Diese Liste deutscher Balladen soll dem Auffinden von Artikeln zu bekannten Balladen dienen. Aus diesem Grund sind – soweit auffindbar – die Gedichtanfänge oder teilweise Refrains beigefügt.
A mini|Tizian: Aktäon Adelstan und Röschen, Ludwig Heinrich Christoph Hölty Ein Mann mit einem Ordensband, / Der Ritter Hardiknut, / Verließ die Stadt, und kam aufs Land, / Wie oft der Städter tut. Aktäon, Gottfried Keller Aktäon hat im dunklen Hain / Das edle Wild gefällt, / Da sah von einem milden Schein / Die Waldflut er erhellt. Alkestis, Rainer Maria Rilke Da plötzlich war der Bote unter ihnen, / hineingeworfen in das Überkochen / des Hochzeitsmahles wie ein neuer Zusatz. Altfriesische Sage vom ewigen Recht, Franz Karl Ginzkey Zwölf Richter trieben durch Sturmes Not. / Segel und Steuer verlor ihr Boot. / Sie spähten rings nach Land umher. / Ohn’ alle Antwort blieb das Meer. Am letzten Tag des Jahres (Silvester), Annette von Droste-Hülshoff Das Jahr geht um, / Der Faden rollt sich sausend ab. / Ein Stündchen noch, das letzte heut, / Und stäubend rieselt in sein Grab, / Was einstens war lebend'ge Zeit. An Agnes Bernauerin, Ludwig I. Ein holdes Veilchen blühtest du verborgen / In kindlicher Zurückgezogenheit, / An deines Lebens harmlos stillen Morgen, / Bewußtlos deiner Liebenswürdigkeit. Andreas Hofer, Max von Schenkendorf Als der Sandwirt von Passeier Innsbruck hat mit Sturm genommen, / Die Studenten, ihm zur Feier, Mit den Geigen mittags kommen, Anno Domini 1812, Richard Dehmel Über Rußlands Leichenwüstenei / faltet hoch die Nacht die blassen Hände; / funkeläugig durch die weiße, weite, / kalte Stille starrt die Nacht und lauscht. / Schrill kommt ein Geläute. Apoll, der Entdecker, Carl Spitteler Im Osten stand des Tags prophetisches Gestirn. / Des Dämons Schwingen rauschten um Apollons Stirn. Archibald Douglas, Theodor Fontane Ich hab' es getragen sieben Jahr, / und ich kann es nicht tragen mehr, / wo immer die Welt am schönsten war, / da war sie öd’ und leer. Aufschwung, Detlev von Liliencron Mitten aus dem Schnee des Nordens, / Weit im Süden, aus der Nacht, / In des Annunciatenordens / Reicher Herrenmeistertracht: Aus dem schlesischen Gebirge, Ferdinand Freiligrath Nun werden grün die Brombeerhecken; / Hier schon ein Veilchen – welch ein Fest! / Die Amsel sucht sich dürre Stecken, / Und auch der Buchfink baut sein Nest. Aus Köllen war ein Edelknecht, Clemens Brentano Aus Köllen war ein Edelknecht / Um Botschaft ausgegangen, / Den Vater hielt ihm Engelbrecht / Der Bischof hart gefangen.
B Ballade des äußeren Lebens, Hugo von Hofmannsthal Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen, / Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben, / Und alle Menschen gehen ihre Wege. Ballade vom Brennesselbusch, Börries von Münchhausen Liebe fragte Liebe: „Sag, weshalb du weinst?“ / Raunte Lieb zur Liebe: „Heut ist nicht mehr wie einst!“ Ballade vom kleinen Mann, Josef Weinheber Wie jeden Tag durch die zwanzig Jahr, / die er dient in seinem Büro, / steht er auf, streicht mit den Fingern durchs Haar, / wärmt Kaffee sich auf dem Rechaud Ballade vom kranken Kind, Hugo von Hofmannsthal Das Kind mit fiebernden Wangen lag, / Rotgolden versank im Laub der Tag. / Das Fenster hing voller wildem Wein, / Da sah ein fremder Jüngling herein. Ballade vom lieben Augustin, Franz Karl Ginzkey War einst ein Spielmann im lustigen Wien, / Augustin hieß er, und wo er erschien, / lachten die Leute und freuten sich sehr. / War doch kein andrer so lustig wie er. Ballade vom Mazeppa, Bert Brecht Mit eigenem Strick verstrickt dem eigenen Pferde / Sie schnürten ihn Rücken an Rücken dem Roß / Das wild aufwiehernd über heimatliche Erde / Gehetzt