Sikkative (von ‚trocken‘) sind Stoffe, die ölhaltigen Farben, Lacken, Halböl und Leinölfirnis zugesetzt werden, um ihr Härten oder Festwerden, meist fälschlich als Trocknung bezeichnet, zu beschleunigen.
Chemische Reaktion Der „Trocknungsprozess“ von Ölfarbe ist chemisch eine Oxidation, Polymerisation und Quervernetzung unter Vergrößerung der molaren Masse, bei der die „trocknenden“ Öle zuerst an Volumen zunehmen, dann jedoch wieder schrumpfen (zuerst Runzel-, dann Rissbildungen), z. B. Leinöl wird zu Linoxin. Dabei steigt die Viskosität der Ölfarbe. Diese Viskositätserhöhung ist auf eine vernetzende Polymerisation und nicht auf einen Verlust an Lösungsmittel wie bei einer Trocknung zurückzuführen. Sikkative wirken bei diesen Prozessen als Katalysatoren.Brockhaus ABC Chemie, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1965, S. 1287.Eine zu schnelle Hautbildung kann durch so genannte Hautverhinderungsmittel, wie z. B. Butanonoxim, verhindert werden. Es werden Risse und Runzeln verhindert und die Lagerstabilität des Lacks verbessert.
Die eingesetzten Sikkative beschleunigen den Zerfall der während der Härtung entstehenden Peroxide. Hierbei wird das Metallatom fortwährend oxidiert und reduziert und erzeugt dabei jeweils ein Radikal. Die dabei entstehenden Hydroxidionen und Protonen kombinieren zu Wasser. Der Prozess wird an der folgenden Grafik veranschaulicht:
zentriert
Verwendete Stoffe Bei der Herstellung von Leinölfirnis wurden früher gesundheitsschädigende Materialien verwendet, beispielsweise Bleioxide. Heute verwendet man Octoate wie Cobalt-, Mangan- und Zirconiumoctoate, Metallsalze der 2-Ethylhexansäure oder die entsprechenden Naphthenate.
Gebrauch in der Ölmalerei
Sikkative sind in der Ölmalerei ein wichtiger Bestandteil der Farbe, um die Trocknung zu beschleunigen. Als Basis der Farbmittel werden trocknende Öle genutzt. Die eigentliche Oxidation ist mit und ohne Sikkativ ein kontinuierlicher Prozess, der über Jahrhunderte verlaufen kann.
Durch Einsatz von Sikkativen lässt sich die Zeit, die Ölfarbe braucht, um „nageltrocken“ zu werden, von 5 bis 12 Tagen (Leinöl, dünner Auftrag, abhängig von verwendeten Pigmenten) auf einen bis zwei Tage verkürzen. Bei übermäßigem Gebrauch setzt ein frühzeitiges Altern ein, das sich in starken Runzelbildungen und Vergilben bemerkbar macht, im Weiteren auch in starker Rissbildung. Häufig verwendete Sikkative sind Schwermetalloxide von Blei (Pb), Mangan (Mn), Kobalt (Co), Zink (Zn) und die Metallsalze (= Metallseifen) von meist ungesättigten Fettsäuren, wie Ölsäure. Pigmente mit diesen Schwermetallen, wie Bleiweiß haben eine eigene sikkative Wirkung, die auf Verseifungsreaktionen mit Erhöhung der Viskosität beruht.
In der Praxis werden häufig Mischungen verschiedener Metallseifen verwendet. Lösungen von Sikkativen in Öl – manchmal als Sikkativextrakte bezeichnet – werden nach einigem Stehen oft trübe. Man lässt sie dann zur Klärung in offenen Gefäßen absetzen.
Gesundheitshinweis Die in den meisten Sikkativen enthaltenen Schwermetallionen (Blei und Cobalt, weniger Mangan und Zink) und Borverbindungen sind toxikologisch bedenklich.Otto-Albrecht Neumüller (Hrsg.): Römpps Chemie-Lexikon. Band 5: Pl–S. 8. neubearbeitete und erweiterte Auflage. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1987, ISBN 3-440-04515-3, S. 3772–3773.
Einzelnachweise
Kategorie:Chemikaliengruppe Kategorie:Malmittel