Hain-Gründau ist ein Ortsteil der Gemeinde Gründau im Main-Kinzig-Kreis in Hessen. Der Ortsname wird vom Fluss Gründau abgeleitet, der südlich des Dorfes durch die Gemarkung des Ortsteils, des westlich gelegenen Gründauer Ortsteils Mittel-Gründau und später durch die der Stadt Langenselbold in die Kinzig fließt.

Geografie Geografiche Lage Der Ort liegt am Rande des Büdinger Waldes und des Ronneburger Hügellandes im Tal der Gründau. Der Büdinger Wald ist ein nach Norden über die Kinzig vorspringender Spessart-Ausläufer, der zum Hessisch-Fränkischen Bergland (Haupteinheitengruppe 14) gezählt wird. Dieser schiebt sich von Süden vor die gegen das Rhein-Main-Tiefland (Haupteinheitengruppe 23) gerichtete Südabdachung des Vogelsberges. Als nordwest-südost-verlaufende Buntsandsteinscholle von 350 bis 410 m Höhe bildet er im Wesentlichen eine Sandsteinhochfläche, auf deren lehmigen Sandböden sich ein fast geschlossenes Waldgebiet befindet, zum größeren Teil Laubwälder, insbesondere das große unzerschnittene Gebiet nördlich von Gelnhausen bis ins Litterbachtal.

Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3271 und am südwestlichen Ortsrand liegt die Bundesstraße 457. Westlich führt die Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen an Hain-Gründau vorbei; mehrfache Bemühungen um die Einrichtung einer Haltestelle vor dem Ersten Weltkrieg sind gescheitert.

Nachbargemeinden Hain-Gründau grenzt im Norden an die Gemarkungen Büdingen und Vonhausen der Stadt Büdingen, im Osten und Süden an die des Ortsteils Gettenbach, im Westen an die des Ortsteils Mittel-Gründau. An die Gemarkung des Gründauer Ortsteil Breitenborn grenzt Hain-Gründau nur gefühlsmäßig, sowohl die Gemarkung Büdingen als auch die Gettenbachs liegen dazwischen.

Die drei Dörfer im Büdinger Wald, Breitenborn A. W., Gettenbach und Hain-Gründau hatten lange Zeit vor der Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren besondere Beziehungen und „fließende Grenzen“. Die Gemarkungsgrenzen sind mehrfach berichtigt worden.Heinrich Georg Semmel: Zum Verlauf der ehemaligen Staatsgrenzen zwischen den heutigen Gemarkungen Hain-Gründau einerseits, Breitenborn, Gettenbach, Lieblos und Mittel-Gründau andererseits in: Grindaha, Heft 25, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2015 S. 143 ff.

Geschichte Vorgeschichte und Rodung im Mittelalter Ein Ort mit dem Namen Grinda war schon 1173 erwähnt worden. Die Laurentiuskirche wurde um 1150 erbaut. Später wurde der Ort Grindaha im Hayn (1248) und Obergründa (Grinda superior) genannt. Es ist ein Walddorf, die Einwohner sind Waldbauern gewesen, denn im Gegensatz zu den beiden anderen Grindaha (Mittel-Gründau und Niedergründau) war Hain-Gründau ein eingeforstetes Dorf (sehr wahrscheinlich eine wesentlich ältere Rodung), im Westen des Büdinger Waldes gelegen. Eine altgermanische Opferstätte kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit hier vermuten.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes Hain-Gründau – Skizze, Selbstverlag des Verfassers (Druck: A. Heller’sche Hofbuchdruckerei), Büdingen 1891, S. 8; erneut herausgegeben zur 750-Jahr-Feier 1998 von Klaus von Berg in Grindaha 7, Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 1997

Jedenfalls sind über 5 000 Jahre alte Siedlungsspuren in der Gemarkung bekannt (Fundplätze von Steingeräten: am Stickelberg oberhalb des Bahnhofs Mittel-Gründau und am Fuß des zur Gemarkung Gettenbach gehörenden WetzsteinSascha Piffko, Guntram Schwitalla: Ein klarer mittelbronzezeitlicher Hausgrundriss bei Hain-Gründau (Gemeinde Gründau, Main-Kinzig-Kreis). In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2009 (Heft 1) S. 31–35 bis zur Mündung des Gettenbachs in die Gründau). In dieser Zeit werden die Eichen- und Buchenwälder zahlreicher, das Schwein wird Haustier, es wird zur Eichel- und Bucheckern-Mast in den Wald getrieben. Bei Ausgrabungen 2017 und 2019 fand man Gegenstände aus der Zeit der Bandkeramiker im Neolithikum und einer keltischen Siedlung (Keltische SpeisekammerGeschichte schlummert unter künftigem Neubaugebiet. – Archäologische Untersuchungen in Hain-Gründau: Keltische Vorratskammer freigelegt. Gelnhäuser Neue Zeitung (GNZ) vom 30. Juli 2019, S. 21). Es besteht die begründete Vermutung einer dauerhaften Besiedelung der Gegend von der Zeit der Bandkeramiker (Fundplatz: In der Altenbach) bis zu den Römern (ca. 100 vor bis 260 n. Chr., östliches Grenzgebiet vor dem römischen Wetterau-Limes mit den beiden Kastellen Rückingen und Marköbel) und ab 500 den Franken (Christentum).

Im 11. oder 12. Jahrhundert wird die Gründung der Siedlung Husenbach (Gemarkungsbezeichnung In der Hausemich) vermutet, die Ausgang des Mittelalters untergegangen istHeinrich Georg Semmel: Hain-Gründau – Ein Überblick über seine Geschichte. In: 750 Jahre Hain-Gründau 1248 – 1998 (Festbuch zum Jubiläum), Hain-Gründau 1998, S. 18.

