mini|Aufstellung einer makedonischen Phalanx mit Reiterei und Hilfstruppen. Die Makedonische Phalanx war eine schwere Infanterieformation von hoher militärgeschichtlicher Bedeutung für die Staaten der antiken hellenistischen Epoche. Als ihr Wegbereiter gilt der makedonische König Philipp II. († 336 v. Chr.), dessen Sohn Alexander der Große († 323 v. Chr.) sie zum Pfeiler seines Eroberungszuges durch Asien machte. Anschließend dominierte die makedonische Phalanx die Kriegsschauplätze des östlichen Mittelmeerraums in den hellenistischen Nachfolgestaaten der Antigoniden, Seleukiden, Ptolemäer, Attaliden und anderer Herrscherhäuser, bis sie ab dem 2. vorchristlichen Jahrhundert der römischen Legion unterlag und weichen musste.

Gefährten zu Fuß

Die makedonische Phalanx stellte eine Weiterentwicklung der klassischen Hopliten-Phalanx des antiken Griechenlands dar, die sich gegenüber dieser vor allem in der Bewaffnung ihrer Krieger unterschied. Der makedonische Phalangit, pezhetairos (Gefährte zu Fuß) genannt, trug zu seinem Schutz einen wesentlich kleineren und leichteren Schild lose um seine linke Schulter oder den linken Unterarm gebunden, um beide Hände frei zur Führung einer mindestens 5 bis zeitweise 7 Meter langen Lanze, der Sarissa, zu haben. Eingelegt ragte die Spitze dieser Lanze weit vor dem Körper ihres Trägers voraus und war dadurch sowohl als Distanz- wie Stoßwaffe zu gebrauchen. Der makedonische Phalangit besaß damit gegenüber dem klassisch bewaffneten Hopliten einen Vorteil, indem er seinen Gegner nun aus der Sicherheit einer größeren Distanz heraus mit gezielten Stößen seiner Lanze bekämpfen konnte. Und indem mehrere Glieder der Phalanx ihre langen Lanzen zugleich einlegen konnten, wurde der Gegner mit einer entsprechend höheren Anzahl von Lanzenspitzen konfrontiert, der er sich nun zu erwehren hatte. Bis zu fünf Lanzenreihen musste er bewältigen, um das erste Glied der Makedonen für den Nahkampf erreichen zu können. Für jeden der nicht annähernd adäquat ausgerüsteten Gegner der Makedonen, vornehmlich Griechen und Perser, ein nahezu unmögliches Unterfangen.

Die pezhetairoi waren Berufskrieger, die gegenüber einfachen Wehrbauern aus der königlichen Kasse besoldet und auch gesellschaftlich privilegiert wurden, als das dem König am nächsten stehende Gefolge. Sie existierten bereits zu Zeiten Alexanders I. und hatten bis unter Philipp II. zunächst noch eine Art Gardefunktion inne. Im Zuge seiner Militärreform baute Philipp II. sie zu einem stehenden Heer aus und bewaffnete sie mit der Sarissa.Anaximenes, Die Fragmente der griechischen Historiker, Nr. 72, Frag. 4. Laut Diodor war es Philipp II., der in Makedonien die Phalanxformation einführte.Diodor 16, 3, 2. Schlagartig wurde Makedonien dadurch zu einer solchen Militärmacht erhoben, wie sie das Land in früheren Zeiten noch nie gewesen war. Die makedonische Phalanx (Μακεδονικήν φάλαγγα), die erstmals von Diodor bewusst als solche zur Unterscheidung von anderen Formationen bezeichnet wurde, avancierte für Philipp II. zum wichtigsten Machtinstrument zur Erlangung des Königtums, das er eigentlich nur stellvertretend für seinen Neffen bekleiden sollte. Auf die Zustimmung der ihm loyalen Krieger, seiner Gefährten, bauend konnte er aber seine Königsherrschaft legitimieren, wodurch er Makedonien die Verfassung einer Militärmonarchie verlieh. Dieser Zustand wurde konstitutiv für die weitere Geschichte des Landes wie auch für jene der makedonischen Nachfolgestaaten in Asien.

Die neue Überlegenheit in der Kriegsführung veranschaulichte Philipp II. selbst erstmals in der Schlacht bei Chaironeia 338 v. Chr. mit durchschlagendem Erfolg, als er die klassischen Formationen der Athener und Thebaner, zweier bis dahin führender Militärmächte, vernichtend schlug. Dieser Sieg begründete die Hegemonie Makedoniens über Griechenland und läutete zugleich die Dominanz der makedonischen Kriegsschule in der östlichen Mittelmeerwelt ein.

