mini|Die Stadtkirche St. Blasius Die Stadtkirche St. Blasius ist eine Kirche in Bopfingen im baden-württembergischen Ostalbkreis. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Aalen und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Ihre Gestalt erhielt die Stadtkirche im Wesentlichen in der Blütezeit der ehemaligen Freien Reichsstadt im 13. und 14. Jahrhundert.Klaus Jan Philipp: Pfarrkirchen. Funktion, Motivation, Architektur - Eine Studie am Beispiel der Pfarrkirchen der schwäbischen Reichsstädte im Spätmittelalter. Dissertation 1985, Druckfassung Marburg an der Lahn 1987, passim Da die Reformation in Bopfingen über Jahrzehnte sehr moderat eingeführt wurde, sind die Kunstschätze aus dem Spätmittelalter nahezu unversehrt erhalten geblieben.
Baugeschichte mini|Epona-Relief aus gallo-römischer Zeit Ein hölzerner Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde um 650 errichtet, eine der ersten Kirchen im Alemannengebiet überhaupt. In fränkischer Zeit wurde dann unter Verwendung von Kalktuffquadern aus römischen Ruinen eine erste Steinkapelle erbaut, die zur Urkirche der Region, der Pfarrkirche St. Martin in Kirchheim am Ries, gehörte. Die römischen Quader sind am heutigen Bauwerk erhalten, so findet sich an der äußeren Südwand links vom Eingangsportal eine Darstellung der keltischen Göttin Epona auf einem Pferd sitzend, die in gallo-römischer Zeit als Schutzgöttin der Pferde verehrt wurde.
Um 1100 stifteten die auf der Burg Flochberg sitzenden edelfreien Herren von Flochberg-Gundelfingen die heutige, dem Hl. Blasius geweihte Kirche mit eigener Pfarrei. Mit dem Aufschwung des Ortes Bopfingen nach dem Übergang des Besitzes an die Staufer und seiner Lage an den wichtigen staufischen Verbindungsstraßen von Cannstatt nach Donauwörth und von Ulm nach Rothenburg entwickelte sich zur Blasiuskirche eine Wallfahrt, die 1317 in einem Ablassbrief bezeugt ist. Zu jener Zeit erfolgte wohl auch eine Erweiterung des ursprünglich einschiffigen romanischen Saalbaus unter Beibehaltung von Teilen der Südwand und der Westwand um den Chorbereich, allerdings wurde die Kirche im Jahr 1330 bei der Auseinandersetzung um das staufische Erbe und der damit einhergehenden Zerstörung der Burg Flochberg wohl auch beschädigt.
Die Kirche besteht aus einem einfachen flachgedeckten Langhaussaal mit rippengewölbtem Rechteckchor. Im späten 15. Jahrhundert wurde das Kirchenschiff nach Norden erweitert, wodurch die nördlichen Kirchenfenster spätgotische Stilelemente aufweisen. Der Kirchturm wurde 1561 erneuert, stürzte jedoch 1611 ein und erhielt im Jahr 1613 beim Wiederaufbau seine heutige Gestalt. Da die bürgerliche Gemeinde die Kosten für den Wiederaufbau teilweise übernommen hatte, ging der Besitz der beiden achteckigen Turmobergeschosse an die Gemeinde über, die ihn daher auch für weltliche Zwecke (Zeitanzeige, Stadtüberwachung) nutzen konnte. 1908 wurde der Turm saniert und die Uhr eingebaut.
1885 fand eine Innenrenovierung im neogotischen Stil statt, 1955/56 sind die neogotischen Innenbemalungen im Rahmen einer Sanierung wieder entfernt worden.
Ausstattung mini|Blick in die Stadtkirche Herlin-Altar mini|Herlin-Altar
Schmuckstück der Kirche ist der spätgotische Flügelaltar, der 1472 vollendet wurde. Er stammt aus der Werkstatt des Nördlinger Meisters Friedrich Herlin, der als erster Maler in Süddeutschland in der neuen Weise der Niederländer Jan van Eyck und Rogier van der Weyden zu malen verstand. Die von Herlin bemalten Altarflügel zeigen auf der linken Innenseite die Geburt Christi, auf der rechten Innenseite die Anbetung der Könige. Die Flügelaußenseiten zeigen links die Gefangennahme des hl. Blasius und seine Vorführung beim Statthalter, rechts das Martyrium des Heiligen. Die Schreinrückseite (heute separat in der Kirche aufgehängt) ist mit Szenen der Passion Christi bemalt.
Die Skulpturen des Herlin-Altars wurden von einem oberrheinischen Meister in der Nachfolge von Niclas Gerhaert van Leyden geschaffen. Der Mittelschrein enthält eine geschnitzte „Traubenmadonna“, in den Seitenschreinen befinden sich Figuren der Nothelfer Blasius und Christophorus. In der Predella sind zwölf kleine Apostelfiguren. Das Gesprenge des Altars wurde von Herlins Mitarbeiter Hans Weidenlich geschnitzt.mini|hochkant|Gotisches Taufbecken
Wandmalerei In der Sakristei der Kirche hat sich das Fragment einer Wandmalerei aus der Zeit um 1400 erhalten. Nur wenig jünger sind die Reste der Chorwandmalereien, abermals mit Szenen aus dem Martyrium des hl. Blasius. An der Nordwand sind Reste eines Bilderzyklus aus dem Leben Jesu, der vermutlich nach der Verbreiterung des Kirchenschiffs um 1460/70 entstanden ist. In der untersten Reihe sind einige der 14 Nothelfer erkennbar. Die Darstellung des Jüngsten Gerichts am Chorbogen sowie die überlebensgroße Darstellung des hl. Christophorus an der Südwand stammen wohl erst aus nachreformatorischer Zeit.Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder .
