Der Dunkle Turm (The Dark Tower), auch bekannt als der Dunkle-Turm-Zyklus, ist eine achtbändige, düstere Fantasy-Saga des US-amerikanischen Schriftstellers Stephen King. King selbst bezeichnete die Reihe um den Dunklen Turm als sein wichtigstes Werk und es wird auch in der Außenwahrnehmung als sein Hauptwerk betrachtet.Rudolf Rosenblatt, Frank Kelleter & Dietmar Dath: Stephen King. In: Kindler Kompakt: Horrorliteratur. J.B. Metzler, Stuttgart 2017; S. 190. . Nach der Fertigstellung erklärte King 2004, erst einmal keine Romane mehr schreiben zu wollen. Verstanden wurde dies als Rückversicherung für den Fall, dass er mit seinem Hauptwerk bereits alles gesagt habe; bereits 2006 erschienen jedoch mit Puls und dem stark autobiografischen Love zwei neue Romane von ihm.

Werke in chronologischer Reihenfolge Der-Dunkle-Turm-Zyklus erzählt die Geschichte des Revolvermannes Roland Deschain von Gilead in acht aufeinander aufbauenden Romanen und einer Kurzgeschichte, die einen Teil der Vorgeschichte erzählt.

Die Handlung der jeweiligen Romane wird in den Einzelartikeln beschrieben.

Band Titel Datum ISBN engl. Titel Datum ISBN 1 Schwarz ISBN 3-453-12384-0 The Gunslinger ISBN 978-0-937986-50-9 2 Drei ISBN 3-453-12385-9 The Drawing of the Three ISBN 978-0-937986-90-5 3 Tot ISBN 3-453-09644-4 The Waste Lands ISBN 978-0-937986-17-2 4 Glas ISBN 3-453-87559-1 Wizard and Glass ISBN 978-1-880418-38-3 4,5 Wind ISBN 3-453-26794-X The Wind Through the Keyhole ISBN 1-880418-76-2 5 Wolfsmond ISBN 3-453-53023-3 The Wolves of the Calla ISBN 978-1-880418-56-7 6 Susannah ISBN 3-453-87928-7 Song of Susannah ISBN 978-1-880418-59-8 7 Der Turm ISBN 3-453-00096-X The Dark Tower ISBN 978-1-880418-62-8

Die Geschichte des Dunkler-Turm-Zyklus „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Mit diesem Satz beginnt der erste Band der Reihe. Der Autor hat diesen Satz einmal als einen der besten bezeichnet, die sein künstlerisches Schaffen je hervorgebracht hat. Zur Vollendung des Dunkler-Turm-Zyklus hat der Schriftsteller nach eigenen Angaben fast 30 Jahre benötigt. Der Dunkle-Turm-Zyklus ist in insgesamt acht Bände aufgeteilt. Die Handlung strickt King allerdings, teilweise in fragmentarischer Form, in anderen Romanen und Kurzgeschichten weiter.

Stephen Kings Zyklus um den Dunklen Turm ist eine epische Fantasysaga mit Western-, Horror- und Sci-Fi-Elementen, die von der Reise des Revolvermannes Roland Deschain auf dem Pfad des Balkens zum Dunklen Turm handelt. Rolands Mission ist es, den Turm, der das Zentrum des Multiversums darstellt, aus der Hand des Scharlachroten Königs zu befreien. Unter dessen Herrschaft befindet sich Rolands Heimat Mittwelt in einem zunehmenden postapokalyptischen Zerfall, was im geflügelten Wort ihrer Bewohner, wonach sich „die Welt weiterbewegt“ habe, zum Ausdruck kommt. Rolands Mittwelt ist eine der unseren in vielerlei Hinsicht ähnliche, halb mittelalterliche, halb westernartige Parallelwelt, wo Wissenschaft und Zauberei gleichberechtigt nebeneinander existieren (oder es zumindest bis zum Auftauchen des Scharlachroten Königs taten).

Auf dieser Reise begegnet Roland seinem Ka-Tet, seinen Schicksalsgefährten aus unserer Welt, deren Anführer er wird: Jake Chambers, ein kleiner Junge aus dem Jahre 1977, Eddie Dean, ein abhängiger New Yorker Drogenkurier aus den 1980er Jahren, und Odetta Holmes/Detta Walker/Susannah Dean, eine im Rollstuhl sitzende Schwarze mit Persönlichkeitsspaltung aus den mittleren 60er Jahren. Als fünftes Mitglied ihres Ka-Tets gesellt sich der Billy-Bumbler Oy zu ihnen, eine in Mittwelt häufige Mischung aus Hund, Dachs und Waschbär.

Gemeinsam müssen sie das Multiversum retten, dem unter der Herrschaft des Scharlachroten Königs der Zerfall und Untergang droht. Im Laufe der Handlung stellt sich das Multiversum als Zusammenfassung des gesamten literarischen Schaffens des Autors Stephen King heraus, der auch als eigene Figur im Rahmen der Handlung auftaucht.