in den dunkelnden Abend hinschoß. Ballade vom verschütteten Leben, Rudolf Hagelstange Ballade vom Wasserrad, Bert Brecht Freilich dreht das Rad sich immer weiter / dass, was oben ist, nicht oben bleibt. / Aber für das Wasser unten heißt das leider / Nur: Dass es das Rad halt ewig treibt. Ballade von den Abenteurern, Bert Brecht Von Sonne krank und ganz von Regen zerfressen / Geraubten Lorbeer im zerrauften Haar / Hat er seine ganze Jugend, nur nicht ihre Träume vergessen / Lange das Dach, nie den Himmel, der drüber war. Ballade von den Seeräubern, Bert Brecht Von Branntwein toll und Finsternissen / Von unerhörten Güssen naß / Vom Frost eisweißer Nacht zerrissen / Im Mastkorb, von Gesichtern blaß Ballade von der Hanna Cash, Bert Brecht Mit dem Rock von Kattun und dem gelben Tuch / Und den Augen der schwarzen Seen / Ohne Geld und Talent und doch mit genug / Vom Schwarzhaar, das sie offen trug / Bis zu den schwärzeren Zeh’n: Ballade von der Hester Jonas, Peter Maiwald Die Städte werden fallen, wo reich nur wenig sind. Die armen Leute steigen zum Reichtum ohne Sünd. Und gibt nicht mehr den Fürst, nicht Bischof und nicht Zar. Und wird nichts sein am Morgen wie es am Abend war. Barbara Allen, Theodor Fontane Barbarossa, Friedrich Rückert Der alte Barbarossa, / Der Kaiser Friedrich, / Im unterird’schen Schlosse / Hält er verzaubert sich. Belsatzar, Heinrich Heine Die Mitternacht zog näher schon; / In stummer Ruh lag Babylon. Bertran de Born, Ludwig Uhland Droben auf dem schroffen Steine / Raucht in Trümmern Autafort, / Und der Burgherr steht gefesselt / Vor des Königs Zelte dort: Bettlerballade, Conrad Ferdinand Meyer Prinz Bertarit bewirtet Veronas Bettlerschaft / Mit Weizenbrot und Kuchen und edlem Traubensaft. / Gebeten ist ein jeder, der sich mit Lumpen deckt, / Der, heischend auf den Brücken der Etsch, die Rechte reckt. Bischof Kletus, August Stöber Der Kaiser sitzt auf goldnem Thron, / im Purpurkleid mit goldner Kron’. / Auf seidnen Kissen funkelnd ruht / des Golds und der Kleinodien Glut. Blaubart, Friedrich Wilhelm Gotter Blaubart war ein reicher Mann, / hatte Haus und Hof und Garten, / schmauste, zechte, spiele Karten, / lebte wie ein Tartarchan. Blücher am Rhein, August Kopisch Die Heere blieben am Rheine stehn: / Soll man hinein nach Frankreich gehn? / Man dachte hin und wieder nach; / allein der alte Blücher sprach: Blücher bei Brienne, August Kopisch Es stob da um Brienne / gerad wie auf der Tenne! / Napoleon hielt uns Stange: / Das währt dem Vater Blücher allzulange. Botenart, Anastasius Grün Der Graf kehrt heim vom Festturnei, / Da wollt an ihm sein Knecht vorbei. / „Holla, woher des Wegs? Sag’ an! / Wohin, mein Knecht, geht deine Bahn?“ Bothwell, Emanuel Geibel Wie bebte Königin Marie, / Als durchs geheime Pförtlein spat / Mit ungebognem Haupt und Knie / In ihr Gemach Graf Bothwell trat! Brigitte B., Frank Wedekind Ein junges Mädchen kam nach Baden, / Brigitte B. war sie genannt, / fand Stellung dort in einem Laden, / wo sie gut angeschrieben stand. Brusehawer (1478), Paul Richter Es knirschte Herr Werner von Schulenburg zu Gartz im Pommerlande: / „Will ihnen schon beugen den steifen Hals, der störrischen Bauernbande!“
C Chidher, Friedrich Rückert Chidher, der ewig junge, sprach: / Ich fuhr an einer Stadt vorbei, / Ein Mann im Garten Früchte brach; / Ich fragte, seit wann die Stadt hier sei? Charlotte Corday, Gertrud Kolmar Die in Schleiern schwebend und geweiht, / Eine aschenblonde Kerze, glomm: / Ihre Augen blühten klar und fromm, / Ihre Hände griffen Dunkelheit Chor der Toten, Conrad Ferdinand Meyer Wir Toten, wir Toten sind größere Heere / Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!
