Die Bahnstrecke Kaufbeuren–Schongau war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn in den bayerischen Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern. Sie war 31,1 Kilometer lang und verband die Städte Kaufbeuren und Schongau. Sie wurde auch Schongauer Bähnle oder Sachsenrieder Bähnle genannt, da sie den touristisch beliebten Sachsenrieder Forst durchquerte.

Die Strecke wurde von 1922 bis 1923 als Lokalbahn durch die Deutsche Reichsbahn eröffnet und diente insbesondere dem Güterverkehr. 1972 stellte die Deutsche Bundesbahn aufgrund des zurückgehenden Verkehrsaufkommens den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke und den Güterverkehr zwischen Linden und Altenstadt ein. Der Abschnitt von Linden nach Kaufbeuren wurde noch bis 1977 und die Strecke von Schongau nach Altenstadt bis 1992 im Güterverkehr betrieben.

Geschichte Planung 1861 kamen die Eisenbahnkomitees aus Schongau, Kaufbeuren, Weilheim in Oberbayern und Tölz in Schongau zusammen, um die Planung einer Eisenbahnverbindung von Kaufbeuren über Schongau und Penzberg nach Tölz einzuleiten. Dabei wurden verschiedene Varianten einer südlich von München verlaufenden Eisenbahnstrecke geprüft. Von München nach Starnberg und von München über Holzkirchen nach Rosenheim gab es schon Strecken. Eine Variante sah eine sogenannte Gebirgsgürtelbahn von Rosenheim über die bereits seit 1857 bestehende Bayerische Maximiliansbahn nach Holzkirchen und weiter über Tölz, Penzberg, Weilheim, Peißenberg und Schongau nach Kaufbeuren vor. Die zweite Variante war eine Verbindung von Starnberg, wo Anschluss an die 1854 eröffnete Strecke aus München bestehen sollte, über Tutzing, Weilheim, Peißenberg und Schongau nach Kaufbeuren. Im November 1862 stellte die Eisenbahnbausektion der Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten die Planung für die Strecken von Starnberg über Tutzing nach Penzberg und von Tutzing über Weilheim nach Peißenberg vor. Da die beiden Strecken jeweils in Penzberg und Peißenberg enden sollten, gefährdete dies die Planungen der durchgehenden Bahnverbindung von Kaufbeuren nach Holzkirchen. Daher beschlossen die betroffenen Eisenbahnkomitees, eine eigene Planung der Gebirgsgürtelbahn in Auftrag zu geben. Mit dem Baubeginn der Strecken von Starnberg über Tutzing nach Penzberg und Peißenberg wurde die Verwirklichung der Gebirgsgürtelbahn zurückgestellt. Zwar verfolgten die Eisenbahnkomitees das Projekt noch einige Zeit weiter, 1879 wurde die Gebirgsgürtelbahn jedoch endgültig durch die Abgeordnetenkammer abgelehnt.

