mini|hochkant=1.5|Spielsaal bei der Schacholympiade in Dresden 2008 Die Schacholympiade ist der bedeutendste Mannschaftswettbewerb im Schach. Es spielen Nationalmannschaften an vier Brettern. Anfangs wurde in Vor- und Finalrunden gespielt, seit 1976 nach Schweizer System, bei dem möglichst punktgleiche Mannschaften gegeneinander spielen.
Geschichte Der erste als Schacholympiade bezeichnete Vorgängerwettbewerb fand parallel zu den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris statt:
1926 wurde von der Weltschachorganisation FIDE das Tournament of Nations (dt. Nationenturnier) ins Leben gerufen, das ein Jahr später zum ersten Mal in London ausgetragen wurde. Dieses Turnier ist der Ursprung der heutigen Schacholympiade. War der Austragungsrhythmus zuerst noch unregelmäßig, findet das Turnier seit 1950 alle zwei Jahre statt. Seit 1957 gibt es zusätzlich zu dem offenen Turnier (zugelassen für Männer und Frauen, de facto fast ein reines Männerturnier) auch eine Schacholympiade für Frauen. Die Siegermannschaft der Olympiade im Frauenschach erhält seit 1957 den sogenannten Vera-Menchik-Cup als Trophäe (benannt nach der ersten Schachweltmeisterin Vera Menchik), im offenen Turnier wird seit 1927 der von Frederick Hamilton-Russell gestiftete Hamilton-Russell-Cup als Wanderpokal vergeben.Aus der Biographie von Vera Menchik nach www.koenig-plauen.de, eingesehen am 30. August 2018.Chess Olympiad bei Chessbatumi.ge, abgerufen am 24. September 2018. Seit 1976 findet die Frauen-Schacholympiade gemeinsam mit dem offenen Turnier statt. Außerdem werden seit 1979 sogenannte Kinder-Schacholympiaden (U16-Schacholympiaden) ausgetragen.Weblinks und Nachweise zu früheren Kinder-Schacholympiaden (U16-Schacholympiaden) auf TeleSchach
Von 1952 bis 2002 wurde der Wettbewerb von der UdSSR beziehungsweise Russland dominiert, die bei 26 Olympiaden insgesamt 24 Siege erreichten. Nur 1978 wurden die sowjetische Mannschaft Zweiter; an der Olympiade 1976 nahm sie aus politischen Gründen nicht teil.
Die größten Erfolge einer Mannschaft aus den deutschsprachigen Staaten waren bisher der deutsche Olympiasieg in Buenos Aires 1939, der 3. Platz in Tel Aviv 1964 sowie die Silbermedaille 2000 in Istanbul. Die Olympiade fand bislang sechs Mal in Deutschland statt, zuletzt 2008 in Dresden (die Veranstaltung in München 1936 wird nicht als offizielle Olympiade gezählt, da Deutschland damals kein Mitglied der FIDE war), und zwei Mal in der Schweiz.
Wiederholte Bestrebungen der FIDE, Schach in die Olympischen Spiele zu integrieren, sind bislang gescheitert. Zuletzt hatte das IOC die Aufnahme von Schach in das Programm der Olympischen Spiele 2024 in Paris abgelehnt. Die Bemühungen waren auch vom Deutschen Schachbund unterstützt worden.