Schildträger

Einen wichtigen Bestandteil der makedonischen Phalanx stellte die Einheit der hypaspistes (Schildträger) dar, die als Makedonen im weiteren Sinne ebenfalls pezhetairoi, also Gefährten zu Fuß waren, wenngleich sie von den regulären Phalangiten unterschieden wurden. Da die Phalangiten lediglich durch ihren eigenen über die linke Schulter gebundenen kleinen Schild geschützt waren, verfügten sie für ihre rechte Körperhälfte, an der sie mit beiden Händen ihre Lanzen führten, faktisch über gar keinen Schutz und waren an dieser Stelle am verwundbarsten. In Schlachtformation wurde dieser Nachteil aufgrund ihrer enggeschlossenen Aufstellung weitgehend kompensiert, mit Ausnahme jener Krieger, die am äußerst rechten Ende der Formation standen.

Um diese offene Flanke zu schließen, wurde die Einheit der Schildträger geschaffen, die mit 3.000 Mann an der rechten Flanke der Phalanx aufgestellt wurden. Diese Krieger kamen aufgrund ihrer Ausrüstung, einem großen Hoplon mit einer einhändig führbaren Lanze und Schwert, weitgehend dem klassischen griechischen Hopliten nahe und sie beherrschten auch den Kampf in klassischer Phalanxformation, also den direkten Nahkampf in geschlossener Aufstellung mit sich überlappenden Schilden. In offener Feldschlacht beschränkte sich ihre Hauptaufgabe auf den Schutz der rechten Flanke der Phalanx, während sie bei Belagerungen und anderen militärischen Operationen flexibler eingesetzt werden konnten. Auch stellten sie für den König eine Leibgarde (agēma), sobald er zu Fuß kämpfte. Ihre erfahrensten Veteranen wurden „Silberschilde“ genannt.

Hilfstruppen

Die makedonische Phalanx wurde auf dem Schlachtfeld durch Hilfstruppen unterstützt, die in ihrer Anzahl und Beschaffenheit in unterschiedlichen Zeiten variierten. Unter Philipp II. und Alexander wurde ihre linke Flanke in der Regel durch leichte Reiterei und dann von der schweren thessalischen Reiterei geschützt. Vor der Phalanx waren weitere leichte Infanteristen aufgestellt, sogenannte Peltasten (psiloi), die mit ihren Wurfwaffen vor allem gegnerische Streitwagen oder Reiterei ausschalten sollten. Später, ab der Diadochenzeit, stürmten Kriegselefanten der Phalanx voraus, die als erstes in die gegnerische Phalanx einbrechen und damit eine Art Vorarbeit für die eigene Phalanx leisten sollten.

Aufbau

In Schlachtformation aufgestellt bildete die makedonische Phalanx keinen starr in sich geschlossenen Heereskörper, sondern war in mehrere Abteilungen gegliedert, die über eigene Kommandostrukturen verfügten und selbstständig agieren konnten. Nichtsdestotrotz zog sie ihre Stärke aus dem Zusammenhalt der einzelnen Abteilungen untereinander, was ein hohes Maß an Koordination der Befehlshaber wie auch eine gleichmäßige Marschgeschwindigkeit der Formationen erforderte, die mittels strengsten Drills eingeübt wurde.

Die Grundformation der Heeresaufstellung bildete eine syntagma (Verbund), die spätestens seit Alexander aus 256 Mann bestand. Diese waren in dekades (Glieder) unterteilt und bildeten ein Quadrat aus 16 Mann in der Breite und 16 Mann in der Tiefe. Jedes Glied wurde von einem dekadarchos befehligt, bei dem es sich dem Namen nach um einen „Zehnerschaftführer“ handelte, wohl weil ein dekas in früheren Zeiten aus 10 Mann bestanden hatte. Dem dekadarchos standen zwei dekastateroi als Stellvertreter zur Seite, bei denen es sich um die beiden erfahrensten Krieger des Gliedes handelte, die deshalb zu ihrem Monatssold zusätzlich zehn Stater erhielten. Im Glied stand einer von ihnen direkt neben dem dekadarchos, während der andere das Glied an seinem Ende abschloss.Arrian, Anabasis. 7, 23, 3–4. Jede dekas bildete eine Zeltgemeinschaft und verfügte über einen Diener und einen Esel, der das Zelt sowie Getreidevorräte für 30 bis 40 Tage transportierte. Der gemeine Soldat erhielt 30 attische Drachmen im Monat, wobei der Verdienst durch Plünderung, Beutegewinn und Auszeichnung gemehrt werden konnte.

