Palmöl ist ein Pflanzenfett, das aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen wird. Aus den Kernen der Früchte wird Palmkernöl gewonnen. Ölpalmen sind dreimal so ertragreich wie Raps und beanspruchen für den gleichen Ertrag etwa ⅙ der Fläche von Soja. Die Palmölproduktion steht wegen des damit verbundenen Verlusts von Regenwäldern in Ländern wie Indonesien und des damit verbundenen Beitrags zu den Biodiversitäts- und Klimakrisen in der scharfen Kritik.Rulli, M. C., Casirati, S., Dell’Angelo, J., Davis, K. F., Passera, C., & D’Odorico, P. (2019). Interdependencies and telecoupling of oil palm expansion at the expense of Indonesian rainforest. Renewable and Sustainable Energy Reviews, 105, 499-512.

Palmöl Palmöl, auch Palmfett, wird aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte gewonnen. Die Früchte werden sterilisiert und gepresst, dabei entsteht das rohe Palmöl, CPO (Crude Palm Oil). Früchte und Öl haben wegen ihres hohen Carotingehaltes eine orangegelbe bis braunrote Färbung, die bei der Raffination entfernt wird. Reines und frisches Palmöl hat einen spezifischen Veilchengeruch, einen süßlichen, angenehmen Geschmack und ist von klarer und heller Farbe. Kommerzielles Öl ist aber aufgrund weniger sorgfältig ausgeführter Präparationsmethoden zumeist trüb und gefärbt. Auch bekommt das Öl durch Alterung eine zunehmende Trübung und einen intensiveren Geruch. Dieser auch als Fermentation bezeichnete Alterungsprozess wird durch Mikroorganismen verursacht. Der Schmelzbereich von Palmöl liegt, je nach Zusammensetzung, zwischen 27 °C und 42 °C.

Wie in allen Pflanzenölen sind auch in Palmöl verschiedene Fettsäuren in Triglyzeriden gebunden. Es besteht zu über 50 % aus gesättigten Fetten. Weiter sind Tocopherole, Carotinoide sowie geringe Mengen an Sterolen enthalten. In der Hauptsache handelt es sich um β-Sitosterin, der Nachweis kann durch Hochtemperatur-Gaschromatographie erfolgen.H. L. Lau, C. W. Puah, Y. M. Choo et al.: Simultaneous quantification of free fatty acids, free sterols, squalene, and acylglycerol molecular species in palm oil by high-temperature gas chromatography--flame ionization detection. In: Lipids. 40(5), 2005, S. 523–8, PMID 16094863, doi:10.1007/s11745-005-1413-1.

Neben einem unterdrückten Fermentationsprozess, der sich in Farbe und Geruch widerspiegelt, war in der Vergangenheit ein weiteres Qualitätskriterium im internationalen Handel mit Palmöl der Gehalt an freien Fettsäuren des Öles. Öle mit geringerem Gehalt an sauren Bestandteilen galten als qualitativ hochwertiger und waren daher auch teurer, vor allem konnte der Säuregehalt durch unsachgemäße Pressung unangenehm ansteigen. mini|hochkant|Allgemeine chemische Struktur von Ölen, wie Palmöl. Palmöl ist, wie andere Öle, ein Gemisch von Triestern des Glycerins. In der Abbildung steht R1, R2 und R3 für Alkylreste (ca. 50 %) oder Alkenylreste (ca. 50 %) mit einer meist ungeraden Anzahl von Kohlenstoffatomen.

Produktion weltweit und Anbaugebiete

Im Jahr 2020 wurden weltweit 75.875.549 Tonnen hergestellt. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Palmöl und Palmkernöl, die 2020 insgesamt 95,7 % der Erntemenge produzierten. + Größte Palmölproduzenten (2020) Rang Land Menge(in t) 1 44.759.147 2 19.140.613 3 2.690.000 4 1.557.995 5 1.280.000 6 805.000 7 700.000 8 630.000 9 576.763 10 492.800 Summe Top Ten 72.632.318

Mit 36 % Marktanteil ist Palmöl vor Sojaöl das meistangebaute Pflanzenöl der Welt. Die Weltproduktion von Palmöl stieg von 2010 bis 2020 über 60 %. Im Jahr 2020 wurden weltweit 75,9 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es noch 22,2 Millionen Tonnen gewesen.

Die wichtigsten Anbauländer für Ölpalmen sind Indonesien und Malaysia mit zusammen 84,1 % der Weltproduktion. Allein Indonesien steigerte seine Produktion seit 2002 um das Viereinhalbfache und überholte im Wirtschaftsjahr 2006 den Marktführer Malaysia. Die Anbauflächen in Malaysia und Indonesien haben sich seit 1990 versechsfacht. Tendenz steigend. mini|Hydrophobie und hohe Viskosität des Palmöls mini|Top 10 Länder, Palmölproduktion 2013 Damit lag der Weltmarktanteil 2020 von Indonesien bei 59,0 % und der von Malaysia bei 25,2 %. Andere Produktionsländer wie Thailand (3,5 %), Kolumbien (2,1 %) und Nigeria (1,7 %) spielen nur eine marginale Rolle.

