Die RMS Olympic, im Ersten Weltkrieg HMT Olympic (engl.: ) der Reederei White Star Line war das erste und namengebende Typschiff der Olympic-Klasse und somit Schwesterschiff der Titanic und der Britannic. Als einziges Schiff ihrer Klasse hatte die Olympic eine langjährige Karriere in aktivem Dienst von insgesamt 24 Jahren. Vor allem aufgrund ihres Kriegsdienstes, bei dem sie zahlreiche gefährliche Situationen überstand, erhielt sie später den Spitznamen „Old Reliable“ (Alte Zuverlässige). mini|Die RMS Olympic historisch korrekt koloriert mit Hilfe von KI

Geschichte Bau mini|links|Für den Stapellauf erhielt der Rumpf der Olympic extra einen hellgrauen Anstrich

Die Kiellegung fand am 16. Dezember 1908 statt. Eigens für den Stapellauf am 20. Oktober 1910 erhielt die Olympic für kurze Zeit einen weißen/hellgrauen Anstrich. Dies sollte den Neubau deutlich sichtbar machen und den anwesenden Fotografen ein besseres, optisch möglichst ansprechendes Motiv ermöglichen. Das Schiff lief um 11 Uhr Ortszeit vom Stapel und benötigte für den gesamten Vorgang etwa 62 Sekunden.Richard De Kerbrech: Ships of the White Star Line. Ian Allan Publishing, Shepperton 2009, ISBN 978-0-7110-3366-5, S. 142. Die Testläufe der Olympic begannen am 2. Mai 1911, in deren Verlauf erstmals ihre Maschinen in Betrieb genommen wurden. Für die Öffentlichkeit war das Schiff am 27. Mai in Belfast und am 1. Juni in Liverpool für einen Tag zugänglich.Tibballs, Geoff: Titanic - Der Mythos des "unsinkbaren" Luxusliners. Gondrom Verlag, Bindlach 1997, ISBN 3-8112-1575-2, S. 28 Am 29. Mai 1911 wurde die Olympic fertiggestellt und am 31. Mai 1911, direkt nach dem Stapellauf der direkt neben ihr gebauten Titanic, der White Star Line übergeben.

Frühe Jahre Am 14. Juni 1911 startete die als Royal Mail Ship eingesetzte Olympic unter dem Kommando von Kapitän Edward John Smith, der später die Titanic kommandierte, zu ihrer Jungfernfahrt von Southampton über Cherbourg und Queenstown nach New York, am 21. Juni kam sie in New York an. Bereits am 20. September 1911 hatte sie eine schwere Kollision mit dem britischen Kreuzer HMS Hawke, die eine kostenintensive dreimonatige Reparatur erforderlich machte. Hierdurch verzögerten sich Fertigstellung und Jungfernfahrt der Titanic um drei Wochen. Dass die Kollision mit dem Rammbug eines Kriegsschiffes, der konstruktiv für Rammstöße ausgelegt war, um Gegner zu versenken, nicht zum Untergang der Olympic führte, hatte vermutlich zum Vertrauen auf die Unsinkbarkeit der Schiffsklasse beigetragen.

Untergang der Titanic Die Olympic befand sich auf der Rückreise von Amerika nach Europa, als sie die Notrufe ihres Schwesterschiffs Titanic empfing. Zwar fuhr sie mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung Unglücksstelle, doch war sie aufgrund der Entfernung von ca. 500 Seemeilen (926 Kilometer bzw. 20 Stunden) außer Reichweite. Jedoch bot die Olympic der Carpathia, die die Überlebenden der Titanic aufgesammelt hatte, an, diese wieder mit nach Europa mitzunehmen. Die Britische Admiralität jedoch entschied, dass es ein zu großes Risiko sei, die baugleiche Olympic in ähnliche Gewässer wie zuvor auch die Titanic fahren zu lassen.

Folge der Titanic-Katastrophe Nach der Titanic-Katastrophe wurden die Sicherheitsstandards auf Schiffen überarbeitet, was dazu führte, dass die Olympic mit zusätzlichen Rettungsbooten, verstärkten Schotten und einer doppelten Außenhaut ausgestattet wurde. Auch was die Innenausstattung anging, wurde die Olympic an ihre jüngere Schwester angepasst. Dadurch erhielt die Olympic unter anderem das Café Parisien der Titanic und das Restaurant auf dem B-Deck wurde nach Backbord auf Kosten der Promenade der Zweiten Klasse erweitert.