Rekorde Erfolgreichstes Land im offenen Turnier ist die Sowjetunion (ab 1992 Russland) mit 24 Titeln in zwei zwölfmaligen Siegesserien in den Jahren 1952 bis 1974 und 1980 bis 2002. Der Spieler mit den meisten Teilnahmen an Schacholympiaden ist der philippinische Großmeister Eugenio Torre, der 23-mal teilnahm (zuletzt 2016 in Baku) und dabei in 270 Wettkämpfen zum Einsatz kam.Torre, Fronda emerge as Philippine team top scorers in World Chess Olympiad auf manilatimes.net, 8. August 2014 (englisch)
Insgesamt 18 Spieler gewannen alle ihre Partien bei Schacholympiaden, von diesen wurde der Tunesier Elies Imed mit vier Partien am häufigsten eingesetzt. Berücksichtigt man nur Spieler, die an mindestens drei Schacholympiaden teilgenommen haben, war Michail Tal mit 82 Punkten aus 101 Partien erfolgreichster Einzelspieler nach Gewinnprozenten. Die meisten Medaillen erreichten Svetozar Gligorić in der Mannschaftswertung (1 Gold, 6 Silber, 5 Bronze) und Garri Kasparow in der Einzelwertung (7 Gold, 2 Silber, 2 Bronze).Individuelle Statistiken bei Schacholympiaden auf olimpbase.org (englisch)
Die längste Partie war ein Remis nach 190 Zügen zwischen Yasser Seirawan und Xu Jun in Thessaloniki 1988.Seirawan–Xu (1988) auf chessgames.com
Die kürzeste Gewinnpartie im offenen bzw. Männer-Turnier dauerte nur vier Züge: 1. e4 c5 2. d4 cxd4 3. Sf3 e5 4. Sxe5 Da5+ 0:1 (Combe – Hasenfuss, Folkestone 1933). Im Turnier der Frauen 2022 in Chennai unterlag Marie-Ange Moustache von den Seychellen gegen Merveille Gloria Gamba aus der Zentralafrikanischen Republik nach drei Zügen: 1. e4 e5 2. f3 Lc5 3. Sh3 Dh4+ 0:1.https://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=2347326
Wertungen zur Bestimmung der Platzierung Während bis zur Schacholympiade 2006 in Turin die Summe der Brettpunkte (1 Punkt für jede gewonnene Partie, ein halber für ein Remis, 0 für eine Niederlage) für die Platzierung der Mannschaften ausschlaggebend war, entschied ab der Olympiade 2008 in Dresden zunächst die Zahl der Matchpunkte (2 Punkte für den Sieg gegen ein Team, 1 für ein Unentschieden, 0 für eine Niederlage). Bei dem dann häufig auftretenden Matchpunkt-Gleichstand entscheidet als Wertung 2 die sog. Olympiade-Sonneborn-Berger-Wertung (Olympiad Pairing RulesActual Handbook, Olympiad Pairing Rules, Abschnitt G. Tie Breaking). Hier werden die in jedem Match erzielten Brettpunkte mit den Matchpunkten, die der jeweilige Gegner während des gesamten Turniers erzielt, multipliziert und dann addiert; der Gegner mit den wenigsten Matchpunkten geht jedoch nicht in diese Wertung 2 ein. Nach deren Anwendung ist die Platzierung fast immer entschieden. Sollte dennoch Gleichstand vorliegen, entscheidet die Summe der Matchpunkte aller Gegner bis auf den mit den wenigsten Matchpunkten. Diese Wertung 3 kann man entsprechend Olympiade-Buchholz-Wertung nennen. Erst wenn es danach immer noch unentschieden stehen sollte, entscheidet die Wertung, die bis 2006 an erster Stelle stand, nämlich, wer die meisten Brettpunkte erzielt hat (Wertung 4).