Ab 1899 kam es erneut zu Bestrebungen, an die 1866 eröffnete Bahnstrecke Weilheim–Peißenberg eine Lokalbahn nach Schongau anzuschließen. 1905 begann die Projektierung dieser Strecke. Daraufhin äußerten 1905 auch die Stadt Kaufbeuren und einige östlich von Kaufbeuren gelegene Gemeinden erneut den Wunsch nach einer Verbindung von Kaufbeuren nach Schongau. Im November 1906 wurde die Generaldirektion der Königlich Bayerischen Verkehrsanstalten beauftragt, einen Planungsentwurf zu erstellen. Am 1. Juni 1908 stimmte der Bayerische Landtag diesem Entwurf zu. Da die Strecke von Kaufbeuren nach Schongau als Lokalbahn realisiert wurde, mussten die Gemeinden größtenteils für den Grunderwerb aufkommen. Die Grundstücksverhandlungen begannen am 23. Januar 1909. Am 2. September 1912 verabschiedete das Parlament das Gesetz zum Bau der Lokalbahn. Es kam jedoch zu Streitigkeiten zwischen den Städten Kaufbeuren und Schongau um die Kostenverteilung, sodass schließlich die Stadt Kaufbeuren einen großen Teil der Kosten für den Grundstückserwerb auf der Strecke übernehmen musste. Nach Abschluss dieser Verhandlungen wurde der Baubeginn für August 1914 geplant, verzögerte sich jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Streckenbau und Inbetriebnahme miniatur|hochkant|Der asphaltierte Fahrradweg auf dem Bahndamm zwischen Kaufbeuren und Aufkirch Der Bau der Strecke konnte erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1919 unter der Leitung der Eisenbahnneubauinspektion Kaufbeuren beginnen. Die Bauarbeiten wurde unter anderem von den Bauunternehmen Friedrich Zink aus München und Hans Heitzer aus Donauwörth ausgeführt, daneben waren einige örtliche Handwerksbetriebe beteiligt. Wegen der großen Höhenunterschiede zwischen dem Tal der Wertach und dem Sachsenrieder Forst waren die Geländeverhältnisse sehr ungünstig. Daher mussten einige aufwändige Brückenbauwerke, tiefe Geländeeinschnitte und bis zu 18 Meter hohe Bahndämme errichtet werden. Wegen des harten Nagelfluh-Gesteins mussten die Bauunternehmen bei Stocken größere Sprengungen durchführen, um den dortigen Geländeeinschnitt zu erstellen. Dadurch wurde die Bauzeit deutlich verlängert.

Die Deutsche Reichsbahn erstellte die Stationsgebäude entlang der Strecke nach einem einheitlichen Bauplan. Alle Stationen, bis auf die Haltepunkte Osterzell und Sachsenrieder Forst, erhielten eingeschossige Gebäude im Lokalbahnstil mit Satteldach, die aus einem gemauerten Teil mit Dienst- und Warteraum sowie einer hölzernen Güterhalle mit überdachter Laderampe bestanden. Des Weiteren entstanden in Schwabbruck, Sachsenried, Linden und Mauerstetten einheitliche Wohnhäuser für Bahnbedienstete, die als gemauerte zweigeschossige Gebäude mit Krüppelwalmdach ausgeführt waren.

Am 1. April 1922 nahm die Deutsche Reichsbahn den Abschnitt von Kaufbeuren nach Aufkirch in Betrieb. Nach vierjähriger Bauzeit konnte schließlich mit dem Abschnitt von Aufkirch nach Schongau am 17. Februar 1923 die Gesamtstrecke feierlich eröffnet werden. Schulkinder und die Vertreter der an der Strecke gelegenen Gemeinden erhielten am Tag der Eröffnung eine Freifahrt.

Betrieb und Stilllegung Am 18. Februar 1923 nahm die Deutsche Reichsbahn den planmäßigen Betrieb zwischen Kaufbeuren und Schongau auf.Manfred Hofer: Die Eisenbahn in Schongau. Herausgeber: Stadt Schongau, Schongau 1986, S. 38 Die Bedeutung der Lokalbahn lag vor allem im Güterverkehr. Unter anderem wurde Pechkohle aus dem Bergwerk Peiting über Schongau und Kaufbeuren ins Allgäu und nach Schwaben abtransportiert. Daneben verlud die Deutsche Reichsbahn auch Rundholz aus dem Sachsenrieder Forst und dem Denklinger Rotwald, unter anderem als Grubenholz für das Bergwerk Peiting.Hundert Jahre Kohlenbergwerk Peißenberg 1837 bis 1937, Herausgeber: Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke A.G., Peißenberg 1937, S. 59 Für die Holzverladung wurde eine eigene Haltestelle Sachsenrieder Forst eingerichtet. Außerdem wurden im örtlichen Güterverkehr landwirtschaftliche Produkte und Vieh verladen.

Der Personenverkehr auf der Strecke war von eher geringer Bedeutung. Das Sachsenrieder Bähnle fuhr jahrzehntelang viele Sonntagsausflügler von Kaufbeuren bis zur Haltestelle Sachsenrieder Forst, von wo aus Wanderwege zur Ausflugsgaststätte Waldhaus führten. Dort erreichte die Bahnstrecke mit 818 Metern ihren Höhepunkt.