Schwarz

Der erste Roman Schwarz wurde zunächst im amerikanischen (The) Magazine of Fantasy & Science Fiction (F&SF) als Fortsetzungsroman veröffentlicht. Die einzelnen Kapitel erschienen jeweils im Oktober 1978, April 1980, Februar 1981, Juli 1981 und November 1981. Jahre später brachte King zwei weitere Romane als Fortsetzungsgeschichten heraus, nämlich The Green Mile und einen unvollendeten Internetroman mit dem Titel The Plant.

Kapitel Erstveröffentlichung Engl. Originaltitel Deutscher Titel 1 Oktober 1978 The Gunslinger Der Revolvermann 2 April 1980 The Way Station Die Zwischenstation 3 Februar 1981 The Oracle and the Mountains Das Orakel und die Berge 4 Juli 1981 The Slow Mutants Die langsamen Mutanten 5 November 1981 The Gunslinger and the Dark Man Der Revolvermann und der Mann in Schwarz

Die Erstveröffentlichung in einem einzigen Band erfolgte 1982 beim Kleinverleger Donald M. Grant unter dem Originaltitel The Dark Tower: The Gunslinger. Die erste Auflage bestand aus 10.000 Exemplaren, sowie einer 500 Exemplare umfassenden, nummerierten und signierten Sonderausgabe, die heute zu den wertvollsten Sammlerobjekten unter Stephen-King-Fans zählt.

Stephen King selbst wollte im Jahre 1982 noch keine höhere Auflage veröffentlichen, zweifelte er doch selbst noch an der Vollendung des epischen Werkes um den dunklen Turm. Erst 1988 erschien die zweite Auflage von Schwarz beim New Yorker Taschenbuchverlag New American Library (NAL) in hoher Auflage. Ein Jahr später folgte der zweite Band Drei.

Die deutsche Übersetzung des Romans erschien erst 1988 und erhielt den Titel Schwarz, auch weil der Titel The Gunslinger sich schlecht ins Deutsche übersetzen lässt.

Drei

King schreibt im Vorwort zu Robin Furths Das Tor zu Stephen Kings Dunklem Turm I-IV, dass die Verwirklichung des zweiten Bandes an ein Wunder grenzte. Etwa vierzig handschriftliche Seiten des Manuskripts gingen verloren. Der Rest des Manuskripts war stark beschädigt, als Kings Frau Tabitha es aus dem Papierkorb rettete. Dennoch machte er sich mit den verbliebenen Seiten daran, den zweiten Band schriftstellerisch umzusetzen. Arbeitstitel war zunächst Roland draws Three (zu Deutsch: Roland zieht Drei).

Teil 2 erschien 1987, ebenfalls in einer Auflage von 10.000 Exemplaren und einer limitierten, signierten Auflage von 850 Stück. Der zweite Band trug den Titel The Dark Tower II: The Drawing of the Three (Deutsch: Das Ziehen der Drei). Der deutsche Titel des Romans lautet schlicht Drei. Verleger war wieder Donald M. Grant.

Übersetzungen der ersten beiden Romane Schwarz und Drei waren zuerst nicht vorgesehen, schließlich waren bereits die amerikanischen Erstausgaben limitiert. Das änderte sich erst mit der Veröffentlichung der Taschenbücher durch NAL. Der Heyne Verlag veröffentlichte die Übersetzungen von Joachim Körber in den Jahren 1988 bzw. 1989.

Tot

Der dritte Band The Dark Tower III: The Waste Lands (deutscher Titel: Tot.) wurde im Jahre 1991 erneut im Verlag Grant veröffentlicht. Gleichzeitig erschien er als Taschenbuchausgabe bei NAL. Das war nicht zuletzt auf die ständig wachsende Fangemeinde des Dunklen Turms und die Bekanntheit des Verfassers zurückzuführen. Die deutsche Übersetzung Tot. von Joachim Körber gab der Heyne-Verlag ein Jahr später heraus.

Der englische Titel The Dark Tower III: The Waste Lands ist als Anspielung auf T. S. Eliots The Waste Land (Das wüste Land) zu verstehen. Im deutschen Titel geht diese Anspielung verloren (wie bspw. auch bei Friedhof der Kuscheltiere).

Das Ende des dritten Bandes sorgte erstmals für Kritik innerhalb der Fangemeinde. Die ersten beiden Romane bildeten in sich abgeschlossene Erzählungen, doch Tot. endet abrupt mitten in einem Rätselwettstreit, dessen Ausgang mehr als ungewiss erscheint, mit einem Cliffhanger. Viele warfen ihm daraufhin vor, den Leser so künstlich zum Kauf des nächsten Bandes zu animieren. King ist diesen Vorwürfen stets mit dem Einwand entgegengetreten, dass er dem Leser bereits im Nachwort des ersten Bandes erklärt habe, dass die Geschichte erst nach etwa 3.000 Seiten vollendet sein werde.

