Plau am See ist eine Kleinstadt im äußersten Osten des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Sie ist der Sitz des Amtes Plau am See und ein Unterzentrum in Südmecklenburg.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015 Für den seit 1998 staatlich anerkannten Luftkurort hat heute vor allem als Tourismusort Bedeutung.amtplau.de – „Entwicklung und Chronik nach der Wende“ Stadt und Amt bilden den östlichen Rand der Metropolregion Hamburg.
Lage Die Kleinstadt Plau am See liegt 80 km südlich von Rostock und 73 km ostsüdöstlich der Landeshauptstadt Schwerin. Sie liegt am Ausgang der Müritz-Elde-Wasserstraße aus dem Plauer See. Das hügelige Gebiet um Plau ist durch die letzte Weichsel-Kaltzeit vor 20.000 Jahren geformt worden und erreicht mit bei Gaarz den höchsten Punkt, während der Spiegel des Plauer Sees auf 62 m ü. NHN liegt. Am Südende der Stadt liegt das Naturschutzgebiet Plauer Stadtwald.
Stadtgliederung mini|Plau aus südlicher Richtung Die Stadt besteht aus folgenden Ortsteilen:§ 2 der (PDF; 588 kB) der Stadt Plau am See (Innenstadt) Gaarz, ehem. Stadtgut Hof Lalchow, ehem. Domanialgut Karow, ehem. Rittergut Klebe, ehem. Kirchengut Leisten, ehem. Rittergut Quetzin, ehem. Bauerndorf Reppentin, ehem. Schäferei
Weitere Wohnplätze innerhalb des Stadtgebiets sind Appelburg (Silbermühle), Heidenholz, Plötzenhöhe und Seelust. Zum Ortsteil Karow zählen Teerofen, Hahnenhorst und Hütte.
Geschichte mini|Altstadt von Süden mit St. Marien Die Stadt hieß um 1235 wie das Gebiet Plawe. Der Name hielt sich bis ins 16. Jahrhundert und wurde dann entsprechend seiner Lautform Plau geschrieben. Plawe ist der polabische Flurname für den Ort, wo Flößerei betrieben wurde.plav = schwimmen, flößen, schwemmen Am 11. Januar 1994 wurde der Name der Stadt Plau durch den Zusatz am See ergänzt, um Verwechslungen mit Plaue (Thüringen), Plauen und Plaue (Brandenburg an der Havel) zu vermeiden.
Vor- und Frühgeschichte Der Nachweis von Spuren menschlicher Besiedlung und Kultur im Raum Plau geht bis in die Mittelsteinzeit zurück. Ein 1846 bei Kiesabbauarbeiten gefundenes Hockergrab wird der Duvensee-Gruppe 7000 bis 6000 Jahre v. Chr. zugeordnet.Ernst Probst: Deutschland in der Steinzeit, Orbis-Verlag 1999 (nach der Originalausgabe Bertelsmann-Verlag 1991), S. 203, 210 ff., ISBN 3-572-01058-6 Dem Begräbnis waren u. a. eine Hirschgeweihaxt, zwei längsgeteilte Eberhauer und drei Hirschzähne, davon zwei durchbohrt, beigegeben. Zu den frühzeitlichen Funden gehören eine in der Stietzstraße geborgene Spitzhaue aus Stein, ein in der Großen Burgstraße gefundenes Kernbeil aus schwarzem Flintgestein und ein bei Baggerarbeiten in der Elde nahe der Schleuse gefundenes Scheibenbeil.Fred Ruchhöft: Urgeschichtliche Funde mit Spitzhaue und Kragenflaschenfragment aus der Plauer Altstadt, In: Archäologische Berichte aus Mecklenburg-Vorpommern, Band 2 1995, S. 27 ff. Zu den Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit (4000 bis 1800 v. Chr.) gehören die im 19. Jahrhundert zerstörten Großsteingräber. Aus der Bronzezeit (1800 bis 600 v. Chr.) stammen einige Hügelgräber, aus der Eisenzeit (um 600 v. Chr.) und der spätrömischen Kaiserzeit (1. bis 3. Jh.) die Urnengräber südwestlich von Plau bei Reppentin, die durch Robert Beltz und Horst Keiling archäologisch untersucht und dokumentiert worden sind.Horst Keiling: Ein germanischer Urnenfriedhof von der Feldmark Reppentin, Kreis Lübz. Jahrbuch Bodendenkmalpflege Mecklenburg 1984
Die Einzelfunde werden durch zahlreiche Funde komplettiert, die 2016 westlich der Stadt auf der alten Gemarkung Klebe bei einer archäologischen Grabung geborgen wurden. Die Grabung wurde im Vorfeld des Baus der Ortsumgehung (Nordtangente) durchgeführt. Auch hier reichen die Funde bis in die Zeit vor etwa 7000 Jahren zurück.
