Djedkare (Djed-ka-Re, auch Djedkare Isesi oder Djedkare Asosi) war der achte König (Pharao) der altägyptischen 5. Dynastie im Alten Reich. Er regierte etwa während des Zeitraums von 2410 bis 2380 v. Chr.Jahreszahlen nach Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002. Über seine Person und vor allem seine genaue Stellung innerhalb der Königsfamilie der 5. Dynastie ist bislang kaum etwas bekannt. Während seiner Regierungszeit kam es zu bedeutenden Reformen in der Landesverwaltung. Inschriften und bildliche Darstellungen zeugen von zahlreichen Kriegs- und Handelsexpeditionen nach Syrien, Nubien und Punt. Im religiösen Bereich vollzog sich unter Djedkare ein Wandel, in dessen Zuge die starke Verehrung des Sonnengottes Re zurückging. Stattdessen übernahm nun der Totengott Osiris eine bedeutende Rolle, der während Djedkares Regierungszeit zum ersten Mal belegt ist. Dieser religiöse Wandel bedeutete auch, dass Djedkare kein Sonnenheiligtum mehr errichtete, wie es für die vorangegangenen Herrscher der 5. Dynastie üblich gewesen war. Dem König kann eine Pyramidenanlage im Süden von Sakkara zugewiesen werden, in der Reste seiner Mumie gefunden wurden.
Herkunft und Familie Djedkares genaue Stellung innerhalb der Königsfamilie der 5. Dynastie ist nicht bekannt.
Seine königliche Gemahlin war Setibhor. Ihr Name war lange nicht bekannt und wurde erst 2019 in ihrer Pyramidenanlage neben der Djedkares gefunden. Größe und Gestaltung ihres Pyramidenkomplexes deuten darauf hin, dass Setibhor einen gesellschaftlichen Status innehatte, der deutlich über den einer gewöhnlichen Königsgemahlin hinausging. Welcher Art ihre Stellung allerdings genau war, ist bislang unbekannt. Möglicherweise konnte Djedkare erst durch die Heirat mit ihr seinen Anspruch auf den Thron durchsetzen. Vielleicht herrschte sie aber auch nach Djedkares Tod zeitweilig als Regentin, bis Unas den Thron besteigen konnte.M. Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1997, S. 369. Eine weitere Gemahlin könnte Meresanch IV. gewesen sein, deren Mastaba (82) sich in Sakkara befindet.
Sechs Kinder Djedkares sind durch ihre Grabanlagen in Sakkara und Abusir bekannt. Hierzu gehören die beiden Söhne Isesianch und Neserkauhor sowie die vier Töchter Chekeretnebti, Hedjetnebu, Mereretisesi und Nebtiemneferes. Darüber hinaus ist mit Tisethor eine Tochter der Chekeretnebti und somit eine Enkelin Djedkares bekannt. Von Chekeretnebti, Tisethor und Hedjetnebu wurden in Abusir Reste ihrer Mumien gefunden, anhand derer eine Bestimmung des Sterbealters möglich war. Alle drei starben bereits recht jung: Chekeretnebti mit etwa 30 bis 35 Jahren, ihre Tochter Tisethor mit 15 bis 16 Jahren und ihre Schwester Hedjetnebu mit etwa 18 bis 19 Jahren.M. Verner, V. G. Callender: Abusir VI: Djedkare’s Family Cemetery. Prag 2002, S. 120–121.
Das verwandtschaftliche Verhältnis des Königs zu seinem Nachfolger Unas ist bislang nicht geklärt.
Herrschaft Regierungsdauer Die genaue Regierungsdauer Djedkares ist unbekannt. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, gibt 28 Jahre an, der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho 44. Das höchste zeitgenössisch sicher belegte Datum ist ein „21. (oder 22.) Mal der Zählung“, womit die ursprünglich als Horusgeleit eingeführte landesweite Zählung des Viehs zum Zwecke der Steuererhebung gemeint ist. Eine gewisse Problematik birgt der Umstand, dass diese Zählungen anfangs alle zwei Jahre stattfanden (das heißt auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte ein „Jahr nach dem x-ten Mal der Zählung“), später aber zum Teil auch jährlich stattfinden konnten (auf ein „x-tes Jahr der Zählung“ folgte das „y-te Jahr der Zählung“).siehe hierzu M: Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. Prag 2001. Ein Alabastergefäß (Paris, Louvre, Inv.-Nr. E 5323) belegt Feierlichkeiten zum ersten Sed-Fest des Königs, das idealerweise zum 30. Thronjubiläum gefeiert wurde.
