mini|hochkant|Helena Blavatsky (1877) Helena Petrovna Blavatsky (; * in Jekaterinoslaw, Neurussland, Russisches Kaiserreich als Helena Petrowna von Hahn-Rottenstein; † 8. Mai 1891 in London) war eine ukrainisch-deutsche Okkultistin. Ihre Hauptwerke Isis Unveiled (Isis entschleiert, 1877) und The Secret Doctrine (Die Geheimlehre, 1888) trugen maßgeblich zur Begründung der modernen oder anglo-indischen Theosophie bei und erlangten einen bedeutenden Einfluss auf weite Bereiche der modernen Esoterik. 1875 gründete Blavatsky mit Henry Steel Olcott die Theosophische Gesellschaft.

Leben Kindheit und Jugend Helena von Hahn wurde 1831 in Jekaterinoslaw (heute Dnipro, Ukraine) geboren. Ihr Vater Peter von Hahn war Offizier in der berittenen ArtillerieJames Webb: Die Flucht vor der Vernunft: Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Marix Verlag, Wiesbaden; 1. Auflage 2009. S. 147. und der Sohn des Generalleutnants Alexis Hahn von Rottenstein-Hahn; er entstammte einer mecklenburgischen Familie, die in russischen Diensten stand. Helenas Mutter Jelena Hahn (russifiziert Gan), geborene Fadejewa, war eine bekannte Romanautorin und die Tochter des Geheimen Rates Andrei Fadejew und einer Fürstin, der Prinzessin Jelena Dolgorukaja. Über diese Linie war sie die Cousine des russischen Staatsmannes und Reformers Sergei Juljewitsch Witte. Als Kind lebte Helena mit ihrer Mutter bei den Großeltern. Der Vater war als Mitglied der Kaiserlich Russischen Armee in ständig wechselnden Garnisonen im Kaukasus stationiert.

Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter nach der Geburt des vierten Kindes, und Helena und ihre Schwester VeraRudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1991, S. 49. verbrachten den Rest ihrer Kindheit bei den Großeltern. Der Großvater war hoher Regierungsbeamter in den neu entstandenen Provinzen des russischen Reiches und wechselte mehrmals den Standort. Als Heranwachsende zeichnete sie, spielte Klavier und galt als ausgezeichnete Reiterin, die gerne halbwilde Pferde zuritt. Der Aussage ihrer Tante Nadeschda Fadejewa zufolge fühlte sie sich bereits in ihrer Kindheit, und auch später, von einer einfachen Lebensweise angezogen und zeigte sich dem Adel gegenüber betont gleichgültig. Zugleich habe ihr vor allem ihre Offenheit Schwierigkeiten verursacht, denn sie sagte ihrem Gegenüber direkt ins Gesicht, was sie von ihm hielt. Andererseits sei sie immer bereit gewesen, für einen Freund alles zu tun und Bedürftigen alles zu geben. Sie soll aufbrausend und rebellisch gewesen sein und fügte sich nur schwer in die Konventionen ihres gesellschaftlichen Standes.

Schon als Kind erregte sie als „Schreibmedium“ einiges Aufsehen.Sylvia Cranston und Carey Williams: H. P. B. – Leben und Werk der Helena Blavatsky – Begründerin der modernen Theosophie. Edition Adyar, Grafing 1995, ISBN 3-927837-53-9, S. 46 f.Gerhard Wehr: Helena Petrovna Blavatsky, eine moderne Sphinx – Biographie. Pforte, Dornach 2005, S. 19 f. Bereits als Zwölfjährige verfasste sie automatisch schreibend umfangreiche Manuskripte, die ihr von einer verstorbenen Deutschrussin medial übermittelt worden seien und mit deren Bildern und Briefen sie als Fünfjährige gespielt hatte. Nach einigen Jahren fand man jedoch heraus, dass die Frau noch lebte.Rudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1991, S. 50. Helenas Interesse für Esoterik wurde durch die umfangreiche Bibliothek ihres Urgroßvaters, eines Freimaurers mit rosenkreuzerischer Ausrichtung, geweckt, die sie ausgiebig studierte.Nicholas Goodrick-Clarke: Helena Blavatsky, North Atlantic Books, Berkeley 2004, S. 2 f. Man schrieb ihr eine hohe „Sensitivität“ zu, da sie in ihrer Umgebung ständig Spukgestalten wahrnahm. Von ihrer Familie wurde sie deshalb wegen Somnambulismus mehrfach einem Exorzismus unterzogen.Karl Richard Hermann Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts, Band 2; Marix Verlag, Wiesbaden 2005; ISBN 3-86539-044-7; S. 259.