Dienst im Ersten Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges diente die Olympic in den Jahren 1914 bis 1918 als Truppentransportschiff. Zwei besonders erwähnenswerte Kriegsereignisse datieren auf den Oktober 1914, als sie unbeschädigt durch ein Minenfeld fuhr, um dem sinkenden Schlachtschiff Audacious zu helfen, sowie auf den 12. Mai 1918, als in ca. 500 Meter Entfernung das deutsche U-Boot U 103 gesichtet wurde. Offensichtlich hatte die U-Boot-Besatzung den Dampfer nicht rechtzeitig bemerkt, um sich in optimale Angriffsposition zu bringen, und musste auf die rückwärtigen Torpedorohre zurückgreifen, die aber nicht rechtzeitig feuerbereit waren. Kapitän Hayes ließ die Olympic Kurs auf U 103 nehmen, das sich mit einem Nottauchmanöver zu retten versuchte. Doch der Dampfer rammte das Boot, seine Backbord-Schraube durchschlug den Druckkörper, woraufhin U 103 sank. Zehn deutsche U-Boot-Fahrer kamen dabei ums Leben, 35 Mann überlebten, darunter der Kommandant Claus Rücker, und wurden später von einem US-amerikanischen Schiff aufgenommen.Kemp, Paul: Die deutschen und österreichischen U-Boot-Verluste in beiden Weltkriegen. Urbes Verlag. Gräfelfing bei München 1998, S. 49.

„Goldene Zwanziger“ Nach dem Kriegsdienst wurde die Olympic 1919 wieder zum Linienschiff umgebaut. Dabei wurden ihre Kessel, wie bei vielen großen Dampfern zu der Zeit, auf Ölfeuerung umgestellt, was nicht nur eine schnellere und saubere Bunkerung ermöglichte, sondern auch eine Menge Personal einsparte.

In den 1920er Jahren war sie sehr beliebt und beförderte viele prominente Passagiere, darunter Marie Curie, Charlie Chaplin, Mary Pickford und Douglas Fairbanks sowie Prinz Edward, zu dieser Zeit Prince of Wales. Zu ihrer Attraktivität verhalf ihr unter anderem, dass sie der Titanic zum Verwechseln ähnlich war.Wyn Craig Wade: The Titanic: End of a Dream. Penguin Books, London 1986, ISBN 0-14-016691-2.

Während dieser Zeit war das Schiff in zahlreiche Unfälle verwickelt: Am 22. Mai 1924 kollidierte die Olympic bei New York mit dem Liner Fort St. George. Im Februar 1926 wurde die Olympic im Nordatlantik von einer Monsterwelle getroffen, die zahlreiche Schäden, unter anderem vier zerstörte Brückenfenster (normalerweise ca. 24 Meter über dem Wasserspiegel), verursachte.

Ende der Karriere mini|links|hochkant|Die Olympic 1929 in Southampton

Von der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre waren auch die Linienschiffe betroffen. Vor allem die White Star Line, deren Management eher risikofreudig war und sich von der Titanic-Katastrophe nie ganz erholt hatte, befand sich in finanziellen Schwierigkeiten. So fand 1934 eine von der britischen Regierung erzwungene Fusion mit der konkurrierenden Cunard Line statt. Die Führung der Reedereigruppe begann anschließend mit dem Verkauf aller alten Schnelldampfer, um den Bau der Queen Mary und der Queen Elizabeth zu finanzieren. Als dann die Olympic am 15. Mai 1934 das Nantucket-Feuerschiff im dichten Nebel rammte und dabei sieben der elf Besatzungsmitglieder starben, beschloss man den Verkauf der Olympic, welche jedoch noch eine letzte Fahrt antreten sollte und die am 12. April 1935, von New York kommend, in Southampton endete. Bis dahin hatte sie 257-mal den Atlantik überquert, dabei 430.000 Passagiere kommerziell transportiert und 1,8 Millionen Seemeilen zurückgelegt.RMS Olympic: Another Premature Death? – Mark Chirnside – encyclopaedia-titanica.orgmini|Die Olympic passiert das Feuerschiff LV-117 bei Nantucket, einen Monat vor dem tödlichen UnfallAngesichts der Wirtschaftslage und des Schiffsalters wurde von Politikern ein Verkauf der Olympic an eine Abwrackwerft bei Jarrow (Nordostengland) vermittelt, um die dortige hohe Arbeitslosigkeit zu lindern. Am 11. Oktober 1935 erreichte sie nach zweitägiger Fahrt Jarrow, wo innerhalb der nächsten zwei Jahre unter anderem die Inneneinrichtung ausgebaut wurde. Der Rumpf wurde nach Inverkeithing (Schottland) geschleppt und neben der Mauretania abgewrackt. mini|Die Olympic (links) und die Mauretania im Hafen von Southampton kurz vor der VerschrottungIm Laufe der Zeit wurden die zahlreichen Einrichtungsgegenstände und Wandverkleidungen der Olympic bei Auktionen veräußert:

