Fritillaria ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Die Ende 2024 etwa 170 Arten sind in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel weitverbreitet. Der deutsche Trivialname für manche Arten ist Schachblume. Sorten vieler Fritillaria-Arten werden als Zierpflanzen verwendet, am bekanntesten ist wohl die Kaiserkrone.
Beschreibung mini|hochkant|links|Illustration der Schachblume (Fritillaria meleagris) mini|Blüte von Fritillaria atropurpurea mini|hochkant|links|Kapselfrüchte von Fritillaria atropurpurea mini|hochkant|Samen der Fahlblütigen Fritillarie (Fritillaria pallidiflora) mini|hochkant|Samen der Schachblume (Fritillaria meleagris)
Erscheinungsbild und Blätter Fritillaria-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Die Zwiebel dieser Geophyten besteht aus meist zwei bis drei dicht gepackten, fleischigen, stärkehaltigen Zwiebelschuppen, die anfangs durch eine dünne, durchscheinende Außenhaut geschützt werden, welche aber mit zunehmendem Alter verschwindet. Gelegentlich bilden sie auch kleine Tochterzwiebeln.
Der je Zwiebel einzige Stängel ist unverzweigt, aufrecht und belaubt. Die in Wirteln, gegen- oder wechselständig angeordneten Laubblätter am Stängelgrund sind gestielt und die am Stängel sitzend. Die einfachen Blattspreiten sind länglich, lanzettlich, linealisch bis mehr oder weniger eiförmig.
Blütenstände und Blüten Die meist nickenden Blüten stehen je nach Art entweder einzeln oder zu mehreren bis vielen in doldigen oder lockeren traubigen Blütenständen zusammen. Die Tragblätter sind laubblattähnlich.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Es sind zwei Kreise mit je drei freien, gleichen Blütenhüllblätter vorhanden und sie stehen glocken- bis becherförmig zusammen. Die Blütenhüllblätter sind oft schachbrettähnlich mit wechselnd hellen und dunklen Vierecken gemustert und haben in der Mitte oft einen grünen Längsstreifen. Am Grund der Blütenhüllblätter befinden sich auffällige Nektarien, sie sind am inneren Kreis besser entwickelt. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, die die Blütenhüllblätter nicht überragen. Die Staubbeutel sind etwa auf halber Höhe der Staubfäden verwachsen. Die Staubfäden sind an der Basis der Blütenhüllblätter inseriert. Drei Fruchtblätter sind zu einem mehr oder weniger sitzenden, oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen, der viele Samenanlagen enthält. Der fast ungeteilte oder dreilappig bis -spaltige und hinfällige Griffel ist länger als der Fruchtknoten und endet in linealischen oder sehr kurzen Narben.
Früchte und Samen Die aufrecht stehenden, dünnwandigen Kapselfrüchte sind dreifächrig mit sechs manchmal geflügelten Längskanten, oben abgeflacht und öffnen sich lokulizid der Länge nach. Die vielen flachen, gelblichen bis bräunlichen Samen sind in zwei Reihen je Fruchtfach angeordnet und können breit geflügelt sein.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 12 oder x = 13; häufig finden sich Chromosomenfragmente.
mini|400px|Verbreitungskarte von zehn Fritillaria Arten in Europa sowie West- und Mittelasien. (Versuch einer Darstellung gemäß der auf den jeweiligen Wikipedia-Seiten (en, de, ru, fr) angegebenen natürlichen Verbreitung) Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Fritillaria wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 303 aufgestellt. Typusart ist Fritillaria meleagris Der wissenschaftliche Gattungsname Fritillaria geht zurück auf das lateinische Wort fritillus für „Würfelbecher“ und spielt auf die Form der Blüten und auf die viereckige Musterung an. Synonyme für Fritillaria sind: Amblirion , Baimo , Corona , Eucrinum , Imperialis , Korolkowia , Liliorhiza , Lyperia , Melorima , Monocodon , Ochrocodon , Petilium , Rhinopetalum , Theresia , Tozzettia , Sarana .
Äußere Systematik Die Gattung Fritillaria ist nah verwandt mit den Gattungen Lilien (Lilium) und Nomocharis. Sie gehören zur Tribus Lilieae in der Unterfamilie Lilioideae innerhalb der Familie Liliaceae.
