mini|300px|Fehnkanal-Brücken in Spetzerfehn Die Gemeinde Großefehn (plattdeutsch Grootfehn) liegt im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Den Kern bilden die drei Dörfer Ost-, Mitte- und Westgroßefehn. Verwaltungssitz der Gemeinde ist Ostgroßefehn. Das Adjektiv lautet Großefehntjer mit dem für das Ostfriesische Plattdeutsch üblichen Diminutiv -(t)je.
Großefehn liegt am Südrand des Landkreises Aurich. Mit Einwohnern, die sich auf etwas mehr als 127 Quadratkilometer verteilen, ist die Gemeinde dünn besiedelt. Einer Einwohnerdichte von pro Quadratkilometer stehen Vergleichswerte von 148 (Ostfriesland) und 230 (Deutschland) gegenüber. In der Raumordnung des Landes Niedersachsen wird Großefehn als Grundzentrum geführt.
Der Ortsteil Westgroßefehn ist die zweitälteste Fehnsiedlung Deutschlands (nach Papenburg) und die älteste Ostfrieslands. Mehrere Ortsteile auf der Geest sind jedoch deutlich älter, die frühmittelalterliche Besiedlung geht insgesamt auf das 7./8. Jahrhundert zurück. Die heutige Gemeinde Großefehn entstand im Zuge der niedersächsischen Gemeindereform 1972 aus 14 bis dahin selbstständigen Gemeinden, die heute die Ortsteile bilden.
Die Wirtschaft der Gemeinde ist von mittelständischen Betrieben und Tourismus geprägt. Die Gemeinde verzeichnet jährlich mehr als 190.000 Gäste. Landwirtschaft spielt bei der Flächennutzung eine bedeutende Rolle, wobei Milchviehhaltung vorherrscht. Die Kommune ist jedoch eine Auspendlergemeinde.
Zum kulturellen Erbe der Gemeinde zählt neben historischen Kirchen auch der weitenteils erhaltene Fehncharakter mit Kanälen und Brücken. In der Gemeinde sind zudem fünf historische Windmühlen erhalten geblieben, weshalb sich Großefehn auch als Mühlengemeinde oder Fünf-Mühlen-Land bezeichnet.
Aus der Gemeinde Großefehn stammt der Philosoph Wilhelm Schapp. Zu den bedeutenden Söhnen der Gemeinde zählt zudem Rolf Trauernicht, der einer der beiden „Väter“ des vorzeitigen Lückenschlusses der Bundesautobahn 31 war.
Geographie Lage und Ausdehnung { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q302492" } Großefehn liegt im Süden des Landkreises Aurich in Ostfriesland und sehr zentral innerhalb dieser Region im äußersten Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeinde grenzt im Norden direkt an Aurich. Weitere größere Städte in der Nähe sind Emden im Westen (etwa 25 Kilometer entfernt) sowie Wilhelmshaven, das sich in nur unwesentlich größerer Entfernung nordöstlich von Großefehn befindet. Die nächstgelegene Großstadt ist Oldenburg, etwas mehr als 50 Kilometer südöstlich vom Zentrum der Gemeinde in Ostgroßefehn gelegen. Innerhalb Ostfrieslands gehört Großefehn zum Landstrich Auricherland. In der Raumordnung des Landes Niedersachsen wird Großefehn als Grundzentrum geführt.
Die Gemeinde erstreckt sich über 127,25 Quadratkilometer, was sie nach Fläche zur siebtgrößten in Ostfriesland macht und zur drittgrößten im Landkreis Aurich nach der Kreisstadt und der Gemeinde Krummhörn. Die größte Ausdehnung beträgt in Nord-Süd-Richtung zwischen dem Ems-Jade-Kanal und Bagband im Süden ungefähr 13,5 Kilometer, in Ost-West-Richtung zwischen der Gemarkung Fiebing im Osten und dem Zusammenfluss von nördlichem und südlichem Fehntjer Tief im Westen etwas mehr als 16 Kilometer.
Geologie und Hydrologie Geologisch wird die Gemeinde Großefehn wie ganz Ostfriesland oberflächlich von Schichten des Pleistozäns und des Holozäns gebildet. Pleistozäne Schichten sind in den Geestgegenden des Gemeindegebiets zu finden, die sich im Süden um die Orte Bagband und Strackholt sowie im Norden um die Orte Holtrop, Wrisse, Felde und Aurich-Oldendorf befinden. Die Böden der ostfriesischen Geest bestehen zumeist aus Decksanden und Geschiebelehm.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24.
