Göstling an der Ybbs ist eine Marktgemeinde im Bezirk Scheibbs in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ).
Geografie Göstling an der Ybbs liegt im Mostviertel in der niederösterreichischen Eisenwurzen in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 143,55 Quadratkilometer. 84,7 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Der Markt liegt an der NÖ. Eisenstraße inmitten der Göstlinger Alpen (Hochkar , Dürrenstein ) im Dreiländereck Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und gehört zum politischen Bezirk Scheibbs. Geographisch gehört Göstling mit der Gebirgsgruppe Göstlinger Alpen zum nördlichen Kalkalpengebirge.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende 13 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Göstling, Hochreith, Königsberg, Lassing, Steinbachmauer und Ybbssteinbach.
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Göstling 1701 von Norden auf einem Gemälde im Fürstengang Freising mini|Göstling 1701 von Süden Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum.
Göstling wird erstmals 1305 im Freisinger Urbar erwähnt. 1316 wird ein Eisenhammer genannt. Die Hammerwerke waren Lehen am Seusenbach (1305), der Faßziehhammer (1538), Großmendling (1544), Stixenlehen (1699), Großbachleiten (1699) und Hof (1699). Das Eisen wurde ursprünglich vom Dürrenberg bezogen, später vom steirischen Erzberg. Der Ausbau der Dreimärktestraße durch das Mendlingtal 1544 bis 1561 führte zum wirtschaftlicher Aufschwung des Ortes durch die Eisenverarbeitung und den Lebensmittelhandel. Von der Dreimärktestraße wurde der Erzberg mit Lebensmitteln versorgt; im Gegenzug wurde das Roheisen weiterverarbeitet. Das letzte originale Straßenstück der historischen Eisenstraße befindet sich in Lassing.
1962 wurde Göstling zur Marktgemeinde erhoben.
Nach dem Niedergang der Eisenproduktion im 19. Jahrhundert wurde die Holzwirtschaft zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Im Mendlingtal bei Göstling steht eine der letzten Holztriftanlagen Mitteleuropas. Heute führt dort ein Themenweg durch Schluchten, über Triftwege und über Brücken („Erlebniswelt Mendlingtal“).
Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Göstling ein Arzt, ein Taxiunternehmer, zwei Bäcker, ein Binder, ein Branntweinhändler, ein Fellhändler, ein Friseur, ein Fuhrwerker, fünf Gastwirte, sechs Gemischtwarenhändler, ein Glaser, eine Hebamme, ein Hutmacher, ein Konsumverein, ein Korbflechter, drei Gerätehersteller, eine Lebzelterin, ein Fotograf, zwei Sattler, ein Schlosser, drei Schmiede, drei Schneider und sechs Schneiderinnen, vier Schuster, zwei Sägewerke, eine Sodawassererzeugerin, eine Sparkasse, vier Tischler, zwei Uhrmacher, ein Weinhändler, zwei Wagner, eine Zimmermeisterin, zwei Zuckerbäcker und einige Landwirte ansässig.Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 257
Zwischen Juli 1944 und April 1945 wurden ungarische Juden (23 Männer, 42 Frauen und 11 Kinder) als Zwangsarbeiter im Straßenbau eingesetzt.Zwangsarbeitslager für ungarische Juden in Österreich, Eintrag Göstling an der Ybbs auf deutschland-ein-denkmal.de Von Teilen der Göstlinger Bevölkerung wurde den Juden dabei immer wieder heimlich Nahrungsmittel zugesteckt.Gegen das Vergessen auf noen.at Beim Massaker von Göstling, das in der Nacht vom 12. auf den 13. April 1945 stattfand, wurden in Göstling alle 76 jüdische Zwangsarbeiter ermordet. Mitglieder der Waffen-SS und HJ steckten die Lagerbaracke der Opfer mittels Panzerfäusten und Handgranaten in Brand.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Göstling an der Ybbs mini|hochkant|Pfarrkirche Mendling zu Lassing
Von der einstigen Bedeutung des Eisens für die Gegend zeugen Herrenhäuser und Hämmer, darunter der Fassziehhammer aus dem 16. Jahrhundert Fürstenhaus, ein ehemaliges Gewerkenhaus urkundlich 1305, später nach der Familie Fürst benannt, ab 1878 als Stiftung von Bettina Rothschild als Kinderheim für Forstarbeiter genutzt.
Katholische Pfarrkirche Göstling an der Ybbs hl. Andreas: spätbarock, gotische Tore, Turm 1718 von Josef Munggenast barockisiert. Die Bilder des Hl. Andreas, der Hl. Maria und des Hl. Antonius von Padua wurden 1794 von Martin Johann Schmidt, bekannt als Kremser Schmidt gemalt. Pfarrstöckl Göstling an der Ybbs, mit Renaissance-Malerei an der Fassade Kalvarienberg Göstling an der Ybbs Katholische Pfarrkirche Mendling zu Lassing hl. Laurentius
Veranstaltungen Pfingstfest: jährliches Pfingstfest des heimischen Fußballklubs Siebenhüttenfest: organisiert vom Schiklub und dem Kameradschaftsbund rund um Mariä Aufnahme in den Himmel Schneeflockerlball der Jungen ÖVP: ein Ball am oder um den Stephanitag Fest der Bergrettung: gibt es immer am ersten Augustwochenende
Wirtschaft und Infrastruktur War früher der Ort durch Eisenindustrie (Eisenwurzen) und Landwirtschaft geprägt, ist heute neben der Land- und Forstwirtschaft vor allem der Tourismus vorherrschend.
Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 99, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 110. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 907. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 42,54 Prozent. Einer der Arbeitgeber ist das im Dezember 2009 eröffnete Ybbstaler Solebad mit insgesamt etwa 60 Mitarbeitern.