Arten und ihre Verbreitung Die 100 bis 162 Fritillaria-Arten sind sämtlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet. Mannigfaltigkeitszentren sind Zentralasien und der Mittelmeerraum. Die Türkei ist mit etwa 48 Arten das artenreichste Land dieser Gattung. In China gibt es etwa 24 Arten, 15 davon nur dort. Etwa 18 Arten gibt es im Iran. Etwa 20 Arten kommen in Nordamerika vor. In Pakistan kommen nur etwa fünf Arten vor. In Mitteleuropa wild vorkommend ist nur die in Deutschland wie in Österreich gefährdete Schachblume (Fritillaria meleagris).
Es gibt 2002 etwa 100 bis 162 und Ende 2024 etwa 170Fritillaria-Arten:
Arten der Gattung Fritillaria Spitzkronige Fritillarie (Fritillaria acmopetala , Syn.: Fritillaria lycia , Fritillaria reygassii , Fritillaria sororum ): Sie ist von der südwestlichen bis südlichen Türkei über Zypern bis zum Libanon und bis Israel verbreitet. Sprenkel-Schachblume (Fritillaria affinis ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 0 bis 1800 Metern und ist in Nordamerika in der kanadischen Provinz British Columbia und in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Idaho, Montana, Oregon sowie Washington verbreitet. Stinkende Fritillarie (Fritillaria agrestis ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 0 bis 500 Metern in Kalifornien. Erzurum-Schachblume (Fritillaria alburyana ): Sie kommt nur in der östlichen Türkei vor. Fritillaria alfredae : Es gibt drei Unterarten: Fritillaria alfredae subsp. alfredae: Sie kommt nur im Libanon vor. Fritillaria alfredae subsp. glaucoviridis (Fritillaria glaucoviridis , Fritillaria haradjianii ): Sie kommt nur in der südlichen-zentralen Türkei vor. Fritillaria alfredae subsp. platyptera (Syn.: Fritillaria platyptera Sam. ex ): Sie kommt vom südtürkischen Hatay bis Syrien vor. Fritillaria amabilis : Sie kommt nur im südlichen-zentralen bis südlichen Japan vor. Fritillaria amana : Sie kommt nur in der südlichen-zentralen Türkei vor. Fritillaria anhuiensis (Syn.: Fritillaria anhuiensis var. albiflora , Fritillaria ebeiensis , Fritillaria ebeiensis var. purpurea , Fritillaria hupehensis var. dabieshanensis , Fritillaria shuchengensis et al., Fritillaria wuyangensis ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 600 bis 900 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui sowie Henan. Fritillaria ariana : Sie ist vom östlichen Iran bis Afghanistan verbreitet. Fritillaria arzuae : Sie wurde 1998 aus der türkischen Provinz Adıyaman erstbeschrieben. Syrische Fritillarie (Fritillaria assyriaca , Syn.: Fritillaria canaliculata , Fritillaria viridis ): Sie ist von der östlichen Türkei bis zum westlichen Iran verbreitet. Fritillaria asumaniae : Sie wurde 2015 aus der Türkei erstbeschrieben. Fritillaria atrolineata : Sie wurde 1997 aus dem Iran erstbeschrieben. Fritillaria atropurpurea : Sie ist in den westlichen USA weitverbreitet und gedeiht in Höhenlagen von 1000 bis 3200 Metern. Goldei-Fritillarie oder Gold-Schachblume (Fritillaria aurea ): Sie kommt in der zentralen bis südlichen Türkei vor. Fritillaria avromanica : Sie wurde 2015 aus dem Iran erstbeschrieben. Fritillaria ayakoana : Dieser Endemit kommt nur im südwestlichen Teil der japanischen Insel Honshu vor. Fritillaria baisunensis : Sie wurde 2019 aus Usbekistan erstbeschrieben. Fritillaria baskilensis : Sie wurde 1998 aus der östlichen Türkei erstbeschrieben. Zweiblütige Fritillarie oder Missionsglocke (Fritillaria biflora ): Es gibt zwei Varietäten: Fritillaria biflora var. biflora: Sie gedeiht in Höhenlagen von 0 von 1200 Metern im westlichen Kalifornien und im mexikanische Baja California. Fritillaria biflora var. ineziana (Syn.: Fritillaria grayana ): Dieser Endemit kommt in Kalifornien nur im Hillsborough County und