Belm ist eine Gemeinde im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen. Belm gehört als Nachbargemeinde der Stadt Osnabrück zum Ballungsraum Osnabrück.
Geografie Geografische Lage Belm liegt im Osnabrücker Land an den südlichen Ausläufern des Wiehengebirges und im nordöstlichen Teil des Osnabrücker HügellandesVerschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten Blatt 83/84: Osnabrück/Bentheim (Sofie Meisel 1961; 66 S.) → Karte (PDF, 6,6 MB) mitten im Natur- und Geopark TERRA.vita. Mit der Nette und dem Belmer Bach durchfließen zwei Nebenflüsse der Hase das Gemeindegebiet.
Geologie Geologisch ist die gesamte Region interessant: Es lassen sich hier diverse Erdzeitalter vom Trias bis zum Neogen auf einem verhältnismäßig kleinem Raum nachweisen. So befinden sich in dem zum nördlichen Gemeindegebiet gehörenden Abschnitt des Wiehengebirges Schichten von Schwarzkreide, während in den Ortsteilen Belm und Haltern Mergelschichten vorherrschen. Dazwischen liegen Gebiete, die für ihren Reichtum an Saaleeiszeit-Findlingen, wie der Gattberg, bekannt sind.
Klima Belm ist klimatisch vom Übergangsklima der gemäßigten Klimazone zwischen dem maritimen Klima der Nordseeküste und dem kontinentalen Klima des Südens und Ostens geprägt. Dabei ist aber der Einfluss des Atlantiks mit seinem Golfstrom immer noch größer als der der eurasischen Kontinentalmasse. Das bedeutet, dass die Winter normalerweise weniger kühl und die Sommer weniger heiß sind als zum Beispiel in Hannover oder gar Berlin. Die vorherrschenden Westwinde sorgen dabei für einen regelmäßigen Feuchtigkeitszufluss.
Wetterereignisse 26. Juni 1905: Ein Tornado richtete in den heutigen Ortsteilen Vehrte und der Haltern Schäden an. 25. November 2005: Das Münsterländer Schneechaos sorgt auch in Belm für Stromausfälle und abgeknickte Bäume. 6. August 2001: Der Tornado von Belm zog durch das Ortsgebiet von Belm. In einer sechs Kilometer und 50 Meter breiten Schneise hinterließ er Schäden von über 5 Millionen DM.
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Uhrzeigersinn
im Norden an die Gemeinde Bramsche im Osten an die Gemeinde Ostercappeln im Südosten an die Gemeinde Bissendorf im Südwesten und Westen an die kreisfreie Stadt Osnabrück (Ortsteile: Darum/Gretesch/Lüstringen, Widukindland, Dodesheide und Haste) im Nordwesten an die Gemeinde Wallenhorst (alle Landkreis Osnabrück)
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in folgende Ortsteile: Belm, Powe, Icker, Haltern mit Wellingen und Vehrte.www.belm.de: Unsere Gemeinde Ortsteil Größe (km²) Einwohner Einwohner/km²Belm und Powe 20,1 9373 466Haltern (inkl. Wellingen) 10,2 625 61Icker 10,4 1089 104Vehrte 15,8 2928 185
Belm und Powe
Der heutige Ortskern Belm, der der Gemeinde ihren Namen gab, entstand aus der Fusion der Gemeinden Belm und Powe am 1. Juli 1968. Er ist der einwohnermäßig größte Ortsteil der Gemeinde, hier befindet sich auch das eigentliche Gemeindezentrum mit Rathaus, Schul- und Sportzentrum, Geschäften, Einkaufszentren, Industrie- und Handwerksbetrieben. Der Ort wurde bis zur Fertigstellung der Ortsumgehung im Jahre 2019 von Nordosten nach Südwesten von der Bundesstraße 51 geteilt. In diesem Bereich haben sich ein Großteil der Industriebetriebe und Einkaufszentren angesiedelt, während sich südlich davon die Wohngebiete mit allen kulturellen und sozialen Einrichtungen sowie kleineren Geschäften und Restaurants ausbreiten. Der Marktplatz vor dem Rathaus ist alljährlich im Sommer acht Wochen lang Schauplatz des Belmer Kultursommers sowie des jeden Donnerstag stattfindenden Wochenmarktes.
Icker mini|Icker Loch Icker ist unter anderem durch drei Erdfälle bekannt. Der erste Erdfall (Die „Icker Kuhle“) ereignete sich 1411. Der zweite Erdfall, der „Icker Kolk“ („unergründliche Kolk“, „grundlose Kolk“) existierte etwa von 1564 bis 1864 und war danach wieder verschwunden.