Die auf die germanische folgende slawische Besiedlung begann in der Region etwa in der Zeit um 700 n. Chr. Im Plauer Stadtwald liegt der Slawische Burgwall Gaarz aus dem 8. Jahrhundert. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine Burganlage der Bethenzer, die bereits im 10. Jahrhundert gegenüber der nordöstlich gelegenen neu begründeten Burg Kutin ihre Bedeutung verlor.
12. bis 15. Jahrhundert mini|Plauer Fischer (2018)
Plau am See ist im 13. Jahrhundert aus der slawischen Siedlung der Fischer und Flößer Plawe entstanden. Diese Siedlungsstruktur ist noch heute im ovalen Grundriss der östlichen Altstadt erkennbar. In diesem Bereich konnten auch die meisten slawischen Bodenfunde geborgen werden. Die nördlich gelegene slawische Burg und Siedlung Quetzin, deren dendrochronologischer Nachweis bis ins späte 10. Jahrhundert zurückreicht, bildete ein kulturelles Zentrum des slawischen Stammes der Warnower. Nach der 1164 erfolgten Zerstörung der Burg und der Eroberung und Christianisierung durch Heinrich den Löwen gehörte das Land Kuissin zur Herrschaft Mecklenburg und fiel 1234 durch die erste mecklenburgische Hauptlandesteilung an die Herrschaft Parchim-Richenberg. Das eher versteckt liegende Quetzin verlor nun zunehmend seine Bedeutung an die für den Handelsverkehr an der wichtigen Handelsstraße von der Mark Brandenburg nach Rostock weitaus günstiger gelegene Siedlung Plau. Diese erlebte nun ihren Aufschwung und wurde als Stadt erstmals 1235 urkundlich erwähnt. Die in dieser Urkunde bestätigten Stadtrechte sind 1225 oder 1226 durch die Fürsten Heinrich Borwin I. und Heinrich Borwin II. gleichzeitig mit Parchim verliehen worden. Um 1225 wurde der Bau der Marienkirche begonnen und Ende des 13. Jahrhunderts vollendet. Eine erste Brücke über die Elde an Stelle einer Furt war durch die Anhebung des Wasserspiegels nach dem Bau zweier Wassermühlen notwendig geworden. Die Brücke ist in ihrer ersten Bauphase archäologisch auf die Zeit um 1222/24 datiert worden, eine erforderliche Erhöhung erfolgte um 1246/1251. 1273 ist Plau der Sitz eines fürstlichen Vogtes.
Ein durch Fürst Nikolaus II. von Werle auf einer am nordöstlichen Stadtrand gelegenen und in den Plauer See ragenden Landzunge erbautes fürstliches Haus (Schloss) wird erstmals 1287 erwähnt, das ab 1448 zur Burganlage erweitert wurde. Der Ausbau mit umfangreichen Befestigungsanlagen erfolgte 1448 bis 1463 zum Schutz gegen Raubritter (u. a. von Quitzow, Gans zu Putlitz) aus der südlich der Stadt gelegenen Prignitz. Vogt Lüdecke Hahn hatte von 1449 bis 1463 hier seinen Sitz. Der weitere Ausbau zu einer bedeutenden Festung erfolgte 1538–50. Erst durch Aufschüttung des Burgwalles und Aushebung des Burggrabens bekam die Anlage 1541 Inselcharakter.
Ende des 13. Jahrhunderts erhielt der Ort durch eine Stadtmauer mit drei großen (Burg-, Stein- und Eldentor) und einem kleinen Stadttor (Mühlentor) weiteren Schutz. Die Stadttore waren bis ins 19. Jahrhundert erhalten. Im Norden und Nordosten sind versteckt noch Reste der Mauer und des Wallgrabens erkennbar. Imposant ist die im 13. Jahrhundert errichtete dreischiffige Pfarrkirche St. Marien.
Die ursprüngliche Stadtfeldmark in einer Größe von 60 Hufen ist durch Zukauf von mehreren umliegenden Dorffeldmarken erheblich bis auf die heutige Größe erweitert worden. Die so vereinnahmten Dörfer Slapsow (1244), Gedin (1292), Grapentin (1292), Gardin (1300?), Wozeken (1323) und das alte Gaarz (1376/1381) fielen wüst; einzig das 1308 erworbene Dorf Quetzin blieb als Ortsteil bis in heutige Zeit erhalten.
Während das 13. Jahrhundert der Stadt einen großen Aufschwung brachte, ist insbesondere im Verlauf des 14. Jahrhunderts – wie in ganz Mecklenburg – ein Niedergang unübersehbar.