Die weltweit größte Handelsgesellschaft für Palmöl ist Wilmar International. Des Weiteren zu nennen sind die die südostasiatischen Plantagen besitzenden Unternehmen Sime Darby, IOI Group und Kuala Lumpur Kepong. Die Hauptabnehmer für Palmöl befinden sich vor allem in Europa und Asien. Dabei stellt Indien vor der Europäischen Union, China und Pakistan den wichtigsten Importeur dar. Vor allem in China und Indien nahm die Nutzung als Lebensmittel sehr stark zu, allein im Jahr 2006/07 steigerte sie sich um 4,5 % bzw. 1,2 Millionen Tonnen. Dagegen stieg die industrielle Nutzung vor allem durch die Herstellung von Biodiesel um 8,9 % bzw. 710.000 Tonnen. (PDF; 33 kB). Oilseeds: World Markets and Trends FOP 6-06, United States Department of Agriculture (USDA) Juni 2006.

Im April 2022 verkündete Indonesiens Präsident Joko Widodo zur Sicherstellung der Eigenversorgung des Landes mit Speiseöl einen Exportstopp für Palmöl, beginnend zum 28. April. Betroffen sein sollen bis auf Weiteres nur höherwertige Ware (refined, bleached and deodorized – RBD), nicht Rohpalmöl (crude palm oil – CPO). RBD sind jedoch rund 40 % der Palmöl-Ausfuhr Indonesiens.faz.netreuters.com

Verwendung Laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe wurde 2010 das weltweit produzierte Palm- und Palmkernöl etwa zu 68 % für Nahrungsmittel (z. B. Margarine, Salat- und Kochöl), etwa 27 % für industrielle Zwecke (z. B. Reinigungsmittel, Kosmetik, Kerzen) und 5 % für die Energiegewinnung verwendet. Laut Informationen von Greenpeace und WWF steckt Palmöl heute in etwa jedem zweiten Produkt, das in deutschen Supermärkten zu kaufen ist.

Verbrauch von Palmöl in Deutschland (2019)

Gesamtverbrauch: 1,26 Millionen Tonnen

mini|Aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme wird Palmöl hergestellt, Palmkernöl wird aus den Kernen der Ölfrüchte gewonnen mini|Links Palmöl, in der Mitte Palmkernöl und rechts P.F.A.D. (Palm Fatty Acid Distillate), welches bei der Aufbereitung des rohen Palmöls anfällt, es enthält überwiegend freie Fettsäuren. Es wird in der Industrie oder in der Futtermittelindustrie verwendet. mini|Palmkernfett Nutzung als Nahrungsmittel Palmöl und Palmkernöl wird zum größten Teil im Bereich der Ernährung eingesetzt. Dabei wird Palmöl aufgrund seiner ausgezeichneten Hitze- und Oxidationsstabilität vor allem in Asien und Afrika als Speisefett zum Kochen, Braten und Frittieren eingesetzt. International wird es zur Herstellung von Backwaren, Margarine und Süßwaren verwendet. Es eignet sich gut zum Erhitzen (Braten), da kaum mehrfach ungesättigte Fettsäurereste enthalten sind, die sich beim Erhitzen in physiologisch bedenkliche Trans-Fettsäurereste umlagern können. Rotes (unraffiniertes) Palmöl enthält eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Carotinen und Vitamin E, insbesondere von Tocotrienolen. Ein Esslöffel roten Palmöls enthält mehr als die empfohlene Tagesaufnahme (Recommended Daily Allowance) von Vitamin A, Beta-Carotin und Vitamin E. Von Herstellerseite wird ein Gehalt von 400 bis 800 ppm Tocopherol und Tocotrienol wie auch Carotingehalt angegeben. Rotes Palmöl ist eine der besten Quellen für Tocotrienole, eine Gruppe von Vitamin E-Isomeren, deren gesundheitliche Aspekte seit ca. 25 Jahren erforscht werden. In Europa ist rohes Palmöl in asiatischen Lebensmittelhandlungen (Asia-Shops) als „Unrefined Palmoil“ erhältlich.

Palmkernöl findet zu einem großen Anteil Verwendung bei der Herstellung von Margarine, der es einen butterähnlichen Geschmack verleiht. Durch verschiedene Veränderungen kann Palmkernöl auch zu hochwertigen Spezialfetten für die Süßwarenindustrie umgewandelt werden. Es wird aufgrund seiner Schmelzeigenschaften für Kakaoglasuren, Eiskonfekt, Cremeüberzüge und schnellschmelzende Schokoladenfüllungen, Toffees und Karamell verwendet.Sabine Krist, Gerhard Buchbauer, Carina Klausberger: Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle. Springer Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-211-75606-5, S. 330–337.

