mini|Panzerkreuzer Potemkin, kompletter Film (russisch mit englischen Untertiteln)

Panzerkreuzer Potemkin (russischer Originaltitel ; []) ist ein Stummfilm des Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925.

Als Propagandafilm sollte Panzerkreuzer Potemkin starke emotionale Reaktionen im Sinne der sowjetischen Massenideologien hervorrufen. Er geht aber in Form und Inhalt über simple Propaganda weit hinaus und wurde mehrfach als einer der einflussreichsten und besten Filme aller Zeiten ausgezeichnet.

Geschichte Anlässlich des bevorstehenden 20. Jahrestages der Russischen Revolution 1905 wurde Eisenstein beauftragt, dieses Ereignis als Vorläufer der Oktoberrevolution unter dem Titel Das Jahr 1905 filmisch darzustellen.Felix Lens: Die großen Gesten des Erwachens. Nur so kann die Revolution weiterleben: Sergej Eisensteins Film Panzerkreuzer Potemkin wird hundert Jahre alt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Dezember 2025, S. 15. Doch die Zeit von der Auftragsvergabe bis zum vorgegebenen Datum der Abnahme war so kurz bemessen, dass Eisenstein sich entschloss, sich auf eine einzige Episode des Revolutionsjahres zu beschränken, nämlich auf die Meuterei der Matrosen eines russischen Kriegsschiffes im Juni 1905. Er stellte sein Meisterwerk in nur drei Monaten fertig. Der Film wurde am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der Revolution des Jahres 1905 uraufgeführt.

Handlung mini|links|Sergei Eisenstein und sein Film Panzerkreuzer Potemkin (Russische Briefmarke, 2000)

Die Handlung lehnt sich sehr frei an die tatsächlichen Ereignisse bei Meuterei der Besatzung des Kriegsschiffs Knjas Potjomkin Tawritscheski gegen ihre zaristischen Offiziere. Die Bezugnahme auf eine gescheiterte Revolution in einem Propagandafilm ist schlüssig, wenn man die leninistische Revolutionstheorie berücksichtigt: Der aufbegehrenden Masse fehlten demnach die für das Gelingen notwendigen Berufsrevolutionäre und die Kaderpartei, als die sich später die Bolschewiki erweisen würden. Die Figur des Wakulintschuk wird zu früh getötet und gerät eher zufällig in die revolutionäre Situation, als dass sie diese Rolle übernehmen könnte.

Sergei Eisenstein selbst beschreibt sein Werk als eine tragische Komposition in ihrer kanonischsten Form – eine Tragödie in fünf Akten. Entsprechend werden in diesem Werk auch fünf aufeinander folgende Akte durch Zwischenüberschriften klar unterschieden:

1. Der Beginn Die Matrosen der Potemkin sollen faules Fleisch zu essen bekommen. Es kommt zu Unmut; sie weigern sich, die Suppe anzurühren.

2. Der Aufstand Der Kapitän beschließt, ein Exempel zu statuieren und einige Matrosen erschießen zu lassen. Nachdem sich die Wache mit den Matrosen solidarisiert hat, kommt es zum Aufstand und die Matrosen übernehmen das Schiff. Einer der Anführer, Wakulintschuk, wird dabei getötet.

3. Trauer Wakulintschuks Leiche wird in Odessa in einem Zelt auf der Hafenmole aufgebahrt; die Bewohner der Stadt trauern um ihn und solidarisieren sich mit den Matrosen. Sie schenken ihnen Lebensmittel.

4. Die Hafentreppe von Odessa Die zaristische Armee fängt an, auf die Menschenmenge auf der Treppe zu schießen. Es bricht Panik aus, die Menschen beginnen zu fliehen; dabei gibt es viele Tote und Verletzte.

5. Die Begegnung mit der Flotte Die Matrosen beschießen das Theater von Odessa, in dem das örtliche regierungstreue Militär untergebracht ist, um die Bevölkerung zu unterstützen. Anschließend beraten sie, ob sie zum Zweck der weiteren Hilfe landen sollen. Da jedoch bereits ein zaristisches Admiralsgeschwader gegen sie unterwegs ist, beschließen sie, sich dem Kampf gegen dieses zu stellen. Doch beim Aufeinandertreffen der Schiffe kommt es zur Verbrüderung zwischen den Matrosen der Potemkin und denen des Admiralsgeschwaders und die Potemkin kann aufs offene Meer fahren.