Endstände Offenes Turnier Platz 1–6 Jahr Stadt Platz 1 Pkt. Platz 2 Pkt. Platz 3 Pkt. Platz 4 Pkt. Platz 5 Pkt. Platz 6 Pkt. (1924) Paris ČSR 31.0 Ungarn 30.0 Schweiz 29.0 Argentinien 27.5 Lettland 27.5 Italien 26.5 (1926) Budapest Ungarn 9.0 Jugoslawien 8.0 Rumänien 5.0 Deutschland 2.0 - - - - 1927 London Ungarn 40.0 Dänemark 38.5 England 36.5 Niederlande 35.0 ČSR 34.5 Österreich 34.0 1928 Den Haag Ungarn 44.0 USA 39.5 Polen 37.0 Österreich 36.5 ČSR 34.0 Schweiz 34.0 1930 Hamburg Polen 48.5 Ungarn 47.0 Deutschland 44.5 Österreich 43.5 ČSR 42.5 USA 41.5 1931 Prag USA 48.0 Polen 47.0 ČSR 46.5 Jugoslawien 46.0 Deutschland 45.5 Lettland 45.5 1933 Folkestone USA 39.0 ČSR 37.5 Schweden 34.0 Polen 34.0 Ungarn 34.0 Österreich 33.5 1935 Warschau USA 54.0 Schweden 52.5 Polen 52.0 Ungarn 51.0 ČSR 49.0 Jugoslawien 45.0 (1936) München Ungarn 110.5 Polen 108.0 Deutschland 106.5 Jugoslawien 104.5 ČSR 104.0 Lettland 96.5 1937 Stockholm USA 54.5 Ungarn 48.5 Polen 47.0 Argentinien 47.0 ČSR 45.0 Niederlande 44.0 1939 Buenos Aires Deutschland 36.0 Polen 35.5 Estland 33.5 Schweden 33.0 Argentinien 32.5 Böhmen und Mähren 32.0 1950 Dubrovnik Jugoslawien 45.5 Argentinien 43.5 Deutschland (BRD) 40.5 USA 40.0 Niederlande 37.0 Belgien 32.0 1952 Helsinki UdSSR 21.0 Argentinien 19.5 Jugoslawien 19.0 ČSR 18.0 USA 17.0 Ungarn 16.0 1954 Amsterdam UdSSR 34.0 Argentinien 27.0 Jugoslawien 26.5 ČSR 24.5 Deutschland (BRD) 23.5 Ungarn 23.5 1956 Moskau UdSSR 31.0 Jugoslawien 26.5 Ungarn 26.5 Argentinien 23.0 Deutschland (BRD) 22.0 Bulgarien 22.0 1958 München UdSSR 34.5 Jugoslawien 29.0 Argentinien 25.5 USA 24.0 ČSR 22.0 DDR 22.0 1960 Leipzig UdSSR 34.0 USA 29.0 Jugoslawien 27.0 Ungarn 22.5 ČSSR 21.5 Bulgarien 21.0 1962 Warna UdSSR 31.5 Jugoslawien 28.0 Argentinien 26.0 USA 25.0 Ungarn 23.0 Bulgarien 21.5 1964 Tel Aviv UdSSR 36.5 Jugoslawien 32.0 Deutschland (BRD) 30.5 Ungarn 30.0 ČSSR 28.5 USA 27.5 1966 Havanna UdSSR 39.5 USA 34.5 Ungarn 33.5 Jugoslawien 33.5 Argentinien 30.0 ČSSR 29.5 1968 Lugano UdSSR 39.5 Jugoslawien 31.0 Bulgarien 30.0 USA 29.5 Deutschland (BRD) 29.0 Ungarn 27.5 1970 Siegen UdSSR 27.5 Ungarn 26.5 Jugoslawien 26.0 USA 24.5 ČSSR 23.5 Deutschland (BRD) 22.0 1972 Skopje UdSSR 42.0 Ungarn 40.5 Jugoslawien 38.0 ČSSR 35.0 Deutschland (BRD) 35.0 Bulgarien 32.0 1974 Nizza UdSSR 46.0 Jugoslawien 37.5 USA 36.5 Bulgarien 36.5 Niederlande 35.5 Ungarn 35.0 1976 Haifa USA 37.0 Niederlande 36.5 England 35.5 Argentinien 33.0 Deutschland (BRD) 31.0 Israel 29.5 (1976) Tripolis El Salvador 38.5 Tunesien 36 Pakistan 34.5 Irak 33.5 Italien 32.5 Türkei 32.5 1978 Buenos Aires Ungarn 37.0 UdSSR 36.0 USA 35.0 Deutschland (BRD) 33.0 Israel 32.5 Rumänien 32.5 1980 Valletta UdSSR 39.0 Ungarn 39.0 Jugoslawien 35.0 USA 34.0 ČSSR 33.0 England 