im San Mateo County vor. Dieser als selten und gefährdet bezeichnete Endemit gedeiht in Höhenlagen von 0 bis 200 Metern nur im kalifornischen Hillsborough-Gebiet im San Mateo County. Bithynische Fritillarie (Fritillaria bithynica ): Sie kommt auf Inseln der östlichen Ägäis und in der nordwestlichen bis westlichen Türkei vor. Fritillaria brandegeei : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1500 bis 2100 Metern in Kalifornien. Diese selten Art ist durch Weidewirtschaft gefährdet. Buchara-Fritillarie (Fritillaria bucharica ): Sie kommt in Zentralasien (nur Tadschikistan sowie Usbekistan) und nordöstlichen Afghanistan vor. Fritillaria byfieldii : Diese Endemit wurde 2001 aus dem türkischen Denizli erstbeschrieben. Schatten-Schachblume oder Schwarze Fritillarie (Fritillaria camschatcensis , Syn.: Fritillaria saranna nom. inval., Fritillaria camschatcensis var. flavescens , Fritillaria camschatcensis var. alpina , Fritillaria camschatcensis subsp. alpina , Fritillaria camschatcensis var. keisukei ): Sie ist von Japan über Kamtschatka, Sachalin, Amur, Alaska, der kanadischen Provinz British Columbia bis zu den nordwestlichen US-Bundesstaaten Oregon sowie Washington verbreitet. Karische Fritillarie (Fritillaria carica , Syn.: Fritillaria chia nom. inval., Fritillaria pelinaea , Fritillaria tulipifolia var. dasyphylla ): Sie kommt in der südwestlichen Türkei und auf Inseln in der östlichen Ägäis vor. Purpurbraune Fritillarie (Fritillaria caucasica , Syn.: Fritillaria racemosa nom. utique rej., Fritillaria tulipifolia , Fritillaria parviflora , Fritillaria armena var. lucida , Fritillaria lucida ): Sie ist von der nördlichen bis nordöstlichen Türkei über den Kaukasusraum bis in den nordwestlichen Iran verbreitet. Fritillaria chitralensis (auct.) , Syn: Fritillaria imperialis var. chitralensis auct.: Sie ist vom nordöstlichen Afghanistan bis zum nordwestlichen Pakistan (nur in Chitral) verbreitet. Fritillaria chlorantha : Sie kommt nur im westlichen Iran vor. Fritillaria chlororhabdota : Sie wurde 1997 aus dem Iran erstbeschrieben. Fritillaria cirrhosa (Syn.: Fritillaria polyphylla nom. nud., Fritillaria roylei , Fritillaria gulielmi-waldemarii , Fritillaria cirrhosa var. brachyantha , Fritillaria cirrhosa var. bonatii , Fritillaria cirrhosa var. viridiflava , Fritillaria cirrhosa var. dingriensis , Fritillaria duilongdeqingensis , Fritillaria zhufenensis , Fritillaria lhiinzeensis , Fritillaria cirrhosa subsp. roylei ): Sie ist von Indien, Pakistan, Bhutan, Nepal, Sikkim, Myanmar und Tibet bis zu den chinesischen Provinzen Gansu, Qinghai, Sichuan sowie Yunnan (als ) verbreitet. Schwefelgelbe Schachblume (Fritillaria collina , Syn.: Fritillaria lutea nom. illeg., Fritillaria biebersteiniana ): Sie ist von der östlichen Türkei bis zum Kaukasusraum verbreitet. Fritillaria conica : Sie kommt nur im südwestlichen Griechenland vor. Fritillaria crassicaulis (Syn.: Fritillaria omeiensis ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 2500 bis 3400 Metern in den chinesischen Provinzen südwestliches Sichuan sowie nordwestliches Yunnan. Dickblättrige Schachblume (Fritillaria crassifolia ): Je nach Autor gibt es zwei bis vier Unterarten: Fritillaria crassifolia subsp. crassifolia Fritillaria crassifolia subsp. poluninii (Syn.: Fritillaria poluninii ) Sie kommt nur im nördlichen Irak vor. Fritillaria dagana : Sie ist von Südsibirien bis zur nördlichen Mongolei verbreitet. Fritillaria dajinensis : Sie gedeiht in Höhenlagen von 3600 bis 4400 Metern nur im nordwestlichen Sichuan. Fritillaria davidii : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1600 bis 2600 Metern nur im westlichen Sichuan. Davis-Schachblume (Fritillaria davisii ): Sie kommt nur im südlichen Griechenland vor.