D Dantons Ende, Gertrud Kolmar Das … Das Amen der Steine, Ludwig Gotthard Kosegarten Vom Alter blind, fuhr Beda dennoch fort / Zu predigen die neue frohe Botschaft. Das alte Haus, Friedrich Hebbel Der Maurer schreitet frisch heraus, / er soll dich niederbrechen; / da ist es mir, du altes Haus, / als hörte ich dich sprechen: Das alte Steinkreuz am Neuen Markt, Detlev von Liliencron Berlin-Cölln war die Stadt genannt / Und tat viel Lärm verbreiten, / Da lebte mal ein Musikant, / In sagenhaften Zeiten. Das bleiche Weib, Achim von Arnim Über den Knüppeldamm durchs Knochenfeld / bei der wüsten Kirche fahren vorbei / sieben Bauern nachts mit trunkenem Geschrei, / klatschen mit Peitschen und klappern in der Tasche mit Geld, Das Elend, Frieda Schanz Das Fegefeuer des westphälischen Adels, Annette von Droste-Hülshoff Wo der selige Himmel, das wissen wir nicht, / Und nicht, wo der gräuliche Höllenschlund, / Ob auch die Wolke zittert im Licht, / Ob siedet und qualmet Vulkanes Mund; Das Fräulein von Rodenschild, Annette von Droste-Hülshoff Sind denn so schwül die Nächt’ im April? / Oder ist so siedend jungfräulich Blut? / Sie schließt die Wimper, sie liegt so still, / Und horcht des Herzens pochender Flut. Das Gelübde der Tänzerin, Christoph August Tiedge Es fuhr eine Schifferin über den See, / ihr werdet sie freilich nicht kennen; / doch, daß sie nicht namenlos vor euch steht': / so will ich Bionda sie nennen. Das Glöcklein, Conrad Ferdinand Meyer Er steht an ihrem Pfühl in herber Qual, / den jungen Busen muß er keuchen sehn – / er ist ein Arzt. Er weiß, sein traut Gemahl / erblaßt, sobald die Morgenschauer wehn. Das Glück von Edenhall, Ludwig Uhland Von Edenhall der junge Lord / Läßt schmettern Festtrommetenschall, / Er hebt sich an des Tisches Bord / Und ruft in trunkner Gäste Schwall: / »Nun her mit dem Glücke von Edenhall!« Das Grab im Busento, August Graf von Platen Nächtlich am Busento lispeln / bei Cosenza dumpfe Lieder; / Aus den Wassern schallt es Antwort, / und in Wirbeln klingt es wieder! Das Grab im Graben, Georg von der Vring Das Häslein, Rudolf Baumbach Zur Zeit, da man die Ähren schnitt, / Ein Ritter auf das Weidwerk ritt / Mit einem Sperber und zwei Hunden. / Die hatten bald ein Wild gefunden Das Herz von Douglas, Moritz Graf von Strachwitz O! Douglas, Douglas, stolz und treu. / John Home "Graf Douglas, presse den Helm ins Haar, / Gürt’ um dein lichtblau Schwert, Das Hirtenfeuer, Annette von Droste-Hülshoff Dunkel, Dunkel im Moor, / Über der Heide Nacht, / Nur das rieselnde Rohr / Neben der Mühle wacht, Das Kind am Brunnen, Friedrich Hebbel Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht! / Doch die liegt ruhig im Schlafe. / Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht, / Am Hügel weiden die Schafe. Das Köhlerweib ist trunken, Gottfried Keller Das Köhlerweib ist trunken / Und singt im Wald; / Hört, wie die Stimme gellend / Im Grünen hallt! Das Königstöchterlein, Clemens Brentano Es ging verirrt im Walde / Ein Königstöchterlein / Laut weint sie, daß es schallte / Tief in den Wald hinein. Das Königs-Urteil, Felix Dahn „Hier über diesen Franken-Mann, den wir dir führen zu, / Herr König Thorstein, hör uns an und sprich das Urteil du. / …“ Das Krähen, August Kopisch Ein Grobschmied hatte ein Töchterlein, / das konnte nicht schöner und feiner sein. / Da kam der Hans den einen Tag, / ein Bursche, wie’s viele geben mag: Das letzte Quartett, Hans Böhm Das Lied vom armen Kind, Frank Wedekind Es war einmal ein armes Kind, / Das war auf beiden Augen blind, / Auf beiden Augen blind; Das Lied vom braven Mann, Gottfried August Bürger Hoch klingt das Lied vom braven Mann, / Wie Orgelton und Glockenklang. / Wer hohes Muts sich rühmen kann, / Den lohnt nicht Gold, den lohnt Gesang. Das Lied von der Glocke, Friedrich Schiller Fest gemauert in der Erden / Steht die Form, aus Lehm gebrannt. / Heute muß die Glocke werden. / Frisch Gesellen, seid zur Hand. Das Postmaidlein, Carl Spitteler Stapft ein Maidlein auf die Lützelalp, / Flink und frei und sauber allenthalb. / Bar der Scheitel, Füß und Waden nackt / Und die Ärmchen mit der Post bepackt. Das Riesenspielzeug, Adelbert von Chamisso Burg Niedeck ist im Elsaß der Sage wohlbekannt, / die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand; / sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer, / du fragest nach den Riesen, du findest sie nicht mehr. Das Schifflein, Ludwig Uhland Ein Schifflein ziehet leise / den Strom hin seine Gleise; / es schweigen, die drin wandern, / denn keiner kennt den andern.