Sakramentshaus Das Sakramentshaus von 1510 stammt von Hans Böblinger d. J.
Konfessionsbild mini|KonfessionsbildDas so genannte Bopfinger Konfessionsbild, ein in der Kirche aufgehängtes Leinwandbild aus der Zeit um 1600, dokumentiert das Bekenntnis Bopfingens zur Augsburger Konfession von 1530.Wolfgang Schöllkopf: Evangelisch im Bild - Das Konfessionsbild in der Evangelischen Kirche Peter und Paul in Ulm-Jungingen von 1711 als Beispiel protestantischer Bildkultur. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte Bd. 114; Stuttgart 2014. S. 70–84 - siehe auch: Wolfgang Schöllkopf: Konfessionsbild. In: Württembergische Kirchengeschichte Online, 2018 (Permalink).-
Grabdenkmale In der Kirche befinden sich Epitaphe für Walter von Bopfingen, ein lebensgroßes Grabmal für einen Ritter von Emershoven von 1524 mit aufgesetztem Relief mit Kreuzigungsdarstellung aus Rotmarmor sowie Epitaphe für den 1576 gestorbenen Stadtschreiber Sylvester Vischer, den 1581 gestorbenen Prediger Balthasar Pfister und den 1612 verstorbenen Stadtschreiber Balthasar Enslin, einen Vorfahren Goethes.
Glasmalerei Die Chorfenster hinter dem Altar wurden 1885 von der Stuttgarter Glaswerkstatt Waldhausen & Ellenbeck, dem Vorläufer der heutigen Firma Gaiser & Fieber in Esslingen, mit floralen Motiven sowie mit damals gängigen so genannten Teppichmustern als Blendschutz gegen die Morgensonne versehen. 1979/80 bekam die Kirche neue Fenster im Kirchenschiff, die von dem Kunstmaler Georg Sternbacher meist zartfarbig und in feiner Bleiruten-Struktur gestaltet wurden.
Von 2015 stammt der Gebetskerzenständer unter der Kanzel. Dieser nimmt die Zahlensymbolik des gotischen Taufsteins auf. Auf vier massiven Füßen wird der Kreis getragen, in dem die Kerzen aufleuchten: Erde und Himmel berühren sich.
Orgel mini|Orgel 1465 wurde bereits eine Orgel in der Kirche von Bopfingen erwähnt. 1893 errichtete die Orgelbaufirma Link als opus 198 eine neue Orgel mit 19 Registern auf zwei Manualen und Pedal. 1974 wurde sie durch einen Neubau des Orgelbauers Konrad Koch mit 24 Registern auf zwei Manualen und Pedal ersetzt.
Glocken Im Turm der Stadtkirche hängen sechs Glocken, vier davon bilden das Geläut der Stadtkirche, die fünfte Glocke in der Turmlaterne wird als Schlagglocke für den Uhrschlag benutzt. GlockeNameSchlagtonGießerGussjahrGewichtDurchmesser 1 Gedächtnisglockees´Heinrich Kurtz (Stuttgart)19541633 kg1347 mm 2 Marienglockef´unbekannt, Nürnbergerste Hälfte des 14. Jahrhunderts1100 kg1205 mm 3 Ossannaas`Panthaleon Sidler (Esslingen)1496800 kg1060 mm 4 Taufglockec"Heinrich Kurtz (Stuttgart)1954339 kg802 mm I Schlagglocke in der Turmlaterneb'1614 II ?h"15./16. Jahrhundert
Literatur H. Ensslin: Geschichte der ehemaligen Freien Reichsstadt Bopfingen. In: Konrad A. Theiss (Hg.): Bopfingen. Freie Reichsstadt - Mittelpunkt des westlichen Rieses. Eine Geschichte der Stadt. Stuttgart 1971, 23–205. Günter Memmert: Kirchen und Klöster der Schwäbischen Alb. Stuttgart 1983, S. 17–19. Michael Rau: Evangelische Stadtkirche St. Blasius Bopfingen. 2006, ISBN 978-3-89870-313-0. Art. Bopfingen – Stadtkirche St. Blasius. In: Evangelischer Kirchenbezirk Aalen (Hrsg.): Evangelische Kirchenbauten im Dekanat Aalen. Einhorn, Schwäbisch Gmünd 2016, ISBN 978-3-95747-042-3, S. 40–45 .
Weblinks
Stadtkirche St. Blasius bei der evangelischen Kirchengemeinde Bopfingen
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Bopfingen Bopfingen, Blasius Bopfingen Bopfingen Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Kulturdenkmal in Bopfingen Bopfingen Bopfingen