Stil Im Prinzip gibt es keine stringente, durchkomponierte Handlung, was aber im Wesentlichen den filmtheoretischen Ansätzen und Ansichten Eisensteins und allgemein denen des Kinos der 1920er Jahre entspricht. Der Filmtheoretiker Siegfried Kracauer bemerkt, dass Eisensteins Bezeichnung des Werkes als Tragödie irreführend und frühere Bezeichnungen als Chronik oder Wochenschau weit zutreffender sind.

Die Handlung in Panzerkreuzer Potemkin tritt hinter dem Ansatz der Attraktionsmontage Eisensteins zurück. Eisenstein geht es darum, durch Montage den Zuschauer in Hinblick auf eine bestimmte ideologische Schlussfolgerung zu „bearbeiten“, emotionale Affektreaktionen hervorzurufen. Wie der Medienwissenschaftler Wolfgang Beilenhoff bemerkt, sei der Film im Kontext der sowjetischen Massenutopien entstanden und konstruiert eine auf Gleichheit basierende Menschenmasse. In der berühmten Treppenszene wird diese gewaltsam dekonstruiert. Hierbei soll Mitleid erzeugt und Affekt beim Zuschauer hervorgerufen werden.

Dementsprechend schematisch sind die Akteure der Handlung gezeichnet. Es dominieren Typen (Matrose, Offizier, Bettler, Aristokrat, Bürger, Mutter) statt individualisierter Personen. Nur der erste Anführer und zugleich erste Märtyrer der Meuterei (Wakulintschuk) wird individuell gezeichnet.

Eisenstein testete in diesem Film, der absichtlich im Stil kommunistischer Propaganda gehalten ist, seine Theorien der Filmmontage, wobei die Praxis in die Theoriebildung zurückwirkte. In der extremen, bis ins kleinste Detail gehenden Durchdringung von Form und Inhalt geht der Film letztlich über simple Propaganda hinaus. Die frühen russischen Filmemacher der Kuleschow-Schule experimentierten mit der Wirkung von Filmen auf das Publikum. Eisenstein schnitt den Film in der Weise, dass eine möglichst starke emotionale Reaktion hervorgerufen werden sollte. Ziel war es, Sympathie für die rebellischen Matrosen und Antipathie gegen die tyrannischen Vorgesetzten zu erregen. Die Handlung ist einfach gehalten, um dem Publikum klar vor Augen zu führen, mit welchen Handlungsträgern es sympathisieren soll.

Rezeption mini|Potemkinsche Treppe in Odessa, um 1900

Eisensteins Film war ein großer Erfolg. Panzerkreuzer Potemkin fand beim russischen Publikum großen Anklang und wurde an ausgewählten Orten weltweit vorgeführt, wo das Publikum ebenfalls positiv reagierte. Im Stil von Propaganda gehalten, wurde der Film begeistert aufgenommen und machte Eisenstein als Regisseur weltbekannt.

Die bekannteste Szene ist das Massaker auf der Treppe zum Hafen von Odessa: Zaristische Soldaten marschieren in rhythmischem Schritt eine endlos lang erscheinende Treppe hinunter, während sie in eine Menschenmenge feuern, die auf der Treppe nach unten zu fliehen versucht. Dabei entgleitet einer verletzten Kinderschwester der Kinderwagen und trudelt hinunter, ohne aufgehalten zu werden.

Diese Szene wurde später vielfach in Filmen imitiert und parodiert. Eine der berühmtesten Hommagen findet sich in Brian De Palmas Version von The Untouchables – Die Unbestechlichen (1987). Die nackte Kanone 33⅓ greift die Treppenszene in parodierender und übersteigerter Weise auf. Auch Woody Allen spielt auf diese Szene in seinem Film Bananas an; ebenso Terry Gilliam in Brazil, wo der Kinderwagen durch einen Bodenreiniger mit Schläuchen ersetzt wird. Auch Anno Saul parodiert die Szene in seiner Komödie Kebab Connection.

Originalszenen des Massakers auf der Treppe wurden für das Video zum Song Intervention (2007) der Indie-Band Arcade Fire benutzt. Schließlich fand sie Eingang in die von Frank Castorf verantwortete Inszenierung von Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen 2013, wo in der Götterdämmerung ein mit einem Kartoffelsack beladener Kinderwagen über eine lange Treppe hinunterfährt. Obwohl die Szene in dieser Form fiktiv ist, machte sie die Potemkinsche Treppe von Odessa berühmt.