Die Walnuss-Paneele der Holztäfelung aus dem À-la-carte-Restaurant wurden zunächst in einem britischen Privathaus eingebaut. Die amerikanische Reederei Celebrity Cruises erwarb später die Teile bei einer Versteigerung des Auktionshauses Sotheby’s. Sie befinden sich heute im Restaurant Olympic des Kreuzfahrtschiffs Celebrity Millennium. Große Teile der Holztäfelung, die Fenster und der Marmorkamin der Lounge der Ersten Klasse wurden im White Swan Hotel im britischen Alnwick installiert. Dort befinden sich zudem Teile des Geländers der großen Freitreppe der Olympic. Die berühmte Uhr Honour and Glory Crowning Time aus dem Treppenhaus, die mit der der Titanic identisch ist, befindet sich im SeaCity Museum in Southampton. Der Kronleuchter auf dem Geländer des Treppenhauses auf dem D-Deck befindet sich im The Oyster Box Hotel in Durban, Südafrika. Der ovale Deckenleuchter der Erste Klasse Lounge befindet sich im Opernhaus Cutler’s Hall in Sheffield, England.

Ausstattung Im Laufe der 24-jährigen Karriere der Olympic änderte sich ihre Ausstattung stetig. Gründe dafür waren reguläre Abnutzung der Ausstattung, Modernisierung und die Titanic-Katastrophe.

Im Grunde lassen sich diese Änderungen in folgende zeitliche Abschnitte einsortieren: 1911–1912, 1912–1913, 1914–1918, 1920er Jahre und 1930er Jahre.

Erste Klasse Die Erste Klasse der Olympic nahm einen Großteil des Schiffes ein. Deren Räumlichkeiten erstreckten sich vom Bootsdeck bis hinunter zum G-Deck.

Treppenhäuser Vorderes Treppenhaus 1911 Das große Treppenhaus der Olympic führte die Passagiere genauso wie bei ihren Schwesterschiffen Titanic und Britannic vom Bootsdeck bis hinunter zum F-Deck, wo sich die Türkischen Bäder befanden. Es lag direkt vor dem Schornsteinschacht des 2. Schornsteins. Es war ganz im Stil Ludwigs XV. gestaltet und in Eichenholz gehalten. Um die Gemälde herum, die sich auf den Treppenabsätzen befanden, waren kunstvoll verzierte Schnitzereien in Form von Girlanden aus Blumen und Früchten. Auf dem obersten Treppenabsatz befand sich eine große Holzschnitzerei, die sich um eine Uhr herum befindet und den Namen Honor and Glory trägt. Überall im Treppenhaus befanden sich Sessel und Sofas mit blauem Polster sowie elektrischen Heizungen, die rund um die Uhr das Treppenhaus erwärmten. Auf grünen Kreidetafeln, die sich gegenüber der Treppe in der Wand eingelassen befanden, konnten wichtige Informationen an die Passagiere vermittelt werden. Über dem Ganzen thronte eine ovale Glaskuppel aus schwarz lackiertem Stahl und Goldverzierungen. In dessen Mitte ruhte ein riesiger Kronleuchter. Auf dem C-Deck befand sich auf der Steuerbordseite die Rezeption (englisch „Enquiry Office“) und das Büro des Zahlmeisters (englisch Purser's Office), ihm gegenüber befand sich eine Garderobe. Hinter dem Treppenhaus fuhren drei Aufzüge vom E-Deck bis hinauf auf das A-Deck. Der schwarz-weiß geflieste Linoleumboden rundete das Gesamtbild ab. Die eher kleine Treppe vom E-Deck hinunter zum F-Deck teilte das Design des restlichen Treppenhauses nicht und wirkte eher wie ein Bereich der Besatzung. Jedoch führte die Treppe hinunter zu den Türkischen Bädern sowie zum Schwimmbad.

1920er Jahre Aufgrund der ungefähr insgesamt 10 Dienstjahre als Passagierschiff und Truppentransporter während des Ersten Weltkrieges wurden die typischen schwarz-weißen Fliesen entfernt und durch einen türkisen Linoleumboden ersetzt, auf welchem sich Girlanden herumwinden. Dieser besagte Boden war eigentlich für das Treppenhaus des Schwesterschiffes Britannic gedacht da diese jedoch während des Weltkrieges versank und der Boden im Bestand der Werft zurückblieb, wurde dieser stattdessen auf der Olympic verbaut.

1930er Jahre Als in den 30ern die Farbe Grün populär wurde, entschied man sich, das Treppenhaus zu modernisieren, indem man das ganze Treppenhaus grün und die detaillierten Holzverzierungen golden anstrich. Als auf einer der Auktionen die letzten Überreste des Treppenhauses verkauft wurden, befanden sich letzte Reste der grünen Farbe auf der Holzvertäfelung.

Hinteres Treppenhaus 1911