Burgjoß ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Er liegt 300 m über NHN im nordwestlichen Spessart. Die Ortschaft mit 320 Haushalten und etwa 790 Einwohnern ist ein Ortsteil der Gemeinde Jossgrund im hessischen Main-Kinzig-Kreis und liegt an der mittleren Jossa.

Burgjoß bildet seit 1974 mit den nacheinander weiter aufwärts im Jossatal liegenden Orten Oberndorf (Sitz der Gemeindeverwaltung), Pfaffenhausen und Lettgenbrunn sowie dessen Weiler Villbach die Gemeinde Jossgrund. Zuvor gab es für kurze Zeit (vom Jahreswechsel 1971/1972 an) die Gemeinde Jossatal, bestehend aus den Ortsteilen Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen.

Geografie Geografische Lage In Burgjoß quert die das Kinzigtal mit dem Sinntal verbindende Straße die über Bad Orb führt, das Tal der Jossa.

Nachbarorte und Verkehrsanbindung Nachbarorte im Uhrzeigersinn sind: das zum bayerischen Obersinn zählende Emmerichsthal, Deutelbach, das zur Gemeinde Aura gehört, die Ortsteile Oberndorf und Lettgenbrunn, das Kinderdorf Wegscheide und Mernes, ein Ortsteil der Gemeinde Bad Soden-Salmünster.

Mehrere Landesstraßen verbinden Burgjoß mit den Nachbargemeinden: In Richtung Westen führt die L3199 über die Wegscheide zum 12 km entfernten Bad Orb. Nach Norden hin, an der L3197 liegen Mernes (5 km) und Marjoß (8,5 km). Zur bayerischen Landesgrenze, in nur 1 km Entfernung nach Osten, und weiter nach Aura im Sinngrund (8 km) führt die L2303. Und die südliche Fortsetzung der L3199 verbindet die Ortsteile Burgjoß und Oberndorf (1 km).

Geschichte Mittelalter Burgjoß ist der älteste Ortsteil von Jossgrund und wurde im Jahre 850 im Güterverzeichnis des Klosters Fulda als fuldischer Besitz „an der Jazaha“ (Jossa) erstmals erwähnt, jedoch ohne eine genaue Ortsangabe. Der heutige Gemeindename Jossgrund lehnt sich an die Bezeichnung des ehemaligen hanauischen Amtes Joßgrund an.

Die Burg „Jazaha“ an der Jossa, eine der ältesten im gesamten Spessart, war als Sitz des Gerichts Burgjoß lange Zeit weltliches Zentrum der Region. Es handelte sich dabei ursprünglich um einen burgähnlichen Holzbau, der auf Pfählen ruhte und von einem Wassergraben umgeben war. Um 1160 Jahrhundert entstand anstelle der Holzkonstruktion dann eine aus Sandstein errichtete Burganlage.Burgjoß auf der Webseite Jossgrund im Spessart. Die Burg gehörte einer Seitenlinie der Herren von Steckelberg, die sich selbst auch Jasza nannten, und diente zur Kontrolle einer Handelsstraße. 1176 belehnte Fulda die Herren von Jossa mit Burg und Gericht, doch als diese sich dann im 13. Jahrhundert an der Bergstraße ansiedelten, wurden deren Güter nach und nach verkauft. Somit wechselten Burg und Gericht mehrmals den Besitzer. 1451 gehörte den Grafen von Hanau-Münzenberg die Hälfte, der andere Teil war Besitz der Herren von Thüngen und von Hutten. Die von Hutten erwarben mit der Zeit die gesamte Ortschaft, verkauften aber ihren gesamten Besitz im Tal der Jossa im Jahr 1541 an das Erzstift Mainz.

Neuzeit Unter der Regierung des Mainzer Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg wurde die Burg um 1573 zu einem Renaissance-Wasserschloss ausgebaut. Sie blieb als „Kellerey Burgjoßa“ Verwaltungsmittelpunkt im Jossatal, mit den Dörfern Burgjoß, Mernes, Oberndorf und Deutelbach. Mit der Säkularisation 1803 kam der Jossgrund zum neu geschaffenen Fürstentum Aschaffenburg, 1810 zum napoleonischen Großherzogtum Frankfurt, 1814 an Bayern, 1867 an Preußen, und schließlich 1945 an Hessen.

Waldarbeitersiedlung Eine spürbare Ortsvergrößerung und einen deutlichen Entwicklungsschub gaben den Jossgrundgemeinden Burgjoß, Pfaffenhausen und Oberndorf die ab 1938 geschaffenen Waldarbeitersiedlungen. Ein staatlich gefördertes Siedlungsprogramm, sollte „der Sesshaftmachung von Arbeitnehmer in der Nähe ihres Arbeitsplatzes, der Linderung der Wohnungsnot …“Oskar Amberg, „Waldarbeiter-Siedlungen mit landwirtschaftlichem Nebenerwerb in Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen“, Zwischen Vogelsberg und Spessart, Gelnhäuser Heimat-Jahrbuch 1989, S. 87–92 dienen. Gleichzeitig sollte es landwirtschaftlichen Nebenerwerb ermöglichen. Daher kamen zu den Siedlungshäusern, für jede Familie noch: 1 Stall, 1 Scheune, 1 Garten und eine kleine Ackerfläche hinzu.