Der dritte Erdfall geschah am 22. April 1782. Er kündigte sich Berichten zufolge mit „heftigen Sausen gleich einem Wirbelwinde und starkem Hagelwetter unter der Erde“ an. Gegen Abend hatte das „Icker Loch“ einen Durchmesser von ungefähr 15 m. Nach weiteren zwei Wochen war es fast doppelt so groß. Das Icker Loch existiert noch heute und hat noch immer einen Durchmesser von etwa 20–25 m. Überlieferungen zufolge soll das Loch 40 Meter tief sein und eine Kutsche soll in ihm versunken sein. Tatsächlich betrug die Wassertiefe 2012 nur 2,2 Meter, wie Taucher der Polizei Niedersachsen bei der Suche nach einem entwendeten Tresor feststellten.Taucheinsatz im Icker Loch in: pro Polizei September/Oktober 2012 Das Icker Loch befindet sich in der Nähe des ehemaligen Icker Kolks, allerdings nicht auf Belmer Gebiet, sondern wenige Meter westlich der Grenze zur Gemeinde Wallenhorst.
Vehrte mini|Alter Vehrter Bahnhof Der Ortsteil Vehrte liegt etwa 12 km nordöstlich von Osnabrück und ca. 6,5 km nördlich von Belm am Südhang des bewaldeten Wiehengebirges. Er ist im Gegensatz zu vielen anderen Orten der Region keine Durchfahrsiedlung. Der Vehrter Bahnhof befindet sich auf einer Höhe von 127 m ü. NN. außerhalb der Siedlung. Vehrte ist flächenmäßig der größte Teil Belms.
Nordöstlich grenzt der Ortsteil direkt an Schwagstorf, im Nordwesten an Venne (beide Gemeinde Ostercappeln). Der Westen grenzt an den Ortsteil Icker, der Osten an den Ortsteil Haltern sowie der Süden an den Ortsteil Powe. Zu Vehrte gehört auch das ehemalige Gut Astrup mit seinem im 19. Jahrhundert erbauten und 1955 abgerissenen Schloss Astrup.Wilhelm Borgmeier (Hrsg.): Vehrte von damals bis heute. 2006, S. 92 ff.
Der größte Teil der Einwohner wohnt in Vehrte-Nord, einem vornehmlich nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Wohngebiet entlang dem Wittekindsweg im Osten und der Bergstraße im Westen. Der Wiehengebirge-Fernwanderweg Wittekindsweg, der DiVa Walk sowie die Straße der MegalithkulturWebsite Straße der Megalithkultur. führen hier über das Belmer Gemeindegebiet.
Geologisch ist Vehrte interessant, da im Ort noch verschiedene Spuren der Erdgeschichte zu finden sind. So entstanden in der Jungsteinzeit mehrere Großsteingräber, wie die Großsteingräber bei Vehrte (des „Teufels Backtrog“ und des „Teufels Backofen“) und die Sloopsteine von Haltern. Aus den heute noch verbreitet zu sehenden Findlingen oder Menhire wie der Süntelstein. oder dem Butterstein. im „Steinernen Meer“ auf dem Gattberg, welche als Überbleibsel der Saaleeiszeit häufig in der Region sind. Des Weiteren sind als Reste der Weichsel-Kaltzeit Lössböden in Senken zu finden.
Ein Naturdenkmal ist die Schwarzkreidegrube. Sie ist aus Faulschlamm vor Millionen Jahren entstanden und wurde bis ins 20. Jahrhundert noch abgebaut und exportiert. Schwarzkreide ist ein inkohlter Ölschiefer
Die Ortsteile Vehrte und Icker liegen beide an der Nette.
Haltern und Wellingen Haltern und Wellingen bilden den kleinsten Ortsteil und liegen im östlichen Teil des Gemeindegebietes. Eine Sehenswürdigkeit sind die Sloopsteine von Haltern.
Auf der Gemeindegrenze zwischen Belm und Bissendorf befindet sich die 18-Loch-Anlage des Osnabrücker Golfclubs.