mini|Torfschichten im Moor Dazwischen befinden sich in der Mitte und insbesondere im Osten des Gemeindegebietes ausgedehnte Hochmoorgebiete, bei denen es sich um Hochmoore, genauer Plateauregenmoore, handelt. Der Beginn ihrer Entstehung erfolgte vor rund 5000 Jahren. Von wenigen kleinen Arealen abgesehen, finden sich jedoch kaum noch ursprüngliche Hochmoorflächen. Im Zuge der Moorkolonisierung wurden die das Hochmoor bildenden Torfschichten bis auf die sandige/mineralische Schicht darunter abgetorft. Der tiefer gelegene Schwarztorf wurde getrocknet und als Brennmaterial genutzt, die zuvor abgeräumte Weißtorfschicht oft mit herbeigeschafftem Düngematerial wie Rinderdung oder Schlick von der Küste vermengt, um den Boden fruchtbarer zu machen.
Im Südwesten des Gemeindegebietes bei Timmel findet sich zudem überschlicktes Niedermoor, eine holozäne Schicht. Im Verlauf des Bagbander Tiefs sowie der Flumm und des Fehntjer Tiefs liegen am Rande dieser Fließgewässer bis zu 30 Zentimeter Schlickboden.Siegfried Lüderitz: Timmel (PDF; 0,6 MB) Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft; abgerufen am 6. Juni 2025.
Das Gemeindegebiet ist von einer Vielzahl von Wasserläufen durchzogen, von denen der Großteil künstlich angelegt oder vertieft worden ist. Es handelt sich dabei zumeist um die ab 1633 in einem Zeitraum von fast 300 Jahren angelegten Fehnkanäle, die der Entwässerung der Moore und der Ansiedlung von Kolonisten dienten. Die letzten dieser künstlich angelegten Fehnkanäle waren die Stelzenwieke und die Pallerwieke im äußersten Osten Großefehns, die nach Veränderungen durch die Kommunalreform 1972 jedoch teilweise zur Nachbarstadt Wiesmoor gehören. Sie wurden erst 1934 ausgehoben und zwar trotz inzwischen technisch verbesserter Möglichkeiten wesentlich in Handarbeit: Es handelte sich um eine Maßnahme im Zuge von Arbeitsbeschaffungsprogrammen.Karl-Heinz Frees: Wiesmoor: Der lange Weg vom Moor zur Blumenstadt. Rautenberg Verlag, Leer, S. 77. Als letzte größere Entwässerungsmaßnahme erfolgte in den 1960er-Jahren der Bau des Sauteler Kanals von Großefehntjer Gemeindegebiet durch die Nachbargemeinde Moormerland zur Ems. Bei ihm handelt es sich jedoch nicht um einen Fehnkanal, der zur Ansiedlung von Moorkolonisten diente. Vielmehr wurde der Sauteler Kanal gegraben, weil die vorhandenen Kanäle für die Entwässerung nicht mehr ausreichten. Er nimmt Wasser aus den anliegenden Fehnkanälen auf, an seinen Ufern befinden sich jedoch (außer den vorhandenen) keine neuen Fehnsiedlungen.
mini|Naturschutzgebiet Boekzeteler Meer (Vordergrund) und das Freizeitgebiet Timmeler Meer (Hintergrund) mit Sportbooten Größere Fließgewässer im Gemeindegebiet sind das Fehntjer Tief und dessen Zufluss Flumm sowie das Bagbander Tief. Das Fehntjer Tief hat einen nördlichen und einen südlichen Arm. Der Zusammenfluss befindet sich im Grenzdreieck der Gemeinden Großefehn, Ihlow und Moormerland, etwas mehr als einen Kilometer nordwestlich von Timmel. Der südliche Arm wird aus dem Spetzerfehnkanal und dem Neuefehnkanal in der Nachbargemeinde Neukamperfehn gespeist. Der nördliche Arm beginnt am Zusammenfluss von Flumm und Großefehnkanal in Westgroßefehn. Die Flumm hat ihren Ursprung in der äußersten Nordostecke des Gemeindegebiets an der Grenze zur Wiesmoorer Ortschaft Marcardsmoor. Das Flüsschen wurde in früheren Zeiten auch Norder Ehe genannt (siehe Abschnitt Entwicklung des Gemeindenamens). Das Bagbander Tief ist ein stark mäandrierendes Flüsschen an der südlichen Gemeindegrenze. Es wird aus der Moorgegend östlich von Strackholt mit Wasser gespeist. Neben den Kanälen und Flüsschen gibt es im Gemeindegebiet zahlreiche Entwässerungsgräben, regional Schloote genannt.