Verwendung in Wasch- und Reinigungsmitteln Palmkernöl wird für die Herstellung von Tensiden, den waschaktiven Stoffen in konventionellen sowie „ökologischen“ Reinigungsmitteln, eingesetzt. Alle Wasch- und Reinigungsmittel enthalten Anteile von 3–30 % Tensiden, welche entweder aus Erdöl oder aus tropischen Ölen, hauptsächlich Palmkernöl, hergestellt werden. Mit immer größeren Palmölanbauflächen in Asien und in geringerem Maße in Südamerika und Afrika sowie dem Trend zu nachwachsenden Rohstoffen ist der Anteil von Tensiden auf der Basis von Palmkernöl stark zunehmend; dies trotz der damit verbundenen ökologischen und sozialen Probleme.. Palmkernöl ist in Wasch- und Reinigungsmitteln nicht deklarationspflichtig und wird daher nicht explizit bei den Inhaltsstoffen erwähnt. Die Angaben bezüglich anionischer, nichtionischer oder amphoterer Tenside geben keinerlei Hinweise auf deren Herkunft. Zuckertenside, auch als Fettsäureglycosid bezeichnet, werden in der Regel aus Palmöl hergestellt. Weiterhin enthalten pflanzliche Reinigungsmittel mit Inhaltsstoffen, deren Bezeichnung mit Lauryl-, oder Coco- beginnt, (z. B. Cocamidopropyl Betaine, Coco-Glucoside, Laurylglucosid, Sodium Coco Sulfate, Cocoate, Natriumlaurylsulfat etc.) zumeist Palmkernöl.

Laut Aussagen der Hersteller bezüglich deren Palmölverbrauchs ist ein Verzicht auf Palmkernöl als Rohstoff für Reinigungsmittel heutzutage als schwierig einzuschätzen. Laut dem „Forum Waschen“ des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel sind die in Mitteleuropa erzeugten Pflanzenöle zur Tensidproduktion für die meisten Anwendungen derzeit technisch nicht geeignet. (PDF; 145 kB). Reinigungsmittel auf Basis ökologisch weniger bedenklicher Öle sind derzeit bis auf wenige Ausnahmen kaum erhältlich.Sofia Delgado: Good Soaps reinigt auf Basis einheimischer Pflanzen. Interview mit Regine Schneider, muenchen-querbeet.de, 18. November 2013.

Andere industrielle Verwendungen Palmkernöl wird mit Kokosöl aufgrund der spezifischen Eigenschaften zu den Laurinölen zusammengefasst und wird für ein großes Spektrum weiterer Anwendungen in der Oleochemie genutzt. Ebenso wie Palmöl werden diese Öle zur Gewinnung von Laurinsäure verwendet und als Grundstoff für verschiedene Tenside wie Natriumlaurylsulfat und Sorbitanmonolaureat eingesetzt. Weitere Produkte auf der Basis von Palm- und Palmkernöl finden Verwendung in unterschiedlichen Produkten der Kosmetik- und Reinigungsindustrie. In Kosmetikprodukten wird Palmöl in der Liste der Inhaltsstoffe als aufgeführt.

Palmöl als Energiequelle mini|Palmöltanks an einem Biokraftwerk werden befüllt

Die Ölpalme hat einen sehr hohen Ertrag an Öl – und damit Energie – pro Anbaufläche. Ein Hektar Palmölplantage erbringt einen Ertrag von 4 bis 6 Tonnen Palmöl pro Jahr, je nach Palmsorte, Wetter und Pflege. Raps liefert lediglich einen Ertrag von 1,5 bis 2,5 Tonnen Rapsöl pro Hektar Anbaufläche pro Jahr. Da Palmöl zudem gebundene Kohlenwasserstoffketten enthält, die denen mineralischer Öle ähneln, kann es nach Umesterung unproblematisch herkömmlichem Diesel beigemischt werden. Aus diesen Gründen wird dem Palmöl als nachwachsender Energiequelle teils eine gute Öko- und Energiebilanz bescheinigt.

Wenn Palmöl jedoch in großem Maßstab angebaut wird und in Flächenkonkurrenz mit dem tropischen Regenwald tritt, was bei einem Großteil der momentanen Anbaufläche zutrifft, sind die Auswirkungen auf die Umwelt negativ.

Im Jahr 2018 legte die EU im EU-Klimaschutz- und Energierahmen fest, den Anteil von Palmöl im Biodiesel auf dem Stand von 2019 einzufrieren und ab 2030 ganz zu verbieten. 2016 waren 41 % des Palmölimports Deutschlands für die Verwendung in Biodiesel bestimmt.