Landesherren der Stadt
bis Anfang 1227: Heinrich Borwin I. 1229–1238: Johann I. (Mecklenburg) (als Vormund seines Bruders Pribislav) 1238–1256: Pribislaw I. 1256–1272: fürstliche Verwandte für den entmachteten Pribislav 1272–1277: Nikolaus I. (Werle) 1277–1280: dessen Söhne Heinrich I. und Johann I. gemeinschaftlich 1280–1283: Johann I. allein 1283–1293: dessen Sohn Fürst Nikolaus II. (Werle) 1293–1295: Verpfändung an den Ritter Hermann Ribe 1295–1298: Verpfändung an den Fürsten Wizlaw II. von Rügen (1260–1302) 1298–1316: wieder Nikolaus II. von Werle 1316–1337: Johann II. (Werle) 1337–1356: Nikolaus III. (Werle) 1356–1375: Verpfändung an Albrecht II. (Mecklenburg) 1361–1375: Unterverpfändung an die Ritter Heinrich von Stralendorff, Otto von Dewitz und Dankwardt von Bülow 1375–1400: Lorenz von Werle-Güstrow († 1400) 1375–1403/05: Verpfändung an Ritter Heinrich von Bülow gen. Grotekop sowie dessen Brüder und Kinder, namentlich Vicke von Bülow 1400–1436: Balthasar (Werle), Johann VII. (Werle) und Wilhelm (Werle)
Nach Erlöschen der Herrschaft Werle war Plau ab 1436 Landstadt in Mecklenburg und als solche eine der Städte im Wendischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Landstände vertreten waren. 1496 hatte die Stadt 616 erwachsene Einwohner, Kinder wurden nicht gezählt. Das kleine Schloss von 1287 wurde 1448/1463 zur Burganlage befestigt.
16. bis 18. Jahrhundert mini|Plau 1788 (Schmettausches Kartenwerk) mini|Burgturm Anfang des 16. Jahrhunderts wandte sich Herzog Heinrich der Friedfertige in besonderem Maße den Geschicken der Stadt zu. So ließ er 1514 am Südhang des Klüschenberges einen Weinberg anlegen. Ein Weingarten bestand schon seit 1507 nördlich der Burg. Nach dem Tod des Herzogs wurde der Weinanbau wieder aufgegeben. 1538 bis 1550 erfolgte durch den Herzog der Ausbau zu einer der größten Festungen Norddeutschlands. Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten ab 1626 mehrere Belagerungen durch kaiserliche und schwedische Truppen die Stadt. 1630/1631 und 1638 waren durch verheerende Pestepidemien mehr als 600 Opfer zu verzeichnen. Von rund 1500 Einwohnern vor dem Krieg lebten nach dem Visitationsbericht der Pfarre 1649 nur noch 238 Erwachsene (ab 15 Jahren), Kinder wurden nicht erwähnt. Nach 1660 wurde die Festung geschleift. Erhalten sind die Wallanlage, der Burgturm und das 1822 auf dem Gewölbekeller des ehemaligen Zeughauses errichtete Amts- und Postmeisterhaus.
Mehrere Brände setzten der Stadt zu. Um 1455 brannte unter anderem das Rathaus ab, 1553 gingen 60 Wohnhäuser und Nebengebäude verloren. Über die Brände von 1560 und 1563 sind keine Schadensberichte erhalten. 1631 brannten 61 Wohnhäuser und Nebengebäude ab. 133 von 177 Häusern (einschließlich Schule und Pfarrhäusern) wurden 1696 zerstört, 1726 gingen 68 Häuser und 25 Scheunen in Flammen auf. Der Brand von 1756 vernichtete 244 Häuser und 179 Nebengebäude und damit 95 Prozent der Bebauung. Die Kirche blieb erhalten. Danach wurden viele Häuser auf den alten Grundrissen nach dem Vorbild des niedersächsischen Hallenhauses neu gebaut.
Von 1735 bis 1787 waren die Stadt und das Amt Plau an die Krone Preußen verpfändet. Eine Schwadron preußischer Husaren, die von den Bürgern verpflegt werden mussten, lebte während dieser Zeit auf der Burg und in der Stadt. Das Tuchmachergewerbe gewann in jener Zeit eine gewisse Bedeutung. Eine private und eine großherzogliche Tuchfabrik fertigten im 19. Jahrhundert Stoffe für Uniformen.
19. Jahrhundert Das 19. Jahrhundert begann auch für Mecklenburg mit der Franzosenzeit. Anfang November 1806 plünderten 18.000 Mann des Korps von General Nicolas Jean-de-Dieu Soult drei Tage lang die Stadt und verursachten einen Schaden von 70.000 Talern.Gustav Hempel: Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Meklenburger Landes, Erster Teil. Güstrow 1837