Hans Richter (1888–1976) der deutsche Maler, Kunstschriftsteller und Filmkünstler schrieb 1925 in: Köpfe und Hinterköpfe, Zürich 1967, S. 111:

Auch Alfred Polgar sah den Film und berichtete anschließend wie folgt von seinen Eindrücken:

Kurt Pinthus schrieb in Das Tage-Buch:

1957 malte Francis Bacon sein Bild Study for the Nurse in the Battleship Potemkin, das im Frankfurter Städel hängt. Er war vom Schrei der Kinderschwester auf der Treppe, der ins Auge geschossen wird, so beeindruckt, dass er ihn zu seinem berühmten Gemälde Papst Innozenz X. inspirierte.

Panzerkreuzer Potemkin wurde als einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten bezeichnet und mehrfach, unter anderem in den 1950er Jahren vom britischen Kinomagazin Sight & Sound und 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel, zum „besten Film aller Zeiten“ gekürt.

2003 erstellte die Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit zahlreichen Filmschaffenden einen Filmkanon für die Arbeit an Schulen und nahm diesen Film in ihre Liste mit auf.

Das Lexikon des internationalen Films beschreibt Panzerkreuzer Potemkin folgendermaßen:

Musik Die erste eigene Filmmusik wurde von Edmund Meisel 1926 für die deutsche Fassung komponiert. Der Film war zuvor ohne Originalmusik, nur mit Zusammenstellungen aus Werken klassischer Komponisten wie Beethoven und Tschaikowski, aufgeführt worden. Eisenstein wünschte sich, dass jede Generation ihre eigene Musik zu seinem Film komponieren sollte.

1930 stellte Meisel eine komplette Tonfassung für den Film her, die auch Geräusche und knappe Dialoge enthält. Die gesamte Komposition wurde auf fünf Nadeltonplatten aufgenommen und im Kino synchron zum Film abgespielt. Die obligatorischen Zwischentitel des Films konnten damit entfallen.Ein kompletter Satz dieser Nadeltonplatten wurde im Technischen Museum Wien aufgefunden. Technisches Museum Wien. Abgerufen am 11. März 2022.

1950 komponierte Nikolai Krjukow die Musik für eine Neufassung des Films. 1976 wurden für eine in der Sowjetunion restaurierte Fassung, die „Jubiläumsfassung“, Ausschnitte aus Sinfonien von Schostakowitsch verwendet. Im Jahr 1985 schrieb der amerikanische Komponist Chris Jarrett eine Klavierbegleitung zum Film für seine Live-Auftritte. Mit einer neueren Version davon tourt er noch heute.

1985 wurde Mark-Andreas Schlingensiepen beauftragt, für die Junge Deutsche Philharmonie eine Orchesterfassung der Originalmusik Edmund Meisels zu verfassen, da das Original im Wesentlichen in Form eines Klavierauszugs überliefert war. Gleichzeitig wurde auf der Grundlage dieses Klavierauszuges eine Rekonstruktion des filmischen Ablaufs durch Enno Patalas vom Filmmuseum München vorgenommen. Diese Neufassung des Films und der Musik hatte Premiere in der Eröffnungswoche der Kölner Philharmonie und wurde anschließend auch im Gasteig in München und in der Alten Oper in Frankfurt gespielt. Das italienische Fernsehen der Schweiz (RTSI) produzierte eine Fernsehfassung unter der Leitung von Schlingensiepen. Auszüge der Tonaufnahme wurden beim Label edel veröffentlicht und später mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik (Vierteljahresliste) ausgezeichnet.

Im Jahr 2004 vertonten die Pet Shop Boys den Film mit den Dresdner Sinfonikern neu; produziert wurde dies von Sven Helbig. Torsten Rasch orchestrierte die Musik. Bisher ist diese Version in London, Segovia, Frankfurt, Bonn, Berlin, Hamburg und Dresden live aufgeführt worden. Der Soundtrack erschien 2005 unter dem Titel Battleship Potemkin. Im Jahr 2017 vertonte Edison Studio den Film für Cineteca di Bologna Potemkin DVD.

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