Öffentliche Einrichtungen In der Gemeinde gibt es einen Kindergarten, eine Volksschule und eine Mittelschule.
Tourismus mini|Talstation des Schigebietes Hochkar Ybbstaler Solebad Wintertourismus: Göstling ist einer der traditionsreichsten Urlaubsorte Niederösterreichs und hat mit dem Hochkar das größte und schneesicherste Schigebiet Niederösterreichs. Es sind Pisten sämtlicher Schwierigkeitsgrade, von leichten Hängen bis zu steilen Buckelpisten vorhanden. An Liftanlagen verfügt das Schigebiet über vier Vierersessellifte, eine kuppelbare Vierersesselbahn, zwei Schlepplifte und einen Doppelsessellift. Neben einem weiteren, kleineren Schigebiet (Steinbachlifte) ergänzen Naturbahnrodeln, ein Hallenbad mit Saunapark, mehrere Langlaufloipen, darunter die „Langlaufloipe Leckermoor – Hochreit“ die touristischen Angebote im Winter. Sommertourismus: Sommertouristisch ist vor allem Wandern bis Seehöhe auf bewirtschaftete Almen, Rafting, Gleitschirmfliegen und die Erlebniswelt „Mendlingtal“ mit einer der letzten Holztriftanlagen Europas hervorzuheben.
Verkehr
Bahn: Bis zum Jahr 2009 verfügte Göstling über eine Station an der schmalspurigen Ybbstalbahn der ÖBB. Im Sommer 2012 wurde die Museumsbahn Kienberg-Gaming – Lunz, eine ehemalige Teilstrecke der Ybbstalbahn, nach Göstling verlängert. Bus: Es gibt öffentliche Buslinien nach Waidhofen an der Ybbs, Scheibbs, Palfau und zur Hochkar-Talstation.
Politik mini|Rathaus von Göstling an der Ybbs Gemeinderat Der Gemeinderat hatte 21 Mitglieder und seit 2025 19 Mitglieder.
Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990: ÖVP 12, SPÖ 9. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995: ÖVP 13, SPÖ 8. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000: ÖVP 13, SPÖ 8. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005: ÖVP 12, SPÖ 9. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010: ÖVP 13, SPÖ 8. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015: ÖVP 12, SPÖ 9. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020: ÖVP 16, SPÖ 5. Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025: ÖVP 14, SPÖ 3, FPÖ 2.
Bürgermeister
1985–2007 Viktor Gusel (ÖVP)Nachruf: Göstlinger Ehrenbürger Viktor Gusel verstorben. NÖN, 28. Februar 2023 2008–2014 Franz Heigl (ÖVP)Nachruf: Göstling trauert um Ehrenbürger und Altbürgermeister Franz Heigl. NÖN, 7. Juli 2024 seit 2014 Friedrich Fahrnberger (ÖVP)
Partnergemeinden Partnergemeinden von Göstling an der Ybbs sind Stadtgemeinde Purkersdorf Hüttenberg in Deutschland
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde 2020: Josef Hahn (* 1950), Pfarrer von Göstling an der YbbsAlles Gute, Herr Pfarrer! Josef Hahn feierte 70er, www.noen.at, abgerufen am 26. Dezember 2020. Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Gottsbacher (1852–1933), Fossiliensammler Ludwig Fahrnberger (1904–1997), Politiker (ÖVP) und Landwirt Friedrich Romig (* 1926), Ökonom und Publizist Alois Mitterhuber (1932–2021), Choreograf, Ballettmeister und Pädagoge Josef Schrefel (* 1945), Politiker (ÖVP) und Landwirt Olga Pall (* 1947), Skirennläuferin Reinhard Sieder (* 1950), Historiker, Sozial- und Kulturwissenschaftler Franz Kemetmüller (* 1961), Bezirkshauptmann Christoph Bertl (* 1981), Schlagersänger, Komponist und Unterhaltungskünstler Philipp Gallhuber (* 1995), Fußballspieler und -trainer
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten Andreas Buder (* 1979), Skirennläufer, in Göstling aufgewachsen Elfi Deufl (1958–2025), Skirennläuferin, lebte in Göstling Johannes Dürr (* 1987), Langläufer, in Göstling aufgewachsen Katharina Gallhuber (* 1997), Skirennläuferin, lebt in Göstling Christoph Krenn (* 1994), Skirennläufer Herbert Mandl (* 1961), Alpinskitrainer und Skirennläufer, in Göstling aufgewachsen Thomas Sykora (* 1968), österreichischer Skirennläufer Kathrin Zettel (* 1986), Skirennläuferin, lebt in Göstling
Literatur Elisabeth Kraus-Kassegg: Markt Göstling an der Ybbs. Vergangenheit und Gegenwart. Festschrift aus Anlass der Markterhebung. Göstling an der Ybbs 1962. Michaela Herrmann: Chronik der Marktgemeinde Göstling für die Jahre 1305–2005. Göstling an der Ybbs 2005. Herrmann Strobl: Jahreschronik Marktgemeinde Göstling an der Ybbs 1900–1969. 2. Auflage. Göstling an der Ybbs 2010. Martin Prieschl: Das Massaker in Göstling am 13. April 1945. In: Edition Österreich 1938–45. Archiv-Verlag, Wien/Braunschweig 2015 (Loseblattsammlung).
Weblinks
Webpräsenz der Marktgemeinde Göstling an der Ybbs Ybbstaler Solebad
Einzelnachweise
Kategorie:Ybbstaler Alpen Kategorie:Eisenwurzen Kategorie:Ersterwähnung 1305