Ehen Mit 17 Jahren heiratete Helena 1848 in Tiflis den sehr viel älteren General und Staatsrat Nikifor Blawatzki (auch: Blavatsky, eigentlich Blavacki), Vizegouverneur des russischen Kaukasus-Gouvernements Eriwan im heutigen Armenien.Karl Richard Hermann Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts, Band 2; Marix Verlag, Wiesbaden 2005; ISBN 3-86539-044-7; S. 259 gibt als Altersunterschied 43 Jahre an; nach Nicholas Goodrick-Clarke: Helena Blavatsky, North Atlantic Books, Berkeley 2004, S. 3, war Nikifor Blavatsky 1809 zur Welt gekommen, demnach läge der Altersunterschied nur bei 22 Jahren. Der Theologe Gerhard Wehr vermutet, dass diese Eheschließung ihr nur dazu diente, als verheiratete Frau respektiert zu werden.Gerhard Wehr: Helena Petrovna Blavatsky. Eine moderne Sphinx. Biographie. Pforte, Dornach 2005, S. 24. Nach eigenen Angaben verließ sie ihren Mann nach drei Monaten wegen des großen Altersunterschiedes als Jungfrau und floh nach Ägypten.Karl Richard Hermann Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts, Band 2; Marix Verlag, Wiesbaden 2005; ISBN 3-86539-044-7; S. 259, gibt als Altersunterschied 43 Jahre an; nach Nicholas Goodrick-Clarke: Helena Blavatsky, North Atlantic Books, Berkeley 2004, S. 3, war Nikifor Blavatsky 1809 zur Welt gekommen, demnach läge der Altersunterschied nur bei 22 Jahren.

Am 3. April 1875 heiratete Helena Blavatsky erneut,Nach Carl Kiesewetter: Geschichte des neueren Okkultismus. Neu gesetzte Ausgabe nach Vorlage der Ausgabe, Leipzig 1891–1895. Marix Verlag, Wiesbaden 2007; ISBN 978-3-86539-121-6, S. 424, war sie bereits 1851 geschieden worden; laut Rosemary Guiley: The Encyclopedia of Magic and Alchemy. Infobase, New York 2006, S. 42, war die Ehe nie geschieden worden; die Wiederverheiratung sei 1875 durch das Ableben Nikifors möglich geworden. diesmal den Armenier Michael Betanelly. Sie stellte die Bedingung, dass sie ihren Namen behielt und die Ehe nicht vollzogen wurde. Diese Ehe wurde am 25. Mai 1878 geschieden,Jeffrey D. Lavoie: The Theosophical Society: The History of a Spiritualist Movement. Brown Walker, Boca Raton, FL 2012, S. 23. worauf Blavatsky erleichtert äußerte, „der Gedanke, in die Lage zu kommen, ihren Körper einem Manne preiszugeben, sei ihr so entsetzlich und unfaßbar, daß sie selber die von ihr gegebene Einwilligung in eine Scheinehe nur durch eine damalige Besessenheit erklären könne.“Rudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1991, S. 61–62. Einigen Quellen zufolge soll sie auch den Opernsänger und Carbonaro Arkadi Metrowitsch geheiratet haben, den sie 1850 kennen lernteLucetta Scaraffia: Lüge und Zauberei. Helena Blavatsky in Mentana (1867). In: Claire Gantet und Fabrice d’Almeida (Hrsg.): Gespenster und Politik. 16. bis 21. Jahrhundert. Wilhelm Fink, München 2007, S. 230. und mit dem sie sich der Tinten- und Kunstblumenproduktion widmete.

Im Frühjahr 1860 reiste Blavatsky mit ihrer Schwester nach Tiflis, wo sie bleiben wollte. Auf Wunsch des Großvaters musste sie zu ihrem Ehemann zurückkehren, mit dem sie daraufhin ein Jahr lang zusammenlebte. Die meiste Zeit verbrachte sie im Palais des Großvaters, wo sich fast jeden Abend geladene Gäste zu ihren Séancen zusammenfanden, um sich mit Tischerücken, Schreiben von Geisterbotschaften und anderen Manipulationen unterhalten zu lassen.Ursula Keller, Natalja Sharandak: Madame Blavatsky. Eine Biographie. Insel Verlag, Berlin 2013, S. 84–86. 1863 verbrachte sie erneut drei Tage mit ihrem ersten Mann Nikifor in Tiflis.Karl Richard Hermann Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts, Band 2; Marix Verlag, Wiesbaden 2005; ISBN 3-86539-044-7; S. 262.