Ausgehend von den bisher bekannten Datumsangaben und der Bestimmung des Sterbealters an seiner Mumie gilt in der Forschung eine Regierungslänge als wahrscheinlich, die leicht über den Angaben des Turiner Papyrus liegt und mindestens 28 oder 29 Jahre, vermutlich aber etwas mehr, betragen hat.M. Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. Prag 2001, S. 410; D. D. Baker: The Encyclopedia of the Egyptian Pharaohs. Band I, Oakville 2008, S. 84.
Landesverwaltung Djedkare führte tiefgreifende Reformen in der Landesverwaltung durch, deren Ziel es war, möglichst viele Kompetenzen in einem Amt, nämlich dem des Wesirs (Tjati), zu bündeln. So wurden die Ämter des „Vorstehers der Beiden Schatzhäuser“, des „Vorstehers der Beiden Scheunen“ und des „Vorstehers der Schreiber der königlichen Dokumente“ ausschließlich von Wesiren bekleidet und weiterhin das Amt des „Vorstehers aller Arbeiten des Königs“ eng mit dem des Schreiber-Vorstehers verknüpft. Die Anzahl der mittleren Verwaltungsämter wurde stark reduziert. Gleichzeitig wurde das Wesirsamt nun nicht mehr mit einem, sondern mit zwei Würdenträgern besetzt, von denen einer für die Residenz- und der andere für die Provinzverwaltung zuständig war.Petra Andrassy: (), Internetbeiträge zur Ägyptologie und Sudanarchäologie. Band XI. S. 38–41.
Unter Djedkares Regentschaft war Senedjemib Inti Wesir und Oberbaumeister. Weitere Wesire waren Ptahschepses, Seschemnefer III., Raschepses und Ptahhotep.
Außenbeziehungen und Expeditionswesen miniatur|hochkant=1.8|Relief aus dem Grab des Inti in Deschascha Während Djedkares Herrschaft kam es zu mehreren Handelsexpeditionen und Kriegszügen in die nördlichen und südlichen Nachbargebiete Ägyptens. Mehrere Felsinschriften berichten von Expeditionen in die Türkis-Minen im Wadi Maghara auf der Sinai-Halbinsel. Eine Inschrift aus der Hafenanlage von Ain Suchna, die in Djedkares „7. Jahr der Zählung“ datiert, legt nahe, dass dieser Ort wohl als Ausgangsbasis für die Sinai-Expeditionen diente.Pierre Tallet: Prendre la mer à Ayn Soukhna au temps du roi Isesi. In: Bulletin de la société française d'égyptologie (BSFE). Band 177/78, 2010, S. 18–22 (Online). Ein in Byblos gefundenes Alabasterfragment (Beirut, American University of Beirut Archaeological Museum, Inv.-Nr. 5018) mit dem Namen des Königs belegt Handelsbeziehungen mit dieser Stadt.Bertha Porter (†), Rosalind Moss: Topographical Bibliography of Ancient Egyptian Hieroglyphic Texts, Reliefs, and Paintings. Volume VII. Nubia, the Deserts, and Outside Egypt. Griffith Institute, Ashmolean Museum, Oxford 1952, S. 390 (PDF; 21,6 MB). Eine autobiografische Inschrift aus dem Grab eines Beamten namens Ini aus der 6. Dynastie berichtet im Vorfeld der Beschreibung von Inis eigenen Expeditionen nach Vorderasien von Ereignissen aus Djedkares Regierungszeit. Über deren Einzelheiten ist allerdings nichts bekannt, da sich vom betreffenden Abschnitt der Inschrift nur minimale Reste erhalten haben.Michele Marcolin: Ini. A much-travelled official of the Sixth Dynasty: unpublished reliefs in Japan. In: Miroslav Bárta, Filip Coppens, Jaromír Krejčí (Hrsg.): Abusir and Saqqara in the Year 2005. Czech Institute of Egyptology – Faculty of Arts – Charles University in Prague, Prag 2006, ISBN 80-7308-116-4, S. 282–310. Ein Kriegszug nach Vorderasien ist durch eine bildliche Darstellung im Grab des Inti in Deschascha belegt. Dargestellt ist die Einnahme einer Festung. Bedeutsam ist diese Szene außerdem, da sie eine der ältesten Darstellungen einer Sturmleiter enthält.William Matthew Flinders Petrie: Deshasheh. The Egypt Exploration Fund, London 1898, Tafel IV (PDF; 7,0 MB). Ein goldbeschlagenes Siegel eines Beamten aus der Zeit Djedkares (Boston, Museum of Fine Arts, Inv.-Nr. 68.115) deutet auf Handelsbeziehungen mit der Ägäis hin.