Glas

Zum Ärger der Fans ließ sich King mit der Weiterführung des Zyklus viel Zeit. Immer schwieriger gestaltete sich der Einstieg in die komplexe Welt um den Revolvermann Roland Deschain. Für die Arbeiten an den (noch) folgenden Bänden musste King immer wieder intensiv recherchieren. Das hatte er schon im Nachwort zum dritten Band angedeutet.

Erst im Jahre 1997 veröffentlichten Grant und NAL den vierten Band mit dem Originaltitel: The Dark Tower IV: Wizard and Glass (zu deutsch etwa: Zauberer und Glas). Noch im selben Jahr veröffentlichte Heyne Joachim Körbers deutsche Übersetzung unter dem Titel Glas. Wie die ersten beiden Bände erzählt der Roman eine zumindest in sich abgeschlossene Geschichte (Roland erzählt aus seiner Vergangenheit). Auf ein offenes Ende wie in Tot. hat der Verfasser diesmal verzichtet.

Bereits kurze Zeit später widmete King sich erneut Rolands Vergangenheit. Im Jahre 1998 veröffentlichte der New Yorker Verlag Tom Doherty Associations eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen, Legends. Eine darin enthaltene Erzählung mit dem Titel The Dark Tower: The Little Sisters of Eluria geht auf Ereignisse ein, die kurz vor dem Beginn der Handlung des ersten Bandes spielen. Auf Deutsch erschien Die kleinen Schwestern von Eluria 1999 in dem Sammelband Der 7. Schrein bei Heyne. Übersetzer war wie zuvor Joachim Körber.

Wind

Im März 2011 angekündigt, erschien Anfang 2012 ein achter, ergänzender Band. The Wind Through the Keyhole ist chronologisch zwischen Band 4 und 5 einzuordnen. Die deutsche Übersetzung mit dem Titel Wind erschien am 10. September 2012. Übersetzer ist wieder Wulf Bergner.

Wolfsmond

Ein Unfall mit einem Kleinlaster am 19. Juni 1999 führte dazu, dass Stephen King die Arbeit an dem Zyklus eine Zeit lang unterbrechen musste. 2001 verriet er, der nächste Band solle The Dark Tower V: The Crawling Shadow (deutsche Übersetzung etwa: Der kriechende Schatten) heißen. Als der fünfte Band ein Jahr später im Scribner Verlag herauskam, hatte der Titel sich zu The Dark Tower V: Wolves of the Calla (zu Deutsch: Die Wölfe der Calla) geändert.

Für die deutsche Übersetzung Wolfsmond (Heyne 2003) war diesmal Wulf Bergner verantwortlich. Das führte zu Unzufriedenheit bei den deutschen Fans. Der neue Übersetzer gab gewohnte Phrasen anders wieder. Beispielsweise wurde aus „Die Welt hat sich weitergedreht“ „Die Welt hat sich weiterbewegt“.

2003 erschien zudem eine Überarbeitung des ersten Bandes Schwarz. Ihr Ziel war es, inhaltliche Widersprüche zu den späteren Bänden zu beseitigen. Neben stilistischen Anpassungen änderte oder ergänzte King einzelne Szenen im Hinblick auf das Ende der Saga. Aufmerksamen Lesern der neuen Fassung waren damit bereits deutliche Hinweise auf das Ende der Turm-Saga gegeben. Mit der deutschen Ausgabe gab der Heyne-Verlag eine durchgesehene Neuausgabe der Bände 1 bis 4 heraus. Sie vereinheitlichte die Übersetzung bestehender und neu aufkommender bekannter Wendungen sowie die Gestaltung des Einbandes.

Susannah & Der Turm

In der Veröffentlichung von Susannah und Der Turm im Frühjahr und Dezember 2004 fand die Reihe ihren vorläufigen Abschluss. Auch diesmal veröffentlichte der Heyne Verlag die deutschen Übersetzungen von Wulf Bergner zeitnah zur amerikanischen Veröffentlichung. Der Originaltitel des sechsten Bandes lautete: The Dark Tower VI: Song of Susannah (zu Deutsch: Das Lied von Susannah). Der letzte Band der Saga hatte auf Englisch schlicht den Namen The Dark Tower VII. Beide Bände erschienen beim New Yorker Scribner Verlag.

Die Veröffentlichung des letzten Bandes führte dazu, dass die letzten vier Bände des Romanzyklus kurzzeitig auf den Bestsellerlisten erschienen. King beendet die Saga mit dem Satz, mit dem er sie dreißig Jahre zuvor eröffnet hatte: „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“