Die Maßnahme brachte Burgjoß, wo im Jahr 1939 nur 60 Häuser standen, einen einmaligen Zuwachs von 10 Familien mit 23 Kindern. In dem bis dahin stillen Spirgelbachtal, zog viel neues Leben ein.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen zur neuen Gemeinde Jossatal. Diese wurde zum 1. Juli 1974 kraft Landesgesetzes mit Lettgenbrunn zur Großgemeinde Jossgrund zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Burgjoß angehört(e):

16. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberamt Hausen, Amtsvogtei Burgjoß 1633: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Orb 1787: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Dalbergstaat („Erzkanzlerischer Kurstaat“), Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß 1806–1810: Primatialstaat Karl Theodor von Dalbergs im Rheinbund, Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Aschaffenburg, Distrikt Burgjoß 1814–1866: Königreich Bayern, Landgerichtsbezirk Orb ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis GelnhausenTrennung zwischen Justiz (Amtsgericht Bad Orb) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen, Gemeinde JossatalAm 31. Dezember 1971 als Ortsteil zur Gemeinde Jossatal. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Jossgrund

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Burgjoß 702 Einwohner. Darunter waren 9 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 111 Einwohner unter 18 Jahren, 282 zwischen 18 und 49, 159 zwischen 50 und 64 und 150 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 300 Haushalten. Davon waren 81 Singlehaushalte, 81 Paare ohne Kinder und 102 Paare mit Kindern, sowie 30 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 66 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 198 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen sind: 1632: 15 Dienstpflichtige 1812: 26 Feuerstellen, 200 Seelen

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 13 evangelische (= 4,11 %), 303 katholische (= 95,89 %) Einwohner • 1961: 22 evangelische (= 3,58 %), 585 katholische (= 95,59 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bildung Kindertagesstätte Im benachbarten Oberndorf befindet sich die ganztags Kindertagesstätte „Unterm Regenbogen“.Kindergarten Unterm Regenbogen Abgerufen am 18. Februar 2021 Die Tagesstätte hat 50 Plätze, in 2 Gruppen. Sie bietet den Kindern Mittagessen, aus eigener Küche an. Es gibt auch eine U3-Betreuung.

Schulen In Oberndorf gibt es eine zweizügige Grundschule, die Jossatal-Schule. Sie ist die nächste Schule für alle 4 Ortsteile der Gemeinde Jossgrund.

Weiterführende Schulen liegen außerhalb der Gemeinde. Es sind u. a.: die Kreisrealschule Bad Orb, das Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen, die Henry-Harnischfeger Schule in Bad Soden-Salmünster und die Brentano-Schule im Linsengericht.

Vereine Musikverein 1970 Burgjoß e. V. Gesangverein „Heimatklang“ Burgjoß

Burg mini|Burg Burgjoß am westlichen Ortseingang der Gemeinde Das Ortsbild wird geprägt von seinem historischen Wahrzeichen, der ehemaligen Wasserburg Burgjoß. Das Renaissanceschloss wurde in seiner heutigen Form zwischen 1541 und 1573 unter Daniel Brendel von Homburg, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, ausgebaut. Ab 1814 diente das Schloss als königlich-bayerische Forstdienststelle, ab 1875 als preußisches Forstamt Burgjoß, und seit 1919 als hessisches Forstamt.

Katholische Kirche Außerdem wird der Ort geprägt von der im Stil des Béton Brut Ende der 60er Jahre errichteten katholischen Kirche „Zu Ehren des kostbaren Blutes“. Von außen erinnert der Bau an die Einfachheit der Romanik, innen ist der Raum durch unterschiedliche Helligkeit gestaltet.

Infrastruktur und Wirtschaft Verkehr Nahverkehr Ganzjährig verkehren die Buslinien 82 und 83, des KVG Main-KinzigKVG Main Kinzig, aufgerufen am 9. April 2022 und schaffen öffentliche Verkehrsanschlüsse zu den andern Ortsteilen, den Nachbargemeinden und an die Kinzigtalbahn (Hessen) am Bahnhof Wächtersbach. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Die Streckenführung von Burgjoß geht alternativ über Bad Orb – Aufenau – Wächtersbach bzw. Oberndorf – Pfaffenhausen – Lettgenbrunn – Bad Orb – Aufenau – Wächtersbach.

Bahn Eine Anbindung an den Bahnverkehr bietet der Bahnhof Wächtersbach an der Kinzigtalbahn. Die Regionalbahn, die im Stundentakt verkehrt, bindet an die ICE-Haltepunkte Fulda und Hanau bzw. Frankfurt an. Der Bahnhof ist 17 km entfernt und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Bahnhof ist barrierefrei ausgebaut.

Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Burgjoß wurde 1926 gegründet. 2000 folgte eine Jugendfeuerwehr, 2005 die Voraushelfer. Die Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte sindFreiwillige Feuerwehr Burgjoß abgerufen am 7. März 2022: Voraushelfergruppe Wald- und Flächenbrände Verkehrsunfälle Die Einsatzabteilung besteht aus 22 Personen.Freiwillige Feuerwehr Burgjoß

Genossenschaft Bioenergiedorf Burgjoß Der Umweltgedanke führte in Burgjoß, im Jahre 2005 zur Gründung einer Initiative von 15 engagierten Bürgern, unter dem Motto „Burgjoß weg vom Öl!“. Der Holzreichtum der Region, mit einem Holzeinschlag des Forstamtes von jährlich rund 130.000 fm, legte die Nutzung dieser Ressource für Heizzwecke nahe. Das Dorf mit etwa 700 Einwohnern und 180 Hauseigentümern waren die kalkulatorische Grundlage für eine den ganzen Ort umfassende Planung. Dafür reichen etwa 1,5 % bis 2,0 % des o. g. Holzeinschlages in der Qualität von Waldrestholz. Eine Konzeptstudie, bezahlt mit Zuschüssen aus Mitteln der Dorferneuerung 2006, brachte eine solide Grundlage für die Realisierung einer kommunalen Wärmeerzeugungsanlage.