32.5 1982 Luzern UdSSR 42.5 ČSSR 36.0 USA 35.5 Jugoslawien 35.0 Ungarn 33.5 Bulgarien 33.5 1984 Thessaloniki UdSSR 41.0 England 37.0 USA 35.0 Ungarn 34.5 Rumänien 33.0 Deutschland (BRD) 32.5 1986 Dubai UdSSR 40.0 England 39.5 USA 38.5 Ungarn 34.5 Island 34.0 Bulgarien 34.0 1988 Thessaloniki UdSSR 40.5 England 34.5 Niederlande 34.5 USA 34.0 Ungarn 34.0 Jugoslawien 33.5 1990 Novi Sad UdSSR 39.0 USA 35.5 England 35.5 ČSFR 34.5 Jugoslawien 33.0 VR China 33.0 1992 Manila Russland 39.0 Usbekistan 35.0 Armenien 34.5 USA 34.0 Lettland 33.5 Island 33.5 1994 Moskau Russland 37.5 Bosnien-H. 35.0 Russland II 34.5 England 34.5 Bulgarien 34.0 Niederlande 34.0 1996 Jerewan Russland 38.5 Ukraine 35.0 USA 34.0 England 34.0 Armenien 33.5 Spanien 33.5 1998 Elista Russland 35.5 USA 34.5 Ukraine 32.5 Israel 32.5 VR China 31.5 Deutschland 31.5 2000 Istanbul Russland 38.0 Deutschland 37.0 Ukraine 35.5 Ungarn 35.5 Israel 34.5 Georgien 34.0 2002 Bled Russland 38.5 Ungarn 37.5 Armenien 35.0 Georgien 34.0 VR China 33.5 Niederlande 33.5 2004 Calvià Ukraine 39.5 Russland 36.5 Armenien 36.5 USA 35.0 Israel 34.5 Indien 34.0 2006 Turin Armenien 36.0 VR China 34.0 USA 33.0 Israel 33.0 Ungarn 32.5 Russland 32.0 2008 Dresden Armenien 19 / 400,5 Israel 18 / 377,5 USA 17 / 362,0 Ukraine 17 / 348,5 Russland 16 / 375,0 Aserbaidschan 16 / 359,5 2010 Chanty-Mansijsk Ukraine 19 / 380,5 Russland 18 / 379,5 Israel 17 / 367,5 Ungarn 17 / 355,5 VR China 16 / 362,0 Russland II 16 / 355,0 2012 IstanbulArmenien 19 / 397,0 Russland 19 / 388,5 Ukraine 18 / 363,0 VR China 17 / 390,5 USA 17 / 361,0 Niederlande 16 / 329,0 2014 Tromsø VR China 19 / 422,5 Ungarn 17 / 372,0 Indien 17 / 371,5 Russland 17 / 352,0 Aserbaidschan 17 / 345,0 Ukraine 16 / 377,5 2016 Baku USA 20 / 413,5 Ukraine 20 / 404,5 Russland 18 / 419 Indien 16 / 350,5 Norwegen 16 / 344,5 Türkei 16 / 341,5 2018 Batumi VR China 18 / 372,5 USA 18 / 360,5 Russland 18 / 354,5 Polen 17 / 390,0 England 17 / 340,0 Indien 16 / 388,0 2022 Chennai Usbekistan 19 / 435 Armenien 19 / 382,5 Indien 2 18 / 427,5 Indien 17 / 409 USA 17 / 352 Moldau 17 / 316,5 2024 Budapest Indien 21 / 476,5 USA 17 / 395 Usbekistan 17 / 387 VR China 17 / 379,5 Serbien 17 / 360,6 Armenien 17 / 335 2026 SamarqandUsbekistan20 / 455,5Indien18 / 405,5Deutschland18 / 386,5USA17 / 391,5Aserbaidschan17 / 364,5Armenien17 / 339,5
Medaillenspiegel Die folgende Tabelle zeigt den Medaillenspiegel aller offiziellen Schacholympiaden bis einschließlich 2024. Medaillenspiegel offenes Turnier Platz Land Gold Silber Bronze 1 18 1 – 2 7 6 8 3 6 3 3a 4 3 7 2 5 3 1 3 6 2 2 3 7 2 1 1 8 2 1 – 9 1 6 6 10 1 2 2 11 1 1 4 12 1 1 2a 13 – 3 3 14 – 3 2 15 – 2 1 16 – 1 1 – 1 1 – 1 1 19 – 1 – – 1 – 21 – – 1 – – 1
Platzierungen der deutschsprachigen Staaten