Das alte Dorf mini |Laurentiuskapelle Haingründau

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wird die noch heute als Kirche genutzte Kapelle (Laurentius-Kapelle) gebaut. Das Dorf liegt südlich der Gründau (das heutige Dorf liegt nördlich der Gründau), nahe dem Hollerborn, der das Wasser für das Dorf liefert. Flurbezeichnungen wie die „Spielgasse“, für die Gärten „auf der Beune“ und die Baumgarten „Bangerte“ erinnern noch heute an die Lage des Dorfes hart an der Grenze der Gettenbacher Gemarkung und in der Nähe des später südlich davon gebauten Hühnerhofs (von Hünenhof wegen der zahlreichen Hünengräber dort im Wald oder auch von „Hainer Hof“ = Hof am Hain). Grindaha in Hayn gehört nach dem Aussterben der Grafen von Selbold-Gelnhausen (1151) den Herren von Büdingen, die später von den Isenburgern beerbt werden. Diese haben mit dem Burggrafenamt in Gelnhausen den gesamten Büdinger Wald und die daran beteiligten Dörfer, die „eingeforsteten“ Dörfer, in ihren Machtbereich gebracht; sie haben auch die Lehen des Forstmeisters von Gelnhausen und die der „reitenden Förster“ (= Ritter) an sich gebracht. 1442 werden die Isenburger in Büdingen (Reichs-)Grafen.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes ..., S. 11 1550 führen sie die Reformation ein („es wird evangelisch gepredigt“, die drei maßgebenden Klöster der Grafschaft, Selbold (in der Stadt Langenselbold), Marienborn und Meerholz werden säkularisiert), 1581 wird eine eigenständige Pfarrei in Hain-Gründau errichtet. Die Kirche wird ausgebaut, in den Kirchenrechnungen taucht neben Vonhausen (das Nachbardorf im Nordwesten), auch Gettenbach auf (das nähere Nachbardorf im Südosten), das Beiträge für den Kirchenbau zahlte. Auch den Friedhof hatten Hain-Gründau und Gettenbach gemeinschaftlich.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes ..., S. 20 unter Berufung auf eine Kirchenrechnung von 1578 1583 lässt sich anhand der Beiträge an den Kirchenfonds die Anzahl der Häuser von Hain-Gründau mit 47, die von Gettenbach mit 37 und Vonhausen mit 36 ermitteln.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes ..., S. 21Klaus von Berg: Die Bewohner des Dorfes Hain-Gründau im Jahr 1595, in: Grindaha 25, Heft 25 der Schriftenreihe des Geschichtsvereins Gründau e. V., Gründau 2015 S. 68

1548 arbeiteten in Hain-Gründau und in Gettenbach je ein Eschenbrenner (= Pottaschensieder), sie durften ab 1551 nur noch „liegend Uhrholtz“ (= Leseholz) verwenden, weil der Büdinger Wald durch den Holzverbrauch der Köhler sehr gelichtet warWalter Nieß: Köhlerei und Viehweide im Büdinger Wald in: Sammlungen zur Geschichte von Wächtersbach, Band II (1990–1995), Heimat- und Geschichtsverein Wächtersbach e. V. (15. Lieferung, Nr. 93, August 1990), 8.2.1.1, S. 3, .

Der Dreißigjährige Krieg und die Zerstörung des Dorfes Zu Beginn des Krieges (1618) hatte Hain-Gründau 240 Einwohner, die unter den Kriegsabgaben der 1620er Jahre leiden mussten. 1634/35 wird die Kirche und das Dorf (durch kaiserliche Truppen) zerstört; Hunger und Pest herrschen (Der Graf in Büdingen flüchtet, die Grafschaft fällt an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt), von Kannibalismus im Dorf (wie im westlichen Nachbardorf Mittel-Gründau) wird berichtet, die Hexenverfolgung erreicht an den Gerichtsorten Büdingen (für die gesamten Isenburgischen Grafschaften von Wolferborn bis Wächtersbach und von Büdingen bis Meerholz) und Gelnhausen (freie Reichsstadt, aber verpfändet) einen neuen Höhepunkt (wie früher schon zwischen 1560 und 1600).Zur Hexenverfolgung im Gericht Gründau, zu dem Hain-Gründau zumindest nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr gehörte, Jürgen Sternberg Hexenverfolgung im Gericht Gründau in: Grindaha 2.1, Veröffentlichungen des Geschichtsvereins Gründau e. V. (veränderte Ausgabe), Gründau 1993, Kennzahl 4 (Loseblattsammlung, Stand: 23. März 1990)

Das neue Dorf Nach dem Westfälischen Frieden (1648) wird das Dorf ab 1656 nördlich der Gründau wieder aufgebaut, jedoch weiter östlich, hinter dem Schenkerain entlang der heutigen Pfarrgasse, Burg- und Hainstraße. Der vom Grafen geschenkte Rain (Schenkerain) soll der Legende nach an die ersten Ansiedler Weinel und Hirchenhein gegangen sein.Gustav Schöner: Geschichte des Dorfes ..., S. 27 1687 kommt Hain-Gründau bei einer der Isenburger Landes-Teilungen an Ysenburg-Büdingen-Büdingen, die Dörfer des Gerichts Gründau an Ysenburg-Büdingen-Meerholz und Breitenborn (das Nachbardorf im Osten) an Ysenburg-Büdingen-Marienborn. 1715 wird die Kirche an der ursprünglichen Stelle wieder aufgebaut, die Pfarrei wird wieder selbständig, ein Pfarrhaus errichtet und ein (neuer) Friedhof angelegt.Heinrich Georg Semmel: Hain-Gründau, ein Überblick ..., S. 20

Bergbau und Kalkwerk