Im Zweiten Weltkrieg kam es wegen der Errichtung von Militäranlagen im Bereich von Altenstadt zu einem starken Anstieg des Güterverkehrs. Daher gab es Pläne, einen eigenen Gleisanschluss zum 1939 eröffneten Fliegerhorst Schongau einzurichten. Dieser sollte am Bahnhof Altenstadt aus Richtung Schongau von der Strecke abzweigen und etwa 500 Meter nach Südwesten führen. Mit dem Bau einer Laderampe am Ende des geplanten Anschlusses wurde bereits begonnen, der Bau des Anschlussgleises jedoch nicht mehr verwirklicht.

1959 verkehrten täglich noch zwanzig Personenzüge und vier Güterzüge auf der Strecke. In der Folgezeit ging das Güteraufkommen durch die zunehmende Verlagerung auf die Straße deutlich zurück. 1968 wurde das Bergwerk Peiting stillgelegt und die Kohlezüge auf der Strecke wurden vollständig eingestellt. Auch der Personenverkehr, der immer von geringer Bedeutung gewesen war, wurde durch den zunehmenden Individualverkehr und die Einführung paralleler Buslinien geringer. Im Sommerfahrplan 1971 gab es zwischen Schongau und Kaufbeuren im Personenverkehr nur noch fünf Zugpaare, während gleichzeitig acht Busse auf derselben Relation verkehrten. Am 1. Oktober 1972 stellte die Deutsche Bundesbahn den Personenverkehr auf der ganzen Strecke ein. Am 31. Dezember 1972 beendete sie auch den Güterverkehr zwischen Linden und Altenstadt und legte diesen Streckenabschnitt still. Im September 1973 wurden auf dem stillgelegten Abschnitt die Signale und die technischen Anlagen der Bahnübergänge abgebaut und bis Ende 1973 die Gleise demontiert.

mini|Straßenbrücke am Schongauer Krankenhaus. Links neben dem Gleis der Strecke nach Landsberg ist die Trasse des 1983 aufgelassenen Gleises des Sachsenrieder Bähnle zu erkennen. Zwischen Kaufbeuren und Linden verkehrte in den nächsten Jahren noch ein Güterzug. 1977 wurde beim Neubau der Bundesstraße 12 östlich von Kaufbeuren eine Brücke über die Bahnstrecke benötigt. Da die Deutsche Bundesbahn und das Bundesministerium für Verkehr die Kosten für die Brücke nicht tragen wollten, stellte die DB den letzten Güterzug am 1. September 1977 ein und legte die Strecke still. Noch im selben Monat wurden die Gleise demontiert. Der Abschnitt zwischen Schongau und Altenstadt wurde noch als Gleisanschluss im Güterverkehr genutzt.

1983 wurde östlich des Schongauer Krankenhauses eine Brücke der von Hohenfurch kommenden Straße (seinerzeit Teil der Bundesstraße 17) über die hier mit der Bahnstrecke Landsberg–Schongau gemeinsam geführte Strecke nach Altenstadt neu errichtet. Dabei baute die Deutsche Bundesbahn das auf einer Länge von 1,5 Kilometern parallel zur Strecke aus Landsberg verlaufende Gleis des Sachsenrieder Bähnles zurück und führte das Gleis am Verzweigungspunkt der beiden Strecken mit einer neuen Weiche direkt in die Strecke Landsberg–Schongau ein. Dadurch konnten die Kosten für die neue Brücke gesenkt werden, da nur noch ein Gleis überquert werden musste. 1992 wäre beim Bau der Umfahrungsstraße Schongau (im Zuge der heutigen Bundesstraße 17) eine Brücke über die Reststrecke von Schongau nach Altenstadt nötig geworden. Da erneut weder die DB noch das Verkehrsministerium den Brückenneubau bezahlen wollten, entschied sich die DB zur Stilllegung des Streckenabschnittes. Zum 27. September 1992 wurde der restliche Güterverkehr zwischen Schongau und Altenstadt eingestellt und die Strecke stillgelegt. Bis 2000 wurden die Gleisanlagen fast vollständig zurückgebaut.

Streckenbeschreibung Verlauf miniatur|hochkant=0.7|Abzweig von der Strecke Landsberg–Schongau, nördlich Schongau, April 2013 miniatur|Osterzeller Viadukt 2014