2017 wurde in Edfu ein Verwaltungskomplex des Alten Reiches ausgegraben. Die dort gemachten Funde belegen, dass er bereits unter Djedkare als Ausgangsbasis für Expeditionen ins Wadi Baramiya und möglicherweise bis Marsa Alam diente, welche das Ziel hatten, die Steinbrüche und Minen der Ostwüste auszubeuten. In: The University of Chicago. Tell Edfu Project. Abgerufen am 25. Januar 2018.
Expeditionen ins südlich von Ägypten gelegene Nubien belegen Siegelabdrücke aus Buhen, eine Stele in den Diorit-Steinbrüchen von Toschqa sowie Inschriften auf dem Karawanenweg zwischen den Oasen Dachla und Dungul und in Tômâs.Schneider: Lexikon der Pharaonen. Düsseldorf 2002, S. 114. Aus der 6. Dynastie stammt außerdem eine autobiografische Inschrift des Expeditionsleiters Harchuf, in welcher in einem kopierten Brief des Königs Pepi II. eine Expedition erwähnt wird, die während der Regierungszeit Djedkares stattfand. Ziel dieser Expedition war das Land Punt, von wo der Leiter Bawerdjed einen „Zwerg“, wohl einen Pygmäen, zurück an den ägyptischen Hof brachte.
Bautätigkeit miniatur|Die Djedkare-Pyramide in Sakkara-Süd mini|hochkant|Gesamtplan der Nekropole von Sakkara. Im Süden befindet sich die Djedkare-Pyramide („Isesi“). Unmittelbar nördlich der Djoser-Pyramide liegen die Gräber von Isesianch und Meresanch IV. Das wichtigste Bauwerk aus Djedkares Regierungszeit ist seine Pyramide namens „Schön ist Isesi“ im Süden von Sakkara. Daneben sind mehrere Gräber von Königinnen und Kindern in Sakkara und Abusir bekannt. Briefe des Königs an seinen Wesir und Oberbaumeister Senedjemib, die dieser als Inschriften in seinem Grab in Gizeh kopieren ließ, erwähnen darüber hinaus eine Hathor-Kapelle (ein sogenanntes „Mereret-Heiligtum“) und einen Jubiläumspalast für das Sedfest des Königs, die unter Senedjemibs Leitung errichtet wurden.Edward Brovarski: Giza Mastabas. Band 7: The Senedjemib Complex. Teil 1. Museum of Fine Arts, Boston 2000, ISBN 0-87846-479-4 (PDF; 169 MB), S. 92–101. Beide Bauwerke sind allerdings bislang nicht archäologisch nachgewiesen.
Die Djedkare-Pyramide
Djedkare wählte den Süden von Sakkara als Standort für seine Pyramide. Das Bauwerk hatte eine Basislänge von 78,5 m und eine ursprüngliche Höhe von etwa 52 m. Gegenüber den Pyramiden der 4. und frühen 5. Dynastie finden sich hier einige bauliche Neuerungen, die teilweise von Djedkares Nachfolgern bis zum Ende der 6. Dynastie weiter verwendet wurden. Das Kernmauerwerk besteht aus kleinen unregelmäßigen Kalksteinstücken, die mittels Tonmörtel zu sechs je sieben Meter hohen Stufen verbunden waren, von denen heute nur noch die unteren drei existieren. Der Eingang zum Kammersystem liegt wie schon bei älteren Pyramidenanlagen an der Nordseite des Bauwerks, allerdings nicht mehr in der Pyramidenwand, sondern im davor liegenden Hofpflaster, direkt im Boden der Nordkapelle. Von dort aus führt ein absteigender Gang zunächst in ein Vestibül, von dem aus ein horizontal verlaufender Gang weiterführt, der eine Blockiervorrichtung mit drei Fallsteinen aus Rosengranit enthält. Am Ende des Gangs befindet sich eine weitere Fallsteinvorrichtung, hinter welcher der dreigliedrige Grabbereich mit einer Vorkammer, der eigentlichen Grabkammer und einem dreinischigen Magazinraum liegt. Vor- und Grabkammer besitzen eine Satteldecke aus drei Lagen großer Kalksteinblöcke. Die Grabräume wurden von Steindieben stark in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch konnten hier die Reste eines Sarkophages aus Basalt und Teile der Königsmumie geborgen werden.M. Verner: Die Pyramiden. Reinbek 1997, S. 362–363.