostet.
Regie mini|Regisseur Steven Spielberg (2012) Unabhängig von George Eckstein hatte Steven Spielberg auf Empfehlung seiner Sekretärin Nona Tyson ebenfalls Mathesons Kurzgeschichte gelesen und wollte daraus unbedingt einen Spielfilm adaptieren. Bei Spielbergs Recherche kam heraus, dass der Fernsehsender ABC in Kooperation mit den Universal Studios und dem Produzenten George Eckstein bereits die Filmrechte erworben hatte und mit Richard Matheson an einem Drehbuch feilte. Spielberg gelang es daraufhin mit Unterstützung des überaus einflussreichen Universal-Television-Präsidenten Sidney Sheinberg, ein Treffen mit Eckstein zu organisieren. Eckstein lud Spielberg folglich auch im Bewusstsein ein, dass der als sehr talentiert geltende Nachwuchsregisseur ein Protegé von Sheinberg war. Sheinberg hatte 1968 den damals 21-jährigen Spielberg mit einem Siebenjahresvertrag bei Universal Television ausgestattet, nachdem er voller Begeisterung Spielbergs ambitionierten 35-mm-Kurzfilm Amblin’ gesehen hatte. Bei den Mitarbeitern der Universal-Studios war bekannt, dass Sheinberg sich sehr um den von den arrivierten Universal-Studios-Filmschaffenden mitunter skeptisch beäugten Spielberg und seine Entwicklung als Regisseur kümmerte. Des Weiteren galt Spielberg als Jüngling, der zwar alles über Filmoptiken wusste und Dolly-Fahrten liebte, aber von Schauspiel und Schauspielerführung wenig Ahnung hatte.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. Rowman & Littlefield, 2014, ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 52.
In den ersten drei Jahren bei den Universal Studios inszenierte Spielberg vertragsgemäß für verschiedene Fernsehserien einzelne Episoden, mitunter in Spielfilmlänge. So konnte Spielberg bei einem ersten Treffen mit Eckstein als Arbeitsprobe eine Rohfassung der kurz zuvor von ihm für NBC inszenierten 72-minütigen Premierenepisode Tödliche Trennung der Kriminalfilmreihe Columbo präsentieren. Eckstein zeigte sich beeindruckt. Nach einem weiteren Treffen, bei dem Spielberg seine Visionen für die Umsetzung des Drehbuchs darlegte, erhielt Spielberg von Eckstein und Universal die Zusage, seinen ersten kommerziellen Spielfilm drehen zu können. Bildlich verfolgte Spielberg einen cineastischen Ansatz, der sich elementar von den gewöhnlichen im Studio gedrehten Fernsehfilmen abheben sollte, die zumeist durch großformatige Einstellungen von Gesichtern der Protagonisten geprägt waren. Sein Film sollte ausschließlich vor Ort auf den Highways der kalifornischen Wüste gedreht werden. Teil von Spielbergs Vorstellung war zudem, sämtliche Dialoge aus dem Drehbuch zu streichen und Duell als dialogfreien „Stummfilm“ zu inszenieren. Der Film sollte lediglich von Fahrgeräuschen der Fahrzeuge sowie einem furchteinflößenden Klangbild untermalt werden. Spielbergs Plan war zudem, den Truck wie ein Raubtier brüllen zu lassen.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. Rowman & Littlefield, 2014, ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 54. Auf Anraten der Senderverantwortlichen von ABC reduzierte Spielberg das Drehbuch schließlich auf 40 Dialogzeilen.Tony Crawley: Steven Spielberg: Eine Erfolgsstory. Heyne, München 1989, ISBN 3-453-03409-0, Seite 52 f.
Am 26. August 1971 wurde der Vertrag zwischen Spielbergs 1969 gegründeter Amblin Production Company und den Universal Studios unterschrieben. Obwohl Spielberg einen Festvertrag bei Universal Television besaß, wurden im Kontrakt eine separate Gage in Höhe von 5000 US-Dollar (: ca. US-Dollar) sowie gemäß den Vorgaben der Directors Guild of America weitere Vergütungen für TV-Wiederholungen und eine eventuelle Kinoauswertung vereinbart.Steven Awalt: Steven Spielberg and Duel – The Making of a Film Career. Rowman & Littlefield, 2014, ISBN 978-0-8108-9261-3, Seite 54, Vertragsname: The Duell, Production #34111
Protagonisten
David Mann mini|Dennis Weaver (1997)