Kinder 1861 oder 1862 soll Blavatskys Sohn Yuri (auch: Juri) zur Welt gekommen sein, der im Alter von fünf Jahren verstarb. Das Kind war offenbar seit 1862 in ihrer Obhut, als sie in Tiflis lebte. Als Vater gab sie Baron Nicholas Meyendorff aus Tiflis an.Edward T. James: Notable American Women: A Biographical Dictionary. 1607–1950. Harvard University Press 1974, S. 174. Als ihr Junge 1867 starb, veranlasste sie seine Beerdigung in Russland.

Eine medizinische Untersuchung 1885 soll die Diagnose Anteflexio uteri ergeben haben. James A. Santucci bezweifelt aufgrund dieser Information, dass sie überhaupt schwanger werden konnte. Die Blavatsky-Biografin Marion Meade hält es dagegen für wahrscheinlich, dass Yuri nicht ihr einziges Kind war.Marion Meade: Madame Blavatsky: The Woman Behind the Myth. S. 68–93.

Gegen Ende ihres Lebens verklagte Blavatsky die New Yorker Zeitung Sun, die behauptet hatte, sie habe ein uneheliches Kind. Dazu ließ sie sich von einem Gynäkologen ihre Jungfräulichkeit attestieren, jedoch veröffentlichte die Sun ein Jahr nach ihrem Tod eine Gegendarstellung.Sylvia Cranston, Carey Williams: H. P. B. Leben und Werk der Helena Blavatsky – Begründerin der modernen Theosophie, Edition Adyar, Grafing 1995, ISBN 3-927837-53-9, S. 453.

Wanderjahre mini|Blavatsky in den 1850er Jahren

Über zwei Jahrzehnte, von 1848 bis 1872, hinterließ Blavatsky großenteils unbestätigte und teils auch widersprüchliche Aussagen, woran ihr Biograph A. P. Sinnett schier verzweifelte.Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 115.Nicholas Goodrick-Clarke: Helena Blavatsky, North Atlantic Books, Berkeley 2004, S. 3. Auf Reisen durch Europa, Asien und Amerika, die von ihrem Vater und Großvater finanziert worden seien, soll sie in dieser Zeit von Eingeweihten und „Meistern“ die Grundlagen ihrer späteren Lehren vermittelt bekommen haben.A. T. Mann und Jane Lyle geben als Fußnote zum "Kapitel 15 Esoterische mystische Sexualität" ihres Buches Mystische Sexualität, 2. Auflage, Edition Astrodata, 1997, an, dass der Meister Djwal Khul ihr The Secret Doctrine und Die entschleierte Iris übermittelte.

Nach der Trennung von ihrem ersten Mann begab sie sich wieder in das Haus ihres Großvaters zurück, der sie zu ihrem Vater in die Hafenstadt Poti schickte. Dort freundete sie sich mit dem Kapitän eines englischen Dampfschiffs an, der sie für die Passage bis Konstantinopel als (verkleideten) Matrosen anheuerte.James Webb: Die Flucht vor der Vernunft: Politik, Kultur und Okkultismus im 19. Jahrhundert. Marix Verlag, Wiesbaden; 1. Auflage 2009. S. 148.Karl Richard Hermann Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts, Band 2; Marix Verlag, Wiesbaden 2005; ISBN 3-86539-044-7; S. 259–260. 1850 verdingte sie sich in Konstantinopel als Kunstreiterin im Zirkus und lernte dort den ungarischen Opernsänger und Carbonaro Arkadi Metrowitsch kennen, den sie dann auf seinen Operntourneen begleitete.Lucetta Scaraffia: Lüge und Zauberei. Helena Blavatsky in Mentana (1867). In: Claire Gantet und Fabrice d’Almeida (Hrsg.): Gespenster und Politik. 16. bis 21. Jahrhundert. Wilhelm Fink, München 2007, S. 230. Mit der russischen Gräfin Kisselev, die sie ebenfalls in Konstantinopel kennenlernte, bereiste sie dann Ägypten, Griechenland und den Balkan.

In Kairo trat sie im gleichen Jahr mit dem koptischen Magier und Okkultisten Paulos Metamon in Kontakt, der in diesen frühen Jahren einer ihrer Lehrer gewesen sein soll.Nicholas Goodrick-Clarke: Helena Blavatsky, North Atlantic Books, Berkeley 2004, S. 4.James A. Santucci: Blavatsky, Helena Petrovna. In: Wouter J. Hanegraaff (Hg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism, Brill, Leiden 2006, S. 177.