Geschichte Archäologische Funde bezeugen eine Besiedlungsgeschichte, die schon länger als 5000 Jahre andauert. WerkzeugeRömisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land I, Bd. 42, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, S. 145f der Menschen der mittleren und die nordische Megalitharchitektur der Jungsteinzeit (als Beispiel die Sloopsteine in HalternRömisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land I, Bd. 42, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, S. 147), Gefäße der Germanen, hier sind vor allem die Brukterer, Chasuarier und Cherusker zu nennenGerd-Ulrich Piesch: Zur Geschichte der Gemeinde Belm im Mittelalter. In: Gemeinde Belm (Hrsg.): Heimatbuch Belm, Bd. 2, 1985, S. 9 ff., MünzenRömisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land I, Bd. 42, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, S. 155–165 der Römer, Geschichten um Widukind und seiner Frau Geva aus karolingischer Zeit, Belm gehörte damals zum Gau Threcwithi (Raum Osnabrück und Tecklenburg)Gerd-Ulrich Piesch, Zur Geschichte der Gemeinde Belm im Mittelalter, in: Gemeinde Belm (Hrsg.): Heimatbuch Belm, Bd. 2, 1985, S. 15., sie alle hinterließen ihre Spuren im Gemeindegebiet. Belms eigentliche Geschichte begann aber erst in der Zeit nach Karl dem Großen, was durch die Gründung der Belmer Mühle um 840 belegt ist.Gemeinde Belm (Hrsg.): Heimatbuch Belm. Bd. 2, 1985, S. 94. Die heutige Gemeinde Belm umfasst den größten Teil des alten, im 9. Jahrhundert entstandenen Kirchspiels Belm (adlige Eigenkirche).Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.): Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern - Das Osnabrücker Land II, Bd. 43, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, S. 137 Zu ihm gehörten die Bauerschaften Icker (1090 erste Erwähnung als Ickari), Vehrte (1050 erste Erwähnung als Fariti), Powe, Haltern und Wellingen sowie Gretesch, Darum und Lüstringen. Daraus gingen im 11. Jahrhundert die vier selbständigen Markgenossenschaften Haltern-Wellingen, Vehrte-Powe, Icker und Darum-Gretesch-Lüstringen hervor.
Erste Erwähnung fand der Ort Ende des 12. Jahrhunderts unter der Bezeichnung Belehem. Später wurde daraus Belehm (1224), dann Belham (1483)Irmgard Sprang (Hrsg.): Heimatbuch Belm, Bd. 1, 1980, S. 11. und am Ende Belm. Im Jahre 1853 schlossen sich die Bauerschaften zur Samtgemeinde Belm zusammen. Im Jahre 1968 vereinigten sich die Gemeinden Belm und Powe freiwillig. Im Zuge der Gebietsreform von 1972 entstand die heutige Gemeinde Belm aus den vorherigen Gemeinden Belm, Haltern, Icker, Powe und Vehrte.. Historischer Mittelpunkt des alten Ortskerns Belm ist die im Übergangsstil von Romanik zur Gotik gebaute katholische Kirche Sankt Dionysius (Mitte des 13. Jahrhunderts).Ilsetraud Lindemann, Die katholische Kirche St. Dionysius, in: Irmgard Sprang (Hrsg.): Heimatbuch Belm, Bd. 1, 1980, S. 62. Die heutige Mühle entstand im Jahre 1899.
Aufgrund eines Beschlusses des Westfälischen Friedens war das Bekenntnis der Pfarrer aus dem Jahre 1624 ausschlaggebend für die Konfessionszugehörigkeit der Gemeinde. Belm blieb katholisch, obwohl ca. 90 Prozent der Bewohner Protestanten waren. Pfarrer Hoetmar bekannte sich damals zum katholischen Glauben. Erst im Jahre 1812 erhielten die Protestanten durch Napoléon I. von Moskau aus die Erlaubnis, eine Kirche bauen zu dürfen.Ilsetraud Lindemann, Die katholische Kirche St. Dionysius, in: Irmgard Sprang (Hrsg.): Heimatbuch Belm, Bd. 1, 1980, S. 68 ff.Wilhelm Imsieke, Die evangelische Kirche in Belm, in: Gemeinde Belm (Hrsg.): Heimatbuch Belm, Bd. 2, 1985, S. 209–224.
Am 6. August 2001 verursachte ein Tornado der Stärke F1/F2 mitten durch das Ortszentrum der Gemeinde eine sechs Kilometer lange und 50 Meter breite Schneise. Der Gesamtschaden lag bei über 5 Millionen DM.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1968 wurden die Gemeinden Belm und Powe zusammengeschlossen. Am 1. Juli 1972 wurden Haltern, Icker und Vehrte eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Jahr 1939 1950 1961 1970 1980 1990 1995 2000 2005 2010 2011 2013 2015 2017 20182024 Einwohner 3.977 6.350 6.353 8.559 10.617 11.824 14.359 14.012 13.818 13.583 13.516 13.553 13.581 13.729 13.888 14.095
Die Zahlen basieren auf Angaben der Gemeinde Belm (bis 1980) sowie des Landesbetriebes für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen und des Statistikportals des Bundes und der Länder.
Religionen Die Religionszugehörigkeit entwickelt sich wie folgt: (Stand Mai 2022): Evangelisch-lutherisch: 4246 Einwohner (2005: 5497 Einwohner) Römisch-katholisch: 4189 Einwohner (2005: 5385 Einwohner) Reformiert: 175 Einwohner