Eine syntagma besaß kein Einheitskommando, sondern war mit einer zweiten syntagma in einem lóchos zu 512 Mann vereint, das von einem lochagós kommandiert wurde. Das lóchos stellte damit den ersten und kleinsten zu selbstständigen Operationen befähigten Verband dar. Drei lóchoi waren schließlich in dem 1.536 Mann umfassenden Großverband der taxis vereint, der größten Organisationseinheit der schweren makedonischen Infanterie, befehligt von einem taxiarchos. Auf dem Schlachtfeld wurde die Phalanxlinie in der Regel aus mehreren taxeis zusammengesetzt. Im Heer Alexanders des Großen zum Beispiel bestand sie zu Beginn des Asienfeldzugs aus sechs taxeis und wurde im weiteren Verlauf auf sieben erweitert.

Griechisch Bedeutung Mannstärke römisches Äquivalent modernes Äquivalenttáxis (τάξις)Befehlshaber: taxíarchos (ταξίαρχος)infanteristischer Großverband1.536LegionLegatBrigadeBrigadegenerallóchos (λóχος)Befehlshaber: lochagós (λοχαγός)Fünfhundertschaft512KohorteTribunRegimentOberstsýntagma (σύνταγμα)Kampfverbund256ManipelCenturioKompanieHauptmanndekás (δεκάς)Befehlshaber: dekadárchos (δεκαδάρχος)Glied16DecurieDecurioGruppeLeutnantpezétairos (πεζέταιρος)Gefährte zu Fuß / PhalangitLegionärSoldat

In den Nachfolgestaaten des Alexanderreichs veränderten sich die Organisationsformen der Phalanx in unterschiedlichen Ausmaßen. Einer fragmentarisch erhaltenen Inschrift aus Amphipolis ist beispielsweise zu entnehmen, dass im Heerwesen Makedoniens unter den Antigoniden die taxis in strategia umbenannt wurde, die von einem strategos geführt wurde. Aufgeteilt war sie in sechs speirarchai zu je 256 Mann, die also an die Stelle der syntagma getreten waren. Eine speira war wiederum in vier tétrarchai zu je 64 Mann und diese wiederum in vier lochoi zu je 16 Mann gegliedert. Das lochos war also an die Stelle des alten dekas getreten.

Griechisch Bedeutung Mannstärke römisches Äquivalent modernes Äquivalentstratēgía (στρατηγία)Befehlshaber: stratēgós (στρατηγός)infanteristischer Großverband1.536LegionLegatBrigadeBrigadegeneralspeîra (σπεῖρα)Befehlshaber: speirárchēs (σπειράρχης)Kampfverbund256ManipelCenturioKompanieHauptmanntetrarchía (τετραρχία)Befehlshaber: tetrárchēs (τετράρχης)64ZugOberleutnantlóchos (λóχος)Befehlshaber: lochagós (λοχαγός)Glied16DecurieDecurioGruppeLeutnantpezétairos (πεζέταιρος)Gefährte zu Fuß / PhalangitLegionärSoldat

Kampfweise

Wie alle militärischen Aufgebote der Antike wurde auch die makedonische Phalanx auf dem Schlachtfeld in linearer Formation aufgestellt, indem in der Regel mehrere taxei nebeneinander Aufstellung bezogen. In der Schlacht marschierte die so erst gebildete Phalanx frontal auf das gegnerische Heer zu, wobei die Taxiarchen darauf bedacht waren, durch eine gleichmäßige Marschgeschwindigkeit und genaues Manövrieren die geschlossene Linienformation aufrechtzuerhalten. Die Unterteilung in mehrere selbstständig agierende Kampfgruppen verhalf der makedonischen Phalanx dabei zu einer wesentlich besseren Manövrierfähigkeit als den herkömmlichen Formationen der Griechen früherer Zeiten. So waren ihre Kampfgruppen eher in der Lage, während des Marsches Richtungsänderungen vorzunehmen, wodurch unter anderem der bei klassischen Formationen auftretende Effekt des Rechtszugs vermieden werden konnte. Die Aufrechterhaltung der Geschlossenheit setzte einen möglichst ebenen Marschuntergrund auf flachem Terrain voraus, weshalb die makedonischen Heerführer stets darauf bedacht waren, den Gegner zur Schlacht auf ebenem Gelände zu zwingen. Nicht zuletzt deshalb hatte beispielsweise Alexander der Große am Vorabend der Schlacht von Gaugamela 331 v. Chr. nichts dagegen einzuwenden, als Dareios III. das ausersehene Schlachtfeld für seine Streitwagen einebnen ließ.