Das größte Gewässer in Großefehn, das Timmeler Meer, wurde ebenfalls künstlich angelegt. Es wurde in den Jahren 1985/1986 gezielt für den Tourismus ausgebaggert. Das Timmeler Meer hat eine Fläche von 25 Hektar. Daneben gibt es nordöstlich von Timmel noch das wesentlich kleinere Frauenmeer, einen See, der während der Weichsel-Kaltzeit entstand. Das Großefehntjer Gemeindegebiet grenzt zudem nahe Timmel an das Boekzeteler Meer, dessen Wasserfläche sich jedoch auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Moormerland befindet.
Gelegentlich kommt es im Großefehntjer Gemeindegebiet bei anhaltendem Winterregen zu Überschwemmungen.Land unter in Großefehn. In: Ostfriesen-Zeitung. 12. November 2008, abgerufen am 27. Juni 2011.Großefehn: Zu viel Wasser eingeleitet: Spetzerfehnkanal läuft über, Ostfriesische Nachrichten, 4. Januar 2012, abgerufen am 11. September 2012. Die Gemeinde sucht nach Polderflächen, die im Notfall geflutet werden können. Außerdem sollen die Schleusen des Großefehnkanals automatisiert werden, um einen zügigeren Abfluss sicherzustellen.Großefehn sucht Notfall-Flächen. In: Ostfriesen-Zeitung. 18. Dezember 2010, abgerufen am 27. Juni 2011.
Die Gemeinde liegt im Durchschnitt etwa fünf Meter über Normalnull.
Flächennutzung + Flächennutzung 2021Quelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, direkter Link auf die Seite nicht möglich. Vorgehensweise: Anklicken von „Direkt zur Datenbank“, Auswählen „3 - Wohnen, Umwelt, Flächennutzung“ und „33 - Flächennutzung“ dann „33111 - Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung“ und schließlich „Katasterfläche nach Nutzungsarten (16) der tatsächlichen Nutzung (ALKIS) (Gemeinde; Zeitreihe ab 2011)“, Anklicken „Einheits/Samtgemeinde“, Auswählen von Großefehn (dazu recht weit herunterscrollen), Anklicken von „Tabelle erstellen und anzeigen“, abgerufen am 16. März 2021. Nutzung Fläche in ha Siedlung 1.215 davon Wohnbaufläche 644 davon Gewerbe- und Industrieflächen 178 davon Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche 113 Verkehrsflächen 569 davon Straßenverkehr 418 Vegetation 10734 davon Landwirtschaftsfläche 10328 davon Wald 138 davon Heide 0 davon Moor 44 davon Unland, vegetationslose Fläche 34 Gewässer 202 davon stehende Gewässer (See/Teich) 42 nachr. Siedlungs- u.Verkehrsfläche (o.Berg-/Tagebau) 1777 Gesamtfläche 12.720 Die FlächennutzungstabelleQuelle: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen abgerufen am 9. August 2011. rechts macht den überragenden Anteil der Landwirtschaftsflächen an der Gesamtfläche Großefehns deutlich: Er beträgt gut 81 Prozent und liegt damit noch über dem ostfriesischen Durchschnitt von 75 Prozent,Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. der seinerseits bereits deutlich über dem bundesrepublikanischen Durchschnitt von 52 Prozent liegt. 44 Hektar davon sind noch reines Moorgebiet. Die im Abschnitt unten genannten Natur- und Landschaftsschutzgebiete sind zum größten Teil unter den Landwirtschaftsflächen erfasst und werden teils extensiv genutzt. Gewässer, vor allem das Timmler Meer und die Fehnkanäle, aber auch Entwässerungsgräben, bedecken zirka 1,6 Prozent des Gemeindegebietes. Großefehn ist nur wenig bewaldet – selbst innerhalb des waldarmen Ostfriesland, das im bundesrepublikanischen Vergleich eine extrem unterdurchschnittliche Waldfläche aufweist. Bäume finden sich vor allem rund um die Geestdörfer in Form ausgedehnter Wallheckenlandschaften. Von den Bäumen auf diesen Wallhecken abgesehen, ist die Gemeinde sehr baumarm. Es finden sich nur wenige (und kleinere) aufgeforstete Flächen, die meisten zwischen Westgroßefehn und Timmel. In früheren Jahrhunderten wurde der Baumbestand gerodet, um einerseits Bauholz, andererseits Raum für die Landwirtschaft zu gewinnen.
Gemeindegliederung Großefehn umfasst 14 Ortsteile. Hier angegeben sind die einzelnen Ortschaften, nach Einwohnerzahl geordnet.Die Einwohnerzahlen stammen von Da es sich um eigene Erhebungen der Gemeindeverwaltung handelt, weicht die aggregierte Gesamteinwohnerzahl von derjenigen des Statistischen Landesamtes in Hannover ab. Aufgeführt ist zudem die (gerundete) Fläche des Dorfes und seiner zugehörigen Gemarkung.
Nachbargemeinden